Das Ziel der Arbeit ist das Kennenlernen religiös konnotierter Künste und das Aufzeigen, wie man Kunst im islamischen Religionsunterricht nahbar machen kann. Der interkulturelle und interreligiöse Mehrwert der Kunst soll in dieser Arbeit dargestellt werden, denn Kunst verbindet Menschen. In der vorliegenden Masterarbeit wird zunächst für den historischen Kontext auf die bildende Kunst im Alten Orient eingegangen. Hierzu werden drei der einflussreichsten Völker des Alten Orient und ihre Bau- und Malkunst vorgestellt. Die bildende Kunst ist breitgefächert.
"Der Kompositionsgedanke [bzw. die Abstraktheit] islamischer Kunst spiegelt durch seine Raum- und Zeitlosigkeit die unzerbrechliche Ordnung eines geistigen Kosmos, einer in Gott gegründeten Ordnung und Schönheit."Mit diesem Zitat Hans-Günther Schwarz‘, welches die Spiritualität, Zeitlosigkeit und Schönheit der islamischen Kunst und ihre Beziehung zu Gott behandelt, möchte der Autor seine Masterarbeit beginnen, da er findet, dass dieses Zitat die perfekte Zusammenfassung seines Interesses an islamischer Ästhetik und der Thematik dieser Arbeit darstellt.
Das gewählte Thema dieser Masterarbeit ist durch die Zweiteilung in einen ersten Teil – die Literaturarbeit – und einen zweiten Teil – der pädagogische Teil – gegliedert. Der erste Teil befasst sich mit dem Einblick in das islamische Kunstwesen mit besonderer Berücksichtigung der bildenden Kunst. Dies wurde so gewählt, da die bildende Kunst im späteren Verlauf einen effizienten pädagogischen Mehrwert und einen Lebensweltbezug zu den SuS herstellen kann. Das erleichtert den Einstieg in den pädagogischen Teil und erweitert die religionspädagogischen Möglichkeiten durch islamische Ästhetik. Der zweite Teil der Arbeit soll einen didaktischen und pädagogischen Blick auf die Kunst unterschiedlicher Religionen gewähren. Sehr wichtig zu erwähnen ist, dass der erste Teil der Masterarbeit aus kunstgeschichtlicher und teils kulturpolitischer Sicht bearbeitet wird. In dieser Arbeit wird keine (ausführliche) Kunstanalyse durchgeführt. Diese Masterarbeit wird durch den Gedanken, religiös konnotierte Künste und Religionspädagogik zusammenzuführen, besonders.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Erläuterung zur Gliederung der Arbeit
1.2 Begriffserklärung
2. Bildende Kunst im Alten Orient
2.1 Die Sumerer und Babylonier
2.2 Die Assyrer
3. Bildende Kunst
3.1 Islamische Architektur (Moscheen und Medresen)
3.1.1 Das Minarett
3.1.2 Die Kuppel
3.1.3 Sinan, der Architekt
3.2 Islamische Malerei
3.2.1 Bilderverbot im Islam
3.2.2 Indisch-muslimische Malerei
3.2.3 Osmanische Malerei
3.2.4 Persische Malerei
3.2.5 Fresko Malerei
3.3 Islamische Teppichkunst und europäische Faszination
3.4 Bildhauerei
3.5 Kalligraphie
4. Musik
4.1 Musik und Tanz der Sufis
4.2 Musik am Beispiel der Türken, Araber und Perser
5. Islamische Poesie am Beispiel der Perser
6. Darstellende Kunst am Beispiel Irans
6.1 Das Theater
6.2 Der Film
7. Zwischenfazit
8. Exkurs: Die Poesie der Rap-Musik und ihr pädagogischer Einfluss auf Jugendliche
9. Kunstpädagogik und Ästhetik
10. Unterrichtsentwurf zur Erkundung einer Kirche und einer Moschee
10.1 Einleitung zum Unterrichtsentwurf
10.2 Bedingungsanalyse
10.3 Theologische Reflexion
10.4 Die didaktisch-methodische Analyse
10.5 Lernziele/ Kompetenzerwartungen und Verortung des Themas im Lehrplan
11. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das islamische Kunstwesen mit besonderem Fokus auf die bildende Kunst und deren religionspädagogische Potenziale für den Islamunterricht. Das Hauptziel ist die Förderung der interkulturellen und interreligiösen Kompetenz durch die ästhetische Auseinandersetzung mit Kunstformen, wobei auch die Lebenswelt von Jugendlichen in Deutschland einbezogen wird.
- Historischer Kontext der Kunst des Alten Orients und deren Einfluss
- Gattungen der islamischen Kunst: Architektur, Malerei, Teppichkunst, Bildhauerei und Kalligraphie
- Theologische und historische Auseinandersetzung mit dem Bilderverbot im Islam
- Die pädagogische Relevanz von Ästhetik und Rap-Musik im Religionsunterricht
- Konzeption eines Unterrichtsentwurfs zur Erkundung von Kirche und Moschee
Auszug aus dem Buch
3.1 Islamische Architektur (Moscheen und Medresen)
Obwohl Muslime weltweit architektonische Bauten errichtet haben, darf man nicht vergessen, dass der Islam in einer Region entstand, in der trockene Sandwüsten weit verbreitet waren. Das hatte zur Folge, dass das Errichten von monumentaler Architektur in diesen Gebieten - aufgrund der Bodenbeschaffenheit - erst viel später möglich war, als auf anderen Teilen der Erde. Während der Expansion des islamischen Herrschaftsgebietes, machten die Muslime Bekanntschaften mit der antiken Steinbaukunst, der mesopotamischen Verwendung von Ziegelmauerwerk und Stuck. Die islamischen Bauten wurden mit der Zeit immer dekorativer aufgezogen. Verschiedene geometrische Muster wurden für den Bau von Moscheen verwendet, die meist das dekorative Bedürfnis und nicht unbedingt die statische Notwendigkeit erfüllten.30 Demnach wird deutlich, dass die dekorative Ausschmückung der Moscheen von enormer Bedeutung war.
Es war üblich, Kirchen in eroberten Ländern zu Moscheen umzubauen. Beispielsweise haben die Araber im Jahr 711 teilweise europäische Gebiete besetzt und angegriffen. Im Jahr 756 wurde Córdoba zur Residenzstadt der Araber- es entwickelte sich eine islamische Gemeinde. Die eine Hälfte der Kirche San Vincente wurde in eine Moschee bzw. einen islamischen Gebetssaal umfunktioniert und die andere Hälfte den spanischen Christen überlassen. Die Vereinnahmung der Kirche war jedoch keinesfalls ein erzwungener oder gar barbarischer Akt der Muslime, denn unter dem Herrscher ʿAbd ar-Raḥmān kaufte die islamische Gemeinde in Córdoba die christliche Hälfte der Kirche auf. Im Gegenzug dazu durften die Christen in Spanien weitere Kirchen ausbauen. So entstand ein ganz neues Gotteshaus. Im Laufe der Zeit entstand eine Hallenmoschee, neue Minarette, prachtvolle geschmückte Bauteile mit Mosaiken (z.B. der Mihrāb), eine neue Kuppel, sowie ein zusätzlich abgetrennter Raum innerhalb der Moschee (Maqsūra).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Gliederung der Arbeit in einen kunstgeschichtlichen und einen religionspädagogischen Teil sowie die Zielsetzung des Kennenlernens religiös konnotierter Künste.
2. Bildende Kunst im Alten Orient: Das Kapitel beleuchtet die fortgeschrittene Kunst der Sumerer, Babylonier und Assyrer als wichtigen historischen Grundstein für die spätere orientalische Kunst.
3. Bildende Kunst: Hier werden zentrale islamische Kunstgattungen wie Architektur, Malerei, Teppichkunst, Bildhauerei und Kalligraphie sowie die theologischen Hintergründe des Bilderverbots analysiert.
4. Musik: Das Kapitel behandelt die Rolle der Musik in sufischen Praktiken sowie die musikalischen Traditionen unter Arabern, Persern und Türken.
5. Islamische Poesie am Beispiel der Perser: Es wird die Bedeutung und mehrdeutige Symbolik der persischen Lyrik und deren enge künstlerische Verbindung zur Sprache und zum Koran dargelegt.
6. Darstellende Kunst am Beispiel Irans: Das Kapitel analysiert die Entwicklung des Theaters und des Films im Iran und deren gesellschaftliche sowie politische Einflüsse.
7. Zwischenfazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kunst ein Bindeglied zwischen Religionen sein kann und plädiert für eine stärkere Einbindung ästhetischer Bildung.
8. Exkurs: Die Poesie der Rap-Musik und ihr pädagogischer Einfluss auf Jugendliche: Dieser Exkurs untersucht Rap-Musik als Teil der Lebenswelt muslimischer Jugendlicher und deren religionspädagogisches Potenzial.
9. Kunstpädagogik und Ästhetik: Es werden grundlegende Ziele der Kunstpädagogik definiert, um einen Weg für die Integration künstlerischer Formen in den Religionsunterricht zu bereiten.
10. Unterrichtsentwurf zur Erkundung einer Kirche und einer Moschee: Der praktische Teil beschreibt detailliert die Planung, Durchführung und Auswertung eines Unterrichtsentwurfs zur Erkundung religiöser Stätten.
11. Fazit: Die abschließende Reflexion betont erneut die Notwendigkeit, ästhetische Bildung stärker in den Lehrplänen zu verankern, um Lebensweltbezüge für Schüler herzustellen.
Schlüsselwörter
Islamische Kunst, Bildende Kunst, Architektur, Moschee, Kalligraphie, Religionspädagogik, Ästhetik, Kunstunterricht, Religionsunterricht, Kulturkontakt, Bilderverbot, Rap-Musik, Identität, Interreligiös, Interkulturell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet einen historischen und pädagogischen Einblick in das islamische Kunstwesen mit einem speziellen Fokus auf die bildende Kunst und deren Potenzial im Religionsunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die klassische islamische Kunstgeschichte, theologische Debatten zum Bilderverbot, die Bedeutung von Musik und Poesie sowie die Anwendung kunstpädagogischer Methoden in der Schulpraxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kunst im islamischen Religionsunterricht nahbar gemacht werden kann, um interreligiöse Mehrwerte zu schaffen und einen starken Lebensweltbezug zu Jugendlichen herzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine kunstgeschichtliche und kulturpolitische Literaturanalyse mit einer fachdidaktischen Konzeption für den Religionsunterricht (Unterrichtsentwurf).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Kunstformen (Architektur, Malerei, Kalligraphie, Musik, Poesie) historisch beleuchtet, die Thematik des Bilderverbots kritisch analysiert und ein Exkurs zum Thema Rap-Musik durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie islamische Kunst, Religionspädagogik, Ästhetik, Interkulturalität und Lebensweltbezug charakterisiert.
Warum spielt die Kalligraphie in dieser Arbeit eine Sonderrolle?
Die Kalligraphie gilt als „rein-islamische“ Kunstform, da sie als einzige unmittelbar mit der Heiligkeit der Schrift aus dem Koran verbunden ist.
Welche Rolle spielt die Rap-Musik für das Ziel der Arbeit?
Rap-Musik fungiert als Brücke zwischen der Lebenswelt der muslimischen Jugendlichen und dem Religionsunterricht, da sie als aktuelle Kunstform mit islamischen Nuancen konnotiert ist.
Wie ist der Unterrichtsentwurf in der Arbeit aufgebaut?
Der Entwurf beinhaltet eine Bedingungsanalyse der Klasse, eine theologische Reflexion, die didaktische Begründung der außerschulischen Erkundung von Kirche und Moschee sowie einen detaillierten Verlaufsplan.
Wird das Bilderverbot im Islam als absolut angesehen?
Die Arbeit zeigt, dass das Bilderverbot zwar theologisch bedeutsam ist, die historische Praxis der Muslime jedoch sehr vielfältig war und oft andere Wege (wie die Abstraktion) fand, um Kunst trotz religiöser Vorbehalte zu legitimieren.
- Citar trabajo
- Deniz Mikail Barut (Autor), 2020, Religionspädagogische Möglichkeiten durch islamische Ästhetik. Ein Einblick in das islamische Kunstwesen mit besonderer Berücksichtigung der bildenden Kunst, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/934526