Die vorliegende Hausarbeit verfolgt die Fragestellung, ob Englisch als Lingua Franca oder andere Mehrsprachigkeitsmodelle im In- und Ausland zu einer besseren Unternehmenskultur beitragen. Als Beispielunternehmen wird dabei der europäische Flugzeugbauer Airbus herausgegriffen, der in den letzten Jahren verstärkt auf die Unternehmenssprache Englisch setzte. Es werden ferner grundlegende Begriffe und Modelle hinsichtlich des Zusammenwirkens von Sprache, Identität und Kultur skizziert und damit der theoretische Rahmen für den praktischen Teil der Fragestellung geschaffen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Theoretische Grundlagen
1.1 Kultur: Definition eines amorphen Begriffes
1.2 Kultur- und Kompetenzmodelle zur Analyse interkultureller Kommunikation
1.3 Unternehmenskultur und Sprache
2 Beispiele: Mehrsprachigkeitspraxen in Unternehmen
3 Sprachenpolitik: Englisch als Lingua Franca?
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Sprache und Unternehmenskultur im Kontext der Globalisierung. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Englisch als Lingua Franca oder alternative Mehrsprachigkeitsmodelle zu einer effektiven und positiven Unternehmenskultur beitragen können, wobei insbesondere die praktischen Umsetzungen in internationalen Konzernen analysiert werden.
- Verhältnis zwischen nationaler Kultur und Unternehmenskultur
- Kultur- und Kompetenzmodelle in der interkulturellen Kommunikation
- Unterscheidung zwischen Unternehmens- und Betriebssprache
- Praktische Implementierung von Sprachenpolitik in Großunternehmen (z.B. Airbus)
- Herausforderungen einer Lingua-Franca-Praxis im betrieblichen Alltag
Auszug aus dem Buch
1.3 Unternehmenskultur und Sprache
Den obigen Ausführungen Halls folgend, ist Sprache das Produkt und gleichzeitig konstitutives Element einer Kultur. Kommunikation zwischen Zugehörigen unterschiedlicher Kulturen wird dabei als interkulturelle Kommunikation bezeichnet, in deren Zuge „kulturspezifische Merkmale, wie der Nationalcharakter, die individuelle Wahrnehmung, das Zeit- und Raumerleben, das Denken, Wertorientierungen, Verhaltensmuster und soziale Beziehungen“ Einfluss auf die jeweilige Kommunikationssituation nehmen (Mergler, 2011, S.69). Angesichts der Globalisierung und der damit einhergehenden weltweiten wirtschaftlichen Verflechtung gewinnen interkulturelle Sprach- und Kommunikationskompetenz deutlich an Relevanz. Ausdruck dieser Entwicklung sei ein „Prozess der Verschiebung“, bei dem die kulturelle Kommunikation der Primärsozialisation zunehmend durch interkulturelle Kommunikation abgelöst werde – allerdings mit dem Risiko der Vernachlässigung zwischenmenschlicher Beziehungen (Mergler, 2011, S.71).
Sprache und Nation sind konstitutive Elemente einer Kultur, auf deren Basis sich interkulturelle Kommunikation erst entwickeln kann (Abbildung 2). Während bei der Nationalkultur aber die Primärsozialisation durch Familie, Nachbarschaft oder Schule eine frühe Prägung durch bestimmte Werte nach sich zieht, entsteht die Unternehmenskultur erst viel später durch bestimmte Praktiken (Abbildung 1). So setzt erst das Management eines Unternehmens „Normen und Regeln als Richtlinien für das gewünschte Verhalten der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz voraus und formt so eine Unternehmenskultur“ (Kühne, 2011, S.42). Eine Unternehmenskultur besteht ferner nur während der Arbeitszeit und besitzt damit weit weniger Bindekraft als die nationale Kultur. Gemein haben aber sowohl die National- als auch die Unternehmenskultur, dass die Sprache eine entscheidende Rolle zu deren Herausbildung spielt. Im Unternehmen wird diese durch das Management als Praktik (Sprachenpraxis) vorgegeben; auf Ebene der Nationalkultur ist diese das Ergebnis länger fortschreitender historischer Prozesse der Staaten- und Nationenbildung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Sprachkenntnisse für den wirtschaftlichen Erfolg ein und definiert die Fragestellung bezüglich der Wirksamkeit von Lingua-Franca-Modellen.
1 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert den Kulturbegriff sowie verschiedene Modelle zur Analyse interkultureller Kommunikation und setzt diese in den Kontext der Unternehmenskultur.
2 Beispiele: Mehrsprachigkeitspraxen in Unternehmen: Hier werden Fallbeispiele, insbesondere das Unternehmen Airbus, analysiert, um die Lücke zwischen theoretischer Firmensprache und gelebter Betriebspraxis aufzuzeigen.
3 Sprachenpolitik: Englisch als Lingua Franca?: Dieses Kapitel diskutiert, welche Sprachenpolitik Unternehmen verfolgen sollten, und plädiert für einen Bottom-Up-Ansatz unter Einbeziehung der Mitarbeiter.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine rein starre Unternehmenssprache oft negative Auswirkungen auf das Betriebsklima hat und eine bewusste Gestaltung der Sprachenpraxis durch das Management erforderlich ist.
Schlüsselwörter
Unternehmenskultur, Mehrsprachigkeit, Sprachenpolitik, Englisch als Lingua Franca, interkulturelle Kommunikation, Globalisierung, Betriebssprache, Airbus, Kulturmodelle, Sprachpraxis, Management, interkulturelle Teams, Wirtschaftsraum, Organisationskultur, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Sprache als Gestaltungselement für eine effektive Unternehmenskultur in einem globalisierten, wirtschaftlichen Umfeld.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Kultur, der Analyse interkultureller Kommunikationsmodelle und der Untersuchung betrieblicher Sprachpraktiken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Einführung von Englisch als Lingua Franca oder andere Mehrsprachigkeitsmodelle tatsächlich zu einer verbesserten Unternehmenskultur führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die Literaturrecherchen mit Fallbeispielen aus der Wirtschaft verknüpft, um das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Grundlagen, vergleicht Sprachpraxen in verschiedenen Unternehmen wie Airbus oder Volkswagen und diskutiert die Herausforderungen einer zielgerichteten Sprachenpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unternehmenskultur, Sprachenpolitik, Lingua Franca, interkulturelle Kommunikation und Mehrsprachigkeit.
Wie unterscheidet sich Unternehmens- von Betriebssprache bei Airbus?
Die Unternehmenssprache Englisch wird durch die Geschäftsleitung definiert, während die Betriebssprache die tatsächlich am Arbeitsplatz vor Ort gelebte Kommunikation umfasst, die oft deutlich vielfältiger ist.
Warum wird die alleinige Einführung von Englisch als Unternehmenssprache oft kritisch gesehen?
Die Arbeit zeigt, dass eine zu starre Fixierung auf eine Sprache, ohne Rücksicht auf lokale Gegebenheiten, die zwischenmenschliche Kommunikation hemmen und das Betriebsklima negativ beeinflussen kann.
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- Anonym (Autor), 2020, Mehrsprachigkeitspraxen in Unternehmen. Eine neue Unternehmenskultur?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942549