Ziel dieser Masterarbeit ist es, der Frage nachzugehen, ob Mord unter Menschen eine Folge gesellschaftlicher Irrwege ist – und in Grenzen resozialisierbar – oder ob es sich um ein biologisches Erbe handelt.
Zudem wird hinterfragt, inwiefern Serienmörder eine Personifikation des Bösen widerspiegeln und anthropologischen Theorien des reinen und guten Herzens widersprochen werden kann.
Dabei soll ein Blick hinter die Fassaden ermöglicht werden, um einerseits die Gefühle, Gedanken und Absichten von Serienmördern zu analysieren und andererseits die Theorien, Forschungen und Streitigkeiten der Disziplinen kritisch zu hinterfragen und mit einem kleinen Funken Hoffnung zu versöhnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Das verbrecherische Böse? – eine Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau und Ziele
2. Ein theoretischer Einblick – die Saat des Boshaften
2.1 Verbrecherische Menschenbilder
2.2 Die Anthropologie des Guten und des Bösen
2.3 Serienmörder – ein Rätsel des Bösen
3. Als Mörder geboren oder zum Mörder gemacht?
3.1 Der geborene Verbrecher
3.1.1 L'Uomo delinquente di Cesare Lombroso
3.1.2 Die evolutionären Wurzeln von Gewalt und Verbrechen
3.1.3 Zwillings- und Adoptionsstudien
3.1.4 Das Mörder-Gen – Utopie oder Realität?
3.1.5 Gehirn eines Mörders – Vermessung des Bösen?
3.2 Biografien – hinter der Fassade der Wirklichkeit
3.2.1 Risiko Bindungsstörung?
3.2.2 Mörderische Sozialisationshintergründe
3.2.3 Edmund Emil Kemper III
3.2.3.1 Kindheit und familiärer Hintergrund
3.2.3.2 Prägende Einflüsse – ein Erklärungsversuch
3.3 Eine biosoziale Perspektive
3.3.1 Das Phänomen der Resilienz
3.3.2 Zusammenspiel von Umwelt und Genetik
4. Das pure Böse – eine Utopie? Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Serienmordes unter dem Aspekt, ob dieses eine Personifikation des Bösen darstellt oder als Resultat aus einer komplexen Verflechtung biologischer und sozialer Faktoren verstanden werden muss, um gesellschaftliche sowie erzieherische Präventionsansätze zu optimieren.
- Historische Entwicklung verbrecherischer Menschenbilder
- Evolutionäre und biologische Ansätze zur Kriminalitätsentstehung
- Bindungstheorie und biografische Sozialisationshintergründe
- Konzept der Resilienz und biosoziale Interaktionsmodelle
- Kritische Analyse des Begriffs "das Böse" bei Serienmördern
Auszug aus dem Buch
3.1.1 L'UOMO DELINQUENTE DI CESARE LOMBROSO
«Die Mörder haben einen glasigen, eisigen, starren Blick, ihr Auge ist bisweilen blutunterlaufen. Die Nase ist groß, oft eine Adler- oder vielmehr Habichtsnase; die Kiefer starkknochig, die Ohren lang, die Wangen breit, die Haare gekräuselt, voll und dunkel, der Bart oft spärlich; die Lippen dünn, die Eckzähne groß ... Im Allgemeinen sind bei Verbrechern von Geburt die Ohren henkelförmig, das Haupthaar voll, der Bart spärlich, die Stirnhöhlen gewölbt, die Kinnlade enorm, das Kinn viereckig oder vorragend, die Backenknochen breit – kurz ein mongolischer und bisweilen negerähnlicher Typus vorhanden.»
(Lombroso zit. n. Clages & Zeitner, 2016)
Biologisch-anthropologische Theorien waren in der historischen Betrachtung prägend für die kriminalistische Sichtweise auf die Ursachen von Delinquenz, wobei die Verursachung von straffälligen Handlungen ausschließlich durch die Vererbung betrachtet wurde. Folgende Untersuchungsdesigns und genetische Theorien sind besonders im 19. Jahrhundert in Italien entstanden – der wichtigste Vertreter dieses Ansatzes ist der italienische Militärarzt Cesare Lombroso, welcher im Gegenzug zu der klassischen Annahme einen straffälligen Determinismus voraussetzte. Dabei war abweichendes Verhalten unvermeidlich und Kriminelle waren in seinen Augen nicht dazu fähig, zwischen guten und bösen Handlungen zu unterscheiden, da sie ausnahmslos unfreiwillig und determiniert handeln würden – ein ‚geborener Verbrecher‘.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das verbrecherische Böse? – eine Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, definiert den Serienmord als historisches Phänomen und beleuchtet die gesellschaftliche Faszination sowie die wissenschaftliche Herausforderung bei der Analyse des Bösen.
2. Ein theoretischer Einblick – die Saat des Boshaften: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über Kriminalitätstheorien, philosophische Anthropologien des Guten und Bösen sowie eine erste Annäherung an das Serienmörder-Phänomen.
3. Als Mörder geboren oder zum Mörder gemacht?: Dieser Hauptteil diskutiert kritisch, ob kriminelles Verhalten genetisch determiniert ist oder durch soziale Sozialisationsprozesse, Bindungserfahrungen und Umwelteinflüsse erlernt wird.
4. Das pure Böse – eine Utopie? Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das „pure Böse“ eine Utopie ist und Kriminalität stets als komplexes Bedingungsgefüge verstanden werden muss, wobei pädagogische und präventive Ansätze essenziell bleiben.
Schlüsselwörter
Serienmörder, Kriminalität, Anthropologie, Bindungstheorie, Genetik, Sozialisation, Resilienz, Prävention, Pädagogik, Psychopathologie, Gut und Böse, Biografieforschung, Aggression, Determinisumus, Delinquenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Frage, wie kriminelles Handeln, insbesondere bei Serienmördern, wissenschaftlich erklärt werden kann und ob die Vorstellung des „Bösen“ als menschliche Eigenschaft oder Personifikation haltbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft kriminologische Kriminalitätstheorien mit anthropologischen, pädagogischen und biologischen Perspektiven, um die Ursachen von Gewalt und Serienmorden zu ergründen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Mord eher als Folge gesellschaftlicher Einflüsse, familiärer Bindungsstörungen oder biologischer Veranlagung zu sehen ist und wie eine pädagogische Auseinandersetzung damit aussehen sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die interdisziplinäre Forschungsansätze (Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Kriminologie) nutzt und existierende Studien (z. B. Adoptions- und Zwillingsforschung) kritisch analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Debatte um angeborene vs. erlernte Kriminalität, die Analyse des Einflusses von Bindung und Sozialisation sowie die Untersuchung biosozialer Modelle, die das Zusammenspiel von Genetik und Umwelt erklären.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Serienmörder, Bindungstheorie, Biografieforschung, Resilienz, Kriminalsoziologie und die philosophische Einordnung von Gut und Böse.
Was zeichnet den Fall Edmund Emil Kemper III besonders aus?
Kemper dient als illustratives Fallbeispiel für die fatale Interaktion zwischen frühkindlichen traumatischen Erfahrungen (Bindungsstörungen), einem desolaten familiären Umfeld und der Entwicklung sadistischer Gewaltfantasien, die letztlich zu einer schweren Persönlichkeitsstörung führten.
Welche Bedeutung kommt dem MAOA-Gen in dieser Arbeit zu?
Das MAOA-Gen dient als Beispiel für eine genetische Disposition, wobei die Arbeit hervorhebt, dass dieses Gen erst in Verbindung mit Umweltfaktoren wie Missbrauch im Kindesalter maßgeblich das Risiko für antisoziales Verhalten erhöhen kann.
Was ist die Schlussfolgerung der Autorin zur Resilienz?
Resilienz ist ein wichtiger Schutzfaktor gegen die Entstehung von Kriminalität, da selbst unter ungünstigen Bedingungen Bezugspersonen als „Türöffner“ fungieren und Kindern helfen können, trotz schwieriger Lebensumstände nicht kriminell zu werden.
- Citar trabajo
- L.-A. Fischer (Autor), 2020, Verbrecher. (K)Ein Menschenbild des Bösen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/956816