Die Veränderungen des russischen Arbeitsmarktes seit der Wirtschaftskrise 2014/2015


Seminararbeit, 2019

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitu

2. Die russische Wirtschaftskrise von 2014/1
2.1 Der Niedergang des Ölpreises
2.2 Die Sanktionen aus dem Westen und die damit einhergehenden strukturellen Probleme
2.3 Die Sanktionen in der Zukunft

3. Auswirkungen der Krise auf die russische Bevölkeru
3.1 Die regionalen Unterschiede zur Krisenzeit

4. Die russische Außenverschuldu
4.1 Die Unternehmensverschuldung am Beispiel Rosneft

5 Das Wiedererstarken der russischen Wirtscha
5.1 Die Veränderungen der sozialen Indikatoren
5.2 Der Fachkräftemangel und die Probleme des Bildungssystems

6. Faz

Einleitu

Der russische Arbeitsmarkt Die russische Wirtschaft ist wieder auf dem Vormarsch, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sich innerhalb von zwei Jahren (von 2016 bis 2018) von 1.282,66 Billionen US-Dollar auf 1.630,66 Billionen US-Dollar verbessert. Der Höchstwert aus dem Jahr 2013 (2.289,24 Billionen US-Dollar) liegt zwar noch in weiter Ferne, dennoch ist der russische Markt dabei, sich von der letzten großen Wirtschaftskrise (Wikri) aus dem Jahr 2015 zu erholen (Statista BIP 2019).

Diese Krise hatte starke Auswirkungen auf den gesamten Wirtschaftssektor, aber auch auf den einzelnen Arbeitnehmer. Im Folgenden soll zunächst festgehalten werden, wie Russlands wirtschaftliche Situation zum „Krisenzeitpunkt“ aussah und welche Konsequenzen auf dem Arbeitsmarkt spürbar waren.

Darauf aufbauend sollen die konkreten Veränderungen beziehungsweise Verbesserungen auf den jeweiligen Märkten bis zum heutigen Zeitpunkt analysiert werden. Vorweg ist nämlich zu sagen, dass sich auch die Konditionen für die Arbeitnehmer deutlich verändert haben.

Zum Schluss soll auf ein allgemein bekanntest Problem eingegangen werden, den Fachkräftemangel in Russland. Vor der letzten Wikri konnte man auf Experten aus dem Ausland („Expats“) setzen, Statistiken zeigen jedoch, dass Russland als Ziel für Expats immer unattraktiver geworden ist. Das fehlende flächendeckende Bildungssystem ist ebenfalls ein Grund für den Fachkräftemangel. Auch dieses Problem soll genauer beleuchtet werden und ein möglicher Lösungsvorschlag dargestellt werden.

2. Die russische Wirtschaftskrise von 2014/15

Im Jahr 2015 sank die Wirtschaftsleistung von Russland um insgesamt 3,8 Prozent und auch im Folgejahr waren die Auswirkungen der Krise noch deutlich zu spüren (Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent). Die Krise hatte drei externe Faktoren, die im Endeffekt dafür sorgten, dass zahlreiche russische Familien an der Armutsgrenze lebten. Knapp 20 Millionen Menschen (1/7 der russischen Bevölkerung) hatten 2015 weniger als fünfDollar pro Tag zur Verfügung (Welt Armut).

2.1 Der Niedergang des Ölpreises

Russlands Ölexporte sind nach wie vor der Hauptmotor für die landeseigene Wirtschaft, dementsprechend ist man abhängig vom derzeitigen Ölpreis. Im Jahr 2015 fiel dieser drastisch ab, auf einen Jahrzent-Negativwert von 52,3 US-Dollar pro Barrel. Russlands Tagesförderung von Öl lag zu diesem Zeitpunkt bei 11.007 Barrel pro Tag. Wenn man die Zahlen aus dem Jahr 2015 mit den Zahlen aus dem Jahr 2012, in welchem der Ölpreis auf eine Jahrzehnte-Hoch war, vergleicht, werden die Verluste deutlich. Hier lag der Jahresdurchschnittspreis bei 128,38 US-Dollar pro Barrel. Binnen drei Jahren gab es also einen Abstieg um 76,08 US-Dollar pro Barrel. Die Rohstoffe Öl, Gas und Kohle machen knapp 80 Prozent der gesamten russischen Exporte aus und sind für 50 Prozent des Staatshaushaltes verantwortlich. Die Schwere des Niedergangs ist nicht zu verkennen. (Statista Erdölproduktion; TECSON EdE; P. Fischer: 62).

2.2 Die Sanktionen aus dem Westen und die damit einhergehenden strukturellen Probleme

Als Reaktion auf die russische Politik im Rahmen der Ukraine-Krise hat die Europäische Union (EU) schrittweise Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Sanktionen umfassten diverse Gebiete, betroffen waren unter anderem diplomatische Maßnahmen, Maßnahmen gegen einzelne Personen, Wirtschaftssanktionen und Beschränkungen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Erste wirtschaftliche Sanktionen wurden ab Juli 2014 ausgesprochen. Diese wurden in mehreren Schritten verschärft und von der Erfüllung des Abkommens von Minsk abhängig gemacht.

Die Auflagen betrafen vor allem den Finanzsektor. Durch den eingeschränkten Zugang zu den Primär- und Sekundärkapitalmärkten der EU, den Aus- und Einfuhrverbot für Waffen und dem beschränkten Zugang zu bestimmten sensiblen Technologien und Dienstleistungen wurde das Staatskapital massiv beschränkt (EU Sanktionen).

Durch sie wurde verhindert, dass russische Banken und Unternehmen ihre externen Schulden refinanzieren konnten. Auch die indirekten Folgen der Sanktionen hatten große Bedeutung für Russland. So gingen 2014 beispielsweise die Investitionen von ausländischen Unternehmen drastisch zurück. Die Handelsbeziehungen zu den westlichen Partnern litten spürbar und das Land Russland wurde für Unternehmen und Investoren immer uninteressanter. Im Vergleich zum Jahr 2013 sanken die Investitionen im Jahr 2014 um 35,5 Milliarden Euro auf 16,6 Milliarden Euro. Für 2015 wurde ein erneuter Rückgang um knapp zehn Milliarden Euro festgehalten. (S. Fischer 2015: 4; Dek Wirtsch.; DR AHK: 7 ff.).

Besonders problematisch waren die Sanktionen der EU, da die Union 2014 die stärkste Investorin in den russischen Markt war (mit knapp 170 Milliarden Euro). Im Gegenzug machten die Russland-Importe acht Prozent der gesamten Warenimporte der EU aus. Damit war Russland hinter China und den USA das drittgrößte Importeur-Land. Seit den Sanktionen 2015 ist Russlands Anteil am Handel jedoch rapide gesunken, bei den Wareneinfuhren aus Russland verzeichnete die EU-28 in dem Zeitraum von 2006 bis 2016 einen Rückgang um 16 Prozent. Auch geplante Kooperationen zwischen der EU und Russland wurden im Zuge der Krim-Politik aufEis gelegt. Die geplante Visafreiheit zwischen der EU und Russland wurde beispielsweise nie umgesetzt. Das angespannte Verhältnis spiegelte sich auch in vielen Meinungsumfrage wider, so stieg die Ablehnung der Russen gegenüber der EU 2015 auf knapp 70 Prozent (bpb Russland).

2.3 Die Sanktionen in der Zukunft

Im Vorfeld des Treffens zwischen Angela Merkel, dem deutschen Außenminister Heiko Maas und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im August 2018, sagte Maas mit Blick auf die internationalen Sanktionen gegen Russland: „gelingt die Umsetzung des Minsker Abkommens, können wir über ein Ende der Sanktionen verhandeln. Aber erst dann." (FO 2018).

Im Januar 2019 liefen die Sanktionen gegen Russland aus, erwartungsgemäß wurden sie verlängert. Es wird prognostiziert, dass die Sanktionen in Zukunft noch größere Auswirkungen auf den Öl- und Gassektor haben werden. Bis zum Jahr 2025 rechnet man mit einem Rückgang der Ölförderung um knapp fünf Prozent, bis 2030 um knapp zehn Prozent. (EU-St)

3. Auswirkungen der Krise auf die russische Bevölkerung

Die Wikri hatte große Auswirkungen auf die russischen Arbeitnehmer. Wie bereits erwähnt, mussten im Jahr 2015 knapp ein Siebtel der Bevölkerung mit weniger als fünf US-Dollar pro Tag auskommen. Das BIP pro Kopf sank auf einen negativ-Rekordwert von 8.137 Euro. Russlands gesamter Handelsumsatz fiel 2015 unter die 450 Milliarden Euro-Grenze (441 Milliarden Euro), im Folgejahr waren es sogar nur 424 Milliarden Euro. Diese Verschlechterung wirkte sich deutlich auf die Gehälter aus. Im Jahr 2015 lag der Durchschnittsmonatslohn bei 499 Euro, im Jahr 2016 bei nur 495 Euro. Das Realeinkommen hatte seinen Tiefpunkt im Jahr 2016, binnen drei Jahre war es um elfeinhalb Prozent auf 415,06 Euro (30.774,7 Rubel) pro Monat gefallen.

Während der Krise glich die Rente beinahe dem Leben am Existenzminimum. Auch hier war das Jahr 2016 am stärksten betroffen, das Existenzminimum pro Monat lag bei 133 Euro, die Rente betrug lediglich 34 Euro mehr (167 Euro). (DR AHK 19: 20).

3.1 Die regionalen Unterschiede zur Krisenzeit

Insgesamt besteht das Land aus 83 verschiedenen Föderationssubjekten (Regionen), welche laut der russischen Verfassung alle gleichgestellt sind. Die Regierung bemüht sich schon seit circa 15 Jahren um eine bessere Zentralisierung Russlands. In diesem Zuge wurde das wirtschaftliche Selbstbestimmungsrecht der Regionen massiv eingeschränkt. Interessant ist, dass die Arbeitslosenquote in nahezu allen Regionen nicht gestiegen ist, sie liegt sogar weiterhin auf einem Niedrigniveau von sieben Prozent. Diese geringe Statistik resultiert daraus, dass die russischen Untemehmen/Firmen anders auf eine Krise reagieren, als beispielsweise deutsche Unternehmen/Firmen. Anstatt die Mitarbeiter zu entlassen, werden die Löhne und Gehälter reduziert. Daher ist der Rückgang des Realeinkommens damit zu begründen, dass die Löhne/Gehälter geringer gestiegen sind als die Inflation. Teilweise sind die Gehälter sogar gesunken. In manchen Regionen ist die Arbeitslosenquote zur Krisenzeit sogar zurückgegangen, der Umgang mit einer Krise ist alsoje nach Industriestrukturunterschiedlich. (Libman 2016: 7f.)

Für die weitere Beschreibung der Unterschiede zwischen den Sektoren bezieht sich die Seminararbeit auf das von Natalija Zubarewitsch entworfene Schema der „vier Russlands“. Hier wird zwischen vier wirtschaftlichen Zonen unterschieden. Die erste Zone besteht aus Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern und macht circa 30 Prozent der russischen Bevölkerung aus. Die zweite Zone umfasst die mittleren Städte (ca. 25 Prozent der Gesamtbevölkerung), in welcher die Großindustrie eine relevante Rolle spielt. Die dritte Zone umfasst die ländlichen Gebiete (ca. 40 Prozent der Bevölkerung) mit einer spezifischen Agrarproduktion. Die letzte Zone umfasst die verbleibenden fünf Prozent und beschreibt die ärmsten Republiken des Nordkaukasus und Südsibiriens (Libman 2016: 8f.).

Die erste Zone war von der Wikri besonders betroffen, da die hier für den Wohlstand verantwortliche Erdöl- und Erdgas-Exporte aufgrund der Konjunktur an den Ressourcenmärkten und der Sanktionen rückläufig waren. Die Bevölkerung des „ersten Russlands“ verfügtjedoch über verhältnismäßig große Ersparnisse, sodass die betroffene Bevölkerung eine Krise für eine gewisse Dauer überstehen kann.

Die Bevölkerungsgruppen aus dem „dritten und vierten Russland“ haben in erster Linie mit dem föderalen Verkauf der hergestellten Agrarprodukte zu kämpfen. Entgegen der Annahmen kann man die landwirtschaftlichen Regionen als Gewinner der Moskauer Politik bezeichnen. Man profitiert von den Sanktionen gegen die Lebensmittelimporte aus den USA, Kanada, Australien, der EU (2014) und der Türkei (2015). Daher sind die Zahlen der Geringverdiener (bis 14.000 Rubel) rückläufig.

Die zweite Zone ist am anfälligstem für eine Krise. In den sogenannten „Monostädten“ ist oftmals ein großer Betrieb der wichtigste Arbeitgeber. Die konkreten Auswirkungen der Krise sind hier von der Reaktion des Betriebes abhängig. Die Statistik der Verdienste in der „Mittelklasse“ (14.000 bis 45.000 Rubel) zeigt, dass die Zahlen stagnieren. Dies liegt daran, dass die Unternehmen ihre Maßnahmen (Entlassungen, Gehaltskürzungen etc.) mit regionalen und föderalen Behörden abstimmen müssen. Daher sind hier keine Konsequenzen mit beträchtlichen sozialen Folgen möglich (Libman 2016: 10; DR AHK: 21).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Veränderungen des russischen Arbeitsmarktes seit der Wirtschaftskrise 2014/2015
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Neuphilologisches Institut)
Veranstaltung
Interkulturelle Kommunikation - Slavischer Kulturraum
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V934062
ISBN (eBook)
9783346274168
Sprache
Deutsch
Schlagworte
veränderungen, arbeitsmarktes, wirtschaftskrise
Arbeit zitieren
Henrik Zinn (Autor), 2019, Die Veränderungen des russischen Arbeitsmarktes seit der Wirtschaftskrise 2014/2015, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/934062

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