Diese Seminararbeit möchte Antworten auf folgende Fragen geben: Wie können Unternehmen von den weltweiten Vernetzungen und den so zusammengewachsenen Beschaffungsmärkten profitieren? Lohnt sich das Investment eines Lieferantenaufbaus in fernen Ländern, oder ist dies trotz der zu erwartenden Einsparungen zu aufwendig? Welche Strategien haben sich dabei bewährt und welche Problemstellungen ergeben sich?
In Zeiten fortschreitender Globalisierung und immer kürzer werdender Innovationszyklen, in Zeiten eines täglichen Austausches unvorstellbarer Datenmengen über weltweite Kommunikationsnetze und Industrie 4.0, steigen auch in rasanter Geschwindigkeit die Anforderungen an die heimischen Wirtschaftsakteure, um mit dem immer schneller voranschreitenden Neuerungen Schritt zu halten.
So wird in Unternehmen permanent nach Lösungen gesucht effizienter und vor allem kostengünstiger zu wirtschaften, und durch die Problemstellungen der heutigen Zeit rückt der Funktionsbereich der Beschaffung immer stärker in das Bewusstsein der Unternehmensführungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Praxisunternehmen ASSA ABLOY Entrance Systems
3. Funktionsabgrenzung Beschaffung
4. Arten von Sourcing-Strategien
4.1 Abgrenzung nach Anzahl der Lieferanten
4.2 Abgrenzung nach Beschaffungsarealen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Sourcing-Strategien eines produzierenden Unternehmens vor dem Hintergrund der strategischen Zielsetzung, die Lieferantenbasis auf den osteuropäischen Markt zu konzentrieren. Dabei wird untersucht, wie sich theoretische Konzepte der Beschaffungsstrategie unter Berücksichtigung spezifischer Unternehmensanforderungen in der Praxis umsetzen lassen und welche Zielkonflikte dabei entstehen.
- Analyse von Sourcing-Konzepten nach Arnold (Lieferanten und Beschaffungsareale)
- Bewertung von Single-, Dual- und Multiple-Sourcing-Strategien
- Untersuchung von Local- und Global-Sourcing in der industriellen Praxis
- Herausforderungen bei der Verlagerung von Beschaffungsaktivitäten nach Osteuropa
- Entwicklung einer Bewertungsmatrix zur Priorisierung von Verlagerungsprojekten
Auszug aus dem Buch
4.1 Abgrenzung nach Anzahl der Lieferanten
Während der Begriff Single Sourcing in der Praxis relativ unscharf verwendet wird, z.B. in der Automobilbranche für den Bezug von einem Zulieferer je Produktionswerk, bedeutet Single Sourcing im eigentlichen Sinn, „dass ein bestimmtes Beschaffungsobjekt, z.B. ein Teil, das durch eine Sachnummer identifiziert werden kann, nur von einem Lieferanten bezogen wird“16. Durch diese Festlegung auf einen Lieferanten entsteht eine starke Abhängigkeit des Abnehmers gegenüber dem Lieferanten, die vor allem bei Preisverhandlungen und Lieferschwierigkeiten starke negative Folgen auf den Erfolg des Unternehmens haben kann. So kann eine Lieferverzögerung dringend benötigter Teile zu einem kompletten Produktionsausfall führen.
Der Lieferant sollte daher einer ausgiebigen Prüfung unterliegen um der leistungsfähigste für das jeweilige Produkt zu sein, mit dem Ziel das Risiko der starken Abhängigkeit von eben diesem Lieferanten durch günstige Preise, geringen Bestellaufwand, Teilnahme an Qualitätssicherungs- und Optimierungsaktionen und logistische Vorteile zu kompensieren. Dies entspricht daher auch den Vorteilen eines Single Sourcings: durch Einkauf der gesamten benötigten Menge eines Produktes können Economies of scale sinnvoll genutzt werden. Durch den unterstellbaren größeren Umsatz steigt ggf. auch die Abhängigkeit des Lieferanten vom Abnehmer, weshalb dieser dem Abnehmer eine große Bedeutung zumisst und eher bestrebt ist zufriedenstellend zu liefern. Je nach Größe der beiden Unternehmen kann somit das klassische Abhängigkeitsverhältnis sogar umgedreht werden.
Das Sole-Sourcing stellt eine Sonderform des Single-Sourcing dar, gekennzeichnet durch einen monopolistischen Anbietermarkt, der den Bezug eines Objektes lediglich von einem Lieferanten ermöglicht bzw. vorgibt. Die Vor- und Nachteile sind gleichzusetzen mit denen des Single-Sourcings.
Dual-Sourcing bezeichnet die Beschaffung eines Objektes von zwei unterschiedlichen Lieferanten. Dies dient der Reduzierung der Abhängigkeit und durch den Bezug von zwei unterschiedlichen Anbietern werden Lieferverzögerungen (z.B. durch Kapazitätsengpässe auf Lieferantenseite) ausgeglichen.17 Die Aufteilung der Einkaufsmenge erfolgt dabei üblicherweise nicht im Verhältnis 50/50, sondern in ungleichen Quoten wie 30/70, wobei der günstigere oder leistungsfähigere Lieferant mit dem größeren Anteil an der Beschaffungsmenge beauftragt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung effizienter Beschaffungsstrategien im Kontext der Globalisierung und Industrie 4.0 dar und skizziert die Forschungsfragen der Seminararbeit.
2. Praxisunternehmen ASSA ABLOY Entrance Systems: Das Kapitel beschreibt das Praxisbeispiel ASSA ABLOY Entrance Systems sowie dessen Sourcing-Ziele wie Lieferantenreduktion und Preisvorteile durch Verlagerung nach Osteuropa.
3. Funktionsabgrenzung Beschaffung: Es erfolgt eine theoretische Einordnung und Definition der Beschaffungsfunktion als gezielte Versorgung mit Produktionsmaterial.
4. Arten von Sourcing-Strategien: Dieses Kapitel erläutert verschiedene theoretische Modelle zur Gestaltung von Beschaffungsstrategien basierend auf Lieferantenanzahl und Beschaffungsarealen.
4.1 Abgrenzung nach Anzahl der Lieferanten: Hier werden Single-, Sole-, Dual- und Multiple-Sourcing hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile sowie ihrer Eignung in der Praxis analysiert.
4.2 Abgrenzung nach Beschaffungsarealen: Das Kapitel vergleicht Local-, Global- und EU-Sourcing unter Berücksichtigung von Risiken wie politischer Instabilität und logistischen Herausforderungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung zusammen und entwirft eine Matrix zur priorisierten Planung von Verlagerungsprojekten.
Schlüsselwörter
Sourcing-Strategien, Beschaffungsmanagement, Lieferantenbasis, Osteuropa, Single Sourcing, Dual Sourcing, Multiple Sourcing, Global Sourcing, Local Sourcing, Kostensenkung, Lieferantenreduktion, Produktionsmaterial, Beschaffungsareale, Einkaufsportfolio, ASSA ABLOY Entrance Systems
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung von Sourcing-Strategien in einem mittelständisch geprägten Industrieunternehmen unter dem spezifischen Ziel, die Lieferantenbasis stärker auf osteuropäische Märkte zu verlagern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind das strategische Beschaffungsmanagement, die Klassifizierung von Sourcing-Konzepten nach Arnold sowie die praktische Anwendung dieser Konzepte auf ein reales Industrieunternehmen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, ob und wie ein Unternehmen von globalen Beschaffungsmärkten profitieren kann, welche Strategien sich bewährt haben und wo bei der praktischen Umsetzung Zielkonflikte zwischen Kosteneinsparungen und operativen Risiken entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein praxisorientierter Ansatz gewählt, der theoretische Grundlagen der Beschaffungslehre mit einer Fallstudie des Unternehmens ASSA ABLOY Entrance Systems verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Funktionsabgrenzung der Beschaffung, eine detaillierte Erläuterung der Sourcing-Strategien nach Anzahl der Lieferanten und nach Beschaffungsarealen sowie eine kritische Reflektion dieser Konzepte anhand der Unternehmenspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sourcing-Strategien, Beschaffungsmanagement, Lieferantenreduktion, Global Sourcing, Osteuropa und die differenzierte Betrachtung von A-, B- und C-Gütern im Beschaffungsprozess.
Warum wird im Fazit ein Matrix-Modell vorgeschlagen?
Das vorgeschlagene Matrix-Modell dient dazu, Verlagerungsprojekte systematisch nach Faktoren wie Losgrößen, Komplexität und Initialkosten zu ranken, um eine fundierte Entscheidung für oder gegen eine Verlagerung nach Osteuropa zu ermöglichen.
Warum ist eine rein quantitative Verlagerung oft nicht sinnvoll?
Der Autor zeigt auf, dass aufgrund spezifischer Anforderungen wie sehr kleinen Losgrößen, hoher technischer Komplexität und notwendiger lokaler Nähe für eine enge Zusammenarbeit eine Verlagerung nicht für alle Gütergruppen wirtschaftlich tragfähig ist.
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- Benedikt Tschorn (Autor), 2017, Sourcing-Strategien. Osteuropa als Lieferantenbasis?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/929139