Um Fankulturen zu Filmen und um die damit verbundene Identitätsbildung soll es in dieser Arbeit gehen. Es wird dargestellt, wie Fankulturen entstehen, wie sie sich in den letzten Jahren verändert haben, wie sie „funktionieren“ und welche „Funktion“ sie erfüllen. Dabei soll vor allem auf diejenigen Fans eingegangen werden, die ihre Fankultur ausleben und bei denen es aktiv zum Lebensalltag gehört, da sich anhand dieses Klientels die Fankultur am besten veranschaulichen lässt. Mit einem weiteren sozialwissenschaftlichen Begriff ist das Fan-Sein verknüpft.
In der hier vorliegenden Arbeit stehen Identität, Fan-Sein und Fan-Identität im Mittelpunkt. „Wer man war, wer man ist und wer man sein möchte, ist damit ein wesentliches Merkmal der Identitätskonstitution, wobei diese nicht im gesellschaftsleeren Raum entsteht, sondern vielmehr dialogisch und wechselseitig hergestellt und versichert wird“ (Völcker, 2016). Auch über mediale Angebote finden sich die Identitätsangebote, nicht nur über den sozialen und kulturellen Nahbereich. Peltzer beschreibt, dass die populäre Kultur und deren Erzeugnisse in heutigen Sozialisationsprozessen als ein Teil der Habitualisierung in einer zum größten Teil mediatisierten Öffentlichkeit als ein globales Phänomen zu verstehen sind (vgl. Peltzer 2011). Das Fan-Sein lässt sich hier als eine soziale Beziehungsstruktur charakterisieren. Es wird durch zeitliche Dimensionen und spezifische Dynamiken in seinen verschiedenen Facetten und Formen geprägt. Wie das eigene Ich-Erleben, konstituiert sich das Fan-Sein als ein biografisches Merkmal
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fan-Sein – eine Begriffsdefinition
3. Die Fankultur – die Gesellschaft des Kinos
4. Identitätsbildung durch Kino und Filme im Allgemeinen
5. Fallbeispiel: Der Herr der Ringe
6. Fallbeispiel: Star Wars
7. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung, Veränderung und Funktion von Fankulturen im Kontext von Filmen sowie deren maßgeblichen Einfluss auf die individuelle und kollektive Identitätsbildung. Dabei wird analysiert, wie moderne Medien als Identitätsangebote fungieren und welche sozialen Dynamiken die Bindung zwischen Fans und ihren jeweiligen Objekten der Leidenschaft prägen.
- Soziologische Verortung von Fankulturen und Fan-Sein.
- Die Rolle des Kinos als gesellschaftlicher Interaktionsraum.
- Identitätsbildungsprozesse durch mediale Aneignung.
- Analyse der Fallbeispiele "Der Herr der Ringe" und "Star Wars".
- Transformation von Fankulturen durch die Merchandising-Industrie.
Auszug aus dem Buch
Die Fankultur – die Gesellschaft des Kinos
Dass der Gang ins Kino auch heutzutage noch zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung gehört, zeigt sich schon darin, dass es für „Kinoliebhaber einen gesonderten Begriff gibt: Cineast. Wächst die Leidenschaft für einen Film, eine Filmreihe oder gar für ein ganzes Genre über das übliche Maß hinaus, kann man von einem Fan bzw. einer Fankultur sprechen. Die Bildung einer solchen Fankultur lässt sich vor allem durch die strukturfunktionalen Bedingungen dieser Filme bzw. Filmgenres erklären. Filme sind dabei als Kommunikationsmedium zu bezeichnen, welches mit dem Zuschauer in Interaktion tritt. Dies geschieht vor allem auf zwei unterschiedliche Arten: Rezipieren und Aneignen. Unter Aneignung versteht man die Übernahme bestimmter Teile des Inhaltes (z.B. Kostüme, Musik, Textpassagen) in den lebensweltlichen Diskurs. Rezeption bezeichnet die konkrete Zuwendung zu einem bestimmten Film / einer bestimmten Filmreihe. Die strukturierende Kraft von Film- und Fernsehtexten ist in der Rezeption stärker als in der Aneignung. Fankulturen basieren also auch auf kommunikativen Konstellationen zwischen populären Filmen / Filmgenres und aktiven Rezeptions- und Aneignungsprozessen der Zuschauer. Die populäre Kultur und deren Konsum werden durchaus mit einer aktiven Haltung der Rezipienten in Verbindung gebracht und als aktiver Prozess der Aneignung verstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Fankulturen, die Relevanz der Identitätsbildung im medialen Kontext und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Fan-Sein – eine Begriffsdefinition: Soziologische Annäherung an den Begriff des Fans sowie die Charakterisierung von Fandoms durch soziale und individuelle Merkmale.
3. Die Fankultur – die Gesellschaft des Kinos: Untersuchung der strukturfunktionalen Bedingungen von Filmen als Kommunikationsmedien und die Prozesse der Rezeption und Aneignung.
4. Identitätsbildung durch Kino und Filme im Allgemeinen: Analyse der Einflüsse von Filmen auf die Persönlichkeitsentwicklung und die Rolle von Medien als Identitätsangebote.
5. Fallbeispiel: Der Herr der Ringe: Betrachtung der Entstehung der Fan-Community rund um das "Herr der Ringe"-Universum und dessen Bedeutung für die Fans.
6. Fallbeispiel: Star Wars: Analyse der Star Wars-Fankultur, ihrer Bedeutung als kulturelles Phänomen und der Möglichkeiten zur Identifikation durch Merchandising.
7. Abschließende Betrachtung: Synthese der Ergebnisse und Fazit über den Transformationsprozess und die identitätsstiftende Funktion von Fankulturen.
Schlüsselwörter
Fankultur, Fandom, Identitätsbildung, Filmsoziologie, Rezeption, Aneignung, Der Herr der Ringe, Star Wars, Medienkonsum, Identität, Sozialisation, Populärkultur, Merchandising, Fan-Sein, Cineast.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beleuchtet die soziologische Bedeutung von Fankulturen im Kontext von Kinofilmen und untersucht, wie diese als Identitätsressourcen für die Rezipienten dienen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der soziologischen Definition von Fans, dem Prozess der medialen Aneignung und der Frage, wie Filme zur Identitätsbildung beitragen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird erforscht, wie Fankulturen entstehen, wie sie sich transformieren und welche Funktion sie bei der Identitätsbildung ihrer Mitglieder erfüllen.
Welche methodische Vorgehensweise liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Konzepte zum Thema Fandom und Identität, ergänzt durch die exemplarische Analyse der Fallbeispiele "Der Herr der Ringe" und "Star Wars".
Welche Inhalte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung des Fan-Begriffs und der Kino-Gesellschaft sowie in zwei spezifische Fallstudien zu bekannten Film-Franchises.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Fankultur, Identitätsbildung, Aneignungsprozesse, soziale Dynamiken und Filmrezeption.
Warum spielt das Merchandising eine so große Rolle in der Untersuchung?
Der Autor zeigt auf, dass Merchandising nicht nur eine ökonomische Komponente ist, sondern aktiv zur Aufrechterhaltung und Stärkung der Bindung zwischen Fan und dem fiktiven Universum beiträgt.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Rezeption und Aneignung?
Rezeption beschreibt die bloße Zuwendung zum Medium, während die Aneignung die Übernahme von Inhalten wie Kostümen oder Symbolen in den eigenen lebensweltlichen Diskurs umfasst.
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- Johanna Larissa Klein (Author), 2019, Die Entstehung, Veränderung und Funktion von Fankulturen zu Filmen und die damit verbundene Identitätsbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948545