Pädagogisches Handlungsprogramm zur Förderung metakognitiver Fähigkeiten in der beruflichen Bildung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Theoretischer Grundlagen
2.1. Didaktische Aspekte
2.2. Das Konzept der Metakognition
2.3. Lesekompetenz

3. Förderung metakognitiver Fähigkeiten in der beruflichen Bildung
3.1. Reciprocal Teaching: ein pädagogisches Handlungsprogramm zur Förderung metakognitiver Fähigkeiten in der beruflichen Bildung am Beispiel der Erschließung von Leseverständnis
3.2. Darstellung der Befundlage (Studien)
3.3. Perspektiven

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Wenn wir die wissenschaftlichen Beiträge analysieren und unterschiedliche Diskussionen über die Ausbildungslage im weitesten Sinne des Wortes verfolgen, kommt der Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen ein besonderer Stellenwert zu.

Vor allem die Wirtschaft klagt über mangelnde Ausbildungsreife, den Forderungen des Staates und der Gewerkschaften nach mehr Ausbildungsplätzen (trotz des Ausbildungspaktes zwischen der Regierung und Wirtschaft) nicht wie erwünscht entgegen.

Dieses o.g. Problem der Ausbildungsreife wird auch durch die Ergebnisse der Pisa-Studie verdeutlicht, danach sind ungefähr 10% der Schüler in Deutschland in Bezug auf die Lesekompetenz als „Risikogruppe“ (niedrigste von 5 Stufen) anzusehen.

Die Lesekompetenzschwäche steht im Verhältnis zur mangelnden Steuerung des eigenen Lern- bzw. Leseprozesses durch die Jugendlichen, und somit sind wir bei den metakognitiven Fähigkeiten angekommen. Sind diese nicht vorhanden, dann ist der Lernerfolg bei diesen Personen niedrig. Allerdings, um Missverständnisse zu vermeiden, sind für die Entwicklung der Lesekompetenz als Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Ausbildung selbstverständlich auch andere Ursachen (wie Intelligenz, Lernbereitschaft und Lernmöglichkeiten, Motivation, sozialer Status, Vorwissen, Lehrerverhalten, die Auswahl der Methoden, Medien, Inhalte, Ziele usw.) verantwortlich, diese sind aber nicht Gegenstand dieser Arbeit.

Hier soll die Förderung der metakognitiver Fähigkeiten am Beispiel der Erschließung von Leseverständnis analysiert werden, und zwar anhand des reciprocal teaching Ansatzes und des daraus entwickelten cognitive apprenticeship-Verfahrens, denn Lesekompetenz ist eine der zentralsten Schlüsselqualifikationen schlechthin, sie ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung mündiger Menschen, und sie eignet sich für die Förderung metakognitiver Fähigkeiten. Ein Beispiel dazu: die Jugendlichen (hauptsächlich aus Haupt- bzw. Sonderschulen) versuchen, eine Aufgabe zu lösen. Sie haben die Aufgabe zwar gelesen, aber nicht verstanden bzw. sie merken nicht, dass sie sie nicht verstanden haben, und somit können die Ziele nicht erreicht werden, weil die metakognitiven Fähigkeiten, die für die Steuerung des Leseprozess notwendig sind, nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind.

Durch die Förderung der metakognitiven Fähigkeiten am Beispiel der Erschließung von Leseverständnis wird in Anbetracht der Forderungen der Wirtschaft, aber auch des Staates, für bessere Ausbildungsqualität gesorgt und damit ein evidenter Beitrag in diesem Kontext geleistet.

Deshalb ist es wichtig, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu erfahren, die uns bei der Förderung metakognitiver Fähigkeiten helfen.

Die Intention dieser Arbeit ist die Darstellung eines ausgewählten Handlungsprogramms zur Förderung metakognitiver Fähigkeiten am Beispiel der Erschließung von Leseverständnis und daran anschließend eine kurze Auseinandersetzung mit einigen Aspekten im Kontext der Perspektivenvorschau, die für die Weiterentwicklung oder Ergänzung von Handlungsprogrammen vielleicht hilfreich sein können.

Wir wollen uns also hier speziell mit dem „reciprocal teaching“ Ansatz beschäftigen, welcher durch die Vermittlung von vier Strategien gleichzeitig Leseverständnis als auch metakognitive Fähigkeiten fördert, weil in diesen vier Strategien des o.g. Ansatzes die drei Kerndimensionen der Metakognition (Kontrolle, Planung und Überwachung) mitintegriert sind.

Wir wollen folgenden Fragen nachgehen:

- Wie sieht der Prozess der Vermittlung der Lesestrategien aus bzw. unter welchen Bedingungen soll das Handlungsprogramm eingesetzt werden und wer sind die Hauptakteure bei ihrer Vermittlung?
- Welche empirischen Befunde liegen uns vor und inwieweit kann der reciprocal teaching-Ansatz eine Lesekompetenzförderung bewirken?

Wir werden zunächst (in Kapitel 2) einige Aspekte im Bezug auf die Didaktik beschreiben und deren Funktionen für das jeweilige Thema verdeutlichen und dann kurz die Begriffe Metakognition und Lesekompetenz erläutern.

Als nächstes (in Kapitel 3) wird dann der reciprocal teaching Ansatz zur Förderung der Lesekompetenz analysiert. Außerdem soll ein kurzer Überblick über den Forschungsstand in dieser Hinsicht gegeben werden. Daran anschließend werden die Perspektiven aufgezeigt.

Das vierte und letzte Kapitel fasst die Resultate noch einmal kurz zusammen und geht auf die zu Beginn aufgeworfenen Fragen ein.

2. Theoretischer Grundrahmen

In diesem Kapitel sollen die theoretischen Grundlagen (die Begriffe Metakognition und Lesekompetenz) vermittelt werden, doch zuvor werden kurz die didaktischen Aspekte aufgezeigt, die eine Orientierungsfunktion bzw. Grundlage für Programmkonzeption und –durchführung haben.

2.1 Didaktische Aspekte

Die lerntheoretischen Modelle (das „Berliner Modell“ nach Heinemann/Otto/Schulz 1965 bzw. das nachfolgende „Hamburger Modell“) stellen jeweils ein umfassendes Unterrichtsmodell dar, bestehend aus Bedingungsfeldern und Entscheidungsfeldern, die bei der Planung und Durchführung von Lehr- und Lernprozessen beachtet werden müssen. Allerdings kann hier nicht die gesamte didaktische Komplexität erläutert werden, sondern es werden nur einige Punkte als Überblick dargestellt.

Die Didaktik ist im prozessualen Teil des Berliner Modells angesiedelt.

Die Lernvoraussetzungen, die der Didaktik vorgelagert sind, sind im wesentlichen in persönliche und soziokulturelle Voraussetzungen (Bedingungsfelder) einzuteilen. Auf diese beiden Voraussetzungen muss sich die Didaktik also einstellen.

Der innere (prozessuale) Teil des Berliner Modells besteht aus Didaktik, Methodik und Medienwahl. Dabei beschäftigt sich die Didaktik mit den Zielen und Inhalten des Unterrichts (im engeren Sinne nach Klafki), während die Methodik den Verfahren (Prozeduren) im engeren Sinne gewidmet ist. Daneben stellt noch die Medienwahl eine Komponente dar.

Somit nimmt die Didaktik zwischen den vorgelagerten Voraussetzungen (Input) einerseits und der nachgelagerten Methodik andererseits ihren Platz im Unterricht ein.

Die (individuellen und sozialen) Lernergebnisse (Output) schließen das Berliner Modell ab.

Betrachten wir zunächst die zwei Bedingungsfelder, die der Didaktik im Berliner Modell vorgelagert sind. (vgl. Albers 2001, S.35ff./Buchka 1999, S. 235ff./Straka 2002, S. 25 ff.)

1.) Anthropogene (individuelle) Voraussetzungen bzw. Bedingungsfelder
individuelle Lernkapazität, Geschlecht, Alter, Zielbezug, Milieu, Sozialverhalten…
2.) Soziokulturelle Voraussetzungen bzw. Bedingungsfelder

Aspekte sind u.a. Klassenstärke, Schülerauswahl, Lehrplan, Ausstattung (Lernumgebung), Rivalität.

Übergang zum prozessualen Teil

Die Lesekompetenz wird in kleinen Gruppen zu 5-6 Schülern mit Leseschwäche erarbeitet. Als Lehrplan wird das im folgenden beschriebene reciprocal teaching angewendet, die Lernumgebung wird nach Vygotsky ausgestaltet, und es ist darauf zu achten, dass die Schüler in der Gruppe gut miteinander auskommen.

Betrachten wir als nächstes die vier Entscheidungsfelder, von denen die Didaktik zwei umfasst.

Die vier Entscheidungsfelder sind:

Ziele: „warum“ wird etwas gelernt? (-> Didaktik)

Inhalte: „was“ wird gelernt? (-> Didaktik)

Methoden: „wie“ wird gelernt? (-> Methodik)

Medienwahl: „womit“ wird gelernt?

(vgl. Albers 2001, S.35ff./Buchka 1999, S. 235ff. / Straka 2002, S. 25 ff.)

In diesem Kontext ist auch die didaktische Analyse nach Klafki von Relevanz. Sie beschreibt u.a. die Bedeutung der Lerninhalte für die jetzigen und zukünftigen Situationen der Schüler, deren Sachstruktur und die exemplarische Bedeutung ausgewählter Aufgaben für die Erschließung (bzw. Zugänglichkeit) allgemeinerer Themen (vgl. Klafki 1964, S.135ff., zitiert nach Peterßen 1994, S.96ff.)

Hier betrachten wir im engeren Sinne nur die Didaktik, also die Ziele und Inhalte des Unterrichts: Das didaktische Ziel ist also die Förderung metakognitiver Fähigkeiten am Beispiel der Erschließung von Leseverständnis durch die Vermittlung der vier Strategien des reciprocal teaching Ansatzes.

Jetzt übertragen auf unser Thema, stellt sich zuerst die Frage: Unter welchen Bedingungen soll das Handlungsprogramm reciprocal teaching eingesetzt werden?

Die anthropogenen Bedingungen: a) Bestimmung des Personenkreises, der an einem solchen Programm teilnimmt, also die Ermittlung der Leseverständnisschwäche und Lernkapazität der Personen (durch Tests); b) die Zusammensetzung der Gruppe nach Alter, Herkunft und Geschlecht.

Die soziokulturellen Bedingungen: - die Einteilung der Personen in kleinen Gruppe (zu sechs Personen); Ausstattung der Lernumgebung, Rivalitäten innerhalb der Gruppe vermeiden usw.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Pädagogisches Handlungsprogramm zur Förderung metakognitiver Fähigkeiten in der beruflichen Bildung
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Erziehungswissenschaften und Psychologie)
Veranstaltung
Ausgewählte Ergebnisse aus der Lehr-Lernforschung und ihre Orientierungsleistungen für die Berufsbildung“
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V93215
ISBN (eBook)
9783638065283
ISBN (Buch)
9783656207009
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogisches, Handlungsprogramm, Förderung, Fähigkeiten, Bildung, Ausgewählte, Ergebnisse, Lehr-Lernforschung, Orientierungsleistungen, Berufsbildung“
Arbeit zitieren
Ilir Osmani (Autor), 2005, Pädagogisches Handlungsprogramm zur Förderung metakognitiver Fähigkeiten in der beruflichen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93215

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