Projektarbeit - Eine bewährte Methode zur Öffnung der Schule mit ungeahnten Möglichkeiten


Seminararbeit, 2007

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Öffnung von Schule

3. Projektarbeit
3.1. Historische Entwicklung des Projektmethode
3.2. Merkmale der Projektarbeit und ihre Möglichkeiten für Öffnung von Schule
3.2.1. Situations- und Gesellschaftsbezug durch Problemorientierung
3.2.2. Teilnehmerorientierung
3.2.3. Gemeinsame Organisation von Lernprozessen
3.2.4. Interdisziplinarität und Erfahrungsorientierung
3.2.5. Produkt- und Handlungsorientierung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Forderung nach Öffnung der Schule, welche in den 1960ziger und 1970ziger Jahren im Rahmen der Diskussion um alternative Schul- und Unterrichtsformen entwickelte wurde, ist im Zuge neuester Schulreformbestrebungen zu einem zentralen Kernanliegen der nachhal-tigen Schulentwicklung und zu einem wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in der Bildungs- und Erziehungsarbeit geworden.[1] Der vorliegende Aufsatz will zeigen, dass Projek-tarbeit eine im Vergleich dazu ältere, aber dennoch ideale Methode ist, um den gegenwärtigen Ansprüchen an eine Öffnung von Schule gerecht zu werden. Dafür wird im Folgenden zunächst der Begriff der Öffnung der Schule erläutert, um im Anschluss aufzuzeigen, wie Projektarbeit diesem Ziel in vielfältiger Weise dienen kann

Aus Gründen der Vereinfachung und besseren Lesbarkeit wird im Text die Abkürzung „SuS“ für „Schülerinnen und Schüler“ verwendet.

2. Öffnung von Schule

Wenn gemeinhin von Öffnung von Schule gesprochen wird, so meint der Begriff eigentlich eine doppelte Neuausrichtung von Bildungseinrichtungen. Eine Öffnung nach innen betrifft den schulischen Unterricht und fordert eine größere Ausrichtung an die Lebenswelt der SuS, während die Öffnung nach außen eine verstärkte Einbeziehung des schulischen Umfeldes und eine Hinwendung zur Gesellschaft schlechthin postuliert.[2] Eine differenziertere Betrachtung erhält man, wenn man Öffnung von Schule nach D. Brenner in drei Dimensionen einteilt, in eine institutionelle, eine methodische und eine thematische.[3]

In institutioneller Hinsicht soll Schule außerschulische Lernorte nutzen, die den SuS die Möglichkeit geben „vor Ort zu entdecken und zu erkennen“.[4] Weiterhin sollen auch schulexterne Personen und Gruppen, wie Eltern, Experten oder Zeitzeugen, mit in den Unterricht einbezogen werden, um den SuS Wissen und Erfahrungen „aus erster Hand“ zu vermitteln.[5] Als drittes Element der institutionellen Dimension sollen auch außerschulische Themen aufgegriffen und „ungeschminkt“ als Lehranlässe genutzt werden.[6]

Die methodische Dimension sieht vor, dass Schule den Unterricht verstärkt auf ein selbstbestimmtes Lernen der SuS ausrichtet,[7] und sich bei Unterrichtsgestaltung und Schul-leben intensiver mit den außerschulischen Bereichen jugendlicher Lebenswelten auseinan-dersetzt.[8] In allen Lehr-Lern-Interaktionen soll die personale Ebene stärker gepflegt, Formen des offenen Unterrichtsgespräches stärker genutzt, und individuelle Lernwege gefördert wer-den.[9]

In der thematischen Dimension fordert Öffnung von Schule eine Organisation von Unterricht in fächerübergreifenden Ansätzen, damit Sinnzusammenhänge im Mittelpunkt der Betrachtung stehen können. Diese Forderung basiert auf der Erkenntnis, dass es zu jedem Phänomen mehr als einen wissenschaftlichen Zugang gibt, wobei sich eine Betrachtung im Rahmen starrer Fächergrenzen negativ auf den Erkenntnisprozess auswirkt.[10]

Der Sinn der Öffnung von Schulen liegt darin, dass diese sich an den ganzheitlichen Lebensvorgängen der SuS orientieren, und ihrem Bedürfnis nach Selbsttätigkeit, Selbst-verwirklichung und Mitbestimmung Rechnung tragen sollen.[11] Das Konzept beabsichtigt zudem ein Stück „Entschulung“ der Institution Schule, damit sie aufgeschlossener gegenüber dem Leben, der Gesellschaft, und der Arbeits- und Wirtschaftswelt ist. Dies ist notwendig, um Realerfahrungen und Interaktionen mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit außerhalb der Schule und des familiären Umfeldes zu ermöglichen.[12] Zudem soll durch die Herstellung von Schulöffentlichkeit die schulische Arbeit auch einer stärkeren demokratischen Kontrolle un-terworfen werden.[13] Öffnungskonzepte zielen vielfach auch darauf ab, Defizite in der sozialen und räumlichen Struktur des Schulumfeldes auszugleichen, weil handlungsorientierter Unter-richt grundsätzlich nur dort realisierbar ist, wo das Schulumfeld ausreichende Erlebnismög-lichkeiten und positive Erfahrungen zulässt.[14]

3. Projektarbeit

3.1. Historische Entwicklung des Projektmethode

Für eine erste Annäherung an die Projektarbeit, die heutzutage in sehr unterschiedlichen Formen und Ausprägungen praktiziert wird, bietet es sich an, beim Begriff des Projektes anzusetzen. Das lateinische Lehnwort ist abgeleitet von dem Verb proicere, was übersetzt so viel heißt wie „vorauswerfen“, „hinauswerfen“, „planen“ oder „entwerfen“. Ein Projekt be-zeichnet daher einen Plan oder Vorhaben, wobei gleichzeitig dessen praktische Verwirkli-chung impliziert ist.[15]

In der Pädagogik hat das Projekt eine etwa 300-jährige Geschichte. Seine Ursprünge liegen in den französischen Architekturakademien des frühen 18.Jahrhunderts. Den Studenten der Pariser Akademie d’Architecteure wurden Aufgaben als project gestellt, bei denen sie möglichst kreative Bauten planen und kooperativ zusammenarbeiten sollten. Dabei wurde auf werkpraktische Aspekte, eigenverantwortliches Handeln, eine Orientierung an realen Alltags-problemen, sowie auf die Erfordernisse einer Produktorientierung Wert gelegt.[16]

Die moderne Projektmethode entstand dann in der Anfangsphase des 20. Jahrhunderts und ist mit Namen wie John Dewey, William Heard Kilpatrick, David Snedden und Charles R. Richards verbunden. Einer ihrer maßgeblichen theoretischen Begründer ist Dewey, der im Zuge der US-amerikanischen Pragmatismusbewegung seine philosophischen und pädagogi-schen Überlegungen entwickelte und die Projektmethode als „Methode der denkenden Erfah-rung“ bezeichnete. Für Dewey stellte planvolles Handeln die Verwirklichung von Individuen in der Gesellschaft dar. Daher zog er praktische Tätigkeiten der blassen Beschäftigung mit Theorie, bzw. Wissenschaft vor.[17] Er lehne ein im Unterricht zergliedertes Wissen ebenso wie den Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten und Denkweisen ohne verständigen Handlungsbe-zug als „toten Ballast“ ab. Er propagierte, das Handeln als aktives Tun zu verstehen und den Akt des Denkens in einen Erfahrungsprozess einzubeziehen. Aus diesem Grund konzipierte er einen Zusammenhang zwischen Zielgerichtetheit, planvollem Vorgehen und Handlungsorien-tierung, und forderte, Leben Denken, Handeln und Wissen, sowie Schule und außerschulische Wirklichkeit miteinander zu verbinden.[18] Seine Ideen wurden dann von seinem Schüler Kil-patrick weiterentwickelt, der in planvollem Handeln die „typische Einheit eines wertvollen Lebens in einer demokratischen Gesellschaft“ sah, weshalb er es daher auch zur „typischen Einheit des Schulverfahrens“ machen wollte.[19]

In Europäischen Raum wird die Diskussion um das Projekt als Unterrichtsmethode im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sowohl durch die Reformpädagogik, zum Beispiel im Gesamtschulunterricht von Berthold Otto, als auch durch die Arbeitsschulent-wicklung in ihrer bürgerlichen und sozialistischen Ausprägung getragen. Als Beispiele seien hier Adolf Reichwein und Anton Semjonowitsch Makarenko genannt.[20] Lerntheoretisch fundiert wurde die Projektmethode dann durch handlungstheoretische Erklärungsmuster menschlichen Lernens, insbesondere in Bezug auf den formulierten engen Zusammenhang zwischen Denken, Tun und Fühlen, sowie hinsichtlich des Handelns als wichtigem Ausgangspunkt für Erkenntnisprozesse.[21] Der Projektbegriff wurde in der Folgezeit vielfach aufgegriffen und fand auch in Wirtschaft, Verwaltung und Forschung Verwendung. Allerdings wurde er oft inflationär gebraucht und dadurch stark verwässert.[22]

In der Reformzeit der 1960ziger und 1970ziger Jahre wurde die Projektidee quasi wiederentdeckt und fand weite Verbreitung an Hochschulen und Schulen.[23] Da im pädagogi-schen Kontext viele schulische Aktivitäten mit dem Begriff „Projekt“ bezeichnet wurden, ist dort eine gewisse terminologische Diffusität festzustellen.[24] Aus diesem Grund gibt es keine abschließend verbindliche Definition des Projekts oder einen allgemein anerkannten Königs-weg der Projektmethode. Stattdessen gibt es eine Vielzahl an Betrachtungsweisen und Ansät-zen, wobei die Übergänge zwischen „Projekt“, „Projektwoche“, „Projektunterricht“ und „pro-jektorientiertem Unterricht“ fließend sind.[25] Als Beispiel für die Vielfältigkeit der Modelle sei hier nur kurz auf die Unterschiedlichkeit von Phasenabläufen für die Projektarbeit verwiesen. Dewey und Kilpatrick sahen lediglich vier Phasen vor, nämlich Zielsetzung (purposing), Planung (planning), Ausführung (executing) und Beurteilung (judging).[26] Karl Frey konzipiert hingegen sechs Phasen, da er zusätzlich „Fixpunkte“ und „Metainteraktionen“ einführt. Diese sollen als optionale organisatorische Schaltstellen blinder Betriebsamkeit, Orientierungslo-sigkeit und fehlender Abstimmung entgegenwirken, bzw. den Teilnehmer die pädagogische Sinngebung vor Augen führen und Beziehungsprobleme aufarbeiten helfen.[27] Klaus F. Koop-manns Adaption von Deweys Modell an Schule und außerschulische Bildung ist noch stärker gegliedert und umfasst sogar zehn Phasen.[28]

[...]


[1] Vgl. Schultz, Rolf. Öffnung von Schule. http://www.learn-line.nrw.de/angebote/uekontaktschulen/medio/OeffnungSchule/index.htm .Stand: 21.9.2007.; Jäger, R. / Strubbe M. Öffnung von Schule – ein Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Bildungs- und Erziehungsarbeit.

http://www.bildung-lsa.de/db_data/2461/aufsatzlangFass.pdf . Stand: 21.9.2007

[2] Homberger, Dietrich. Lexikon Schulpraxis. Theorie- und Handlungswissen für Ausbildung und Unterricht. Schneider-Verlag: Hohengehren, 2003. S. 282; vgl. auch Kaiser, Franz-Josef. Projekt. In: Lenzen, Dieter (Hrsg.). Enzyklopädie Erziehungswissenschaft. Band 4: Methoden und Medien der Erziehung und des Unterrichts. Klatt-Cotta Verlag: Stuttgart, 1985. S. 553; Klaffke, Thomas. Praxis der Projektarbeit im Unterricht. In: Sächsische Lehrerakademie für Lehrerfortbildung Meißen. Projektarbeit in der Schule. Meißen: 2001.S. 139

[3] Drews, Ursula / Durdel, Anja. Offne Schule – offener Unterricht. In: Haarmann, Dieter. Wörterbuch Neue Schule – Stichworte zur aktuellen Reformdiskussion. Beltz Verlag: Weinheim, Basel, 1998. S.119

[4] Drews / Durdel, 119f; vgl. Klaffke, 139; Burkhard, Christoph / Holtappelts, Heinz Günter / Mauthe, Anne / Rösner. Stadtentwicklung und Öffnung von Schule. IFS: Dortmund, 1992. S. 50; Homberger, 282

[5] Drews / Durdel, 119f; vgl. Homberger, 282; Kaiser, 553

[6] Drews / Durdel, 119f; vgl. Klaffke, 139; Burkhard / Holtappelts / Mauthe / Rösner, 50

[7] Drews / Durdel, 121

[8] Burkhard / Holtappels / Mauthe / Rösner, 51

[9] Homberger, 282f

[10] Drews / Durdel, 122; vgl. Homberger, 282f

[11] Vgl. Kaiser, 549

[12] Kaiser, 552; Schlömerkemper, Jörg. Soziale Interaktion als pädagogische Entwicklungsarbeit. In: Altrichter, Herbert / Schley, Wilfried / Schratz, Michael (Hrsg.). Handbuch zur Schulentwicklung. Studienverlag: Insbruck, Wien, 1998. S. 650; vgl. Klaffke, 137

[13] Meyer, Hilbert. Unterrichtsmethoden. Band II: Praxisband. Scriptor-Verlag: Frankfurt am Main, 1987.S. 340

[14] Burkhard / Holtappels / Mauthe / Rösner, 50

[15] Kaiser, 547; Kaminski, Hans. Projektmethode. In: Mickel, Wolfgang W. / Zitzlaff, Dietrich (Hrsg.). Handbuch zur politischen Bildung. Leske-Verlag: Bonn, Opladen,1988. S. 271; Mattes, Wolfgang. Methoden für den Unterricht: 75 kompakte Übersichten für Lehrende und Lernende. Schöningh-Verlag: Paderborn, 2002. S. 70;

[16] Maier, Dieter. Methoden für komplexe Lernvorhaben: Projekt, Sozialstudie und Zuknunftswerkstatt. In: Sander, Wolfgang (Hrsg.). Handbuch für Politische Bildung. Wochenschauverlag: Bonn 2005. S. 590; vgl. Bönsch, Manfred. Basiswissen Pädagogik: Unterrichtskonzepte und –techniken. Band 1: Unterrichtsmethoden – kreativ und vielfältig. Schneider-Verlag: Hohengehren, 2002. S. 94

[17] Bönsch, 94

[18] Kaminski, 271; Maier, 591; vgl. Drews / Durdel, 120f Meyer, Hilbert. Unterrichtsmethoden. Band I: Theorienband. 9. Auflage. Cornelsen Verlag: Berlin, 2002.S. 144, 211; Meyer II, 335; Bönsch, 94; Kaiser, 548

[19] Kaiser, 548; Maier, 592; vgl. Drews / Durdel, 120f; Meyer I, 144, 211; Meyer II, 335

[20] Kaminski, 271; Duncker, Ludwig. Projektwochen. In: Mickel, Wolfgang W. / Zitzlaff, Dietrich (Hrsg.). Handbuch zur politischen Bildung. Leske-Verlag: Bonn, Opladen, 1988. S. 275; Bönsch, 94; Kaiser, 548f

[21] Kaminski, 271

[22] Kamimski, 271; Maier, 593

[23] Bönsch, 94; Kaiser, 549

[24] Kamimski, 271

[25] Maier, 594; Meyer I, 143f, 211

[26] Vgl. Meyer I, 178; Meyer II, 337;. Kaiser, 548; Kaminski, 272

[27] Frey, Karl. Die Projektmethode.In: Wichmann, Jürgen (Hrsg.). Zwölf Unterrichtsmethoden – Vielfalt für die Praxis. Beltz-Verlag: Weinheim und Basel, 2006.S. 157; Kaminski, 272; In diesem Sinn auch Bönsch, 99ff

[28] Vgl.Maier, 593f für die einzelnen Phasen

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Details

Titel
Projektarbeit - Eine bewährte Methode zur Öffnung der Schule mit ungeahnten Möglichkeiten
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Fachpraktikum an der IGS Roderbruch
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V92490
ISBN (eBook)
9783638063708
ISBN (Buch)
9783638952330
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektarbeit, Eine, Methode, Schule, Möglichkeiten, Fachpraktikum, Roderbruch
Arbeit zitieren
Dipl.Jurist Marco Sievers (Autor), 2007, Projektarbeit - Eine bewährte Methode zur Öffnung der Schule mit ungeahnten Möglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92490

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