Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich, auf Grundlage der Geschichtswerke zweier großer Persönlichkeiten, Thukydides und Plutarch, mit Perikles, einem Staatsmann der als "Kristallisationspunkt eines Klassischen Griechenlands" gilt. Am Vorabend des Peloponnesischen Krieges hatte Perikles eine bedeutende Stellung in der athenischen Politik inne. So überliefert Thukydides in seiner abschließenden Würdigung, "So hatte man dem Namen nach zwar Volksherrschaft, in Wirklichkeit aber eine durch den ersten Mann ausgeübte Führung".
Der Peloponnesische Krieg, welcher von Thukydides akribisch dokumentiert wurde, war "(…) die schwerste Erschütterung, welche je die Hellenen heimgesucht hatte, (…)". Nach jedem geführten Krieg wird ein Schuldiger gesucht. Die attische Komödie, auf die ich im Rahmen meiner Arbeit eingehen werde, hat in Perikles den Schuldigen gefunden. Ganz anders Thukydides: Der Historiker hielt den Krieg für unausweichlich. Diese Diskrepanz ist Grundlage für Diskussionen in der heutigen Forschung und ein zentrales Thema dieser Arbeit. Es sei unerklärlich, dass Zeitzeugen in Perikles einen Kriegstreiber sahen, Thukydides jedoch diesem Vorwurf keine Beachtung schenkte. Jüngst machte sich der Vorwurf laut, Thukydides habe Perikles idealisiert. Wolfgang Will sieht im thukydideischen Porträt des Perikles das Wunschbild eines Strategen, der den Krieg gewonnen hätte. Wills Vorwurf basiert auf der sogenannten thukydideischen Frage, ob das Geschichtswerk des Thukydides in einem Zuge geschrieben worden sei, oder nachträglich überarbeitet wurde.
Die vorliegende Arbeit beleuchtet im ersten Schritt die Anlässe und Ursache des Peloponnesischen Krieges. Anschließend folgt eine Charakterisierung des Perikles anhand ausgewählter Passagen des thukydideischen Werkes. Die Darstellung des Perikles in der plutarchischen Doppelbiographie und die darin enthaltenen aristophanischen Elemente werden in der zweiten Hälfte dieser Arbeit behandelt. Der Prozess des Phidias wird immer wieder mit dem Kriegsausbruch in Verbindung gebracht. Daraus resultiert die Notwendigkeit, dies in dieser Arbeit zu thematisieren. Die Arbeit wird mit einer kurzen Zusammenfassung und einem darauffolgenden Fazit abschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Perikles im Geschichtswerk des Thukydides
2.1 Anlässe und Ursache des Peloponnesischen Krieges
2.2 Charakterisierung des Perikles im Werk des Thukydides
3. Perikles in der Doppelbiographie des Plutarch
3.1 Charakterisierung des Perikles im Werk des Plutarchs
3.2 Die aristophanische Überlieferung
4. Der Prozess des Pheidias — ein Auslöser für den Krieg?
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Darstellungen des athenischen Staatsmannes Perikles am Vorabend des Peloponnesischen Krieges. Dabei steht die Gegenüberstellung der Geschichtswerke von Thukydides und Plutarch im Zentrum, um die Diskrepanz zwischen der historischen Einordnung des Kriegsausbruchs und zeitgenössischen Schuldzuweisungen zu ergründen.
- Vergleich der Perikles-Porträts bei Thukydides und Plutarch
- Analyse der Kriegsursachen und der Rolle des Megarischen Psephismas
- Untersuchung der Bedeutung der attischen Komödie für die öffentliche Meinung
- Kritische Beleuchtung des Pheidias-Prozesses als möglichem Auslöser für den Krieg
Auszug aus dem Buch
4. Der Prozess des Pheidias — ein Auslöser für den Krieg?
Der Prozess des Pheidias ist ein zentrales Ereignis am Vorabend des Krieges. Dabei ist die Frage, wann der Prozess stattgefunden hat, Inhalt zahlreicher Diskussionen in der Forschungsliteratur. Zwei Daten werden für den Pheidias-Prozess diskutiert. Zum einen 438/7 v. Chr. und zum anderen 432/1 v. Chr., wobei letzteres zuletzt bevorzugt wurde. Damit der Pheidias-Prozess als „ein Kreuzungspunkt in den Linien verschiedener historischer Abläufe“ gelten kann, muss die Frage, wann der Prozess stattgefunden hat, beantwortet werden.
Die Verse 605-611 der Komödie Eirene geben keine Auskunft darüber, wann der Prozess stattgefunden hat. Lediglich ein Scholion zu den ersten beiden Versen des aristophanischen Friedens habe Historikern als Zeugnis gedient, den Prozess zunächst um die Jahre 438/7 zu datieren und damit zwischen dem Pheidias-Prozess und dem Ausbruch des Krieges einen Abstand von sechs Jahren zu konstruieren. Eine Verbindung zwischen dem Prozess und einer Ursache des Krieges wäre demzufolge unzutreffend. Drei Umstände werden in den Scholien, die dem Atthidographen Philochoros zugeschrieben werden, behandelt: Das Datum der Aufstellung der Statue, Angaben zum Prozess gegen Pheidias und weitere Informationen zum Krieg. Demnach leite man das Datum des Prozesses, vom Jahr der Aufstellung der Athena-Statue, ab. Das Datum ist jedoch höchst umstritten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der unterschiedlichen Bewertung des Perikles durch Thukydides und die antike Komödie und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. Perikles im Geschichtswerk des Thukydides: In diesem Kapitel werden die Anlässe und Ursachen des Krieges sowie das von Thukydides gezeichnete, idealisierte Bild des Perikles analysiert.
3. Perikles in der Doppelbiographie des Plutarch: Hier wird untersucht, wie Plutarch auf Basis thukydideischer Grundlagen ein eigenes Porträt erstellt und dabei stärker auf die Komödie als Quelle zurückgreift.
4. Der Prozess des Pheidias — ein Auslöser für den Krieg?: Dieses Kapitel diskutiert die chronologische Einordnung des Prozesses gegen den Bildhauer Pheidias und dessen mögliche Rolle als politischer Auslöser des Krieges.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, relativiert die Objektivität von Thukydides und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Datierung des Pheidias-Prozesses.
Schlüsselwörter
Perikles, Thukydides, Plutarch, Peloponnesischer Krieg, Pheidias, Megarisches Psephisma, Athen, Aristophanes, Geschichtsschreibung, Kriegsschuld, Antike, Demokratie, Forschung, Quellenkritik, Polis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Person des athenischen Staatsmannes Perikles und dessen Rolle am Vorabend des Peloponnesischen Krieges basierend auf den unterschiedlichen Überlieferungen von Thukydides und Plutarch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Charakterisierung des Perikles, die Suche nach den Ursachen des Peloponnesischen Krieges und die Bedeutung der Prozesse gegen sein Umfeld.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der thukydideischen Sichtweise, die den Krieg als unausweichlich darstellt, und den zeitgenössischen Vorwürfen, die Perikles die Schuld geben, kritisch zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse der Geschichtswerke von Thukydides und Plutarch sowie eine Auswertung aktueller Forschungsdiskussionen zur historischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Perikles-Bild bei Thukydides und Plutarch, die Anlässe des Krieges sowie die Kontroverse um den Prozess gegen Pheidias detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Perikles, Peloponnesischer Krieg, Thukydides, Pheidias-Prozess, Megarisches Psephisma und historische Quellenanalyse.
Inwiefern beeinflusst das Megarische Psephisma die Kriegsschuldfrage?
Das Dekret gilt als zentraler Konfliktpunkt; während Plutarch Perikles' starre Haltung als persönlichen Auslöser für den Krieg sieht, bewertet Thukydides dies eher als strukturelle Notwendigkeit des athenisch-spartanischen Dualismus.
Warum ist die Datierung des Pheidias-Prozesses wissenschaftlich umstritten?
Die Datierung ist umstritten, da sie maßgeblich darüber entscheidet, ob der Prozess eine direkte Verbindung zum unmittelbaren Kriegsausbruch hat oder zeitlich davor stattfand.
- Citar trabajo
- Alessio Cirnigliaro (Autor), 2020, Thukydideische und Plutarchische Darstellung des Perikles am Vorabend des Peloponnesischen Krieges, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950897