Die vorliegende Arbeit nimmt es sich zur Aufgabe, die Einordnung des Sujets durch PIGLER als „Die Heilung des Feldhauptmanns Naaman durch den Propheten Elisäus“ nachzuverfolgen. Es soll sich dabei um einen Versuch handeln, das Gemälde "Historische Szene mit einem unbekleideten König am Wasser“ anhand seiner Ikonographie und Bildsprache zu analysieren, um nachzuvollziehen, ob es sich dabei tatsächlich um das vorgeschlagene Thema handeln kann. Erschwert wird die Bestimmung des Themas dadurch, dass das Naaman-Thema in der Bildenden Kunst nur selten zu finden ist. Zeichnungen und Gemälde, die das Thema behandeln, sind deshalb nur rar. Lediglich vereinzelte Holzschnitte sowie einzelne Stiche der Frühen Neuzeit und nur wenige Gemälde können zum Vergleich herangezogen werden.
Die wenigen Vergleichsgemälde stammen dabei aus dem niederländischen Raum und zeigen hauptsächlich die Beschenkung des Propheten Elisäus, nicht jedoch die Heilung des Naaman selbst. Daraus resultieren Probleme, da Schönfeld einen Sonderfall unter den Künstlern seiner Zeit bildet. Denn wie bereits Joachim von SANDRART treffend in seiner Teutschen Academie bemerkt, habe Schönfeld über einen „zierliche[n] Geist“ verfügt. Seine Werke seien überdies „schöne[ ] Bilder[ ]“, die nicht nur mit „schönen Thieren/ alten Ruinen“, sondern auch mit „zierlichen Landschaften“ versehen seien. Auch findet sich neben einer schönheitlichen Überhöhung in seinen Werken zusätzlich eine geheimnisvolle Ausstrahlung. Verstärkt wird diese Eigenart Schönfelds, zierliche Bilder zu malen, durch die Wahl äußerst seltener Themen sowie den eigenartigen Kompositionen. Insbesondere die Abweichung des Künstlers vom klassischen Darstellungskanon bildet eine Schwierigkeit bei der Analyse und Interpretation seiner Werke. Denn Schönfelds Gemälde spiegeln in erster Linie seine eigenen bildhaften Ideen wider. Das betont den eigenartigen Zugang Schönfelds zur Gestaltung seiner Werke. Mag sein, dass es einem gebildeten Betrachter des 17. Jahrhunderts leichter gefallen war, Text und Bild auf den ersten Blick zu erschließen. Dem heutigen Betrachter fällt es sichtlich schwer, da diesem Kenntnisse zu Ikonographie und Text fehlen.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
1.1 DAS THEMA DER ARBEIT
1.2 FORSCHUNGSBERICHT
1.3 VORGEHENSWEISE
II. „HISTORISCHE SZENE MIT EINEM UNBEKLEIDETEN KÖNIG AM WASSER“
2.1 PROVENIENZ
2.2 BESCHREIBUNG
2.3 DIE BIBLISCHE NAAMAN-ERZÄHLUNG – EINE UMSTRITTENE THESE
2.4 DIE HEILUNG DES SYRISCHEN FELDHAUPTMANNS – EINE ZUSAMMENFASSUNG
III. ANALYSE – EIN VERRÄTSELTES GEMÄLDE?
3.1 RÄTSEL UND SUCHSPIEL FÜR DEN BETRACHTER
3.2 KÖNIG ODER FELDHAUPTMANN? – DIE ZENTRALE FIGUR DER KOMPOSITION
3.3 IN PARALLELEN GEGLIEDERTE RÄUME – DIE BEGLEITENDEN FIGUREN DER ZENTRALFIGUR
3.4 STAFFAGE ALS HINWEIS AUF DEN PROTAGONISTEN? – DIE LINKE DIAGONALE
3.5 DAS PANTHEON ALS SCHLÜSSEL ZUR VERÄNDERUNG?
IV. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit der ikonographischen Analyse des Gemäldes „Historische Szene mit einem unbekleideten König am Wasser“ von Johann Heinrich Schönfeld. Ziel ist es, das bisher weitgehend ungeklärte Bildthema sowie die Identität der dargestellten Figuren unter Berücksichtigung biblischer Erzählungen und kunsthistorischer Vergleichswerke zu bestimmen.
- Ikonographische Untersuchung des Gemäldes „Historische Szene mit einem unbekleideten König am Wasser“.
- Überprüfung der von Pigler vorgeschlagenen Zuordnung zum Naaman-Thema.
- Vergleichende Analyse mit Schönfelds Pendant-Gemälde „Gideon prüft sein Heer“ und weiteren Werken des Künstlers.
- Deutung der kompositorischen Besonderheiten, wie der zentralen Figur und der Staffagefiguren.
- Untersuchung von Vanitas-Motiven und architektonischen Verweisen zur Interpretation der Bildthematik.
Auszug aus dem Buch
3.2 KÖNIG ODER FELDHAUPTMANN? – DIE ZENTRALE FIGUR DER KOMPOSITION
Um das Gemälde „Historische Szene mit einem unbekleideten König am Wasser“ (Abb. 1) anhand seiner Ikonographie analysieren zu können, sollte systematisch vorgegangen werden. Zu Beginn ist es deshalb sinnvoll, sich dem Zentrum der Komposition zu widmen. Das Zentrum bildet offensichtlich die vom Licht erleuchtete, von rechts unten nach links oben führende Diagonale. Die Bildränder rechts und links bleiben dagegen im Schatten verborgen. Der Blick des Betrachters erfasst zunächst den am hellsten erleuchteten Punkt der Komposition. Dabei handelt es sich um die Repoussoirfigur im Vordergrund des Gemäldes. Das helle Licht fällt von oben links auf den unbekleideten Rücken der sich nach vorne beugenden Figur. Dabei kniet sie vor einer reich verzierten Truhe und scheint kostbare Gewänder in kräftigem Rot und Blau herauszuholen. Diese nach vorne gerichtete Bewegung der Figur regt den Betrachter dazu an, das Gemälde visuell abzuschreiten und der gedachten Diagonale nach oben zu folgen. So fällt der Blick auf eine etwas erhöht sitzende männliche Figur unter einem hohen Baldachin. Diese thront am Ufer des Wasserlaufs, so dass ihre ausgestreckten Beine beinahe die Wasserfläche berühren. Gleichzeitig hält die Gestalt mit der rechten Hand ein weißes Tuch fest, das ihren Körper zum Teil bedeckt. Mit dem Kopf wendet sich der Sitzende nach rechts und scheint sich einer stehenden Figur in einem weißen Gewand zuzuwenden. Wandert der Blick weiter, so sind in der Ferne in starker Verkleinerung Figurengruppen auszumachen. Diese sind weniger individualisiert. Durch die hellere Farbgebung scheinen sie gleichzeitig dem Betrachter entrückt zu sein, so dass weder Handlung noch Gestik genau ausgemacht werden können. Folglich sind die Figuren im Hintergrund lediglich als Staffage gedacht, die die Szene umrahmen sollen. Für die Handlung scheinen sie deshalb weniger wichtig zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der unklaren Thematik des Gemäldes und Darstellung des Forschungsstandes.
II. „HISTORISCHE SZENE MIT EINEM UNBEKLEIDETEN KÖNIG AM WASSER“: Erörterung der Provenienz, Beschreibung der Bildkomposition und Einführung in die Naaman-Erzählung als mögliche biblische Grundlage.
III. ANALYSE – EIN VERRÄTSELTES GEMÄLDE?: Tiefgehende ikonographische Untersuchung der Figuren, der kompositorischen Diagonale, der Staffagefiguren sowie der Vanitas-Symbolik zur Entschlüsselung des Bildthemas.
IV. ZUSAMMENFASSUNG: Fazit der Analyse, in dem die Ergebnisse zur Deutung des Gemäldes als Komposition verschiedener Handlungstränge zusammengefasst werden.
Schlüsselwörter
Johann Heinrich Schönfeld, Historische Szene, Naaman, Gideon, Ikonographie, Barockmalerei, Bilddeutung, Repoussoirfigur, Vanitas-Motiv, Baldachin, Staffage, Altes Testament, Kunstgeschichte, Malerei des 17. Jahrhunderts, Bildanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung eines wenig erforschten Gemäldes von Johann Heinrich Schönfeld und versucht, dessen ikonographische Bedeutung zu klären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Kunstgeschichte des Barock, die biblische Ikonographie und die Analyse kompositorischer Strukturen in Schönfelds Werk.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Bestimmung des Bildthemas, das bisher als unbekannt galt, sowie die Einordnung des Werkes in das Schaffen des Künstlers.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische ikonographische Analyse durchgeführt, ergänzt durch vergleichende Studien mit anderen Gemälden von Schönfeld und zeitgenössischen Künstlern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die zentrale Figurengruppe, die kompositorische Anordnung, die Rolle der Staffage sowie die architektonische Symbolik und Vanitas-Motive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Schönfeld, Naaman-Thema, Ikonographie, Barock, Bildanalyse und biblische Erzählungen.
Warum wird das Werk als „verrätselt“ bezeichnet?
Das Gemälde zeigt keine eindeutig identifizierbaren Handlungen oder Attribute, die eine sofortige Zuordnung zu einer biblischen oder historischen Erzählung ermöglichen, was typisch für Schönfelds komplexen Stil ist.
Welche Rolle spielt die Naaman-Erzählung für das Gemälde?
Sie dient als zentrale Arbeitshypothese, um die Handlungen und Figuren, insbesondere die Interaktion am Wasser, in einen biblischen Kontext zu setzen.
Was ist die Bedeutung der Architektur und des Pantheons im Gemälde?
Das Pantheon fungiert als Bedeutungsträger für das Thema der Vergänglichkeit (Vanitas) und den kulturellen Wandel vom Heidentum zum Christentum.
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- Tatjana Befuss (Author), 2020, Das Gemälde "Historische Szene mit einem unbekleideten König am Wasser" (1637/38). Das Alte Testament im Œuvre von Johann Heinrich Schönfeld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923938