Unterricht ist das Kerngeschäft von Lehrpersonen in Schulen. Die Fähigkeit lernwirksame Unterrichtsmomente erkennen, analysieren und alternative Handlungsoptionen bestimmen zu können, gilt als entscheidendes Merkmal für professionelles Handeln im Unterrichtskontext. Als Mittel der Professionalisierung von Lehramtsstudierenden hat sich die Unterrichtsbeobachtung in den letzten Jahren international zu einem Standardverfahren durchgesetzt, wobei immer häufiger auf das Verfahren der Videografie zurückgegriffen wird. Ziel ist es, die Professionalisierung durch eine theoretische Reflexion von Unterrichtsqualität und durch die videogestützte empirische Analyse von Unterricht zu fördern. Studierende erwerben dadurch die Kompetenz, Unterricht mit Hilfe von Videos theorie- und kriteriengeleitet zu beobachten, zu analysieren, zu bewerten und zu reflektieren. Im Zuge dessen können mögliche Handlungsalternativen kritisch diskutiert und die schulpraktischen Erfahrungen reflektiert werden.
Inhaltsverzeichnis
Theoretischer Rahmen und Messung der Basisdimensionen
Klassenführung
Kognitive Aktivierung
Videoanalyse
Klassenführung
Kognitive Aktivierung
Reflexion & Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der systematischen Beobachtung, Rekonstruktion und Initiierung von Unterrichtsprozessen auseinander. Das primäre Ziel ist es, anhand der beiden Basisdimensionen der Unterrichtsqualität – Klassenführung und kognitive Aktivierung – eine konkrete Unterrichtsstunde mittels Videoanalyse zu evaluieren und auf Basis theoretischer Konzepte zu bewerten.
- Grundlagen der Klassenführung nach Jacob S. Kounin
- Konzepte und Merkmale kognitiver Aktivierung im Unterricht
- Methodik der Videoanalyse zur Unterrichtsevaluation
- Indikatorenentwicklung zur Messung von Unterrichtsqualität
- Reflexion über die Anwendung didaktischer Beobachtungskriterien
Auszug aus dem Buch
Klassenführung
Unter Klassenführung versteht man die Art und Weise, wie eine Lehrperson die Interaktionen im Klassenzimmer lenkt (Seidel, 2009, S.136) und dabei Ordnungsstrukturen aufbaut bzw. sicherstellt (Kunter & Trautwein, 2013, S.78). Sie wird als eine der drei Basisdimensionen von Unterricht bezeichnet (Kunter & Trautwein, 2013, S.76) und ist somit ein zentraler Teil der Unterrichtsforschung (Seidel, 2009, S.136). Das Ziel von Klassenführung ist es, den Unterricht möglichst störungsarm zu arrangieren, damit der Umfang der aktiven Lernzeit erhöht und somit erfolgreiches Lernen für alle ermöglicht wird (Kunter & Trautwein, 2013, S.78).
Wenn es um effektive Klassenführung geht, rücken besonders die von Jacob S. Kounin definierten Merkmalsbereiche in den Vordergrund, da diese den Begriff stark geprägt haben (Kunter und Trautwein, 2013, S. 79). Der erste Bereich umfasst hier die Disziplinierung, bei der es um einen klaren und fairen Umgang mit Störungen geht. Außerdem sollte die Lehrkraft in der Lage sein, den Fokus auch auf gleichzeitig ablaufende Ereignisse zu legen und den Schülern so zu signalisieren, dass sie immer weiß was in der Klasse vor sich geht. Dies bezeichnet Kounin als Allgegenwärtigkeit und Überlappung. Weiterhin nennt er Reibungslosigkeit und Schwung, wobei ein flüssiger Unterrichtsverlauf gemeint ist, sowie die Gruppenmobilisierung, bei der die Aufmerksamkeit auf der ganzen Gruppe liegt, aber gleichzeitig jeder einzelne Schüler aktiviert werden soll. Als letztes spielt auch Abwechslung und Herausforderung eine maßgebende Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
Theoretischer Rahmen und Messung der Basisdimensionen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Klassenführung und der kognitiven Aktivierung unter Rückgriff auf einschlägige fachwissenschaftliche Literatur.
Videoanalyse: Hier findet die praktische Anwendung der zuvor definierten Indikatoren statt, indem eine konkrete Unterrichtsstunde im Fach Geographie anhand der Dimensionen Klassenführung und kognitive Aktivierung analysiert und bewertet wird.
Reflexion & Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert den eigenen Lernprozess im Seminar sowie die Herausforderungen bei der methodischen Unterrichtsbeobachtung durch Videoanalysen.
Schlüsselwörter
Unterrichtsbeobachtung, Klassenführung, Kognitive Aktivierung, Videoanalyse, Unterrichtsqualität, Basisdimensionen, Jacob S. Kounin, Lernzeit, Störungsprävention, Gruppenmobilisierung, Transferleistung, Unterrichtsforschung, Lehr-Lern-Prozesse, Geographieunterricht, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Unterrichtsqualität anhand der zwei zentralen Basisdimensionen: Klassenführung und kognitive Aktivierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Fundierung von Unterrichtsbeobachtung, die Identifikation von Qualitätsmerkmalen und die praktische Erprobung dieser Kriterien in einer Videoanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Indikatoren für guten Unterricht zu entwickeln und diese auf eine reale Unterrichtsstunde anzuwenden, um deren Qualität objektiv zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der Videoanalyse genutzt, bei der Unterrichtssequenzen anhand theoretisch begründeter Indikatoren mittels Rating-Skalen bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt zu Klassenführung und kognitiver Aktivierung sowie eine detaillierte Videoanalyse einer Geographiestunde, in der das theoretische Wissen auf die Praxis angewendet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Klassenführung, kognitive Aktivierung, Videoanalyse, Unterrichtsqualität und Unterrichtsbeobachtung sind die entscheidenden Begriffe.
Wie wurde die Klassenführung in der analysierten Stunde bewertet?
Die Klassenführung wurde insgesamt positiv bewertet, wobei das Rating aufgrund der Situation als Vertretungsstunde leicht variierte, aber in der Gesamteinschätzung als erfolgreich eingestuft wurde.
Warum ist kognitive Aktivierung schwer beobachtbar?
Da kognitive Prozesse im Inneren der Lernenden stattfinden, muss bei der Analyse von beobachtbarem Verhalten (wie Schülerbeiträgen oder Lösungsansätzen) auf die internen Denkprozesse geschlossen werden.
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- Moritz Fork (Author), 2020, Unterricht beobachten, rekonstruieren, initiieren. Indikatorenentwicklung und Videoanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941678