In Deutschland findet seit 2008 jährlich der Equal Pay Day statt. Dieser symbolisiert den geschlechterspezifischen Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen, der auch als Gender Pay Gap (GPG) bezeichnet wird. Doch existiert dieser tatsächlich?
Adriano Gueli beleuchtet den Einfluss von Bildung und Berufserfahrung auf die Bestimmung der Entgelthöhe sowie regionale und branchenspezifische Besonderheiten. Welche Ursachen gibt es für die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern? Ist das Lohngefälle allein auf das Geschlecht zurückzuführen oder wirken dabei mehrere Faktoren zusammen?
In seiner Publikation betrachtet Gueli die Ursachen und die Entwicklung des Gender Pay Gap und untersucht die politischen Maßnahmen zur Bekämpfung des GPG auf ihre Wirksamkeit. Anhand seiner Erkenntnisse gibt er Empfehlungen für zukünftige Lösungsansätze.
Aus dem Inhalt:
- Entgelttransparenz;
- Frauenquote;
- Gleichberechtigung;
- Lohnschere;
- Humankapitaltheorie
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bestimmungsgründe für die Entgelthöhe
2.1 Bildungsabschluss
2.2 Berufserfahrung
2.3 Regionaler Tätigkeitsbereich
2.4 Branchenbereich
3 Erörterungen und Entwicklung des Gender Pay Gaps
3.1 Brutto- und Nettolöhne
3.2 Nominaler Netto- und Reallohn
3.3 Geschlechtsspezifische Entlohnungen
4 Erklärungsversuche für den Gender Pay Gap
4.1 Humankapitaltheorie
4.2 Mutterschaft
4.3 Arbeitszeitmodelle und deren Folgen für die Altersabsicherung
4.4 Arbeitsmarktsegregation
4.5 Führungskräfte
4.6 Gehaltsverhandlungen
4.7 Kompetenzeinschätzungen
5 Gender Pay Gap Lösungsansätze
5.1 Entgelttransparenz
5.2 Frauenquote
5.3 Instrumente zur besseren Vereinbarkeit vom Familien- und Berufsleben
5.4 Weitere Möglichkeiten zur Schließung der Einkommensschere
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, das Phänomen des Gender Pay Gaps in Deutschland umfassend zu analysieren, seine Ursachen zu identifizieren und die Wirksamkeit bisheriger politischer sowie unternehmenspolitischer Maßnahmen zu bewerten. Dabei wird der zentralen Forschungsfrage nachgegangen, inwieweit das geschlechtsspezifische Lohngefälle tatsächlich allein auf das Geschlecht zurückzuführen ist oder ob das Zusammenspiel verschiedener sozioökonomischer Faktoren ausschlaggebend ist.
- Analyse der allgemeinen Bestimmungsgründe für Entgelthöhen (Bildung, Erfahrung, Region, Branche).
- Untersuchung der Lohnentwicklung und des Gender Pay Gaps über einen Zeitraum von 14 Jahren.
- Identifikation und theoretische Einordnung von Ursachen für Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen.
- Kritische Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen wie Entgelttransparenz und der Frauenquote.
- Ausblick auf gesellschaftliche Voraussetzungen zur nachhaltigen Schließung der Einkommensschere.
Auszug aus dem Buch
4.1 Humankapitaltheorie
Die Humankapitaltheorie stellt eine mikroökonomische Arbeitsmarkttheorie dar. Ihr Ursprung kann auf Adam Smith zurückgeführt werden, der bereits Ideen über eine Analogie von Fähigkeiten und Qualifikationen zu Sachkapital entwickelte. Er vertrat die Auffassung, dass in Gesellschaften bestimmte Fähigkeiten von Mitgliedern erworben werden, die für die Arbeitsanbieter von Nutzen sind.41 Die moderne Version der Humankapitaltheorie wurde in den 60er Jahren mit Arbeiten von Becker, Mincer und Schulz entwickelt.42 Man nahm an, dass Erwerbsanbieter aufgrund objektiver Bildungsentscheidungen über unterschiedliches Humankapital verfügen. Daher wird als Humankapital die Summe der Fähigkeiten und des Wissens eines Menschen verstanden, welches jedoch hauptsächlich die Aneignung von Bildung und Berufserfahrung aufgreift.43 Damit wird erneut deutlich, dass Bildung eine klare Investitionsentscheidung darstellt.
Einige von unterschiedlichen Forschern aufgestellte Theorien besagen, dass Frauen eine Unterbrechung des Erwerbsverlaufs zugunsten von familiären Verpflichtungen in ihre Investitionsüberlegungen einbeziehen. Eine hierauf basierende Kosten-Nutzen-Analyse ergibt, dass Frauen weniger in den Erwerb von Humankapital investieren als Männer.44 Die unter den gegebenen Beschäftigungsbedingungen getroffenen Entscheidungen und die Bedingungen für die Erlangung von beruflichen Qualifikationen sind daher unterschiedlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des geschlechtsspezifischen Entgeltunterschieds ein und stellt die Forschungsfragen bezüglich der Existenz und der Ursachen des Gender Pay Gaps.
2 Bestimmungsgründe für die Entgelthöhe: In diesem Kapitel werden allgemeine Einflussfaktoren auf das Gehalt, wie Bildungsabschluss, Berufserfahrung, regionale Lage und die Branchenzugehörigkeit, analysiert.
3 Erörterungen und Entwicklung des Gender Pay Gaps: Es erfolgt eine analytische Gegenüberstellung von Brutto-, Netto- und Reallöhnen sowie eine detaillierte Untersuchung der Entwicklung der geschlechtsspezifischen Entlohnung im Zeitverlauf.
4 Erklärungsversuche für den Gender Pay Gap: Dieses Kapitel widmet sich der intensiven Ursachenforschung, unter anderem durch die Humankapitaltheorie, den Einfluss von Mutterschaft, Arbeitszeitmodellen, Segregation am Arbeitsmarkt und Verhaltensunterschieden.
5 Gender Pay Gap Lösungsansätze: Hier werden bestehende politische Maßnahmen wie das Entgelttransparenzgesetz und die Frauenquote hinsichtlich ihrer praktischen Wirkung und ihrer Grenzen kritisch evaluiert.
6 Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und betont die zentrale Rolle gesellschaftlicher Strukturen und Rollenbilder bei der Überwindung des Gender Pay Gaps.
Schlüsselwörter
Gender Pay Gap, Lohngefälle, Humankapitaltheorie, Entgelttransparenz, Frauenquote, Arbeitsmarktsegregation, Mutterschaftsstrafe, Berufserfahrung, Einkommensschere, Geschlechterrollen, Arbeitsmarktökonomik, Erwerbsunterbrechung, Lohndifferenz, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Gender Pension Gap.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das geschlechtsspezifische Lohngefälle, auch Gender Pay Gap genannt, analysiert dessen Ursachen und bewertet politische Lösungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Entgeltbestimmungsfaktoren, die Entwicklung der Lohnunterschiede in Deutschland, Erklärungsmodelle für diese Differenzen sowie die Wirksamkeit gesetzlicher Maßnahmen wie der Frauenquote.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob das existierende Lohngefälle faktisch allein durch das Geschlecht begründet ist oder ob ein Zusammenwirken verschiedener sozioökonomischer Faktoren dafür verantwortlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf Basis statistischer Daten und einschlägiger Literatur aktuelle Entwicklungen und Erklärungsansätze für Einkommensunterschiede diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die ökonomischen Bestimmungsgründe für Gehälter, analysiert die Entwicklung des GPGs und diskutiert Ursachen wie die Humankapitaltheorie, Mutterschaft und die Arbeitsmarktsegregation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gender Pay Gap, Humankapitaltheorie, Arbeitsmarktsegregation, Entgelttransparenz und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Welche Rolle spielt die Mutterschaft beim Gender Pay Gap?
Die Arbeit identifiziert die sogenannte "Mutterschaftsstrafe" als wesentlichen Faktor, da familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und der Übergang in Teilzeit zu Lohneinbußen führen.
Wie effektiv ist das Entgelttransparenzgesetz laut der Arbeit?
Die Wirksamkeit wird als gering eingeschätzt, da die gesetzlichen Hürden hoch sind und bisher nur wenige Arbeitnehmer von ihren Auskunftsrechten Gebrauch gemacht haben.
Warum wird die Frauenquote in der Arbeit kritisch betrachtet?
Die Quote wird als Symptombekämpfung kritisiert, die das Problem an der "Wurzel" – also bei der Ausbildungswahl und den gesellschaftlichen Rollenbildern – nicht erreicht und zudem als potenziell stigmatisierend empfunden wird.
- Citation du texte
- Adriano Gueli (Auteur), 2021, Ursachen und Entwicklung des Gender Pay Gap. Maßnahmen zur Bekämpfung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/930237