Die Arbeit betrachtet und analysiert die Erziehungstheorie Émile Durkheims vor dem Hintergrund seiner soziologischen Forschung. Es soll dabei geklärt werden, inwiefern sein Erziehungsverständnis mit seinem Verständnis der Soziologie als Wissenschaft der sozialen Tatsachen und Institutionen zusammenhängt. Zentrale Literatur sind seine Antrittsvorlesung "Erziehung und Gesellschaft" an der Sorbonne sowie sein erstes Hauptwerk "Über die soziale Arbeitsteilung. Studie über die Organisation höherer Gesellschaften".
Zunächst wird ein kurzer Überblick über Durkheims Biografie und seine bedeutsamsten Werke gegeben. Im folgenden Abschnitt wird sein soziologischer Hintergrund geklärt. Hierfür werden die Notwendigkeit der Beschäftigung mit der Disziplin der Soziologie und die Grundlagen seiner Sozialisationstheorie dargelegt. Im nächsten Schritt wird seine Theorie der menschlichen Erziehung beschrieben. Dabei wird diese zunächst definiert, ihre Ziele und Aufgaben nach Durkheim benannt und anschließend seine Kritik am traditionellen Erziehungsverständnis verdeutlicht. Nachfolgend wird Durkheims Erziehungstheorie in Beziehung zu seiner Soziologie gesetzt und abschließend erfolgt eine kritische Würdigung.
Der französische Soziologe Èmile Durkheim setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals mit den gesellschaftlichen Einflussfaktoren der Erziehungs- und Sozialisationsprozesse auseinander und gilt daher als Begründer der modernen Soziologie. Er etablierte die Soziologie als eigenständige Wissenschaft und hatte weitreichenden Einfluss auf andere bedeutende Wissenschaftler wie Pierre Bourdieu. Seine Forschungsbeiträge über die Bedeutsamkeit der Soziologie für die Erziehungswissenschaft sind zudem bis heute von hohem Wert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzbiografie Émile Durkheim
3. Theorien der Soziologie nach Durkheim
4. Erziehungstheorie nach Durkheim
4.1 Definition der Erziehung
4.2 Ziele und Aufgaben der Erziehung
4.3 Kritik an traditionellen Erziehungstheorien
5. Zusammenhang zwischen Pädagogik und Soziologie
6. Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Erziehungstheorie von Émile Durkheim vor dem Hintergrund seiner soziologischen Forschung. Dabei wird untersucht, inwiefern das Verständnis von Erziehung als sozialer Prozess mit seinem soziologischen Konzept der "sozialen Tatsachen" und der gesellschaftlichen Integration in komplexen Systemen korrespondiert.
- Biografischer Überblick über Émile Durkheim
- Soziologische Grundbegriffe (soziale Tatsachen, Arbeitsteilung, Solidarität)
- Definition und Funktion der Erziehung im gesellschaftlichen Kontext
- Kritik an individualistischen und intentionalen Erziehungsmodellen
- Interdependenz von Pädagogik und Soziologie
Auszug aus dem Buch
4.1 Definition der Erziehung
Die Erziehung umfasst grundlegend intentionale Handlungen und kann als bewusstes absichtsvolles Einwirken auf Heranwachsende verstanden werden. Durkheim bezeichnet die Erziehung als eine eminent soziale Angelegenheit und macht dadurch die hohe Bedeutung der Soziologie für die Disziplin der Pädagogik deutlich. Das traditionelle Verständnis von Erziehung wird von ihm um eine unbewusste soziale Komponente erweitert. Durkheim beschreibt Erziehung als eine Form der Übermittlung von Fähigkeiten und Einstellungen, die sich das Kind für das gesellschaftliche Zusammenleben aneignen muss. Dies geschieht nach Durkheim allerdings nicht nur absichtsvoll, sondern auch unbewusst. Damit löst er sich vom klassischen rein intentionalen Erziehungsverständnis.
Charakteristisch für die Erziehung ist nach Durkheim ihre Mannigfaltigkeit. Er ist der Auffassung, es gäbe so viele verschiedene Arten der Erziehung wie es Klassen bzw. soziale Schichten in der Gesellschaft gebe. Somit ist die Erziehung in der Stadt eine andere als auf dem Land, die einer Arbeiterfamilie eine andere als die in einem Akademikerhaushalt. Durkheim fokussiert in seiner Definition der Erziehung die Notwendigkeit einer unterschiedlichen Erziehung für verschiedene Berufungen. Das Kind müsse auf seine Funktion, die es in seinem speziellen Beruf zu erfüllen hat, vorbereitet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung Durkheims als Begründer der Soziologie ein und umreißt das Ziel der Arbeit, seine Erziehungstheorie soziologisch zu fundieren.
2. Kurzbiografie Émile Durkheim: Dieses Kapitel skizziert den Lebenslauf Durkheims, seine akademische Prägung und die zentralen Stationen seiner wissenschaftlichen Laufbahn.
3. Theorien der Soziologie nach Durkheim: Hier werden Durkheims soziologische Kerngedanken erläutert, insbesondere der Wandel von der mechanischen zur organischen Solidarität sowie der Begriff der "sozialen Tatsachen".
4. Erziehungstheorie nach Durkheim: Dieses Kapitel definiert den Erziehungsbegriff Durkheims, erläutert dessen Ziele und übt Kritik an den rein individualistischen Ansätzen seiner Zeitgenossen.
5. Zusammenhang zwischen Pädagogik und Soziologie: Hier wird die enge Verschränkung zwischen pädagogischem Handeln und den gesellschaftlichen Bedingungen als notwendige soziale Tatsache dargelegt.
6. Kritische Würdigung: Das abschließende Kapitel bewertet Durkheims theoretischen Fortschritt bei der Berücksichtigung der sozialen Umwelt und setzt diesen in Bezug zur heutigen gesellschaftlichen Realität.
Schlüsselwörter
Émile Durkheim, Soziologie, Erziehungstheorie, Sozialisation, Arbeitsteilung, soziale Tatsachen, mechanische Solidarität, organische Solidarität, Pädagogik, Integration, Kollektivbewusstsein, Gesellschaftsstruktur, Anomie, methodische Sozialisation, Erziehungswirklichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Erziehungstheorie von Émile Durkheim und setzt diese in den Kontext seiner soziologischen Forschung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Rolle der Erziehung als soziales Instrument, die Definition der Sozialisation und der Einfluss gesellschaftlicher Strukturen auf pädagogische Prozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwieweit Durkheims Erziehungsverständnis von seinem soziologischen Konzept der sozialen Tatsachen und Institutionen abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse von Primärliteratur, insbesondere Durkheims Antrittsvorlesung „Erziehung und Gesellschaft“ und seine Werke zur sozialen Arbeitsteilung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Erziehung, ihre Ziele, die Kritik an klassischen Theorien sowie die notwendige Verbindung zwischen Pädagogik und Soziologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sozialisation, organische Solidarität, soziale Tatsachen und die methodische Sozialisation.
Wie unterscheidet Durkheim zwischen individueller und sozialer Natur des Menschen?
Für Durkheim ist das Kind bei der Geburt ein asoziales Wesen; die Erziehung hat die Aufgabe, ein "soziales Wesen" hinzuzufügen, das am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.
Warum lehnt Durkheim ein universelles Erziehungsziel ab?
Er argumentiert, dass Erziehung historisch, kulturell und beruflich variiert und immer eine Reaktion auf die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Gesellschaft ist.
- Citar trabajo
- Malin Schneitzer (Autor), 2018, Die Erziehungstheorie von Émile Durkheim im Kontext der Soziologie als Wissenschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948949