Erving Goffmans Werk „The Presentation of Self in Everyday Life“ („Wir alle spielen Theater - Die Selbstdarstellung im Alltag“) thematisiert die Interaktion, also das wechselseitige aufeinander Einwirken von mindestens zwei Akteuren. Jegliche Form von Interaktion wird von Goffman als eine Darstellung verstanden. Diese Selbstdarstellung dient dem Gegenüber als vorrangige Informationsquelle um den Interaktionspartner zu deuten. Die Akteure versuchen sich möglichst vorteilhaft darzustellen:
„Jemand kann z. B. einen guten Eindruck von seinem Beruf oder seiner religiösen Einstellung vermitteln, indem er sich selbst gut darzustellen weiß.“
Die Akteure nutzen laut Goffman Darstellungsmittel wie sie auch in der Theaterwelt vorkommen.
Daraus schlussfolgert die Frage: Sind Konsum und Konsumgüter wirklich übertragbar auf Goffmans Theatermetaphorik und somit definierbar als Requisiten der Selbstdarstellung?
Inhaltsverzeichnis
1. Selbstdarstellung durch Konsum
1.1 Konsumgüter – die Requisiten auf der Bühne der sozialen Welt
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Konsumverhalten und der Selbstdarstellung von Individuen in der Gesellschaft, basierend auf Erving Goffmans Theatermetaphorik. Ziel ist es zu ergründen, ob Konsumgüter als strategische Requisiten fungieren, um soziale Rollen zu festigen und das eigene Image in der Interaktion mit anderen gezielt zu steuern.
- Analyse der Selbstdarstellung nach Erving Goffman
- Die Rolle von Konsum als Mittel der Identitätsbildung
- Konsum und Nicht-Konsum als Ausdruck sozialer Fassaden
- Individualisierung und Statusrepräsentation durch Statussymbole
- Kommodifizierung des Konsumenten in der modernen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
Selbstdarstellung durch Konsum
In Bezug auf Goffmans Theatermetapher spielt sich dieser Konsum ebenso wie Geltungskonsum, also eine Aufrechterhaltung des Sozialen Status, durch Statussymbole auf der Vorderbühne ab. Der Akteur versucht den Eindruck, den er bei anderen hinterlässt, zu kontrollieren und die Requisite Konsum kann entsprechend seiner eingenommenen Rolle angepasst werden, um als Teil der Selbstdarstellung eine Fassade zu schaffen, die die Situation des Publikums bestimmt.
Die Fassade bestehend aus dem persönlichen Verhalten, der Erscheinung und dem Bühnenbild dient auf der Vorderbühne also der Verkörperung gesellschaftlich anerkannter Normen und Werte um seine Rolle perfekt und stimmig darzustellen. Auf der Hinterbühne wird das Selbst zu Ausdruck gebracht, welches auf der Vorderbühne eine idealisierte und normenorientierte Rolle einnimmt.
Ebenso wie Konsum schafft auch Nicht-Konsum eine Fassade, welche Bescheidenheit, Unzufriedenheit (z.B. Hungerstreik, Konsumentenboykott) oder die Zugehörigkeit zu einem Ensemble (Team) mit einer gemeinsamen Rolle und gemeinsamem Konsumverhalten zu Ausdruck bringen kann.
In Goffmans Werk „Techniken der Imagepflege“ beschreibt er, dass das Image eines Akteurs entstehen und bewahrt werden kann, wenn durch ihr Verhalten ein konsistentes Image vermittelt wird und dieses durch andere Teilnehmer und die Umwelt bestätigt wird. Dieses konsistente Image kann zum Beispiel durch ein konsistentes Konsumverhalten manifestiert werden. Ein Sportler kann sein Image beispielsweise als konsistent bewahren, indem er sportliche Kleidung trägt, sich gesund ernährt und sich in der Interaktion mit anderen stark auf Sport bezieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Selbstdarstellung durch Konsum: Dieses Kapitel führt in die theoretische Basis der Arbeit ein und verknüpft Erving Goffmans soziologische Konzepte mit modernen Phänomenen des Konsumverhaltens.
1.1 Konsumgüter – die Requisiten auf der Bühne der sozialen Welt: Dieser Abschnitt vertieft die Analogie von Konsumgütern als theaterähnliche Requisiten und untersucht, wie diese zur aktiven Gestaltung des sozialen Images und der Identität beitragen.
Schlüsselwörter
Selbstdarstellung, Konsum, Erving Goffman, Theatermetapher, Statussymbole, Identität, Soziale Rolle, Vorderbühne, Imagepflege, Individualisierung, Konsumgesellschaft, Lebensstil, Interaktion, Fassade, Konsumverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologische Verknüpfung zwischen individuellem Konsumverhalten und der bewussten Selbstdarstellung des Menschen in seinem sozialen Umfeld.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten zählen die Anwendung der Theatermetaphorik nach Goffman auf Konsumprozesse, die Identitätsstiftung durch Marken oder Produkte sowie die Funktion von Statussymbolen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu belegen, dass Konsumgüter weit mehr als der Befriedigung von Grundbedürfnissen dienen; sie fungieren als essenzielle Requisiten für die Inszenierung der eigenen Person.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Fachliteratur, insbesondere der Interaktionstheorie und der Konsumsoziologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Konzepte wie die "Vorderbühne", "Hinterbühne", "Fassadenbildung" sowie der Wandel von der Bedürfnisbefriedigung hin zur Lifestyle-Inszenierung diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Selbstdarstellung, Goffmans Theatermetapher, Konsumgüter, Identität und soziale Rollen.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Konsum und Nicht-Konsum?
Der Autor zeigt auf, dass auch bewusster Verzicht – etwa durch Boykotte oder Hungerstreiks – eine Form der Kommunikation ist, die genutzt wird, um ein bestimmtes Image oder politische Werte zu transportieren.
Inwiefern beeinflussen soziale Netzwerke die Thesen der Arbeit?
Soziale Medien werden als moderne Bühne identifiziert, auf der Konsumgüter (wie Fotos von Mahlzeiten oder Outfits) gezielt eingesetzt werden, um die Identität zu konstruieren und Anerkennung zu suchen.
Was bedeutet die "Kommodifizierung des Konsumenten" nach Bauman?
Dieser Begriff beschreibt den Prozess, in dem der Konsument selbst zur Ware wird, die sich durch den Konsum bestimmter Güter eine positive Außenwirkung zu verkaufen versucht.
Verliert das Produkt durch die Inszenierung seinen eigentlichen Nutzwert?
Der Nutzwert tritt in den Hintergrund, da das Objekt primär als Identitätsmarker und "Requisite" fungiert, um die gewünschte Rolle gegenüber dem sozialen Publikum authentisch darzustellen.
- Citar trabajo
- Nick Schilken (Autor), 2017, Selbstdarstellung durch Konsum, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923051