Sterben, Tod und Trauer sind in unserer Gesellschaft noch immer sensible Themen und werden meist privatisiert und tabuisiert, auch wenn jeder mehr oder weniger damit konfrontiert wird. Trauer wird versteckt, damit andere nicht irritiert und in ihrem Wohlbefinden gestört werden. An den Tod als unsere letzte, unüberwindliche Grenze wollen wir nicht gerne erinnert werden.
In unserem persönlichen Leben wie auch in der sozialpädagogischen Arbeit begegnen wir der Trauer immer wieder. Trauer erleben wir da, wo wir uns trennen müssen, beim Tod eines geliebten Menschen, bei Trennungen und Scheidungen. Der Tod eines geliebten Menschen stellt eine besondere Anforderung an den Hinterbliebenen dar, da er im Gegensatz zu Trennungen und Scheidungen auf jeden Fall von Endgültigkeit geprägt ist und keine Klärung von noch bestehenden Problemen o.ä. mehr möglich er-scheint. Für den Hinterbliebenen kann die ganze Lebensplanung oder –erwartung auf den Kopf gestellt werden. Nicht jeder findet in seinem Schmerz und seiner zeitweisen Orientierungslosigkeit Hilfe bei Verwandten oder Freunden. Es stellt sich die Frage, ob wir die Trauer wirklich leben. Ob die Trauer Raum und Platz in unserem Leben einnehmen darf. Oder ob wir sie verdrängen und sich dann daraus Schwierigkeiten in der Lebensgestaltung einstellen, evtl. sogar in Form von Krankheiten oder Depressionen.
In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, ob psychodramatische Ansätze eine für die Sozialpädagogik sinnvolle methodische Interventionsmöglichkeit in der Arbeit mit Menschen im Trauerprozess sind.
Inhaltsverzeichnis
3. EINLEITUNG
4. TRAUER UND TRAUERARBEIT
4.1. ZENTRALE BEGRIFFSDEFINITIONEN
4.1.1. Trauer
4.1.2. Krise
4.1.3. Trauerarbeit
4.2. BINDUNGSTHEORETISCHE GESICHTSPUNKTE
4.3. TODESERFAHRUNG BEIM TOD EINES GELIEBTEN MENSCHEN
4.3.1. Verändertes Blickfeld zur Trauer und dem Umgang mit Trauer
4.4. DER TRAUERPROZESS
4.4.1. Trauerphasen
4.4.1.1. Die erste Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens
4.4.1.2. Die zweite Phase der aufbrechenden Emotionen
4.4.1.3. Die dritte Phase des Suchens und Sich-Trennens
4.4.1.4. Die vierte Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs
4.4.1.5. Manifestationen der Trauer
4.4.1.6. Die Rolle des Helfers in den unterschiedlichen Phasen
4.4.2. Schwieriger Verlauf innerhalb der Trauerphasen
4.5. DEN TRAUERPROZESS BEEINFLUSSENDE FAKTOREN
4.5.1. Körperliche Einflüsse
4.5.2. Soziokulturelle Bedingungen
4.5.3. Psychologische Voraussetzungen
4.6. PROBLEME NICHT GELUNGENER TRAUERPROZESSE
4.7. DER ABSCHLUSS DES TRAUERPROZESSES
4.8. ABSCHLIEßENDE STELLUNGNAHME
5. PSYCHODRAMA
5.1. GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG DES PSYCHODRAMAS
5.2. EINORDNUNG UND DEFINITION
5.3. ANWENDUNGSGEBIETE DES PSYCHODRAMAS
5.3.1. Die nicht-therapeutische Anwendung des Psychodramas
5.3.2. Psychodrama in der Erwachsenenbildung
5.3.3. Psychodramatischer Methoden im Vergleich zu anderen Methoden
5.3.4. Workshop zum Thema Tod während eines Psychodrama-Kongresses
5.4. DIE PRAXIS DES PSYCHODRAMAS
5.4.1. Die Konstituenten des Psychodramas
5.4.1.1. Die Bühne
5.4.1.2. Der Psychodramaleiter
5.4.1.3. Der Protagonist
5.4.1.4. Die Mitspieler oder Hilfs-Ichs
5.4.1.5. Die Gruppe
5.5. FORMEN UND MODIFIKATIONEN DES PSYCHODRAMAS
5.6. TECHNIKEN UND METHODEN DES PSYCHODRAMAS
5.6.1. Strukturen des Psychodramas
5.6.2. Ablauf einer Psychodramasitzung
5.6.2.1. Erwärmungsphase
5.6.2.2. Spielphase
5.6.2.2.1. Die Methode des Rollentauschs
5.6.2.2.2. Die Methode des Doppelns
5.6.2.2.3. Die Methode des Selbstgesprächs
5.6.2.3. Integrationsphase
5.6.2.3.1. Sharing
5.6.2.3.2. Rollen-Feedback
5.6.2.3.3. Identifikations-Feedback
5.6.3. Psychodrama als Methode der Entwicklung von Handlungsfähigkeit
5.6.3.1. Psychodrama als konsequente Gruppenmethode
5.6.3.2. Psychodrama als Handlungsmethode
5.6.3.3. Psychodrama als erlebnisorientierte Methode
5.6.3.4. Psychodrama als biographische Methode
5.6.4. Der Abschluss von Psychodramasitzungen
5.7. ABSCHLIEßENDE STELLUNGNAHME
6. DAS HANDLUNGSFELD DER SOZIALPÄDAGOGIK
6.1. VERSUCH EINER DEFINITION
6.2. WAS IST UND WAS LEISTET SOZIALPÄDAGOGIK?
6.3. SOZIALPÄDAGOGIK UND THERAPEUTISCHE ANSÄTZE
6.4. SOZIALPÄDAGOGIK UND PSYCHODRAMATISCHER ANSATZ
6.4.1. Exkurs: Der Begriff der Methode und Technik
6.4.2. Abgrenzung zum therapeutischen Handlungsbereich
6.4.3. Zielsetzung im Kontext der Arbeit
6.5. BERATUNG UND INTERVENTION ALS HANDLUNGSMETHODE DER SOZIALEN ARBEIT
6.5.1. Beratung
6.5.1.1. Begriffsklärung
6.5.1.2. Psychodramatische Beratung im pädagogischen Kontext
6.5.2. Intervention
6.5.2.1. Begriffsklärung
6.5.2.2. Interventionsmethodik
6.5.2.2.1. Abklärung des Problems
6.5.2.2.2. Bewertung des Problemsachverhalts
6.5.2.2.3. Maßnahmen und Hilfeleistungen
6.5.2.2.4. Initiieren der Intervention
6.6. ABSCHLIEßENDE STELLUNGNAHME
7. PSYCHODRAMATISCH METHODISIERTE SOZIALPÄDAGOGISCHE INTERVENTIONEN MIT TRAUERNDEN MENSCHEN
7.1. GRUNDLEGENDE ÜBERLEGUNGEN
7.1.1. Entstehung des Seminars für Menschen im Trauerprozess
7.1.2. Prozessverlauf der Sitzungen und konzeptionelle Überlegungen
7.2. ABLAUF DES SEMINARS FÜR MENSCHEN IM TRAUERPROZESS
7.2.1. 1. Sitzung – Informationseinheit über Psychodrama und Trauerprozesse
7.2.2. 2. – 4. Sitzung – Ausführliche Erwärmungsrunden zum Kennenlernen
7.2.3. 5. – 14. Sitzung – Spielszenen zu den verschiedenen Phasen nach Kast
7.2.3.1. Erwärmungsphasen
7.2.3.2. Psychodrama-Spielphasen zur 1. Phase nach Kast
7.2.3.3. Psychodrama-Spielphasen zur 2. Phase nach Kast
7.2.3.4. Psychodrama-Spielphasen zur 3. Phase nach Kast
7.2.3.5. Psychodrama-Spielphasen zur 4. Phase nach Kast
7.2.3.6. Integrationsphasen
7.2.4. 15. Sitzung Abschlussrunde des Seminars
7.3. INTERVIEW MIT EINER SOZIALPÄDAGOGIN IN DER TRAUERARBEIT
8. ABSCHLIEßENDE BEURTEILUNG
10. HINWEIS IN EIGENER SACHE
11. GRAFIKEN – SCHAUBILDER – ANMERKUNGEN
11.1. KRISENVERARBEITUNGSMODELL NACH SCHUCHARDT
11.2. ANMERKUNG AUS DER WEITERBILDUNGSORDNUNG FÜR PSYCHODRAMA
11.3. SOZIALES ATOM
11.4. ABLAUFSCHEMA TRAUERGRUPPEN SOZIALPÄDAGOGIN ORTWEIN
12. INTERVIEW MIT EINER SOZIALPÄDAGOGIN IN DER TRAUERARBEIT
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht, ob psychodramatische Ansätze eine für die Sozialpädagogik sinnvolle Interventionsmöglichkeit in der Arbeit mit trauernden Menschen darstellen, wobei der Fokus auf Erwachsenen nach dem Tod eines Angehörigen liegt.
- Grundlagen der Trauer und Trauerarbeit
- Einführung in die Methode des Psychodramas
- Abgrenzung sozialpädagogischer und therapeutischer Handlungsfelder
- Methodische Gestaltung eines Trauerseminars mittels Psychodrama
- Praktische Anwendungsbeispiele und Experteninterviews
Auszug aus dem Buch
4.4.1.6. Die Rolle des Helfers in den unterschiedlichen Phasen
In der ersten Phase sollte der Helfer ganz praktisch bei alltäglichen Hilfestellungen wie Besorgungen u.ä. dem Trauernden zur Seite stehen und ihm zeigen, dass er nicht allein ist, dabei aber nicht „entmündigen“ und übermäßig mit Beschlag belegen. Es ist wichtig, das richtige Verhältnis zwischen Nähe und Distanz zu finden und dem Trauernden zu vermitteln, dass er so sein darf, wie er ist. Besonders wichtig ist es auch zu zeigen, dass ihm kein Vorwurf gemacht wird, dass er jetzt in dieser Phase der Erstarrung z.B. keine Tränen hat.
In der zweiten Phase ist es für den Helfer wichtig zu wissen, dass das Auftauchen von Emotionen in dieser Phase wünschenswert ist und man den Trauernden nicht von Gesprächen über den Trauernden ablenkt, sondern sie zulässt. Manchmal ist ein Ablenken zur Entspannung der Situation gut, aber primär ist es ein Verdrängen, und der Trauernde kann sich real nicht von seinem Verlust ablenken lassen. Es ist daher sinnvoller, sich dem Problem zu stellen und vom Verstorbenen zu sprechen. Ebenso ist es sinnlos, dem Trauernden etwaige Schuldgefühle abzusprechen. Geeigneter ist es, diese Schuldgefühle einfach zur Kenntnis zu nehmen.
Ferner muss der Helfer in dieser Phase damit rechnen, dass der Zorn und Ärger des Trauernden auch ihn trifft, besonders wenn er zeigt, dass er anderer Ansicht ist. Es ist daher in dieser Phase wesentlich, dass man das Erleben des Trauernden einfach nur teilt, zuhört und für ihn da ist.
Im Umgang mit dem Trauernden in der dritten Phase ist es entscheidend, ihn nicht zu drängen und das scheinbar „unsinnige“ Suchen aufzugeben und den endgültigen Verlust zu akzeptieren. Es ist wichtig, die immer selben Geschichten und Phantasien des Trauernden anzuhören und ihm das Gefühl zu vermitteln, dass er sich mit seinen Emotionen angenommen weiß.
Zusammenfassung der Kapitel
4. TRAUER UND TRAUERARBEIT: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Trauer und Krise und erläutert den Trauerprozess in verschiedenen Phasen sowie die begleitenden Faktoren.
5. PSYCHODRAMA: Hier werden die Geschichte, die theoretischen Grundlagen und die praktischen Methoden des Psychodramas dargestellt, wobei ein besonderer Fokus auf der Anwendung in pädagogischen Kontexten liegt.
6. DAS HANDLUNGSFELD DER SOZIALPÄDAGOGIK: Dieses Kapitel klärt die Rolle der Sozialpädagogik in der Krisenbegleitung und grenzt die sozialpädagogische Beratung und Intervention vom rein therapeutischen Handeln ab.
7. PSYCHODRAMATISCH METHODISIERTE SOZIALPÄDAGOGISCHE INTERVENTIONEN MIT TRAUERNDEN MENSCHEN: Der Autor beschreibt hier die praktische Konzeption eines Trauerseminars und die Anwendung spezifischer psychodramatischer Methoden in den verschiedenen Phasen des Trauerprozesses.
Schlüsselwörter
Sozialpädagogik, Psychodrama, Trauer, Trauerarbeit, Krisenintervention, Beratung, Rollentausch, Doppeln, Trauerseminar, Hinterbliebene, Handlungsfähigkeit, Soziales Atom, Sterben, Tod, Trauerphasen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung psychodramatischer Ansätze als methodische Interventionsmöglichkeit in der sozialpädagogischen Arbeit mit trauernden Erwachsenen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die theoretische Auseinandersetzung mit Trauerprozessen, die Grundlagen des Psychodramas und deren spezifische Anwendung auf die Bedürfnisse von Hinterbliebenen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob und wie psychodramatische Methoden den Trauerprozess in einem sozialpädagogisch begleiteten Seminar unterstützen können, ohne dabei therapeutische Kompetenzen zu überschreiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer inhaltsanalytischen Erhebung der einschlägigen Fachliteratur, ergänzt durch ein Experteninterview mit einer praktizierenden Sozialpädagogin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Trauer und Trauerarbeit, die Darstellung des Psychodramas als pädagogische Methode und die detaillierte Konzeption eines Seminars für Menschen im Trauerprozess.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den Kernbegriffen Trauer, Psychodrama und Sozialpädagogik sind Begriffe wie Rollentausch, Doppeln, Intervention und Trauerseminar von zentraler Bedeutung.
Wie grenzt der Autor die sozialpädagogische von der therapeutischen Arbeit ab?
Der Autor betont, dass die sozialpädagogische Begleitung auf die Förderung der Lebensbewältigung und Handlungskompetenz abzielt, während die therapeutische Arbeit explizit die Bearbeitung tieferer psychischer Traumata durch entsprechend qualifizierte Fachkräfte erfordert.
Welche Rolle spielt die Methode des "Doppelns" im Kontext der Trauerarbeit?
Das Doppeln dient dazu, dem Trauernden durch einen Begleiter (Doppler) Gefühle und Gedanken zu verbalisieren, die er selbst noch nicht auszusprechen wagte, was zur Stützung und emotionalen Entlastung in schwierigen Phasen beiträgt.
Welche Bedeutung hat das Interview mit Christel Ortwein für die Arbeit?
Das Interview dient der Validierung der theoretischen Überlegungen durch die Darstellung der praktischen Umsetzung in einem seit Jahren erfolgreich geführten Trauergruppen-Modell.
- Quote paper
- Jörg Peters (Author), 2000, Sozialpädagogische Interventionen mit trauernden Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93728