In dieser Arbeit werden die Auswirkungen des Leverage Ratio nach Basel III auf den deutschen Bankensektor untersucht. Zur Klärung dieses Sachverhaltes werden die nachfolgenden Fragestellungen aufgeworfen, anhand derer eine Gesamtaussage bezüglich möglicher Konsequenzen getroffen werden soll: Welche Besonderheiten weist der deutsche Bankensektor auf? Wie stellen sich die Leverage Ratios deutscher Banken im Vergleich zu der vorgeschlagenen Höchstverschuldungsquote dar? Werden Banken oder Bankengruppen des deutschen Bankensektors systematisch durch eine Leverage Ratio benachteiligt?
Die Finanzmarktkrise in den Jahren 2007 und 2008 traf den internationalen Bankensektor in einem nicht vorhersehbaren Ausmaß. Mit ihrem Höhepunkt, dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers, brach auch der Interbankenmarkt durch den Verlust von Vertrauen in die Solvenz von Kreditinstituten zusammen. Dies hinterließ nicht zuletzt Spuren bei deutschen Kreditinstituten, die durch ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Stabilisierung des Finanzsystems, insbesondere durch eine umfangreiche Liquiditätsbereitstellung, Garantien für private Spareinlagen der Deutschen Bundesregierung und Kapitalhilfen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, gestützt werden mussten.
Angesichts des Umfangs und der Geschwindigkeit, mit der sich die Finanzmarktkrise weltweit ausbreitete und zu einer Vorbeugung zukünftiger Krisen, hat sich der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) zur Aufgabe gemacht, die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors zu stärken. Zu diesem Zweck veröffentlichte der BCBS im Jahr 2009 das Rahmenwerk zu Basel III, das seine Wirkung durch strengere und global gültige Regeln für Eigenkapital und Liquidität von Banken entfalten soll.
Im Rahmen der Reformen wird eine Leverage Ratio als Höchstverschuldungsquote eingeführt, um die risikobasierten Eigenmittelanforderungen zu ergänzen und die Verschuldung im Bankensektor zu begrenzen. Diese Kapitalquote soll einen zu Instabilität im Finanzsystem und in der Realwirtschaft führenden Verschuldungsabbauprozess zukünftig vermeiden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Verschuldungsregulierung
2.1 Historische Entwicklung der Regulierungsanforderungen
2.2 Leverage Ratio nach Basel III
2.2.1 Einführung der Leverage Ratio
2.2.2 Zusammensetzung der Kapitalmessgröße
2.2.2.1 Hartes Kernkapital
2.2.2.2 Zusätzliches Kernkapital
2.2.2.3 Ergänzungskapital
2.2.2.4 Abzugs- und Korrekturposten
2.2.3 Zusammensetzung der Engagementmessgröße
2.2.3.1 Bilanzwirksame Engagements
2.2.3.2 Derivative Engagements
2.2.3.3 Wertpapierfinanzierungsgeschäfte
2.2.3.4 Außerbilanzielle Positionen
2.3 Leverage Ratio nach CRR
2.3.1 Umsetzung der Leverage Ratio in europäisches Recht
2.3.2 Unterschiede zu den Baseler Standards
2.3.2.1 Ausgestaltung der Kennzahl
2.3.2.2 Bilanzwirksame Engagements
2.3.2.3 Derivative Engagements
2.3.2.4 Wertpapierfinanzierungsgeschäfte
2.3.2.5 Außerbilanzielle Positionen
2.3.3 Delegierter Rechtsakt der EU-Kommission
2.4 Aktueller Forschungsstand zur Leverage Ratio
3 Empirische Untersuchung
3.1 Zielsetzung
3.2 Methodik
3.3 Vorgehen bei der Erstellung der Datenbasis
3.3.1 Datenbasis für den deutschen Bankensektor
3.3.2 Datenbasis für die Regressionsanalyse
3.4 Definition und Erläuterung der verwendeten Daten
3.5 Deskriptive Statistiken zum Datensatz
3.5.1 Charakteristika des deutschen Bankensektors
3.5.2 Analyse der Bankensegmente
3.5.2.1 Sparkassen
3.5.2.2 Geschäftsbanken
3.5.2.3 Staatliche Finanzinstitute
3.5.2.4 Hypothekenbanken
3.5.2.5 Genossenschaftsbanken
3.5.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.6 Regressionsmodell
3.6.1 Beschreibung des Regressionsmodells
3.6.2 Ergebnisse der Regressionsanalyse
3.6.3 Ökonometrische Problemfelder
3.6.3.1 Grundlagen
3.6.3.2 Multikollinearität
3.6.3.3 Heteroskedastizität
4 Auswirkungen einer Leverage Ratio auf den deutschen Bankensektor
4.1 Leverage Ratios deutscher Banken
4.2 Identifizierte Einflüsse auf die Kennzahl
4.2.1 Geschäftsvolumen
4.2.2 Geschäftstätigkeit
4.2.3 Risikogehalt
4.3 Diskussion der Ergebnisse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der nach Basel III eingeführten Leverage Ratio auf den deutschen Bankensektor. Zentral ist die Frage, wie sich die neue, nicht-risikosensitive Höchstverschuldungsquote auf verschiedene deutsche Kreditinstitute auswirkt und ob diese systemisch benachteiligt werden könnten. Dabei wird ein Regressionsmodell entwickelt, um die für deutsche Banken bisher nicht öffentlich verfügbaren Engagementmessgrößen zu schätzen.
- Konzeptionelle Grundlagen der Leverage Ratio nach Basel III
- Vergleich der Baseler Anforderungen mit der Umsetzung in europäisches Recht (CRR)
- Strukturanalyse des deutschen Bankenmarktes nach dem Drei-Säulen-Modell
- Entwicklung eines ökonometrischen Regressionsmodells zur Schätzung von Leverage Ratios
- Analyse der Auswirkungen des Geschäftsvolumens, der Geschäftstätigkeit und des Risikogehaltes auf die Leverage Ratio
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Einführung der Leverage Ratio
Im Rahmen der Basel III-Reformen wird die Einführung einer Leverage Ratio als Höchstverschuldungsquote umgesetzt. Diese soll als einfache und transparente Verschuldungsquote die risikobasierten Eigenmittelanforderungen ergänzen. Ein weiterer Zweck dieser Kennzahl ist die Begrenzung der Verschuldung im Bankensektor, um einen zu Instabilität im Finanzsystem und in der Realwirtschaft führenden Verschuldungsabbauprozess zu vermeiden.
Die Leverage Ratio sowie ihre Komponenten sind seit dem 1. Januar 2013 quartalsweise an die nationalen Aufsichtsbehörden zu melden und ab dem 1. Januar 2015 im Offenlegungsbericht zu publizieren. Bis einschließlich 2017 werden die Kennziffer und ihre Auswirkungen beobachtet und ihre Ausgestaltung abschließend kalibriert. Nach der Beobachtungsphase wird die Leverage Ratio im Jahr 2018 in die Mindestkapitalanforderungen gemäß der ersten Säule integriert. Insbesondere hat die lange Beobachtungsphase den Zweck zu überprüfen, ob die Ausgestaltung der Kennzahl für die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der Institute tragbar ist und ob unter Berücksichtigung der verschiedenen Rechnungslegungsstandards eine Vergleichbarkeit über den gesamten Kreditzyklus hinweg garantiert werden kann. Gemäß den Vorschlägen des BCBS wird in der Übergangsphase die Angemessenheit einer Mindestquote von 3% des Kernkapitals als Höchstverschuldungsquote überprüft. Bei der Leverage Ratio handelt es sich um eine nicht-risikosensitive Kennzahl, um Schwächen und Messfehlern von bankinternen Modellen sowie der Zyklizität risikobasierter Eigenmittelanforderungen als Backstop entgegenzuwirken. Sie wird als das prozentuale Verhältnis der Kapitalmessgröße eines Instituts und dessen Engagementmessgröße ermittelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Finanzmarktkrise ein und erläutert die regulatorische Notwendigkeit der Einführung der Leverage Ratio als ergänzende, nicht-risikosensitive Kennzahl.
2 Grundlagen der Verschuldungsregulierung: Dieses Kapitel detailliert die Definitionen, Komponenten und die regulatorische Einbettung der Leverage Ratio gemäß Basel III sowie der europäischen CRR.
3 Empirische Untersuchung: Es wird die Methodik der Regressionsanalyse vorgestellt, um Engagementmessgrößen deutscher Banken auf Basis verfügbarer Finanzkennzahlen zu schätzen und zu validieren.
4 Auswirkungen einer Leverage Ratio auf den deutschen Bankensektor: Die Ergebnisse der Schätzung werden präsentiert, um die Auswirkungen auf verschiedene Bankengruppen und die Sensitivität gegenüber dem Geschäftsvolumen und Risikogehalt zu analysieren.
5 Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Implikationen der Leverage Ratio für deutsche Kreditinstitute sowie die Gefahr einer systematischen Benachteiligung bestimmter Geschäftsmodelle.
Schlüsselwörter
Leverage Ratio, Basel III, CRR, Bankenregulierung, Kapitaladäquanz, Eigenkapital, Engagementmessgröße, Risiko, Regressionsanalyse, Bankensektor, Verschuldungsquote, Finanzmarktkrise, Risikogewichtung, Eigenmittelanforderungen, Backstop
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die potenziellen Auswirkungen einer Leverage Ratio als neue Höchstverschuldungsquote auf den deutschen Bankensektor unter Berücksichtigung der regulatorischen Vorgaben von Basel III.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Zentrale Themen sind die regulatorischen Grundlagen der Verschuldungsregulierung, die Unterschiede zwischen den Baseler Standards und der europäischen CRR sowie die empirische Schätzung und Analyse von Leverage Ratios für deutsche Banken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die für deutsche Banken bisher nicht öffentlich verfügbaren Leverage Ratios mittels einer Regressionsanalyse zu schätzen, um Aussagen über ihre Belastbarkeit und mögliche Benachteiligung durch die neue Quote treffen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine multiple lineare Regressionsanalyse angewendet, um auf Basis der Daten aus dem Comprehensive Assessment der EZB die Zusammensetzung der Engagementmessgrößen deutscher Banken zu modellieren.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die Struktur des deutschen Bankenmarktes, die Datenaufbereitung für das Regressionsmodell und die Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich Geschäftsvolumen, Geschäftstätigkeit und RWA-Quoten.
Was sind die charakteristischen Schlagworte der Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Leverage Ratio, Basel III, Eigenkapital, Engagementmessgröße und Bankenregulierung charakterisiert.
Warum wird eine Schätzung der Leverage Ratios überhaupt benötigt?
Da die Veröffentlichung der Leverage Ratio für Banken erst ab dem Geschäftsjahr 2015 verpflichtend wurde, müssen die Kennzahlen für den betrachteten Zeitraum 2013 aus den verfügbaren Finanzdaten der Banken geschätzt werden.
Welche Erkenntnisse liefert die Arbeit zur Benachteiligung bestimmter Bankentypen?
Die Analyse zeigt, dass insbesondere Hypothekenbanken aufgrund ihres risikoarmen Geschäftsmodells systematisch niedrigere Leverage Ratios aufweisen und bei Einführung einer starren 3%-Quote stärker belastet werden als andere Bankengruppen.
- Citar trabajo
- Sascha Müße (Autor), 2015, Der Leverage Ratio nach Basel III. Auswirkungen einer Höchstverschuldungsquote auf den deutschen Bankensektor, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936376