Diese Seminararbeit versucht Antworten auf folgende Fragen zu geben: Wie können vor allem mittelständische Unternehmen von den weltweiten Vernetzungen und den so zusammengewachsenen Beschaffungsmärkten profitieren? Lohnt sich der Klimmzug einer ganzheitlich verknüpften Wertschöpfungs- und Informationskette, oder ist dies trotz der zu erwartenden Einsparungen zu aufwendig?
In Zeiten fortschreitender Globalisierung und immer kürzer werdender Innovationszyklen, in Zeiten eines täglichen Austausches unvorstellbarer Datenmengen über weltweite Kommunikationsnetze und mobiler Datenverarbeitung über personalisierte Endgeräte, steigen auch in rasanter Geschwindigkeiten die Anforderungen an die heimischen Wirtschaftsakteure, um mit dem immer schneller voranschreitenden Neuerungen Schritt zu halten. Während Großunternehmen und Konzerne den Neuerungen allein durch ihre eigene Marktmacht offensiv begegnen können, bleiben immer mehr kleine und mittlere Unternehmen auf der Strecke und werden von internationalen Wettbewerbern regelrecht überrollt.
Nicht zu unterschätzend ist dabei allerdings, dass der Mittelstand als Motor der deutschen Wirtschaft, als Innovationsträger und nicht zuletzt als größter Arbeitgeber der Bundesrepublik gilt. Durch die oben angesprochenen Problemstellungen der heutigen Zeit rückt auch der Funktionsbereich einer effizienten Beschaffung immer stärker in das Bewusstsein der Managementetagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung Mittelstand
3. Begriffsklärung Supply Chain Management
4. Ziele des Supply Chain Management
5. Konzepte des SCM un deren Umsetzung im Mittelstand
5.1 Lieferant – Abnehmer Beziehung
5.2 Lieferstrategien, Losgrößen und Qualitätskontrollen
5.3 Entfall eines Zwischenlagers
6. Fazit und Handlungsempfehlung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Herausforderungen bei der Implementierung von Supply Chain Management (SCM) Konzepten in mittelständischen Unternehmen. Ziel ist es, unter Berücksichtigung der spezifischen Rahmenbedingungen des Mittelstands zu analysieren, inwiefern theoretische SCM-Ansätze in der Praxis anwendbar sind und welche Modifikationen für ein erfolgreiches Lieferantenmanagement erforderlich sind.
- Definition und Abgrenzung des Mittelstandsbegriffs
- Grundlagen und Zielsetzungen des Supply Chain Managements
- Gegenüberstellung traditioneller Beschaffungsansätze und SCM-Modelle
- Praktische Anwendbarkeit von JIT-Konzepten und Lageroptimierung im Mittelstand
- Strategien für eine partnerschaftliche Lieferantenkommunikation
Auszug aus dem Buch
5.1 Lieferant - Abnehmer Beziehung
In Bezug auf die Verbindungen zu Lieferanten und der damit einhergehenden Variablen wie z.B. der Zeitraum der Verbindungen, Zeitraum der Verträge, fordern BUER bzw. CHRISTOPHER weitreichende Änderungen hin zu partnerschaftlichen Lieferanten-Abnehmer Beziehungen. Durch die langfristigen Lieferverträge, die kontinuierliche Kommunikation und die Nähe zum Lieferanten wird fast automatisch eine partnerschaftliche Verbindung aufgebaut, die Versorgung wird gesichert, die Qualität verbessert und gemeinsam können Einsparpotenziale identifiziert und realisiert werden. Letztendlich ergibt sich eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, die Vorteile des SCM-Ansatzes liegen also auf der Hand.
Für große Unternehmen und Konzerne mit entsprechender Marktmacht mag dies vielleicht uneingeschränkt praktikabel sein, für den Mittelstand aber keinesfalls. Auf Grund der teils verschwindend geringen Marktmacht eines Mittelständlers in Bezug auf einen Lieferanten der weitaus größer ist, lassen sich die meisten Punkte zwar anstreben, aber oftmals nicht realisieren. Im schlimmsten Fall besteht von Seiten des (in diesem Beispiel) größeren Lieferantenunternehmens nicht einmal Interesse an langfristigen Verträgen, um weiterhin ungebunden und ohne eine schriftliche Fixierung Preise und Konditionen flexibel kurzfristig ändern zu können.
Unter Anderem wird dem mittelständischen Unternehmen somit auch die angestrebte Ausdünnung des Lieferantenstamms stark erschwert. Ohne Alternativlieferanten ist der Mittelständler an den größeren Lieferanten gebunden, was sich für ihn negativ in Bezug auf Preis, Qualität und Liefertreue auswirken kann und somit auch große Auswirkungen auf sein komplettes Unternehmensmodell hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die zunehmenden Herausforderungen der Globalisierung für den Mittelstand und die Notwendigkeit einer effizienten Beschaffungsstrategie.
2. Begriffsklärung Mittelstand: Es erfolgt eine definitorische Eingrenzung des Mittelstandes anhand quantitativer und qualitativer Kriterien, illustriert am Beispiel der Retsch GmbH.
3. Begriffsklärung Supply Chain Management: Das Kapitel erläutert den wissenschaftlichen Begriff des SCM als integrierte Planung und Steuerung der Waren-, Informations- und Geldflüsse.
4. Ziele des Supply Chain Management: Hier werden die Hauptziele des SCM definiert, insbesondere die Minimierung der Komplexität sowie die Erhöhung der Transparenz und Planungsgenauigkeit.
5. Konzepte des SCM un deren Umsetzung im Mittelstand: Dieses Kapitel analysiert spezifische Beschaffungskonzepte und deren begrenzte Umsetzbarkeit im mittelständischen Kontext.
5.1 Lieferant – Abnehmer Beziehung: Diskutiert werden die Schwierigkeiten beim Aufbau langfristiger Lieferantenpartnerschaften aufgrund fehlender Marktmacht.
5.2 Lieferstrategien, Losgrößen und Qualitätskontrollen: Untersuchung der Hürden bei der Implementierung von Just-in-Time-Verfahren in einer nicht-taktgebundenen Produktion.
5.3 Entfall eines Zwischenlagers: Erläutert die Risiken und praktischen Grenzen des Verzichts auf Lagerhaltung bei absatzsynchroner Fertigung.
6. Fazit und Handlungsempfehlung: Zusammenfassung der Ergebnisse mit dem Hinweis, dass SCM-Ansätze für den Mittelstand angepasst werden müssen, wobei Kommunikation die Schlüsselkomponente darstellt.
Schlüsselwörter
Supply Chain Management, Mittelstand, Beschaffungsmanagement, Lieferantenbeziehung, Wertschöpfungskette, Just-in-Time, KMU, Retsch GmbH, Prozessoptimierung, Marktmacht, Materialwirtschaft, Lieferstrategien, Transaktionskosten, Wettbewerbsfähigkeit, Unternehmenslogistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendbarkeit und den Herausforderungen von Supply Chain Management (SCM) Prinzipien innerhalb mittelständischer Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Lieferantenmanagement, Lieferstrategien, Lagerhaltungskonzepte und die Übertragbarkeit von SCM-Methoden auf den Mittelstand.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie mittelständische Unternehmen von global vernetzten Beschaffungsstrategien profitieren können, ohne ihre operative Flexibilität zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Herleitung der SCM-Grundlagen, die anschließend durch ein praktisches Fallbeispiel (Retsch GmbH) kritisch reflektiert wird.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Schwerpunkt liegt auf der Beschaffung, insbesondere dem Aufbau von Lieferantenbeziehungen sowie der Implementierung von JIT-Konzepten und der Optimierung von Zwischenlagern.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Supply Chain Management, Mittelstand, Beschaffung, Lieferantenbeziehung und Wertschöpfungsoptimierung geprägt.
Warum ist das "Just-in-Time"-Konzept für den Mittelstand oft nur schwer umsetzbar?
Aufgrund einer oft absatzsynchronen Fertigung und fehlender fester Produktionstaktungen lässt sich die Bedarfsplanung nicht detailliert genug für Just-in-Time-Lieferungen gestalten.
Welche Rolle spielt die Marktmacht im Kontext der Arbeit?
Der Autor stellt fest, dass die geringere Marktmacht von Mittelständlern gegenüber großen Lieferanten den Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen und das Durchsetzen strenger SCM-Vorgaben massiv erschwert.
Wie kann der Mittelstand laut Fazit dennoch vom SCM-Ansatz profitieren?
Durch den Fokus auf kontinuierliche Kommunikation und verbindliche Absprachen können auch kleinere Unternehmen die Qualität und Liefertreue nachhaltig verbessern.
- Quote paper
- Benedikt Tschorn (Author), 2012, Supply-Chain-Management als Herausforderung für mittelständische Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/929159