Exegese von Mk 4,35-41. Interpretation der vormarkinischen und markinischen Überlieferung


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1.7

Nicole Fabian (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Text

2. Analyse des Textes
2.1 Abgrenzung und Kontext
2.2 Ausformulierte Gliederung des Textes
2.3 Abgrenzung von Tradition und Redaktion
2.4 Gattungsbestimmung der vormarkinischen Überlieferung
2.5 Begriffsbestimmung bzw. religionsgeschichtliche Analyse

3. Interpretation
3.1 Interpretation der vormarkinischen Überlieferung
3.2 Interpretation des markinischen Textes
3.2.1 Interpretation des Textes an sich
3.2.2 Interpretation des Textes im theologischen Gesamtrahmen des Mk

4. Synoptischer Vergleich
4.1 Interpretation der Mt-Parallele (Mt 8,23-27)
4.2 Interpretation der Lk-Parallele (Lk 8, 22-25)

5. Zusammenfassung und Bündelung

Literaturverzeichnis

1. Text

35 Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren.

36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm.

37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde.

38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?

39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.

40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? 41 Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

2. Analyse des Textes

In der folgenden Analyse wird der auszulegende Text aufgrund seines Mikro- und Makrokontextes untersucht und abgegrenzt. Er wird in Sinnesabschnitte gegliedert und es werden dazu Unterschiede in der Tradition und in der Redaktion des Auszuges dargelegt. Zusätzlich wird er einer Textgattung zugeordnet und ein prägnanter Begriff, Glaube, erläutert und bestimmt.

2.1 Abgrenzung und Kontext

„Die Stillung des Sturmes“ ist eine Perikope, die im vierten der 16 Kapitel des Markusevangeliums steht. Das Evangelium lässt sich grob in drei Teile gliedern. Die vorliegende Perikope gehört hierbei zum ersten Hauptteil, welcher das Wirken Jesu innerhalb und außerhalb von Galiläa thematisiert (Mk 1,1-Mk 8,26). Der zweite Teil beschreibt den Weg Jesu zur Passion (Mk 8,27-Mk 10, 52). Der letzte Abschnitt behandelt Jesus in Jerusalem (Mk 11,1-Mk 16,20)3.1

Das Kapitel, in welchem die zu untersuchende Perikope steht, startet mit einer Einleitung, bei der Jesus beginnt, „am Meer zu lehren“ (Mk 4,1) und den Menschen von verschiedensten Gleichnissen zu erzählen. So spricht er beispielweise vom „Gleichnis vom Sämann“ (Mk 4,3-9), vom „Gleichnis vom Wachsen der Saat“ (Mk 4,26-29) oder auch vom „Gleichnis vom Senfkorn“ (Mk 4,30-34), woran sich die zu untersuchende Perikope anschließt. Nach dem Erzählen der Gleichnisse beschließt Jesus, mit seinen Jüngern an das andere Ufer zu fahren, wobei inhaltlich die Textgattung der Gleichnisse abgeschlossen wird und die Geschichte der Sturmstillung beginnt. In dieser kommt während der Überfahrt ein großer Sturm auf, welchen Jesus mit den Worten „Schweig und verstumme!“ (Mk 4,39) beruhigt und sie sicher die Fahrt fortsetzen können. Mit der Stillung des Sturmes und der damit verbundenen Rettung vor dem Ertrinken eröffnet sich hier die Textgattung der Wundergeschichten2, insbesondere der Rettungswunder, zu der die Sturmstillung gehört. Fortgeführt wird diese Gattung in den nächsten Kapiteln, nämlich in den Perikopen „Heilung des besessenen Gerasener“ (Mk 5, 1-20) und „Die Heilung der blutflüssigen Frau und die Erweckung der Tochter des Jaïrus“ (Mk 5,21-43). Hierbei wird die „rettende Herrschaft Jesus […] in dreifacher Form [bezeugt]: Er ist der Herr über die Naturgewalten und vermag die Seinen daraus zu retten; er ist der Herr über die dämonischen Mächte und vermag von ihnen zu befreien; er ist der Herr über Krankheit und Tod und vermag beide zu überwinden“3

Aus dieser Betrachtung lässt sich sagen, dass „Die Stillung des Sturmes“ eine in sich geschlossene Handlung und Geschichte darstellt und gleichzeitig als Brücke zu einer anderen Textgattung fungiert. Diese Überleitung in die Textform der Wundergeschichten wird durch das Übersetzen Jesu mit dem Boot „in die Gegend der Gerasener“ (Mk 5,1) verstärkt.

2.2 Ausformulierte Gliederung des Textes

Die Gliederung des Textes folgt dem bekannten Model einer Wundergeschichte. Begonnen wird mit einer Exposition (V35-36), mit welcher die Perikope eingeleitet wird und alle relevanten Aspekte und Gegebenheiten direkt oder auch indirekt genannt werden. So wird mit der Aussage, dass „er zu ihnen [sprach]: Lasst uns hinüberfahren“ (V35) und den Kenntnissen aus den Perikopen zuvor deutlich, dass Jesus mit seinen Jüngern an das andere Ufer fahren möchte. Im folgenden Vers wird dazu erwähnt, dass sie das Volk zurückließen, in das Boot stiegen und weitere Boote in der Nähe waren (vgl. V36). In den Versen 37 und 38 nun kommt ein starker Sturm auf, der das Boot zum Kentern bringen könnte (vgl. V37). Währenddessen schläft Jesus im hinteren Teil des Bootes auf einem Kissen bis seine Jünger ihn besorgt wecken und zu ihm sprechen „Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ (V38). Diese beiden Verse dienen als Vorbereitung auf das eigentliche Wunder und erzählen von einem Problem, das sich nur durch ein Wunder retten lassen kann. Daher findet in Vers 39a die Durchführung des besagten Wunders statt, indem Jesus dem Sturm befiehlt zu schweigen und zu verstummen (vgl. V39a). Der zweite Teil des Verses 39 stellt die Demonstration des Wunders dar. Hier legt sich der Sturm wieder, das Meer beruhigt sich „und es entst[eht] eine große Stille“ (V39b). Auf die Demonstration folgt im typischen Aufbau einer Wundergeschichte eine Reaktion, in diesem Fall der Jünger, welche in Vers 41 zu finden ist. Daher lässt sich darauf schließen, dass Vers 40, das Nachwort zum Wunder oder auch die Tadelung des Unglaubens, nachträglich hinzugefügt worden ist, was im folgenden Kapitel 2.3 näher erläutert wird.

2.3 Abgrenzung von Tradition und Redaktion

In diesem Kapitel wird „die redaktionelle Arbeit des Evangelisten an einem vorgegeben Erzählungsstück erklär[t] und genauer […] die Dissonanz zwischen einer urtümlichen Überlieferung und der aktualisierenden Auslegung“4 beleuchtet.

Um die Tradition von der Redaktion in der zu untersuchenden Perikope herauszufiltern, müssen neben verwendeten Sprachstilen und herausstechenden Auffälligkeiten auch Brüche in Formulierungen und im typischen Aufbau einer Wundergeschichte betrachtet werden.

Hierbei fällt die häufig am Versanfang verwendete Konjunktion „Und“ (V35-40) auf, wovon nur der letzte Vers abweicht. Diese könnten, um die Perikope in den Kontext der Vorgeschichte einzubetten, Teil einer Redaktion Markus sein, wie auch die Zeitangabe in Vers 35 „desselben Tages“ oder das Dativpersonalpronomen „ihnen“. „Auf solche Weise hat es also Mk verstanden, seiner Sammlung den Anschein einer geographischen, chronologischen und z.T. auch sachlich zusammenhängenden Geschichte zu geben“5. Im darauffolgenden Vers 36 verlassen die Jünger zusammen mit Jesus das Volk und legen ab, „wie er im Boot war“ (V36), wobei Markus auch hier wieder einen Zusammenhang zum vorherigen Kontext in Mk 4,1 geschaffen hat. Gleich darauf werden noch weitere Boote erwähnt, die jedoch für die folgende Erzählung keinen Zweck erfüllen und „auf einer früheren Stufe wohl eine Rolle gespielt haben“6. Schweizer vermutet in ihrer Erwähnung der vormarkinischen Tradition einen Nutzen dieser Insassen als Zeugen des Wunders7.

Die Verse 37-39 passen inhaltlich einwandfrei in das Schema einer Wundergeschichte und können somit der vormarkinischen Tradition zugeordnet werden, wobei zwei sprachliche Auffälligkeiten in den Versen 37b und 38b zu finden sind: Im Gegensatz zum ersten Teil „Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot“ (V37a), welcher sprachlich wohlgeformt und -überlegt klingt, wirkt zweiterer Teil „sodass das Boot schon voll wurde“ (V37b) eher umgangssprachlich und hinzugefügt, um eventuell mehr Spannung zu erzeugen und die Not, in der Jesus und seine Jünger sind, zu betonen. Bei Vers 38b scheint Markus die Rede der Jünger an Jesus verändert zu haben, denn man geht davon aus, dass die vormarkinische Überlieferung eine Bitte um Hilfe beinhaltete, nicht wie bei Markus einen Vorwurf8.

Auf diese Art und Weise hat Markus die Wundergeschichte in eine Jüngergeschichte umfunktioniert9. In Bezug auf den Aufbau der Geschichte ist Vers 40 auffällig, in welchem sich Jesus an seine Jünger richtet und Unverständnis für die Furcht und Angst bekundigt. Solch ein Nachwort zur Wundervollbringung Jesu bricht den typischen Aufbau einer Wundergeschichte und könnte auch ohne jegliche Störung des Erzählflusses entfernt werden, bildet jedoch in der markinischen Theologie einen wichtigen Bestandteil, denn damit verweist Markus auf das Geheimnismotiv oder auch Jüngerunverständnis10, was in 3.2.2 näher erläutert wird. Im Abschluss steht Vers 41, welcher die Reaktion der Jünger auf das Wunder Jesu darstellt und somit dem Wunderschema und gleichzeitig dem Vormarkinischen zuzuordnen ist. Der zweite Teil dieses Verses könnte in gewisser Weise auch auf ein Jüngerunverständnis hindeuten und der markinischen Redaktion entspringen, was jedoch meiner Meinung nach nicht eindeutig zu bestimmen ist.

2.4 Gattungsbestimmung der vormarkinischen Überlieferung

Wie in 2.2 angedeutet handelt es sich bei der Geschichte der Sturmstillung um eine Wundergeschichte. Ein „in der Regel […] gleichbleibender Aufbau“11, bestehend aus Exposition, Vorbereitung, Durchführung, Demonstration und Reaktion, kennzeichnet diese Textgattung. Zweites entscheidendes Kriterium einer Wundergeschichte ist die Vollbringung eines Wunders, das hier ganz klar durch die Stillung eines lebensbedrohlichen Sturmes gegeben ist.

Die Exposition legt die Grundsteine einer jeden Geschichte. Sie gibt an, wer sich wo und wann befindet und gibt Hinweise auf den folgenden Ablauf der Geschichte. Im Zusammenhang des Kontextes mit der Exposition dieser Perikope wissen wir, dass sich Jesus mit seinen Jüngern „am Abend desselben Tages“ (V35) des Erzählens seiner Gleichnisse auf eine Bootsfahrt begibt. Die darauffolgende Vorbereitung lässt das eigentliche Problem aufkommen, nämlich das Aufkommen eines großen Sturmes in Vers 37. Mit dem Handeln und Sprechen Jesu kommt es zur Durchführung und anschließender Demonstration der Gottesmacht, indem sich das Unwetter legt (vgl. V39). Wie in 2.2 erwähnt reiht sich der Vers 40, eine Ansprache Jesu, nicht in das Schema einer Wundergeschichte ein, verändert den Grundaufbau jedoch nicht entscheidend. Abschließend folgt eine Reaktion der Jünger auf das Wunder, bei welcher sie sich sehr fürchten und untereinander sprechen (Vgl. V41).

Wenn nun das Wunder an sich genauer betrachtet wird, so lässt sich „Die Stillung des Sturmes“ definierter auf die Unterkategorie der Rettungswunder zuordnen. Indem Jesus das Meer hat sich beruhigen lassen, kenterte das menschengefüllte Boot nicht, wodurch sie gerettet waren.

2.5 Begriffsbestimmung bzw. religionsgeschichtliche Analyse

Der hier näher beleuchtete Begriff Glaube steht in der Rede Jesu in Mk 4,40b. Hier hat er den Wind und das Meer verstummen lassen und richtet sich anschließend an seine Jünger, indem er sie fragt: „Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“ (Mk 4,40). Dieser zentrale Begriff soll nun von der Bedeutung und seinem religionsgeschichtlichen Ursprung her kurz bestimmt werden.

„Glaube aber ist: Feststehen, in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“ (Hebr 11,1).

Dies ist eine der vielen Beschreibungen des Glaubens im Neuen Testament, einer von vielen Versuchen, diesen weitläufigen Begriff zu erfassen und zu erläutern. Um sich diesen Begriff nun erklären zu können, betrachtet man die Herkunft des Glaubens:

„Im AT bedeutet das Verb für glauben, he´ĕmin, (jemanden oder etwas) fest sein lassen, als fest, zuverlässig ansehen“12 und stellt im Alten Testament eher eine Einstellung des Seins zu Gott, als eine Einstellung des Denkens dar13. Im palästinensischen Judentum liegen der Sinn und die Erfüllung des Glaubens vielmehr im Gehorsam und im Halten an das Gesetz Gottes14 Dabei ist die Erreichung des Heils nur durch den Glauben in Kombination mit der Einhaltung der Gebote möglich. Anders dargestellt ist der Glaube im Neuen Testament: Hier steht der Glaube im engen Zusammenhang mit der Dreifaltigkeit Gottes und seinem Sohn Jesus Christus, denn der Glaube „an die Gemeinschaft mit Gott und Christus durch die Gnade – daher rettend – erfasst den ganzen Menschen“15. Diese Definition des Glaubens gleicht sich stark in ihrer Aussage an die Geschichte der Sturmstillung an, denn hier wird eindeutig der Glaube in Gott zur Rettung aus dem Unwetter.

„Die erste christliche Theorie des Glaubens legte Paulus vor.“16 In seinen Briefen, vor allem im Galaterbrief, spricht er von der Erlangung der Heilsecuritas durch den reinen Glauben, der einem von Gott geschenkt wird (Vgl. Gal 3). In der weiterentwickelten Definition Augustus´ wird zwischen der fides qua creditur, Glaubensakt des Einzelnen, und der fides quae creditur, Glaubensinhalt, unterschieden.17 „So gilt etwa für alle theistischen Religionen, dass jede fides qua eine fides quae voraussetzt, nämlich den Glauben an die Existenz Gottes, auf den die Glaubenden vertrauen und zu dem sie sich hinwenden. Umgekehrt verweist die fides quae auf die fides qua, da der Glaube nicht irgendwelche religiösen Aussagen umfasst, sondern Gott zum Gegenstand hat.“18

3. Interpretation

Im folgenden Kapitel wird die Perikope der Sturmstillung des Markus-Evangeliums interpretiert. Hierzu soll zunächst die vormarkinische Überlieferung und anschließend die markinische Überlieferung interpretiert werden, welche aus einer Interpretation des Textes an sich und einer Interpretation des Textes im Gesamtzusammenhang des Markusevangeliums und seiner Theologie besteht.

3.1 Interpretation der vormarkinischen Überlieferung

Wie schon in 2.4 erläutert, handelt es sich bei der Sturmstillung um eine Wundergeschichte. Sie haben ihre Vorbilder im Alten Testament oder in der hellenistischen Umwelt des Urchristentums19, wie beispielweise die Selbstvorstellung Gottes gegenüber Mose als brennender Dornbusch (Vgl. Ex 3) oder auch die Teilung des Schilfmeeres und der damit verbundenen Rettung des Volkes Israel (Vgl. Ex 14).

Nach „alttestamentlicher Darstellung hat Gott die Welt geschaffen […], und es ist selbstverständlich, dass Gott jederzeit in den Lauf der Welt eingreifen kann“20. Dabei liegt in allen Wundergeschichten die Funktion „im Wesentlichen im Erweis der Macht Gottes bzw. göttlich autorisierter Mittlergestalten“21, wie vorwiegend im Neuen Testament in Jesus. Dabei wird deutlich, dass die Wertlegung nicht nur auf dem Handlungsablauf an sich liegt, sondern vor allem auch auf der Person Jesu22. „Jede Wundergeschichte will auf ihre Weise erzählen, wer er ist, als wer Jesus begegnet“23. Dieses lässt sich auch an der Benennung Jesu als „Meister“(V38) erkennen und verstärkt seine Position. Dazu stellt es eine Art urchristliches Bekenntnis zu Jesus und zur Macht Gottes in Jesu, und vor allem auch zum Grundvertrauen in den Glauben, dar.

3.2 Interpretation des markinischen Textes

Im folgenden Abschnitt wird das Augenmerk der Interpretation auf die markinische Redaktion der Perikope gelegt. Hierzu wird zunächst eine Interpretation der vorliegenden Perikope vorgenommen, woraufhin eine Interpretation des Textes im theologischen Gesamtrahmen des Markus-Evangeliums folgt.

3.2.1 Interpretation des Textes an sich

„Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“ (V40) – dies ist der entscheidende Punkt, die Kernaussage oder auch der Gedankenanstoß in dieser Perikope. Auch wenn diese Fragen Jesu an seine Jünger wie ein Vorwurf klingen, so geht es um die essenzielle Frage des Vertrauens und des Glaubens.

Nach einer Interpretation Schweizers, stellt das ruhige Schlafen Jesu ein grundgefestigtes Vertrauen in Gott und seiner Macht24 und die Jünger eine „Not des Beters, der an Gottes Schweigen verzweifelt“25, dar. Im Gegensatz zu den Jüngern ist Jesus Glaube stark, weshalb er das Unwetter nicht fürchtet. „Sturm und Wasser bezeichnen die Anfechtungen des Glaubenden“26, die in direkter Beziehung zu den Jüngern stehen und versuchen, zum Unglauben zu verleiten. Indem Jesus nun dem Unwetter gebietet zu schweigen, zeigt er „etwas von seiner herrenhaften Vollmacht“27 und schafft mit der anschließenden Stille ein „Zeichen göttlichen Sieges über alle feindlichen Mächte“28.

In der abschließenden Reaktion der Jünger an das Wunder stellen sie sich die Frage „Wer ist der?“ (V41). Nach Schille ist es wichtig, nicht nur bei der einfachen Frage nach der Person Jesu zu bleiben, „sondern bis zur Frage nach Jesu Macht vorzustoßen“29, welche in dieser Perikope jedoch völlig offengelassen wird. Zusätzlich sieht Schille das Boot im Unwetter als „die gegenwärtige Lage der Gemeinde, die im Sturm der Zeit unterzugehen“30 droht oder auch „das typische, die Lage der Kirche zu allen Zeiten bestimmende[,] Merkmal der eschatologischen Zeit“31, nämlich das Hin- und Herwerfen der Gemeinde Gottes in den Stürmen32.

[...]


1 Vgl. Schnelle, Udo (2002): Einleitung in das Neue Testament. 4. Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 248-250.

2 Vgl. Schweizer, Eduard (1998): Das Evangelium nach Markus. 8. Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S.54.

3 Grundmann, Walter (1964): Evangelium nach Markus. Theologischer Handkommentar zum neuen Testament. 2. Auflage. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt, S. 102.

4 Schille, Gottfried (2009): Die Seesturmerzählung Markus 4 35-41 als Beispiel neutestamentlicher Aktualisierung. In: Zeitschrift für die Neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der Älteren Kirche. Band 56, Heft 1-2, S. 30f.

5 Pesch, Rudolf (1979): Das Markus-Evangelium. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft, S. 89.

6 Schweizer, Eduard (1998), S. 54.

7 Vgl. Schweizer, Eduard (1989), S. 60.

8 Vgl. Gnilka, Joachim (1978): Das Evangelium nach Markus. Markus 1-8, 26. Zürich: Benzinger, S. 195.

9 Vgl. Pesch, Rudolf (1979), S. 268.

10 Vgl. Dschulnigg, Peter (1984): Sprache, Redaktion und Intention des Markus-Evangeliums. Eigentümlichkeiten der Sprache des Markus-Evangeliums und ihre Bedeutung für die Redaktionskritik. Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk, S. 518ff.

11 Kropač, Ulrich (2010): Wunder. Unaufgeklärte Restbestände eines modernen Wirklichkeitsverständnisses? In: Thim-Marbey, Christiane / Brack-Bernsen, Lis / Fink, Alexander (Hrsg.): Wissenschaft-Wirklichkeit-menschliches Handeln. Regensburger Symposium: Regensburg, S. 115.

12 Reicke, Bo / Rost, Leonhard (o.J.): Biblisch-Historisches Handwörterbuch, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, S. 2258.

13 Vgl. Reicke, Bo / Rost, Leonhard (o.J.), S. 2258.

14 Vgl. Reicke, Bo / Rost, Leonhard (o.J.), S. 2259.

15 Vgl. Reicke, Bo / Rost, Leonhard (o.J.), S. 2260.

16 Schimmel, Alexander (2015): Glaube. In: Das wissenschaftlich-religionspädagogische Lexikon im Internet (WiReLex). Online unter: http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/100062/. Abgerufen am 30.08.2019, S. 3.

17 Vgl. Schimmel, Alexander (2015), S. 4.

18 Schimmel, Alexander (2015), S. 4.

19 Vgl. Pesch, Rudolf (1979), S. 265f.

20 Karner, Gerhard (2014): Wunder / Wundergeschichten (AT). In: Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex). Online unter: http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/35082/. Abgerufen am 05.10.19, S. 1.

21 Karner, Gerhard (2014), S. 6.

22 Vgl. Pesch, Rudolf (1979), S. 263.

23 Pesch, Rudolf (1979), S. 263.

24 Vgl. Schweizer, Eduard (1998), S. 56.

25 Schweizer, Eduard (1998), S. 56.

26 Schweizer, Eduard (1998), S. 56.

27 Schweizer, Eduard (1998), S. 56.

28 Schweizer, Eduard (1998), S. 56.

29 Schille, Gottfried (2009), S. 36.

30 Schille, Gottfried (2009), S. 37.

31 Schille, Gottfried (2009), S. 37.

32 Vgl. Schille, Gottfried (2009), S. 37.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Exegese von Mk 4,35-41. Interpretation der vormarkinischen und markinischen Überlieferung
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1.7
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V943434
ISBN (eBook)
9783346279163
ISBN (Buch)
9783346279170
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, interpretation, überlieferung
Arbeit zitieren
Nicole Fabian (Autor), 2019, Exegese von Mk 4,35-41. Interpretation der vormarkinischen und markinischen Überlieferung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/943434

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