Die große Leinwand vs. Bingewatching auf dem Sofa. Ein Vergleich von Kino und Streaming


Hausarbeit, 2020

21 Seiten


Leseprobe

1. Tenet - der ,,Film, der das Kino retten soll"

2. Die Entwicklung des Kinos zum „Patchwork der Pixel"

3. Eine große Online-Videothek- Die Entwicklung des Streamings

4. Kino vs Streaming - ein Vergleich
4.1 Zwei verschiedene Räume
4.2 Dispositiv
4.3 Angebot
4.4 ZielgruppeundZuschaueradressierung
4.5 Kann Streaming als Kino begriffen werden?

5. Kino vs. Streaming - ein Fazit
5.1 Analyse
5.2 Auf zwei verschiedenen Rennstrecken unterwegs

8. Quellenverzeichnis

1. Tenet - der ,,Film, der das Kino retten soll"

Knapp zehn Jahre nach dem Kino-Hit Inception folgte am 26.1 August 2020 der nächste große Film von Meisterregisseur ChristopherNolan'. Tenet. Von Kritikern als sehr gut bewertet, war in den Überschriften diverser Zeitungen gar von dem „Film, der das Kino retten soll“2 die Rede. Eine Schlagzeile, die aufzeigt, in welcher Krise sich das Kino, nicht nur auf Grund der Corona- Pandemie, aktuell befindet. Geht es nach Medientheoretiker Lev Manovich. so war dies schon vor der Jahrtausendwende vorherzusehen. Seiner Meinung nach war dies gar geplant. In seinem Text „What is digital Cinema“ verfasste er 1995 einige Gedanken hierzu und erkannte bereits früh, welchen Einfluss der Computer auf den Konsum des Films haben wird. Zusätzlich sorgte er damit bereits vor der Jahrtausendwende für einen hohen Einfluss auf die, noch immer anhaltende, Debatte um die Zukunft des Kinos. So stark wie kein anderer befeuerte er ein Thema, das heute immer noch für sehr viele Diskussionen sorgt.

Grund dafür ist das, was auf der anderen Seite des Kinos steht - und das ist der Konsum von Filmen und Serien bei Streaming-Diensten im Internet.

Diese preschen vor und sorgen gar dafür, dass sich Filmstudios teilweise dafür entscheiden, Filme zuerst oder exklusiv darauf zu präsentieren3 oder gleichzeitig in Kino und Streaming zu veröffentlichen.4 Ein herber Schlag für alle Kinobesitzer, waren diese doch für diese Exklusivität ausgezeichnet. Dabei ist generell ist zu erkennen, dass Streaming boomt. Gaben Konsumenten*innen im Haushalt im Jahr 2000 noch 37 Euro jährlich für Home-Video-Inhalte aus, so waren es 2018 rund 112 Euro.5

Die Frage, die bleibt, ist: War es das für das Kino? Stirbt es gar aus? Kann nur einer überleben oder gibt es im Duell zwischen Kino und Streaming gar keinen „Sieger“? Im Folgenden soll betrachtet werden, wie sich das Kino und auch Streaming entwickelt hat, um anschließend zu wagen, auf diese Fragen einzugehen und auch das Fragezeichen nach den jeweiligen Überlebenschancen von Kino und Streaming zu beantworten. Zu Beginn dieser Arbeit ist anzunehmen, dass das Streaming auf Grund eines aktuellen Booms in den Vordergrund rückt und das Kino in seiner Popularität überholt, letzteres aber auf Grund von seiner Einzigartigkeit nie wirklich aussterben wird.6

2. Die Entwicklung des Kinos zum „Patchwork der Pixel"

So weit die Technik heute auch ist, so mühsam war es damals, Filme zu animieren. Die Bilder wurden manuell erstellt und auch manuell animiert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts konnten diese Bilder automatisch generiert werden. Dies war auch der Moment, als das Kino geboren wurde. Techniken und Hilfsmittel wie der Zootrope, das Phonoskop, das Elektrotachyskop und das Kinetoskop wurden populär und feste Elemente in Kinofilmen.7 All diese Techniken sorgten dafür, auch das Kino als „Technologie“ zu definieren. Das Kino selbst aber versuchte, den Blick hinter die Kulissen zu vermeiden und weniger als reiner Präsentant von Aufnahmen dazustehen.

Zu zeigen, wie digitale und animierte Filmen entstehen, wurde später allerdings tatsächlich populär. Es war der Beginn der „Making-Of‘-Videos. Dort zu sehen: Das, was mit der Technik nun alles möglich ist. Es konnte viel mehr animiert und erstellt werden. So war es möglich, filmähnliche Szenen mit Hilfe von dreidimensionaler Computer-Animation zu schaffen.8 Diese können in ein und derselben Szene auch überlappt werden. Teilweise wird die Realität auch nur ein wenig bearbeitet und eine „elastic reality“9 entsteht: Dinge, die auch in der Realität hätten passiert sein können, aber animiert sind. Dies sorgte auch dafür, dass zwischen dem Editieren und dem Hinzufügen der Spezialeffekte nicht mehr unterschieden wird. Manovich fasst es wie folgt zusammen: „digital film = live action material + painting + image processing + compositing + 2-D computer animation + 3-D computer animation“.10

Digitales Kino ist nach Manovich also eine Art von Animation, die Live-Aufnahmen verwendet. Es begann mit Animation. Das Kino reizte diese komplett aus, ehe eine spezielle Sorte daraus entstand. Es wurde eine Kunst, zumal viele Szenen, in tausendsten Bildern, heute selbst „gemalt“ werden müssen.11

Während sich das Kino dazu hinbewegt, ein „Patchwork der Pixel“12 zu werden, so soll Regisseur Christopher Nolan nicht unerwähnt bleiben, versucht er doch, fast alles selbst zu drehen und so wenig wie möglich im Nachhinein zu animieren.13 Auch, wenn dies bedeutet, ein reales Flugzeug für den Film Tenet in die Luft zu sprengen.14

Durch das Entstehen neuer Formen und das Wegfällen der Narrative wandern viele Video­Inhalte weg von den Kinos und hin zu den Fernsehern, auf die DVD und in den Rekorder oder eben auf den Computer und das Smartphone. Die Transmedialität wurde größer und so war das Kino nicht mehr die einzige Plattform, um Filme zu konsumieren. So wurde beim Filmemachen auch beachtet, dass das Ergebnis auch über den Computer abgespielt werden müsse.15 Wenngleich die große Leinwand wegfällt, so bietet er den Konsumenten*innen neue Möglichkeiten, wie beispielsweise das Zurück- und Vorspulen. Des Weiteren können Nutzer*innen nun selbst zum Editor werden, die Werke schneller und langsamer abspielen und hinter die Entstehung des Films blicken. Der Computer ist ein Raum endloser Möglichkeiten.16 Sollte es, aus der Betrachtung von Manovich im Jahre 1995 irgendwann so sein, dass der Computer das Kino ersetzt, so war es kein Zufall, sondern geplant, meint er.17 Kino war im 20. Jahrhundert nicht nur eine Technologie, die Filme sichtbar macht, sondern schuf durch die verschiedenen Genres und Styles, auch eine eigene Authentizität. Durch die Digitalität wurde das Kino nicht mehr nur durchs Ansehen der Filme definiert, sondern als eine Art Kunstform. Das Kino schreibt seine Geschichte dadurch nicht nur neu - es hat auch „weit reichende Konsequenzen für die Ästhetik wie für die Ethik des Kinos“.18 Das Kino ist nicht mehr dominant, sondern „only one option among many.“19 Nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Filmemacher gibt es nun die Option, auf ÖVeamzwg-Anbieter, wie beispielsweise Netflix, Amazon Prime oder auch Disney+ zurückzugreifen.

3. Eine große Online-Videothek - die Entwicklung des Streamings

Interessant ist es hierbei vor allem, die Gestricke von Netflix zu betrachten, sind sie doch der weltweite Marktführer in Sachen Streaming. Im weltgrößten Markt, in den USA, kommen sie auf rund 64,5 Prozent von allen digitalen Videokonsumenten*innen.20

Nicht nur die Technik, auch die Gesellschaft, die Politik und auch die Kultur hat sich verändert. Und so ging es auch Netflix Gründer Reed Hastings im Jahre 1997 darum, Veränderung in ein verflochtenes System hinein zu bringen. Um keine Gebühren mehr für verlorene Videokassetten beim Verleiher zahlen zu müssen, orientierte er sich bei der Gründung von Netflix an Abonnements, wie es sie auch in Fitnessstudios gibt. So entstand Netflix als Online­Videoverleiher, bei dem man je nach Abonnement für eine gewisse Summe X im Monat eine Anzahl von X DVDs per Post zukommen lassen konnte. Je nach Abonnement wurden sogar so viele DVDs geliefert, wie die Kunden*innen wollten.21 Inzwischen reiht sich Netflix neben Amazon Prime zu den größten Anbietern von Video-.S7/'m//z///g weltweit ein und gewinnt immer mehr an Beliebtheit - rund 193 Millionen zahlende Nutzer*innen verzeichnete der Onlinedienst im zweiten Quartal 2020.22

Während die Idee von Hastings 1997 reifte, so wurde der erste Meilenstein im Online­ Streaming bereits 1995 gesetzt: Hier wurde erstmals ein Baseball-Spiel im Audioformat live übertragen.23 Auf Grund der hohen Kosten blieb diese Entwicklung aber eher stagnierend, als dass sie für einen Boom sorgte. Erst die Verbreitung des Flash Players und die Gründung von YouTube 2005 sorgte für den nächsten großen Schritt bei Otto Normalverbraucherinnen.24 Ein Jahr später folgte auch die Gründung einer weiteren großen Äreamzwg-Plattform: Maxdome. Für die Nägel an den Särgen der Videotheken sorgte schlussendlich die Einführung von Abonnement-Diensten beim Streaming.25 Inzwischen wird davon ausgegangen, dass Netflix seine Umsätze von zuletzt 38,2 Milliarden US-Dollar bis 2023 nochmals verdoppelt. Generell wachse der Markt um 4,3 Prozentjährlich.26 Ein Markt, der auf Grund seiner weltweiten Größe auch marketingtechnisch sehr viel erschließen kann. Während Kinos von, meist unprofessionell erstellten, Regionalwerbungen dominiert werden, lockt das Streaming auch die großen Werbefische an. 5,14 Milliarden Euro Einnahmen in Streaming und TV schlugen 2018 zu Buche. Dies alles sind Summen, die den Slreaming-\\a\N. Jahr für Jahr in neue Dimensionen wachsen lassen. Der vorherrschende Konkurrenzkampf auf Grund der immer mehr werdenden Anbieter stört dabei nur marginal. Vielmehr sehen die Anbieter dadurch einen Vorteil. Der Bezahlsender Sky, der mit Sky Ticket inzwischen auch in den Markt eingestiegen ist, erfreut sich gar neuer Marktteilnehmer und betont, dass diese die Aufmerksamkeit der Konsumenten*innen auf den Gesamtmarkt des Online-Entertainments stärken und davon alle Anbieter profitieren würden.27

Es lässt sich erkennen, dass der Sireaming-Wa\N boomt und das Kino hingegen zurückstecken muss. Im Folgenden sollen beide anhand von verschiedenen, auch theoretischen, Vergleichswerkzeugen genauer betrachtet werden.

4. Kino vs. Streaming - ein Vergleich

4.1 Zwei verschiedene Räume

Der Vergleich von Kino und Streaming kann recht banal betrachtet werden: Während man sich bei dem einen Objekt in einem Kinosaal befindet, sind die räumlichen Möglichkeiten, einen Film zu streamen, unbegrenzt. In der Theorie ist dies aber ein wesentlicher Aspekt, ist doch die Perzeption dabei komplett unterschiedlich.

Dabei muss zwischen zwei Räumen unterschieden werden: Der, der von der Medientechnik eingenommen wird und der Raum der Wahrnehmung, der sich erst durch die Technik öffnet.28 In Letzterem geht es um den, von Filmtheorethiker Etienne Souriau so betitelten, diagetischen Raum. Gemeint ist hiermit der kontinuierliche Raum, den die Betrachterinnen vor sich sehen. Dennoch befinden sich die Zuschauerinnen während der Betrachtung des Films nur physisch in dem diagetischen Raum, befinden sie sich geistig doch in dem, auf der Leinwand projizierten, filmischen Raum. Diese Betrachtung ist nicht unbekannt: Filme wurden mit diesem Hintergrundwissen entwickelt, versuchen sie doch, mit den Sinnen der Betrachterinnen zu spielen und den Film anhand von Kameraführung, Kameratechnik und Musik eine Nähe zu den Konsumenteninnen zu schaffen. Das Medium steht bei den Konsumenteninnen dabei immer für die Wahmehmungsform. So stellt das Telefon die akustische Form dar. Das Medium tritt nach Medientheoretiker Niklas Luhmann dadurch in seinen Gebrauch zurück.29

Der Computer auf der anderen Seite hat keinen Platz in der Denkweise von Luhmann, kombiniert er doch verschiedenste Konsumformen. Der PC wechselt, auch in der Betrachtung, zwischen Bild, Schrift und Klang. Anders als im Kino, hier können sich die Gäste sicher sein, vollends in der Materie zu sein. Sie tauchen ein in die Welt, die vor ihnen auf der Leinwand projiziert wird. Das Erlebnis ist intensiver und der Film wird, auch auf Grund der großen Leinwand und der vor Ort verwendeten Soundtechnik, intensiver konsumiert. Hinzu kommen verschiedene Möglichkeiten, die Dimensionen der Betrachterinnen zu erweitern. Nachdem die 1950 geborenen 3D-Filme heute immer weniger werden30, so gibt es inzwischen 4D- und 5D- Kinos, die, mit Hilfe von bewegenden Sitzen, Duftdrüsen, Geruchsimpulse und abgesonderten Wassertropfen, dafür sorgen, die Inhalte des Films noch näher an die Konsumenten*innen zu transportieren.31 Freilich sind hier noch nicht die großen Blockbuster der Kinowelt zu sehen. Dennoch entwickelt sich der Konsum zu einem immer intensiveren Erlebnis. Intensiver, als dies generell beim Streaming der Fall ist, sind die Möglichkeiten des Konsums hier doch so vielfältig. Ob am Smartphone, dem Smart-TV oder auch auf dem Computer oder Laptop: Nach der Theorie von Luhmann ist die Form des Mediums, wie bereits aufgeführt, Undefiniert und daher auch nicht so intensiv, wie dies im Kino der Fall wäre. Bedingt durch viele Nebenfaktoren, die auf den verschiedenen Handhelds und Smart-Geräten für Ablenkung sorgen könnten, ist das Konsumerlebnis doch ein ganz anderes und weniger breit als im Kino. Dabei darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass das Streaming, anders als das Kino, neue Tore öffnet und öffnen kann. So sorgen Serien wie Black Mirror mit interaktiven Folgen wie beispielsweise Bendernatch für komplett neue Möglichkeiten. Hier können die Konsumenten*innen Entscheidungen, die im Film passieren, selbst treffen. Dies öffnet neue Chancen und sorgt dafür, dass die Nutzer*innen sich noch mehr in dem Raum des Films bewegen, da sie damit interagieren.32

4.2 Dispositiv

Ein weiteres theoretisches Konzept der Betrachtung stammt von Michel Foucault: Das Dispositiv. Dabei geht es dem französischen Philosophen vor allem um das, was die Kino­Besucherinnen wahrnehmen. Entsprungen vom französischen Dispositif meint der Begriff, wenn man ihn ins Deutsche übersetzt, „sowohl Apparat, Gerät, Einrichtung oder Vorrichtung“.33 Dies zeigt bereits die Komplexität dieses Diskurses auf. Gründervater Foucault selbst definiert das Dispositiv als „ein entschieden heterogenes Ensemble, das (...) Gesagtes ebensowohl wie Ungesagtes“34 umfasst. Die einzelnen Elemente (wie beispielsweise die architektonischen Einrichtungen) stehen dabei permanent in Wechselwirkung. „Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann.“35 Es ist strategischer Natur und greift damit in die Kräfteverhältnisse ein. Gleichzeitig ist es aber an die Grenzen des Wissens gebunden, da es hier offensichtlich um die Wahrnehmung geht. Dinge, die die Grenzen des eigenen Gedankenguts überschreiten, können nicht wahrgenommen werden.36

Beim Beispiel Kino verbindet es Konsument und Film und hat erheblichen Anteil an der Wirkung des Films. Zwar sitzen die Zuschauerinnen im Kino, einem sehr dunklen Saal vor einer großen Leinwand, auf dem die Bilder, von einem schier unsichtbaren Apparat im Rücken der Sitzenden, projiziert werden.37 Dennoch sorgt diese Konstellation für eine bestimmte Resonanz bei den Konsumenteninnen. Daher wird diese Konstellation im Kino auch meist mit dem Höhlengleichnis Platons verglichen.38 Der Basisapparat selbst sollte im Bezug zum Dispositiv aber ausgeklammert werden. Grund hierfür ist stetige Entwicklung der Technik.39 Was für die folgende Untersuchung bleibt, ist also das eigentliche Dispositiv und somit die „Situation der Erfahrung vom Film im Kinosaal“.40 Dabei geht es beim Subjekt vor allem um die Wahrnehmung des projizierten Films. Von der Herstellung, über die Ästhetik durch verschiedenste Kamerastrategien bis hin zur Montage und Narration.

Das Kino-Dispositiv ist dabei sicherlich eines, das, im Vergleich zu anderen Konsummöglichkeiten von Filmen, seines Gleichen sucht. Auf Grund der Symbiose von dem großen Bildschirm, der Lichtverhältnisse im Raum und der ausgezeichneten Tonqualität, ist die Situation der Wahrnehmung ein Alleinstellungsmerkmal des Kinos. Konnte früher noch angenommen werden, dass das Filmegucken, im Sinne des Streamings, von zu Hause dasselbe Dispositiv, nur in abgeschwächter Form, ist, so haben sich die Meinungen in dieser Hinsicht inzwischen geändert. Auf Grund von Milliarden von Smartphone- und Tablet-Nutzern und dem Hinzukommen von plattformunabhängiger Videotechnologie, die „ebenso eine Vormachtstellung hat wie einst das Kino in seiner Glanzzeit“41, hat das „neue Filmschauen“ den Status eines eigenen Dispositivs angenommen.42 Doch kann dieses Dispositiv dem des Kinos das Wasser reichen?

Die Wahrnehmung des Films in einem Kino steht für sich. Wie bereits erläutert, steht der Kinobesuch in seiner Ästhetik und in der Symbiose der einzelnen Elemente für sich. Wenngleich es am Ende des Tages um den Konsum eines bestimmten Films geht, so sind diese Faktoren mitentscheidend beim Kauf des Kinotickets. Und wenn die verschiedenen Faktoren einen sehr großen Ausschlag geben, dann auch das Kino-Dispositiv. Würde derselbe Film, drastisch formuliert, in der Pommesbude nebenan präsentiert werden, dann würde die Entscheidung über die gemeinsame Abendunterhaltung sicherlich anders ausfallen.

Das Dispositiv beim Streaming ist, wie bereits festgestellt, ein eigenes, anderes, wird es doch in der Konsumentscheidung meist hintenangestellt. Während es beim Kino primär um das Erlebnis geht, so fußt die Entscheidung beim Streaming, etwas anzusehen, meist auf dem Film oder der Serie selbst. Anders als im Kino, kann die Wahrnehmung im häuslichen Bereich oder auch unterwegs von vielen Störfaktoren beeinflusst werden. Die zeigt alleine der Jugendausdruck „Netflix & Chili“, der sich inhaltlich damit befasst, zwar die Intention zu haben, einen Film oder eine Serie streamen zu wollen, sich währenddessen aber doch mit etwas anderem zu befassen oder ablenken zu lassen. Für viele bedeutet der Spruch gar das Angebot, jemandem zum Geschlechtsverkehr nach Hause einzuladen.43 Die Dispositive sind unterschiedlich, doch welches am Ende das mit den größeren Vorzügen ist, sei dahingestellt, da dies wohl letzten Endes auch im Auge des Betrachters liegt.

Schlussendlich sind sich Filmemacher auch der Existenz des Dispositivs bewusst. Vermutlich erkennen auch sie, dass Filme im Kino vollends, oder zumindest besser, wahrgenommen werden können und der Blick auf die Entstehung dahinter wesentlich genauer als beim Streaming ist. Teuer und aufwendig produzierte Streifen auf einem wenige Zentimeter großen Display zu konsumieren wirkt für Produzenten*innen fast schon wie eine Verschwendung. Regisseurin Nisha Ganatra beispielsweise betitelt die Vorstellung, „dass einige Leute diese tollen Bilder nun aufihren iPads gucken werden“, als „bedauerlich“44

[...]


1 Zander (2020)

2 Ebd.

3 SPIEGELWirtschaft (2020)

4 Heidmann (2020)

5 Ringle (2020)

6 Weingarten (2008), S. 225

7 Manovich (1995), S. 4

8 Ebd. S. 7

9 Ebd.S.8

10 Ebd.

11 Ebd. S. 10

12 Weingarten (2008), S. 225

13 Beyl (2017)

14 Reinbott (2020)

15 Manovich (1995), S. 19f.

16 Ebd. S. 20

17 Ebd. S. 15

18 Weingarten (2008), S. 223

19 Manovich (1995), S. 21

20 Stephan (2019), S. 25

21 CHIP (2017)

22 Poleshova (2020)

23 Jecke (2017)

24 Ebd.

25 Ebd.

26 PWC (2019)

27 Ringle (2020)

28 Günzel (2013),S. 110

29 Ebd.

30 Suchsland (2020)

31 Amann (2012)

32 Roesler (2005), S. 59

33 Hoffarth (2012), S. 208

34 Foucault (1978), S. 119f.

35 Ebd.

36 Ebd. 122f.

37 Kirsten (2013)

38 Mundhenke (2013),S. 72

39 Ebd. S. 73

40 Ebd.

41 Elcott (2017)

42 Ebd.

43 Maciej (2017)

44 Heidmann (2020)

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die große Leinwand vs. Bingewatching auf dem Sofa. Ein Vergleich von Kino und Streaming
Hochschule
Universität Regensburg
Autor
Jahr
2020
Seiten
21
Katalognummer
V958244
ISBN (eBook)
9783346301499
ISBN (Buch)
9783346301505
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leinwand, bingewatching, sofa, vergleich, kino, streaming
Arbeit zitieren
Manuel Wiesinger (Autor:in), 2020, Die große Leinwand vs. Bingewatching auf dem Sofa. Ein Vergleich von Kino und Streaming, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958244

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