Maßnahmen zur Motivationsförderung bei Studienanfängern anhand des Studienbereichs Mathematik an der Universität Ulm


Seminararbeit, 2020

26 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Der Übergang von der Schule zur Hochschule
2.2 Wissenschaftliche Mathematik und Hochschulmathematik
2.3 Grundlagen der Motivationspsychologie

3 Vorstellung der Maßnahmen zur Motivationsförderung für Studienanfänger der Mathematik an der Universität Ulm
3.1 Studienorientierungsverfahren
3.2 Orientierungssemester
3.3 Die Projekte UULM PRO MINT & MED und PASST!
3.3.1 Fit in Mathematik – Universitäts-Trainingscamp
3.3.2 MathLabs
3.3.3 Kolloquien
3.3.4 Zwischenklausuren
3.3.5 Praktische Lernberatung
3.3.6 Simulierte mündliche Prüfungen
3.4 Außercurriculare Veranstaltungen

4 Kritische Reflexion und Diskussion
4.1 Bewertung der vorgestellten Maßnahmen
4.1.1 Studienorientierungsverfahren
4.1.2 Orientierungssemester
4.1.3 Die Projekte UULM PRO MINT & MED und PASST!
4.1.4 Außercurriculare Veranstaltungen
4.2 Weitere Maßnahmen

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang
Studienplan des Studiengangs Wirtschaftsmathematik (B.Sc.)
Beispiel-Übungsaufgabe
Ausgewählte Studienfachbelegung der Universität Ulm
Zweitsemesterkick der Mathematik im Sommersemester 2019

„Bitte vergiß alles, was Du auf der Schule gelernt hast; denn Du hast es nicht gelernt.“1

- Edmund Landau, deutscher Mathematiker (1877 -1938)

1 Einleitung

Dieser Seminararbeit steht ein kontroverses Zitat eines bekannten deutschen Mathematikers, Edmund Landau, vor, welcher seine Forschung als Professor insbesondere der analytischen Zahlentheorie widmete. Dieses Zitat entstammt dem Vorwort seines Buchs zu den Grundlagen der Analysis für Studienanfänger der Mathematik. Landau (1930) möchte damit zum Ausdruck bringen, dass sich die Hochschulmathematik grundlegend von der Schulmathematik, wie sie beispielsweise an deutschen Gymnasien gelehrt wird, unterscheidet. So grundlegend, dass die Studierenden mit der Aneignung des Lernstoffs wieder von vorne beginnen sollten. Der Autor, Student der Wirtschaftsmathematik und der Psychologie an der Universität Ulm, möchte im Folgenden auf die von Landau (1930) beschriebene Problematik eingehen und aufzeigen, inwiefern sich das Mathematikstudium2 von anderen Studiengängen unterscheidet. In den Fokus stellt er Maßnahmen, die diesen Schwierigkeiten entgegenwirken und die Studienmotivation für Studierende im grundständigen Mathematikstudium erhöhen können. Er bewertet diese sowie ihre Umsetzung an der Universität Ulm. Dabei bezieht er eigene Erfahrungen mit ein. Im folgenden Kapitel werden auf die Unterschiede zwischen Schule und Hochschule, auf die Besonderheiten eines mathematischen Studiums sowie auf motivationspsychologische Konzepte näher eingegangen. Daraufhin werden in Kapitel 3 konkrete Maßnahmen vorgestellt, die an der Universität Ulm im Rahmen des Studieneinstiegs und der Motivationsförderung für Studienanfänger der Mathematik umgesetzt werden. In der Diskussion bewertet der Autor die Maßnahmen, stellt weitere mögliche Maßnahmen vor und zieht Querverbindungen. Die Seminararbeit endet mit einem Fazit und Ausblick.

2 Theoretischer Hintergrund

Im Folgenden werden die theoretischen Hintergründe des Übergangs von der Schule zur Hochschule, die Besonderheiten der wissenschaftlichen Mathematik und der Hochschulmathematik sowie Grundlagen der Motivationspsychologie vorgestellt.

2.1 Der Übergang von der Schule zur Hochschule

Mit Beginn des Studiums beginnt für Studierende auch ein neuer Lebensabschnitt, der nicht selten mit dem Auszug aus dem Elternhaus oder dem Umzug in eine neue Stadt einhergeht, dem Wechsel sozialer Kontakte und des Umfelds. Auch der Lernkontext unterscheidet sich zwischen Schule und Hochschule. Der Lernstoff ist an Hochschulen wesentlich abstrakter, die Stoffmenge und das Tempo der Lernvermittlung deutlich höher (Liebendörfer, 2017). Außerdem ist es an Hochschulen weniger persönlich, es befinden sich nicht selten mehrere Hundert Studierende im Hörsaal.

2.2 Wissenschaftliche Mathematik und Hochschulmathematik

Ein mathematisches Bachelorstudium umfasst in der Regel sechs Semester mit 180 zu erwerbenden ECTS-Punkten. Den größeren Teil des Studiums nehmen dabei fachlich mathematische Lehrveranstaltungen ein (Liebendörfer, 2017; für einen beispielhaften Studienplan an der Universität Ulm siehe Anhang). Ein Modul ist üblicherweise in drei Teile gegliedert. Es umfasst die Vorlesung, die akademische Übung sowie Tutorien. In den Vorlesungen wird der Lernstoff überwiegend von einem Dozenten an die Tafel angeschrieben. Die Vorlesung beschränkt sich darauf, den fertig aufbereiteten Lernstoff ohne tiefere Beleuchtung in Form von Definitionen, Sätzen und Beweisen vorzustellen (Dreyfus, 1991; Rach et al., 2016, zitiert nach Liebendörfer, 2017). Den Studierenden wird eine passive Rolle zuteil, sie schreiben den Tafelaufschrieb mit, hören zu und stellen gegebenenfalls Fragen (Liebendörfer, 2017). Von den Studierenden wird erwartet, dass sie die Vorlesungen gründlich vor- und nachbereiten, um den Lernstoff zu verstehen und in den folgenden Vorlesungen folgen zu können (Springer, 2011, Mason, 2002, Pritchard, 2015, Weber, 2012, zitiert nach Liebendörfer, 2017). Zur Vertiefung und Anwendung der in der Vorlesung vermittelten Inhalte dienen akademische Übungen. Studierende erhalten dabei wöchentlich ein Übungsblatt (für ein Beispiel einer mathematischen Übungsaufgabe siehe Anhang), welches sie selbstständig bearbeiten und zur nächsten Übungsveranstaltung abgeben müssen. Thematisch vertiefen sie Inhalte oder Methoden der Vorlesung, fragen Beispiele zu Vorlesungsinhalten ab oder schließen Beweise der Vorlesung (Liebendörfer, 2017). Die Bearbeitung der Übungsblätter ist zeitintensiv, einzelne Aufgaben können mehrere Stunden in Anspruch nehmen (Springer, 2011, zitiert nach Liebendörfer, 2017). Diese bearbeiteten Übungsblätter werden durch studentische Hilfskräfte korrigiert und bepunktet. Die Übungsblätter gelten als Vorleistung zur Zulassung zu der Klausur. In der Regel müssen mindestens die Hälfte aller möglichen Übungspunkte erreicht werden, um die Vorleistung zu bestehen und zur Klausur zugelassen zu werden (Liebendörfer, 2017). Selten dienen gewisse Übungspunkte für Übungsaufgaben auch als Bonuspunkte für die abschließende Modulprüfung. Dies liegt im Ermessen des verantwortlichen Dozenten. Nach der Abgabe der Übungsblätter wird die Musterlösung in Form einer Großübung besprochen oder die Lösungen vorgerechnet. Die Übungsveranstaltung wird von einem Übungsleiter oder einer Übungsleiterin, üblicherweise von wissenschaftlichem Personal oder Studierenden höherer Semester, gehalten (Liebendörfer, 2017). Die dritte Säule eines mathematischen Moduls bilden die akademischen Tutorien. Akademische Tutorien sind Kleingruppenveranstaltungen für maximal 15 bis 30 Studierende, in denen fortgeschrittene Studierende grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten meist interaktiv vermitteln. Oftmals werden ähnliche Übungsaufgaben gestellt wie in der akademischen Übung und Hilfestellung gegeben. Akademische Tutorien werden für Studienanfänger der Mathematik an der Universität Ulm erst ab dem zweiten Semester angeboten. Die begleitende Lehrform in den Erstsemestervorlesungen Analysis I und Lineare Algebra I ist das Kolloquium, welches in Kapitel 3 im Rahmen der Projekte UULM PRO MINT & MED und PASST! vorgestellt wird. Didaktisch unterscheidet sich ein Hochschulstudium der Mathematik also von einem Schulunterricht, aber auch von anderen Studiengängen (De Guzman et al., 1998, zitiert nach Liebendörfer, 2017). Aber auch inhaltlich lassen sich große Unterschiede erkennen. Der Gegenstand der Mathematik ist sehr abstrakt. Oftmals gibt es keine oder nur eine geringe Anschauung von in der Universität behandelten mathematischen Objekten, zum Beispiel von höher dimensionalen Vektorräumen, von Funktionen oder anderen Objekten, während die in der Schule vorgestellten Objekte alltagsnäher sind (Liebendörfer, 2017). Weiterhin umfasst die mathematische Fachsprache viele verschiedene Zeichen und eigene Symbole, sie hat weiterhin weitere Besonderheiten, zum Beispiel ihre Exaktheit (Ganesalingam, 2013, zitiert nach Liebendörfer, 2017). Die mathematische Sprache erfordert Präzision im Lesen und Schreiben sowie einen hohen Grad an Logik (Liebendörfer, 2017). Einen Schwierigkeitsgrad für Studienanfänger stellen mathematische Beweise dar. Während die Beweisführung an Gymnasien oftmals durch Beispiele besteht, wird von Mathematikstudierenden hohe Präzision in der Beweisführung erwartet (Liebendörfer, 2017). Außerdem ist Auswendiglernen oder nur gewisse Schemata zu lernen, in der Mathematik nicht zielführend.

Dies führt dazu, dass Studierende das Fach Mathematik, das ihnen in der Schule Spaß gemacht hat, oftmals nicht wiedererkennen (Grieser, 2016). Aufgrund dieser und weiterer Faktoren weisen mathematische Studiengänge sehr oft hohe Abbruchquoten auf. Während in Deutschland über alle Studiengänge Abbruchquoten von circa 20 Prozent üblich sind (Heublein et al., 2010), sind sie in der Mathematik mit circa 38 Prozent beinahe doppelt so hoch (Dieter, 2012). An Universitäten liegen die Abbruchquoten in MINT-Fächern teilweise sogar oberhalb von 50 Prozent (Heublein et al., 2010). Im Sommersemester 2020 sind an der Universität Ulm im Fachbereich Mathematik 745 Studierende immatrikuliert (Universität Ulm, 2020b; siehe auch Anhang).

2.3 Grundlagen der Motivationspsychologie

Nach Dresel und Lämmle (2011) ist Motivation „[…] ein psychischer Prozess, der die Initiierung, Steuerung, Aufrechterhaltung und Evaluation zielgerichteten Handelns leistet.“ Motivation ist also das, was uns zum Handeln antreibt. Nach dem Erwartung-mal-Wert-Modell ergibt sich die Motivation aus Produkt des Werts, der der Tätigkeit zugeschrieben wird, und deren Erwartung (Atkinson, 1964). Es werden drei hauptsächliche Erwartungstypen unterschieden. Einerseits ist dies die Handlungs-Ergebnis-Erwartung, sie entspricht der angenommenen Wahrscheinlichkeit, mit der das Ergebnis durch eigenes Handeln herbeigeführt werden kann. Sie geht einher mit Selbstwirksamkeitserwartung und internalem locus of control. Andererseits ist dies die Situations-Ergebnis-Erwartung, sie entspricht der angenommenen Wahrscheinlichkeit, mit der das Ergebnis ohne eigenes Zutun durch die Situation festgelegt ist. Als drittes wird noch die Ergebnis-Folgen-Erwartung unterschieden, sie entspricht der angenommenen Wahrscheinlichkeit, mit der das Ergebnis zu den gewünschten Folgen führt (Heckhausen & Rheinberg, 1980).

Nach der Selbstbestimmungstheorie (SDT; Ryan & Deci, 2000) lässt sich Motivation in verschiedene Typen und weiter nach verschiedenen Regulationsformen unterscheiden. Die Quelle der Motivation kann intrinsisch oder extrinsisch sein. Intrinsische Motivation geht dabei einher mit Interesse, Spaß oder einem intrinsischen Wert, extrinsische Motivation beispielsweise mit persönlicher Wichtigkeit, persönlicher Bedeutsamkeit, internen Verstärkern oder Folgsamkeit. Ryan und Deci (2000) folgern, dass die Befriedigung der universalen Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit zu einer Internalisierung der Motivation führt. Sie führen aus, dass die Befriedigung der Autonomie-, Kompetenz- und Zugehörigkeitsbedürfnisse nicht nur zu intrinsischer Motivation führen, vielmehr führt diese auch zu einem Glücksempfinden. Kompetenzerleben und Eingebundenheit können außerdem eine dauerhafte und generalisierte Motivation fördern. Dabei kann Kompetenzerleben durch Feedback, klare Instruktionen, Unterstützung und Lernaktivitäten mit vielfältigen Kompetenzen erzeugt werden. Gruppenarbeiten und ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden fördern die erlebte Eingebundenheit. Motivation kann aber auch verlorengehen, falls zum Beispiel Erwartungen nicht erfüllt werden (Dresel & Lämmle, 2011).

Das üblicherweise für den Schulkontext verwendete TARGET-Modell zur Unterstützung der Lernmotivation lässt sich auch im universitären Rahmen heranziehen. Es umfasst die Dimensionen Task, Authority, Recognition, Grouping, Evaluation und Timing. Es werden konkrete Umsetzungen vorgeschlagen, die die Motivation im Lernkontext steigern soll. Die Aufgaben sollen dabei abwechslungsreich, vielfältig, persönlich bedeutsam, sinnhaft und emotional reich gestaltet sein, das Anforderungsniveau sollte passend gewählt sein und Lernaktivitäten sollten in Teilschritte und Teilziele strukturiert sein. Die Verantwortungen sollten von den Lehrenden an Lernende übertragen werden und Handlungsspielraum für die Lernenden gegeben werden, um die Selbstregulation zu fördern. Anstrengung sollte von Seiten der Lehrenden anerkannt werden, leistungsstarke Schüler sollten nicht bevorzugt werden und Fehler sollten als Lernchancen gesehen werden. Im Gruppenkontext sollten kooperative Lernmethoden und ein kooperatives Klassenklima vorherrschen. Leistungsheterogene Gruppen sind weiterhin motivationsförderlich. Evaluationen sollten soziale Vergleiche vermeiden und Feedback sollte nur persönlich gegeben werden. Die Verwendung einer individuellen und kriterialen Bezugsnorm wird empfohlen. Im zeitlichen Aspekt sollten Lehrende ausreichend Bearbeitungszeit einplanen und diese an leistungsschwächeren Lernenden ausrichten. Den Lernenden sollte Gelegenheit zur eigenverantwortlichen Zeitplanung gegeben werden (Dresel & Lämmle, 2011). Soziale Faktoren, die intrinsische Motivation fördern, sind beispielsweise Kompetenzerleben, Autonomieerleben und Anschluss, hemmende Faktoren sind extrinsische Belohnungen, ein kontrollierendes Umfeld sowie wenig Anschluss oder wenig Sicherheit.

Nach Rach und Heinze (2017) geht außerdem hohes Interesse mit hoher Lernmotivation und hoher Leistung für Lernprozesse in der Mathematik einher.

3 Vorstellung der Maßnahmen zur Motivationsförderung für Studienanfänger der Mathematik an der Universität Ulm

Im Folgenden möchte der Autor gewisse Maßnahmen zur Motivationsförderung für Studienanfänger der Mathematik an der Universität Ulm vorstellen und genauer erläutern. Die Maßnahmen beginnen dabei bei der Studienorientierung und enden beim Abschluss des ersten Studienjahres.

3.1 Studienorientierungsverfahren

Zur Immatrikulation in einen Studiengang an der Universität Ulm ist ein Orientierungsverfahren verpflichtend. Akzeptiert werden ein Beratungsgespräch zur Berufs- und Studienorientierung bei der Zentralen Studienberatung, der Studienfachberatung oder bei Beraterinnen und Beratern für akademische Berufe der Bundesagentur für Arbeit. Weiterhin wird die Teilnahme an einer fachspezifischen Informationsveranstaltung der Universität Ulm, die Teilnahme an einem BEST-Seminar, die Teilnahme am Test für Medizinische Studiengänge, ein Online-Orientierungsverfahren über die Plattformen www.borakel.de und www.was-studiere-ich.de sowie der Nachweis über die Teilnahme an einem Studierfähigkeitstest im Rahmen eines Auswahlverfahrens in den Studiengängen an der Universität Ulm. Für Lehramtsstudiengänge ist dagegen der Career Conselling for Teachers-Selbsttest verpflichtend. Beruflich Qualifizierte müssen einen schriftlichen Nachweis über ein Beratungsgespräch als Teil des Hochschulzugangs nachweisen (Universität Ulm, 2020c).

3.2 Orientierungssemester

Die Universität Ulm bietet unter anderem für mathematische Studiengänge ein Orientierungssemester im Sommersemester an. Dabei können Studierende im Orientierungssemester an Lehrveranstaltungen und Prüfungen teilnehmen und so bereits Studienerfahrung sammeln, ohne sich in den Studiengang vollwertig zu immatrikulieren. Weiterhin können sie erfolgreich absolvierte Prüfungen im späteren Studium anrechnen lassen. Zusätzlich bietet die Universität Ulm Unterstützungsmaßnahmen, Kurse zur Lernorganisation und individuelle Studienberatung an, um die Studierende im Orientierungssemester zu unterstützen (Universität Ulm, 2020a).

3.3 Die Projekte UULM PRO MINT & MED und PASST!

Das Projekt UULM PRO MINT & MED ist ein durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt, um den Studieneinstieg zu erleichtern. Es soll fachspezifische Maßnahmen fördern und entwickeln, um die Motivation der Studierenden in den MINT-Studiengängen und in den medizinischen Studiengängen zu erhöhen (Universität Ulm, 2019b). Das Projekt „PASST! – Passgenau Studieren in Ulm“ wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg im Rahmen des Programms „Strukturmodelle in der Studieneingangsphase“ gefördert. Kernpunkte von PASST! sind der Ausbau bestehender und die Entwicklung neuer Maßnahmen zur individuelleren Förderung der Studierenden in der Studieneingangsphase. Zielsetzungen dieser Maßnahmen sind eine Stärkung von Orientierung und Motivation bereits in der Studieneingangsphase und eine Steigerung des Studienerfolgs der Studierenden durch eine passgenaue Unterstützung (Universität Ulm, 2019a).

3.3.1 Fit in Mathematik – Universitäts-Trainingscamp

Eine Maßnahme des Projekts UULM PRO MINT & MED ist das mathematische Universitäts-Trainingscamp Fit in Mathematik. Es ein freiwilliger mathematischer Vorkurs, welcher vor dem eigentlichen Semesterbeginn stattfindet. Er steht Studierenden aller Fächer offen. Ziel des Trainingscamps ist es, Konzepte aus der Schulmathematik zu wiederholen und in die wissenschaftliche und in die Hochschulmathematik einzuführen. Das Trainingscamp besteht aus Vorlesungseinheiten und aus Tutorien, es wird ergänzt durch Fachvorträge und weitere Aktivitäten wie beispielsweise eine Stadttour durch Ulm (Universität Ulm, o. D.).

3.3.2 MathLabs

Zusätzlich zu Tutorien oder Kolloquien werden für die mathematischen Grundvorlesungen Analysis I, Analysis II, Lineare Algebra I und Lineare Algebra II sowie für die Vorlesung Maßtheorie und unregelmäßig weitere Vorlesungen sogenannte MathLabs angeboten. Es sind wöchentlich über zwei Stunden stattfindende Veranstaltungen. Die MathLabs werden durch Studienlotsen, Übungsleitern, Doktoranden sowie studentischen Hilfskräften betreut und dienen dazu, Fragen zu Vorlesungsinhalten und Übungsaufgaben zu beantworten und diese in Kleingruppen zu lösen (Universität Ulm, o. D.).

3.3.3 Kolloquien

Im Rahmen des Projekts PASST! werden Kolloquien in den Modulen Analysis I und Lineare Algebra I anstatt akademischer Tutorien angeboten. Kolloquien sind wöchentliche Kleingruppentutorien über eine Dauer von 60 Minuten, in denen Studierende innerhalb einer Kleingruppe von drei bis fünf Studierenden elementare Fragen beantworten sollen. Durch Beantwortung dieser an der Tafel können sie einen Teil der Übungspunkte erwerben (Universität Ulm, o. D.).

3.3.4 Zwischenklausuren

Einen weiteren Teil der Vorleistung in den Modulen Analysis I und Lineare Algebra I bilden Zwischenklausuren. Sie finden etwa in der Mitte der Vorlesungszeit statt. Sie ist nicht endnotenrelevant. Hierbei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von UULM PRO MINT & MED und PASST! (Universität Ulm, o. D.).

3.3.5 Praktische Lernberatung

Nach den Zwischenklausuren wird allen Studierenden eine Lernberatung angeboten. In der Zwischenklausur nicht erfolgreiche Studierende werden direkt zu der Lernberatung eingeladen. Es handelt sich hierbei um Einzelgespräche mit einer Dauer von 60 Minuten, in denen es darum geht, Fehler der Zwischenklausur zu besprechen (Universität Ulm, o. D.).

3.3.6 Simulierte mündliche Prüfungen

Mathematik-Studierende der Universität Ulm müssen bis zum Ende des fünften Fachsemesters in den Modulen Analysis und Lineare Algebra jeweils eine mündliche Prüfung absolvieren. Da diese Prüfungen für viele Studierende die ersten mündlichen Prüfungen auf Hochschulniveau sind, finden in jedem Semester simulierte mündliche Prüfungen statt, bei denen sich Studierende durch MathLab-Tutoren und Studienlotsen prüfen lassen und so Feedback erhalten können. Der Ablauf und das Niveau entspricht dabei den richtigen Prüfungen. Dieses Projekt ist Teil des Projekts UULM PRO MINT & MED (Universität Ulm, o. D.).

3.4 Außercurriculare Veranstaltungen

Zusätzlich zu vorlesungs- und prüfungsbegleitenden Veranstaltungen organisieren einige Dozenten im Rahmen ihrer Vorlesung Veranstaltungen, um beispielsweise ihre Studierenden besser kennenzulernen. Beispielhaft möchte der Autor drei außeruniversitäre Veranstaltungen vorstellen, die durch Dozenten der Mathematik an der Universität Ulm organisiert werden.

Eine Tradition im Fachbereich Mathematik an der Universität Ulm ist das jährlich stattfindende Fußballspiel zwischen Fakultätsangehörigen der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften und Studierenden des Fachbereichs Mathematik, der sogenannte Zweitsemesterkick, für Mathematik-Studierende im zweiten Bachelor-Fachsemester. Ausgerichtet und organisiert wird das Spiel von einem mathematischen Institut der Fakultät, im Sommersemester 2019 beispielsweise vom Institut für angewandte Analysis. Bevor das Spiel stattfindet, können Mitglieder beider Mannschaften über mehrere Wochen auf einem reservierten Fußballplatz gemeinsam trainieren. Bei dem eigentlichen Spiel spielen Professoren, Angehörige des akademischen Mittelbaus sowie wissenschaftliche Hilfskräfte auf Seiten der Fakultät gegen interessierte Studierende (für ein Bild des Zweitsemesterkicks 2019 siehe Anhang). Unregelmäßig organisieren außerdem Dozenten für Studienanfänger der Mathematik ein Erstsemestergrillen. Der Autor selbst nahm im Sommersemester 2018 an einem Grillfest organisiert von Dr. Hartmut Lanzinger und Dr. Hans-Peter Reck im Rahmen der Linearen Algebra I teil. Zusätzlich veranstalten Institute der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften Fachvorträge mit Unternehmen oder Ulmer Absolventen der Mathematik, um Studierende über das Berufsfeld Mathematik zu informieren. Ein Beispiel hierfür ist das Institut für Versicherungswissenschaften in Kooperation mit dem Verein Studium und Praxis e.V. an der Universität Ulm, an denen der Autor in den vergangenen Semestern teilgenommen hat.

4 Kritische Reflexion und Diskussion

Die in Kapitel 3 vorgestellten Maßnahmen werden im Folgenden im Hinblick auf den aktuellen Forschungsstand eingeordnet. Weiterhin werden zusätzlich denkbare Maßnahmen vorgestellt, welche die Motivation für Studienanfänger der Mathematik erhöhen können.

4.1 Bewertung der vorgestellten Maßnahmen

Die vorgestellten Maßnahmen umfassen das verpflichtende Studienorientierungsverfahren, ein Orientierungssemester, die Projekte UULM PRO MINT & MED und PASST! sowie außercurriculare Veranstaltungen.

4.1.1 Studienorientierungsverfahren

Studienorientierungsverfahren dienen der Reflexion der Studierenden. Sowohl persönliche Beratungsgespräche als auch Selbsttests vermitteln Informationen über Studienfächer, überprüfen aber auch die Passung von Personenmerkmalen und Studienanforderungen (Hell, 2009). Um ein möglichst passendes Ergebnis zu erhalten, ist es allerdings wichtig, ehrlich und gewissenhaft zu antworten. Die aufgezeigten Besonderheiten der wissenschaftlichen Mathematik und der Hochschulmathematik im Vergleich zur Schulmathematik werden den Studierenden bei Online-Selbsttests möglicherweise allerdings gar nicht deutlich. Durch solche Tests werden nur selten Erwartungen der Studierenden besprochen. Dies kann dazu führen, dass die Erwartung der Studierenden nach Studienbeginn sinkt und damit nach dem Erwartung-mal-Wert-Modell auch deren Motivation (Atkinson, 1964). Um ein realistisches Bild des mathematischen Hochschulstudiums zu geben, sind Fachgespräche möglicherweise die bessere Wahl. Zudem könnte das verpflichtende Studienorientierungsverfahren bei Studierenden zu einer Einschränkung des Autonomieempfindens führen, was ebenfalls die Motivation reduzieren kann (Ryan & Deci, 2000).

[...]


1 Aus Landau, E. (1930). Grundlagen der Analysis. Akademische Verlagsgesellschaft.

2 Hier und im Folgenden ist mit Mathematikstudium das Studium im Studienbereich Mathematik, an der Universität Ulm also das Studium der Mathematik, der Mathematischen Biometrie und der Wirtschaftsmathematik sowie des höheren Lehramts Mathematik, gemeint.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Maßnahmen zur Motivationsförderung bei Studienanfängern anhand des Studienbereichs Mathematik an der Universität Ulm
Hochschule
Universität Ulm
Autor
Jahr
2020
Seiten
26
Katalognummer
V942534
ISBN (eBook)
9783346278494
ISBN (Buch)
9783346278500
Sprache
Deutsch
Schlagworte
maßnahmen, motivationsförderung, studienanfängern, studienbereichs, mathematik, universität
Arbeit zitieren
Luca Cermak (Autor), 2020, Maßnahmen zur Motivationsförderung bei Studienanfängern anhand des Studienbereichs Mathematik an der Universität Ulm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942534

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