„Die Würfel rollen auf allen Tischen,“ so beschreibt Borst die Spielleidenschaft der Menschen im Mittelalter. Nach einem Verbot des Glücksspiels im 19. Jahrhundert sind Glücksspiele mit staatlicher Genehmigung bzw. Konzession heute wieder zugelassen, und besonders die Lotterien erfreuen sich heute in Deutschland steigender Beliebtheit.
Die Einnahmen, 2003 waren es ca. 4,7 Mrd. Euro, die der deutsche Staat durch das Glücksspiel jährlich durch Steuern, Konzessionen und sonstige Abgaben einnimmt, sollen einem guten Zweck zu gute kommen, wie bspw. der Gesundheit, Kultur, Naturschutz, Sport und Wohlfahrt. „Marktführer und nahezu einziger Anbieter von Lotterien …“ ist der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB), der mit dem Lotto das umsatzstärkste Produkt auf dem deutschen Glücksspielmarkt anbietet. Aus diesem Grund wird die vorliegende Seminararbeit „Die Regulierung der Glücksspielwirtschaft“ schwerpunktmäßig am Beispiel Lotto darstellen.
Im 2. Kapitel werden die Merkmale des Glücksspiels erläutert, es folgt im 3. Kapitel die geschichtliche Entwicklung des Glücksspielmarktes in Deutschland, eine Übersicht über die verschiedenen Glücksspielbereiche, das 3. Kapitel schließt mit einem Überblick über die wichtigsten Gesetze ab, auf die sich die deutsche Glücksspielwirtschaft stützt. Das 4. Kapitel stellt die Rechtfertigungsgründe des deutschen Staates dar, auf deren Grundlage der Staat im Glücksspielmarkt agiert, außerdem werden diese Rechtfertigungsgründe kritisch betrachtet und es folgt ein Ausblick, in dem die wichtigsten Anforderungen an einen unregulierten Markt aufgezeigt werden. Die Seminararbeit endet mit dem 5. Kapitel: hier wird eine Schlussbetrachtung gegeben, in der der heutige Zustand kurz aufgegriffen wird und die Chancen eines unregulierten Marktes bewertet werden, den es möglicherweise in naher Zukunft in Deutschland geben wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Merkmale des Glücksspiels
3. Die Glücksspielwirtschaft in Deutschland
3.1 Die geschichtliche Entwicklung des Glücksspiels, insbesondere die des Lottospiels
3.2 Die Aufteilung des heutigen Glücksspielmarktes und deren wirtschaftliche Relevanz
3.3 Die Reglementierung der Glücksspielwirtschaft
4. Der staatliche Eingriff in die Glücksspielwirtschaft
4.1 Übersicht über die Rechtfertigungsgründe
4.2 Bewertung der staatlichen Einflussnahme
4.3 Anforderungen an einen unregulierten Glücksspielmarkt
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den staatlichen Einfluss auf den deutschen Glücksspielmarkt unter besonderer Berücksichtigung der ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der Legitimation staatlicher Monopole.
- Analyse der Merkmale und ökonomischen Relevanz des Glücksspielmarktes
- Untersuchung der rechtlichen Regulierung und Konzessionsvergabe
- Kritische Beleuchtung der staatlichen Rechtfertigungsgründe für Markteingriffe
- Bewertung der staatlichen Einflussnahme und fiskalischer Interessen
- Diskussion der Potenziale und Risiken eines unregulierten Glücksspielmarktes
Auszug aus dem Buch
3.1 Die geschichtliche Entwicklung des Glücksspiels, insbesondere die des Lottospiels
Glücksspiele hat es immer schon gegeben, so wurde vor ca. 5000 Jahren in Ägypten mittels Knochenwürfeln die Zukunft prophezeit. Das Lottospiel kommt in seinen Ursprüngen aus Italien: hier wurden im 16. und 17. Jahrhundert 5 Politiker aus einer 90-köpfigen Bürgerliste in Genua ausgelost, es handelte sich also um ein Lottospiel 5 aus 90 (Lotto di Genova), dass in Italien auch heute noch gespielt wird.
Nach Deutschland kam dieses Lottospiel im Jahre 1735, nachdem eine staatliche Konzession erteilt wurde. Zuvor gab es in Deutschland schon andere Lotterien, so wurde 1610 in Hamburg eine Lotterie veranstaltet, mit deren Erlös ein Zuchthaus gebaut wurde. Die Finanzierung von öffentlichen, wohltätigen und kulturellen Aufgaben durch Lotterieeinnahmen hat demnach eine lange Tradition. Im Jahre 1800 wurde das Lotto im Gebiet des heutigen Deutschland und praktisch ganz Europa verboten. Der Grund lag darin, dass Lottoveranstalter die Spieler betrogen und die Haushalte geschützt werden sollten. Auch das Spielen in auswärtigen Lotterien wurde 1847 verboten, ferner bedurfte es einer Erlaubnis, um öffentliche Lotterien und Tombolas durchführen zu dürfen. Rund 25 Jahre später wurden auch die staatlichen Spielbanken geschlossen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde am 16. August 1945 eine erste Stadtlotterie veranstaltet, die den Wiederaufbau unterstützen sollten. 1953 wurde in Westdeutschland erstmalig eine bundesweite Lotterie nach dem Vorbild Genuas veranstaltet, also ein Spiel 5 aus 90. Dies wurde kurze Zeit später auf 6 aus 49 umgestellt: der erste Lottomillionär im Spiel 6 aus 49 gewann am 2. September 1956 1.043.364,50 DM (533.463,80 Euro), ein Betrag, der unter Berücksichtigung der Inflation in den vergangen 50 Jahren damals eine erheblich höhere Kaufkraft hatte (etwa Faktor 8). Das Besondere am staatlichen Lottospiel 6 aus 49 ist, dass die Ziehung bis zum heutigen Tag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen live ausgestrahlt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Spielleidenschaft ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die staatliche Regulierung anhand des Lotto-Beispiels zu untersuchen.
2. Die Merkmale des Glücksspiels: Hier werden die definierenden Eigenschaften von Glücksspielen sowie die Unterschiede zwischen legalen und illegalen Angeboten erläutert.
3. Die Glücksspielwirtschaft in Deutschland: Dieses Kapitel behandelt die Historie, die heutige Marktstruktur mit den verschiedenen Akteuren sowie den rechtlichen Regulierungsrahmen.
4. Der staatliche Eingriff in die Glücksspielwirtschaft: Hier werden die ökonomischen Rechtfertigungen für staatliche Eingriffe diskutiert, die staatliche Praxis kritisch hinterfragt und Anforderungen an einen liberalisierten Markt formuliert.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst den starken staatlichen Einfluss zusammen und bewertet die Chancen und Risiken einer möglichen Marktöffnung.
Schlüsselwörter
Glücksspiel, Lotto, staatliches Monopol, Regulierung, Lotterie, Glücksspielmarkt, Spielsucht, Fiskalpolitik, Konzession, Wettbewerb, Glücksspielstaatsvertrag, Spielbanken, Sportwetten, Marktversagen, Spielerschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen und rechtlichen Regulierung der Glücksspielwirtschaft in Deutschland und der Rolle des Staates als Anbieter und Regulator.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die geschichtliche Entwicklung des Lotteriewesens, die Struktur des Glücksspielmarktes, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die fiskalischen Motive staatlicher Eingriffe.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie die staatliche Regulierung im Glücksspielsektor begründet wird und wie sich eine mögliche Marktöffnung auf diesen Bereich auswirken würde.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine deskriptive Analyse und kritische Betrachtung basierend auf existierender Literatur, statistischen Daten und rechtlichen Grundlagen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung, die heutige Marktstruktur, die staatliche Rechtfertigung für Monopole sowie die Bewertung dieser Einflussnahme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Besonders prägend sind Begriffe wie staatliches Monopol, Glücksspielmarkt, Fiskalpolitik, Regulierung und Spielerschutz.
Warum greift der Staat laut Analyse regulierend in den Glücksspielmarkt ein?
Das primäre angegebene Argument ist die Suchtgefahr (demeritorische Güter) sowie der Schutz vor Informationsasymmetrien, wobei die Arbeit auch fiskalische Interessen als maßgeblichen Grund hervorhebt.
Was wird im Hinblick auf einen unregulierten Markt kritisch diskutiert?
Es wird erörtert, dass ein freier Markt zwar Konkurrenzdruck und Innovation fördern könnte, jedoch gleichzeitig wirksame Kontrollmechanismen, wie eine Art "Glücksspiel-TÜV", zum Schutz der Haushalte erforderlich wären.
- Citation du texte
- Jens Michael Weber (Auteur), 2006, Die Regulierung der Glücksspielwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92979