Der Jona-Psalm in Jona 2, 3-10. Verknüpfungen in anderen biblischen Büchern


Seminararbeit, 2020

9 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung, Datierung und Entstehung

3. Parallelen, Verweise und Verknüpfungen

4. Conclusio

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Jona-Psalm in Jona 2, 3-10 und möchte speziell den Spuren und Verknüpfungen in andere biblische Bücher nachgehen. Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass nur ein kleiner Ausschnitt an Parallelen, Verweisen und Verknüpfungen behandelt werden kann, denn „the number of quotations and references in Jon. 2.3-10 is somewhat excessive“ wie schon Ehud Ben Zvi konstatiert.1

2. Einordnung, Datierung und Entstehung

Das Jona-Buch als Teil des biblischen Kanons sowie des Zwölfprophetenbuches der Hl. Schrift gliedert sich im Wesentlichen in zwei Hauptteile (I: Kap. 1-2 bzw. II: Kap. 3-4), die jeweils mit einem Auftrag Gottes an Jona eingeleitet werden. Entlang der jeweiligen Handlungsträger lässt es sich näherhin in fünf symmetrische Szenen gliedern, in denen Jona jeweils hauptsächlich mit Gott allein (so etwa in Jon 1,1ff., Jon 2,1-11, Jon 3,1-2 und Jon 4,4-11) oder mit Fremdvölkern (Jon 1, 4-16 und Jon 3,3-4,3) konfrontiert ist.2

Bezüglich der Datierung des Buches ergibt sich durch die Erwähnung der Zwölfpropheten bei Jesus Sirach in Sir 49,10 ein terminus ante quem „im ersten Viertel des 2.Jh.vC.“3 Der terminus post quem ließe sich anhand der Erzählung mit der Zerstörung Ninives 612 v. Chr. durch die Babylonier und Meder4 markieren. Das Gros der Bibelwissenschaftler geht heute am ehesten von einer Datierung in A) nachexilischer Zeit - darauf lassen aramäischer Spracheinfluss und ein entsprechender Umgang mit Traditionen schließen - bzw. B) spätpersischer Zeit - darauf weist ein spezifisch liberaler Umgang mit einer Vielzahl theologischer Themen ähnlich dem Buch Nehemia hin - aus.5 Letzteres wird auch von T. M. Bolin vertreten, der anhand von „specific elements of royal ideology in the ancient Near East“6 im Buch Jona, den terminus a quo in der persischen Periode sieht. Für E. Zenger wiederum weist gerade die Fisch-Perikope auf eine Entstehung in C) frühhellenistischer Zeit hin.7

Der in der vorliegenden Arbeit beleuchtete Jona-Psalm ist besonders mit Blick auf die Frage der Einheitlichkeit des Buches interessant und vieldiskutiert.

Zwar streicht etwa E. Zenger mehrere Elemente des Jonabuches heraus, die gegen die Einheitlichkeit desselben sprechen - so etwa die unterschiedliche Motivgeschichte der beiden Hauptteile, der Wechsel der Gottesnamen und die literarkritisch beurteilte Dublette in Jon 4,5b (sowohl „Laubdach“) und 4,6a (als auch „Rizinusstrauch“ als Schattenspender) - doch tendiert die Mehrzahl der Bibelwissenschaftler heute dazu, an der Einheitlichkeit des Buches festzuhalten und einzig den Jona-Psalm als potentiell nachträgliches Überlieferungsgut anzusehen.8 Mit H. W. Wolff9 nennt E. Zenger drei Merkmale, die den Jona-Psalm vom restlichen Textbestand des Buches abzuheben scheinen: 1.) passt der Psalm nicht in den Kontext der Erzählung, 2.) weist die Sprache des Psalms grundlegende Unterschiede im Vergleich zur Erzählung auf, und 3.) wird mit dem Jona des Psalms eine gänzlich andere Persönlichkeit eingeführt.10 Die Punkte 1.) und 3.) führt auch A. W. Benckhuysen als Beispiele an.11

Zur Bewertung dieser Sachverhalte kann nun der nähere Blick auf die eingangs erwähnten Parallel-Stellen und Bezüge in andere biblische Bücher hilfreich und aufschlussreich sein.

3. Parallelen, Verweise und Verknüpfungen

Gemeinhin wird der Jona-Psalm als »Dankpsalm« oder »Danklied des Einzelnen« klassifiziert, denn „he has all the marks of a prayer of thanksgiving“12, darunter eine Einleitung samt Rückblick auf Not und Rettung (V.3), eine Notschilderung (V.4-7a), die Schilderung der Rettung (V.7b-8), sowie ein Bekenntnis samt Gelübde (V.9-10). A. Deissler nennt zudem 5 Kriterien, die den Psalm als Dankpsalm ausweisen: „1. Eine dem Dankpsalm des Hiskija (Jes 389-20) ähnliche Struktur. 2. Das Motiv »Erhörung des Rufens« (vgl. Ps 187 1185 1383 u. a.). 3. Die Schilderung der überstandenen Not (4~7>. 4. Das Rettungsbekenntnis in 17c8b. 5. Das Dankversprechen in 10.“13 Zu Punkt 1.) wäre anzumerken, dass das Danklied Hiskijas ebenso wie der Jona- Psalm aus einer Schilderung der Not (Jes 38,10-15 bzw. Jon 4-7a) und Rettung (Jes 38,17 bzw. Jon 7b-8) und einem Gelübde zu Dank und Lob (Jes 38,19-20 bzw. Jon 9-10) besteht. Dennoch lassen sich auch Gründe finden, den Psalm anders zu klassifizieren. So weist die grammatikalische Form von bbD in der Einleitung des Psalms (Jon 2,1) gemäß S. T. Mann eher auf die Psalm-Kategorie »Klagepsalm« hin, auch wenn es dazu im Alten Testament auch Ausnahmen gibt, wie Hannas Dankgebet in 1Sam 2,1 belegt.14 Die vielen Bezüge ins Buch der Psalmen, die bis hierhin schon angeklungen sind, werden auch durch den genannten Punkt 2.) erkenntlich. Neben dem von Deissler schon genannten Motiv »Erhörung des Rufens« wären exemplarisch noch folgende zu nennen:15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Raymond F. Person, Signs of Jonah: Reading and Rereading in Ancient Yehud (JSOTSup 367), Bd. 66, Washington, hier: 108.

2 Vgl. Gottfried Vanoni, Jona, Jonabuch, in: Walter Kasper u.a. (Hg.), Lexikon für Theologie und Kirche, 3 Aufl., 11 Bde., Freiburg im Breisgau 2006, 985-987, hier: 986.

3 Johannes Marböck, Sirach, Buch Sirach, in: Walter Kasper u.a. (Hg.), Lexikon für Theologie und Kirche, 3 Aufl., 11 Bde., Freiburg im Breisgau 2006, 628-630, hier: 629.

4 Vgl. Armin Schmitt, Ninive, in: Walter Kasper u.a. (Hg.), Lexikon für Theologie und Kirche, 3 Aufl., 11 Bde., Freiburg im Breisgau 2006, 876-877, hier: 877.

5 Vgl. Vanoni, 2006, 986.

6 Thomas M. Bolin, Jonah 4,11 and the Problem of Exegetical Anachronism, in: Scandinavian Journal of the Old Testament 24/1 (2010), 99-109, hier: 107.

7 Vgl. Erich Zenger, Einleitung in das Alte Testament, 5., gründlich überarb. und erw. Aufl., Bd. 1,1: Kohlhammer-Studienbücher Theologie, Stuttgart 2004, 551.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. Hans W. Wolff, Dodekapropheton. 3. Obadja und Jona, 2. Aufl., Altes Testament ; 14: Biblischer Kommentar, Neukirchen-Vluyn 1991, 104-106.

10 Vgl. Zenger, 2004, 551.

11 Vgl. Amanda W. Benckhuysen, Revisiting the Psalm of Jonah, in: Calvin Theological Journal 47 (2012), 5-31, hier: 5.

12 Ebd.

13 Alfons Deissler, Zwölf Propheten II. Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, 3. Aufl., Kommentar zum Alten Testament mit der Einheitsübersetzung ; Lfg. 8: Die Neue Echter Bibel, Würzburg 1998, 158.

14 Vgl. Steven T. Mann, Performative Prayers of a Prophet: Investigating the Prayers of Jonah as Speech Acts, in: The Catholic Biblical quarterly 79 (2017), 20-40, hier: 27.

15 Vgl. Deissler, 1998, 159.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Der Jona-Psalm in Jona 2, 3-10. Verknüpfungen in anderen biblischen Büchern
Hochschule
Universität Salzburg  (Bibelwissenschaft/Kirchengeschichte)
Veranstaltung
Exegese Altes Testament
Note
1,00
Autor
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V937630
ISBN (eBook)
9783346266699
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jona-psalm, jona, verknüpfungen, büchern
Arbeit zitieren
Sebastian Riedel (Autor), 2020, Der Jona-Psalm in Jona 2, 3-10. Verknüpfungen in anderen biblischen Büchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937630

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