In der folgenden Arbeit werden die Grundlagen, Leitziele und die Umsetzung des Lernfeldkonzeptes erläutert. Ebenso werden bisher ermittelte Möglichkeiten und Grenzen bei der Implementierung und Umsetzung an berufsbildenden Schulen aufgezeigt.
Die Einführung des Lernfeldkonzeptes 1996 sollte eine Antwort auf gegenwärtige gesellschaftliche Prozesse sein, da die Dynamik wirtschaftlicher und sozialer Entwicklungen zum einen einen schnelleren Wandel von Qualifikationsanforderungen und zum anderen neue berufliche Herausforderungen mit sich bringt. Dementsprechend werden einmal erlernte Berufe kaum mehr ein Leben lang ausgeübt. Weiterhin waren Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis, Erkenntnisse der Lern- und Entwicklungspsychologie und die Forderung der Praxis nach einer stärkeren Ausrichtung der Ausbildungen an tatsächlichen Arbeitsprozessen Gründe für die Einführung des Lernfeldkonzeptes. Insbesondere die Struktur curricularer Vorgaben, die Beteiligung der Rezipienten sowie die Implementationsbedingungen sind von der Veränderung betroffen. Neben der Qualifizierung zur Ausübung eines Berufes ist die Berufsbildung aber noch einem anderen Ziel verpflichtet: der Förderung der Persönlichkeit junger Menschen in sozialer, ökologischer und individueller Verantwortung (Vgl. Kultusministerkonferenz, 2018, S.14). Um diesem doppelten Anspruch gerecht zu werden, muss der Unterricht in berufsbildenden Schulen ein differenziertes Bildungsangebot gewährleisten.
Nachdem die Implementation zunächst zu Irritationen und Problemen geführt hat, sind lernfeldstrukturierte Lehrpläne mittlerweile in den Curricula berufsbildender Schulen verankert und werden unter anderem in handwerklichen, wirtschaftlichen oder pflegerischen Ausbildungsberufen umgesetzt. Mittlerweile sind über 20 Jahre seit der Einführung vergangen und es stellt sich die Frage, inwieweit die an das Lernfeldkonzept gerichteten Ziele und Ansprüche seitens des Wirtschafts- und Bildungssystems erfüllt werden konnten. Kann es eine Antwort auf gegenwärtige gesellschaftliche Prozesse sein und die berufliche Bildung fördern und welche Faktoren sind dafür ausschlaggebend?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
3. Leitziel
4. Curriculare Gestaltungsprinzipien
5. Umsetzung des Lernfeldkonzeptes
6. Möglichkeiten und Grenzen bei der Umsetzung des Lernfeldkonzeptes
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse des Lernfeldkonzeptes in der beruflichen Bildung, indem sie dessen theoretische Grundlagen, Leitziele und die praktische Implementierung an berufsbildenden Schulen untersucht. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit das Konzept nach über 20 Jahren die an es gerichteten Ziele hinsichtlich gesellschaftlicher Prozesse und der Förderung beruflicher Bildung erfüllen konnte und welche Faktoren den Umsetzungsprozess maßgeblich beeinflussen.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen des Lernfeldkonzeptes
- Curriculare Gestaltungsprinzipien (Wissenschafts-, Persönlichkeits- und Situationsprinzip)
- Organisatorische und didaktische Umsetzung auf Makro-, Meso- und Mikroebene
- Rolle von LehrerInnenteams und Lernortkooperation
- Kritische Analyse von Möglichkeiten und Grenzen der Implementierung in der Praxis
Auszug aus dem Buch
5. Umsetzung des Lernfeldkonzeptes
Die Umsetzung der Lernfeldkonzeptes geschieht auf unterschiedlichen Bezugsebenen: die Makro-, Meso- und Mikroebene. Die Makroebene bezieht sich auf institutionelle Rahmenbedingungen und beinhaltet normative, administrative und curriculare Belange. Zum Beispiel die Frage, wie umfangreich und differenziert die Inhaltsvorgaben in den Rahmenlehrplänen sein sollen (Vgl. Riedl, 2011, S.164). Auf der Mesoebene steht die Schule mit den spezifischen Rahmenbedingungen und Einflussbereichen im Fokus. Hier werden Entscheidungen zum Thema Profilbildung von Schulen, Qualitäts- und Teamentwicklung oder Lernortkooperation getroffen. Bei der Mikroebene geht es dann letztendlich um die Durchführung von Unterricht, die Arbeit mit den SchülerInnen und die sich daraus ergebenden Anforderungen an die LehrerInnen (Vgl. ebd., S.164).
Für die Umsetzung des Lernfeldkonzeptes in der Schule hat die KMK mit den Handreichungen Informationen und Aufgaben für Schulleitungen und LehrerInnen dargelegt. Die Schulleitung ist demnach dafür verantwortlich, neue Lehrpläne so einzuführen, dass diese von den LehrerInnen in erwarteter Qualität durchgeführt werden kann und somit die Schule ihrem Bildungsauftrag gerecht wird (Vgl. Sächsisches Bildungsinstitut, 2013, S.9). Schulische Veränderungen im Kontext des Lernfeldkonzeptes beinhalten die Strukturierung der Stundenpläne, Klassenarbeiten und Zeugnisse nach Lernfeldern, eine Verstärkung der Lernortkooperation sowie das Verständnis der Lehrkräfte hin zu Fachexperten als Mitglieder in einem Team (Vgl. ebd. S.9).
Hierzu sollen an Schulen LehrerInnenteams gebildet werden, die LehrerInnen aus berufsbezogenen und berufsübergreifenden Bereichen beinhalten. Das LehrerInnenteam plant den Unterricht für einen kompletten Bildungsgang, konkretisiert die inhaltlichen Vorgaben der Lernfelder in Anbetracht der beruflichen Handlungsanforderungen und entwickelt und dokumentiert Lernsituationen auf Basis der Lernfelder. Unter Berücksichtigung organisatorischer Besonderheiten (Klassenteilungen, Raumplanungen) erfolgt die konkrete Aufgaben- und Stundenverteilung sowie die Zusammenstellung von entsprechenden Unterrichtsmaterialien (Medien, Lehrbücher). Außerdem wird die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Partnern der Ausbildung durch das LehrerInnenteam organisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung des Lernfeldkonzeptes als Antwort auf gesellschaftlichen Wandel und stellt die Forschungsfrage nach der bisherigen Zielerreichung in der Praxis.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert den Übergang von der fachsystematischen Orientierung hin zum handlungsorientierten Lernen, um das Problem des „trägen Wissens“ zu überwinden.
3. Leitziel: Hier wird der Erwerb beruflicher Handlungskompetenz als lebenslanger Prozess und Ziel des eigenverantwortlichen Handelns definiert.
4. Curriculare Gestaltungsprinzipien: Es werden das Wissenschafts-, Persönlichkeits- und Situationsprinzip als fundamentale Säulen der Lehrplangestaltung beschrieben.
5. Umsetzung des Lernfeldkonzeptes: Dieses Kapitel detailliert die verschiedenen Ebenen der Implementierung sowie die Rolle von Schulleitungen und Lehrerteams bei der Gestaltung von Lernsituationen.
6. Möglichkeiten und Grenzen bei der Umsetzung des Lernfeldkonzeptes: Hier werden die Herausforderungen wie Legitimationsdruck, Schulautonomie, Prüfungsstrukturen und der notwendige Perspektivwechsel für Lehrkräfte kritisch diskutiert.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Implementierung ein individueller Prozess ist, der trotz formaler Etablierung in der Praxis noch erhebliche Barrieren aufweist.
Schlüsselwörter
Lernfeldkonzept, Berufsbildung, Handlungskompetenz, Handlungsorientierung, Curriculare Gestaltung, Lernsituationen, LehrerInnenteams, Lernortkooperation, Berufsschule, Fachsystematik, Situationsprinzip, Schulentwicklung, Implementierung, Didaktik, Berufspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Lernfeldkonzept in der beruflichen Bildung, dessen Ziele, theoretische Fundierung sowie die reale Umsetzung und Wirksamkeit in deutschen berufsbildenden Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abkehr von der klassischen Fächersystematik, die Entwicklung von Handlungskompetenz, die Rolle der Lehrkräfte in Teams und die Herausforderungen bei der Kooperation zwischen Lernorten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu hinterfragen, ob das seit über 20 Jahren etablierte Lernfeldkonzept die Anforderungen des Wirtschafts- und Bildungssystems erfüllt hat und welche Faktoren diese Implementierung fördern oder hemmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Analyse fachdidaktischer Literatur, um den Stand der Implementierung des Lernfeldkonzeptes kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, curriculare Prinzipien, die organisationale und methodische Umsetzung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den realen Problemen bei der Umsetzung in Schulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lernfeldkonzept, Handlungskompetenz, Handlungsorientierung, Lernsituationen und berufliche Bildung.
Warum wird die Umsetzung des Konzepts als „individueller Prozess“ bezeichnet?
Weil das Konzept an jeder Schule und in jedem Bildungsgang unterschiedlich umgesetzt wird, abhängig von den schulspezifischen Rahmenbedingungen, dem Teamgefüge und dem Grad der Lernortkooperation.
Welche Rolle spielt die „didaktische Jahresplanung“?
Sie dient als Steuerungsinstrument, das von LehrerInnenteams erstellt wird, um Lernfelder zu strukturieren und die Entwicklung von Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz zeitlich zu koordinieren.
- Arbeit zitieren
- Katharina Große Halbuer (Autor:in), 2019, Lernfeldstrukturierte Lehrpläne in berufsbildenden Schulen. Eine Antwort auf gesellschaftliche Prozesse?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936350