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Brechts Lai-tu im "Buch der Wendungen"

Eine literarische Figur und ihre Bedeutung für das Verhältnis zwischen Ruth Berlau und Bertolt Brecht

Title: Brechts Lai-tu im "Buch der Wendungen"

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Martin Walter (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Lai Tu sagte zu Kin Jeh: Ich liebe dich so, was wird aus mir werden?
Dieser Satz ist der Beginn eines kurzen und gleichzeitig des letzten Aphorismus, den Bertolt Brecht im Jahr 1955 an Lai-tu alias Ruth Berlau geschrieben hat. Und dennoch stehen bereits diese wenigen Worte charakteristisch für viele Facetten des Verhältnisses zwischen Berlau und Brecht.
Ruth Berlau hat als Schauspielerin, Regisseurin, Schriftstellerin und Fotografin gearbeitet, gleichzeitig ist sie überzeugte Kommunistin und in ihrer Heimat Dänemark als rote Ruth bekannt gewesen. In erster Linie wird der Name Ruth Berlaus jedoch immer mit demjenigen von Bertolt Brecht verbunden bleiben, an dessen Seite sie als Mitarbeiterin und Geliebte über 22 Jahre hinweg gelebt hat.
Wie prägend gerade diese Zeit für sie gewesen ist, mag in der Folge ein kurzer Blick auf ihre Biographie und das Leben und Verhältnis mit und zu Brecht zeigen.
Diese Vorbetrachtungen erscheinen notwendig, um die Aphorismen und die Figur der Lai-tu, als die Berlau Aufnahme in Brechts Buch der Wendungen gefunden hat, überhaupt verstehen bzw. interpretieren zu können.
Vor allem Berlaus posthum herausgegebene Erinnerungen gestatten diesbezüglich einen interessanten Einblick, allerdings darf dabei nicht die subjektive Komponente dieser Memoiren unterschätzt werden. Eine neuere und sicher objektivere Biographie ist im Jahr 2006 von Sabine Kebir herausgegeben worden, welche gerade bezüglich des Verhältnisses zwischen Berlau und Brecht einige neue Aspekte zur Sprache bringt. Weitere Ausführungen zum Leben Berlaus sind von Franka Köpp und Hiltrud Häntzschel verfasst worden.
Ebenso lassen sich aus der Betrachtung der Lai-tu, die in der Folge im Mittelpunkt steht, zahlreiche Rückschlüsse auf das Verhältnis zwischen der Schülerin Berlau und ihrem Lehrer Brecht ziehen, welche dazu beitragen, das Bild der Beziehung zwischen beiden gewissermaßen abzurunden.
Im Fokus der Arbeit soll daher auch die Einordnung einiger ausgewählter Lai-tu Aphorismen in den Gesamtkontext des gemeinsamen Lebens und Zusammenwirkens von Berlau und Brecht stehen, indem die jeweils intendierte Absicht und Zielsetzung der Texte herausgearbeitet wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Vita der roten Ruth

2.1 Kurzbiographie Ruth Berlau

2.2 Berlau und ihr Verhältnis zu Brecht

3. Das Buch der Wendungen

3.1 Zur Entstehung

3.2 Zum Inhalt

3.3 Lai-tu im Buch der Wendungen

4. Versuch einer Einordnung und Interpretation der Lai-tu Geschichten

4.1 Schönheit und Glück der Lai-tu

4.2 Me-tis Rat

4.3 Lai-tus Fehler

4.4 Lai-tu flirtet

4.5 Das Feuermachen der Lai-tu

4.6 Lai-tus Wert

4.7 Kein-leh verleirt Lai-tu

4.8 Eine Produktion Lai-tus

5. Ein Leben als „Kreatur Brechts“

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der literarischen Figur der Lai-tu im Buch der Wendungen von Bertolt Brecht, um Rückschlüsse auf das komplexe Arbeits- und Liebesverhältnis zwischen Ruth Berlau und Bertolt Brecht zu ziehen.

  • Biographische Hintergründe von Ruth Berlau
  • Strukturelle Analyse und Entstehungsgeschichte des Buchs der Wendungen
  • Interpretation ausgewählter Lai-tu-Aphorismen als Erziehungsinstrumente
  • Darstellung der wechselseitigen Abhängigkeit und Arbeitsbeziehung
  • Psychologische Dimension der Beziehung Brecht-Berlau

Auszug aus dem Buch

4.5 Das Feuermachen der Lai-tu

Me-Ti sagte zu Lai-tu: Ich habe dir zugesehen beim Feuermachen. Kennte ich dich nicht wäre ich gewiss beleidigt. Du sahst aus wie jemand, der gezwungen wird Feuer zu machen, und da nur ich selber da war, musste ich annehmen, ich sei dieser Ausbeuter. Sie sagte: Ich wollte die Stube so schnell wie möglich warm haben. Me-ti sagte lächelnd: Was du wolltest, weiß ich. Aber weißt du es? Du wolltest es mir, deinem Gast, behaglich machen; es sollte rasch geschehen, damit das Gespräch anfangen konnte; ich sollte dich gern sehen; das Holz sollte anbrennen; das Teewasser sollte kochen. Aber von alldem kam nur eben das Feuer zustande. Der Augenblick ging verloren. Es ging rasch, aber die Gespräche mussten warten; das Teewasser kochte; aber der Tee war nicht fertig; eines geschah fürs andere, aber nichts für sich selber. Und was hätte alles im Feuermachen zum Ausdruck kommen können! Es ist eine Sitte darinnen, die Gastlichkeit ist etwas Schönes. Die Bewegungen, mit denen das schöne Holz zum Brennen gebracht wird, können schön sein und Liebe erzeugen; der Augenblick kann ausgenutzt werden und kommt nicht wieder. Ein Maler, der hätte malen wollen, wie du deinem Lehrer Feuer machtest, hätte kaum etwas zu malen gehabt. Es lag kein Spaß in diesem Feuermachen, es war nur Sklaverei.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die komplexe Beziehung zwischen Ruth Berlau und Bertolt Brecht ein und erläutert die Notwendigkeit, die Figur der Lai-tu im Kontext dieser Verbindung zu betrachten.

2. Zur Vita der roten Ruth: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Ruth Berlaus nach, von ihrer Jugend in Dänemark bis zu ihrer prägenden, aber belastenden Lebensgemeinschaft mit Brecht.

3. Das Buch der Wendungen: Hier werden die Entstehung, der philosophische Hintergrund und der inhaltliche Aufbau des Buchs der Wendungen analysiert.

4. Versuch einer Einordnung und Interpretation der Lai-tu Geschichten: Das Hauptkapitel untersucht durch die detaillierte Interpretation einzelner Aphorismen die pädagogische und moralische Funktion, die Brecht diesen Texten für Berlau zuschrieb.

5. Ein Leben als „Kreatur Brechts“: Das Fazit fasst zusammen, wie Brecht versuchte, Berlaus psychische Instabilität literarisch zu kanalisieren, während sie in einer symbiotischen Abhängigkeit zu ihm verblieb.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Ruth Berlau, Lai-tu, Buch der Wendungen, Exilliteratur, Liebesbeziehung, Me-ti, Arbeitsbeziehung, Aphorismen, Borderline-Syndrom, Biographische Forschung, Literaturwissenschaft, Kommunikation, Psychoanalyse, Abhängigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische Figur der Lai-tu im Werk Buch der Wendungen von Bertolt Brecht und nutzt diese, um die schwierige und komplexe persönliche sowie berufliche Beziehung zu Ruth Berlau zu beleuchten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Themenfelder umfassen die Biographie Ruth Berlaus, die Struktur des Buchs der Wendungen sowie die psychologische und soziale Dynamik zwischen dem Autor Brecht und seiner langjährigen Mitarbeiterin und Geliebten.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, durch die Interpretation der Lai-tu-Aphorismen aufzuzeigen, wie Brecht seine literarische Arbeit als Erziehungsinstrument einsetzte, um Berlaus Verhalten und ihre emotionale Verfassung zu beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten (Brechts Aphorismen) und vergleicht diese mit biographischen Dokumenten, Erinnerungen Berlaus und der aktuellen Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der systematischen Interpretation von acht spezifischen Lai-tu-Geschichten, wobei jede Interpretation den jeweiligen historischen oder persönlichen Kontext der Entstehung beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Bertolt Brecht, Ruth Berlau, Lai-tu, Buch der Wendungen, Exilliteratur, Liebesbeziehung, Me-ti sowie psychische Instabilität.

Inwiefern beeinflusste Berlaus Borderline-Syndrom die literarische Darstellung?

Die Arbeit diskutiert die These, dass Berlaus psychische Verfassung und ihre Tendenz zu extremer Abhängigkeit Brecht dazu veranlassten, die Lai-tu-Geschichten als moralische Wegweiser zu verfassen, um sie zu stabilisieren.

Warum wird die Geschichte "Das Feuermachen der Lai-tu" als zentral betrachtet?

Dieser Text gilt als die erste Lai-tu-Geschichte und dient als wichtiges Beispiel für Brechts Vorwurf, Berlau verliere durch Hektik und "Sklaverei"-artige Arbeit den Fokus auf den wertvollen Augenblick der Zweisamkeit.

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Details

Title
Brechts Lai-tu im "Buch der Wendungen"
Subtitle
Eine literarische Figur und ihre Bedeutung für das Verhältnis zwischen Ruth Berlau und Bertolt Brecht
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Course
Bertolt Brecht: Buch der Wendungen
Grade
1,7
Author
Martin Walter (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V92933
ISBN (eBook)
9783638072977
ISBN (Book)
9783638957359
Language
German
Tags
Brechts Lai-tu Buch Wendungen Bertolt Brecht Buch Wendungen Ruth Berlau Bertolt Brecht literarische Figur Frauen Erinnerungen Notate
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Walter (Author), 2007, Brechts Lai-tu im "Buch der Wendungen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92933
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