Inwieweit fördern subjektiv wahrgenommene personale, soziale und strukturelle Ressourcen stationär untergebrachter, wohnungsloser Personen ihre selbstbeurteilte biopsychosoziale Gesundheit und von welchen soziodemografischen Merkmalen hängen sie ab?
Wohnungslose Menschen sind einer Vielzahl an biopsychosozialen Gesundheitsfolgen ausgesetzt. Personale, soziale und strukturelle Ressourcen sind dabei für die Entwicklung und den Erhalt der Gesundheit von großer Bedeutung, da mit ihrer Hilfe sowohl Stressoren konstruktiv bewältigt als auch Grundbedürfnisse angemessen befriedigt werden können. Bereits die Stärkung der Ressourcen-Wahrnehmung kann gesundheitsfördernd wirken und helfen Wohnungslosigkeit zu überwinden.
In dieser nicht repräsentativen Querschnittuntersuchung wurden insgesamt 44 wohnungslose, stationär untergebrachte Frauen (n=19) und Männer (n=25) zwischen 18 und 68 Jahren mündlich befragt. Mit unterschiedlichen (teil-)standardisierten Selbstbeurteilungsfragebögen, wurden vorhandene personale, soziale und strukturelle Ressourcen (ERI, ASKU), biopsychosoziale Gesundheit (SF-12v2) und soziodemografische Daten erfasst.
Am stärksten sind bei den Befragten personale Ressourcen, vor allem Autonomiebestreben ausgeprägt und am schwächsten die strukturellen Ressourcen. Vorhandene Ressourcen wirken sich signifikant positiv auf die subjektive biopsychosoziale Gesundheit der Befragten aus, insbesondere wirken vorhandene personale Ressourcen signifikant positiv auf ihre subjektive psychische und körperliche Gesundheit. Subjektive soziale Gesundheit hängt signifikant positiv mit vorhandenen sozialen und auch trendhaft mit strukturellen Ressourcen zusammen. Die Aufenthaltsdauer in den Einrichtungen korreliert hingegen signifikant negativ mit vorhandenen personalen wie auch sozialen Ressourcen der Befragten.
Frühe, umfassende Förderung der Ressourcen von stationär untergebrachten wohnungslosen Frauen und Männern ist eine wichtige und notwendige gesundheitsfördernde Intervention. Eine Kombination aus Ressourcenaktivierung und Wohnungsvermittlung kann die subjektive biopsychosoziale Gesundheit wohnungsloser Menschen lang anhaltend fördern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeine Grundlagen zur Wohnungslosigkeit
2.1 Definition
2.2 Erscheinungsformen
2.3 Ursachen
2.4 Biopsychosoziale Gesundheitsfolgen
2.4.1 Risikofaktoren
2.4.2 Biologische Folgen
2.4.3 Psychische Folgen
2.4.4 Soziale Folgen
2.5 Wohnungslosigkeit und Klinische Soziale Arbeit
3 Ressourcen und Wohnungslosigkeit
3.1 Was sind Ressourcen?
3.1.1 Begriffserklärung
3.1.1.1 Personale Ressourcen
3.1.1.2 Soziale Ressourcen
3.1.1.3 Strukturelle Ressourcen
3.1.2 Ressourcen-Merkmale
3.2 Gesundheitsfördernde Funktion der Ressourcen
3.2.1 Stressbewältigung mithilfe der Ressourcen (Antonovsky)
3.2.2 Bedürfnisbefriedigung mithilfe der Ressourcen (Grawe)
3.3 Ressourcen von wohnungslosen Menschen
4 Biopsychosoziale Gesundheit und Gesundheitsförderung
4.1 Salutogenetische Orientierung
4.2 Gesundheitsdefinition
4.3 Ressourcenorientierte Gesundheitsförderung
5 Forschungsziel, Fragestellung und Hypothesen
5.1 Forschungsziel
5.2 Fragestellung und Hypothesen
6 Methode
6.1 Quantitative Forschung und Forschungsablauf
6.2 Zielgruppe und Stichprobe
6.2.1 Zielgruppe
6.2.2 Stichprobenauswahl
6.2.3 Stichprobenbeschreibung
6.3 Forschungsdesign
6.3.1 Querschnitterhebung
6.3.2 Mündliche Befragung
6.4 Erhebungssetting und Erhebungsablauf
6.5 Erhebungsinstrument
6.5.1 Operationalisierung
6.5.2 Teilstandardisierter Fragebogen
6.5.3 Rating-Skala
6.6 Auswertungsmethode
6.7 Gütekriterien
7 Ergebnisse
7.1 Vorhandene Ressourcenausstattung
7.1.1 Personale Ressourcen (qualitative und quantitative Befunde)
7.1.2 Soziale Ressourcen
7.1.3 Strukturelle Ressourcen
7.1.4 Personale, soziale und strukturelle Ressourcen (insgesamt)
7.2 Subjektiv wahrgenommene biopsychosoziale Gesundheit
7.2.1 Körperliche Gesundheit
7.2.2 Psychische Gesundheit
7.2.3 Soziale Gesundheit
7.2.4 Biopsychosoziale Gesundheit (insgesamt)
7.3 Zusammenhang zwischen Ressourcen und biopsychosozialer Gesundheit
7.4 Zusammenhang zwischen Ressourcen und soziodemografischen Merkmalen
8 Diskussion
8.1 Interpretation und Bewertung der Ergebnisse
8.2 Grenzen der Untersuchung
8.3 Schlussfolgerung für Klinische Soziale Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die vorhandene Ressourcenausstattung von wohnungslosen, stationär untergebrachten Personen in Vorarlberg und deren Einfluss auf die selbstbeurteilte biopsychosoziale Gesundheit. Das Hauptziel besteht darin, einen detaillierten Überblick über personale, soziale und strukturelle Ressourcen zu gewinnen und Zusammenhänge zwischen diesen Ressourcen, soziodemografischen Merkmalen und dem Gesundheitszustand aufzudecken, um daraus Handlungsempfehlungen für die Klinische Soziale Arbeit abzuleiten.
- Ressourcenorientierte Gesundheitsförderung bei wohnungslosen Menschen
- Biopsychosoziale Auswirkungen von Wohnungslosigkeit
- Empirische Analyse der Ressourcenausstattung (ERI, ASKU, SF-12v2)
- Geschlechtsspezifische und sozialdemografische Unterschiede
- Schlussfolgerungen für die Klinische Soziale Arbeit und Ressourcenaktivierung
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Risikofaktoren
Wohnungslosigkeit stellt eine extreme Lebenssituation dar, die durch eine Vielzahl von physischen, psychischen und sozialen Stressoren geprägt ist (vgl. Ratzka 2012: 1238). Ohne Wohnung sind Personen tagtäglich unzureichender Bedürfnisbefriedigung, existentieller Notlage, Abhängigkeiten, Unsicherheit, Angst wie auch potentieller Gewalt ausgesetzt (vgl. Bodenmüller 2010: 100; Riege 1993: 82). Im Allgemeinen ist Wohnungslosigkeit durch Unterversorgung und Ausgrenzung in allen Lebensbereichen gekennzeichnet (vgl. Gillich/ Nieslony 2000: 89). Von allen Bevölkerungsgruppen sind Wohnungslose am stärksten von sozialer Benachteiligung, Isolation und Verachtung betroffen (vgl. Gillich 2012: 270).
Diese Vielzahl an Risikofaktoren macht wohnungslose Menschen verstärkt vulnerabel (vgl. Munoz et al. 2006: 56). Der deutsche Mediziner und Wissenschaftler Trabert (1995: 119-128) geht von einem multifaktoriellen pathogenetischen Krankheitsmodell aus, das eine Kumulation verschiedener krankheitsverursachender Faktoren beschreibt. Nach diesem Modell besitzen krankheitsverursachende Faktoren eine additive und teilweise potenzierende Wirkung, wodurch das Krankheitsrisiko erhöht wird. Wohnungslose zählen zu den wenigen Gesellschaftsgruppen, bei denen ein großes Ausmaß an Kumulation krankheitsverursachender Faktoren vorzufinden ist. (Vgl. ebd.) Zu solchen Faktoren gehören bei wohnungslosen Menschen oft (vgl. ebd.: 111-128):
soziale Lebenssituation: ökonomische Benachteiligung, niedriger Bildungsstand, Armut, Arbeitslosigkeit, unzureichende Wohnverhältnisse, soziale Unterschicht;
Arbeitssituation: unzureichende Schulausbildung, ungenügende oder keine Berufsqualifikation, Arbeitslosigkeit, körperliche und gesundheitlich belastende Berufe;
individuelles Risikoverhalten: Alkohol- und Zigarettenkonsum, Ernährungsgewohnheiten, Übernachtungsgewohnheiten;
individuelle psychische Konfliktverarbeitungsmöglichkeiten: ungenügende Bewältigung der Lebenskrisen und „Life-events“ (vor allem Tod des Ehepartners oder eines nahen Angehörigen, Scheidung, Trennung, Arbeitsplatzverlust, Haftaufenthalt, Krankheit oder Verletzung)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz der Wohnungslosigkeit als schwerwiegendes soziales Problem in Europa und Österreich und stellt die Forschungsfrage sowie das Ziel der Arbeit vor.
2 Allgemeine Grundlagen zur Wohnungslosigkeit: Definiert den Begriff der Wohnungslosigkeit, erläutert die verschiedenen Erscheinungsformen, Ursachen und die Auswirkungen auf die biopsychosoziale Gesundheit.
3 Ressourcen und Wohnungslosigkeit: Legt die theoretischen Grundlagen zu den drei Ressourcenebenen (personale, soziale, strukturelle Ressourcen) und deren gesundheitsfördernde Bedeutung dar.
4 Biopsychosoziale Gesundheit und Gesundheitsförderung: Erläutert das Konzept der Salutogenese und der WHO-Gesundheitsdefinition als Basis für eine ressourcenorientierte Herangehensweise in der Klinischen Sozialen Arbeit.
5 Forschungsziel, Fragestellung und Hypothesen: Präzisiert das Ziel der Untersuchung und leitet konkrete Hypothesen über den Zusammenhang von Ressourcen und biopsychosozialer Gesundheit ab.
6 Methode: Beschreibt das methodische Vorgehen der quantitativen Querschnittuntersuchung, inklusive der Stichprobe, der Erhebungsinstrumente (ERI, ASKU, SF-12v2) und der statistischen Auswertungsverfahren.
7 Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Befunde zur Ressourcenausstattung, zur subjektiven biopsychosozialen Gesundheit sowie die Korrelationsanalysen zwischen diesen Variablen.
8 Diskussion: Interpretations- und Bewertungsabschnitt der Ergebnisse, beleuchtet die Grenzen der Studie und leitet Schlussfolgerungen für die Klinische Soziale Arbeit ab.
Schlüsselwörter
Wohnungslosigkeit, Klinische Soziale Arbeit, Ressourcen, Ressourcenaktivierung, Gesundheitsförderung, Biopsychosoziale Gesundheit, Salutogenese, Lebenssituation, Empowerment, Stressbewältigung, Soziale Unterstützung, Bedürfnisbefriedigung, Personale Ressourcen, Soziale Netzwerke, Strukturelle Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der ressourcenorientierten Gesundheitsförderung bei wohnungslosen Menschen in Vorarlberg, die in stationären Einrichtungen leben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der vorhandenen personalen, sozialen und strukturellen Ressourcen sowie deren Zusammenhang mit der subjektiven biopsychosozialen Gesundheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, wie Ressourcen die biopsychosoziale Gesundheit fördern und von welchen soziodemografischen Merkmalen diese Ressourcen abhängen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine quantitative Querschnittuntersuchung unter Verwendung von standardisierten Fragebögen (ERI, ASKU, SF-12v2) zur Befragung von 44 wohnungslosen Personen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen zu Wohnungslosigkeit und Ressourcen werden die empirischen Ergebnisse der Befragung detailliert dargestellt und kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wohnungslosigkeit, Ressourcenorientierung, Salutogenese, biopsychosoziale Gesundheit und Klinische Soziale Arbeit.
Wie unterscheidet sich die Ressourcenausstattung bei Männern und Frauen?
Die Untersuchung zeigt, dass soziale Ressourcen bei den befragten wohnungslosen Frauen signifikant stärker ausgeprägt sind als bei den befragten Männern.
Welchen Einfluss hat die Aufenthaltsdauer auf die wahrgenommenen Ressourcen?
Es konnte ein signifikanter negativer Zusammenhang festgestellt werden: Je länger die wohnungslosen Personen in der stationären Einrichtung leben, desto schwächer nehmen sie ihre Ressourcen wahr.
Welche Rolle spielt die psychische Gesundheit bei den Ergebnissen?
Befragte ohne psychische Erkrankung nehmen ihre personalen Ressourcen höchst signifikant stärker wahr als diejenigen mit einer psychischen Störung, was auf einen erhöhten Bedarf an Ressourcenaktivierung bei psychisch erkrankten Wohnungslosen hindeutet.
- Citation du texte
- Katharina Rainey (Auteur), 2015, Ressourcenorientierte Gesundheitsförderung in der Klinischen Sozialen Arbeit bei wohnungslosen Menschen in Vorarlberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922981