In der Arbeit soll der Zusammenhang im Literarischen zwischen dem Unbewussten und den romantischen Räumen analysiert werden. Dazu wird die Erzählung "Die Bergwerke zu Falun" von E.T.A. Hoffmann genaustens betrachtet. In diesem Zusammenhang sollen die anzutreffenden Topographien in E.T.A. Hoffmanns Erzählung auf ihren Eigenschaften und Bedeutungen hin untersucht werden. Bei diesen Topographien handelt es sich sowohl um zivilisatorische Räume, wie die beiden Städte Götheborg und Falun, sowie auch um Naturräume, wie das Meeres und das Innere des Berges. Auf eine Analyse der pflanzlichen Natur wird hierbei verzichtet, da der zu analysierende Text kaum Elemente dieser Topographie aufweist.
Es sollen folgende Fragen geklärt werden: Was haben diese Räume gemeinsam, oder wo unterscheiden sie sich? Was für eine Wirkung üben sie auf den Protagonisten, Elis Fröbom, aus? Und zuletzt: Wofür stehen diese Räume?
Nachdem ein grober Überblick über die Romantik und das Unbewusste in Verbindung zur Romantik gegeben wird, sollen anschließend die verschiedenen Topographien aus E.T.A. Hoffmanns "Die Bergwerke zu Falun" erforscht werden, um am Ende eine Begründung der topographischen Darstellung des Unbewussten festzulegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Romantik und das Unbewusste
3. Topographien in Die Bergwerke zu Falun
3.1. Die Städte Göthaborg und Falun
3.2. Das Meer
3.3. Das Bergwerk
4. Das Unbewusste in Die Bergwerke zu Falun
4.1. Die Naturräume als Orte des Unbewussten
4.2. Das Überschreiten der Grenzen als Erwachen der Sexualität
4.3. Die Vereinigung von Bewusstem und Unbewusstem
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen romantischen Raumdarstellungen und der psychologischen Dimension des Unbewussten am Beispiel von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“. Dabei wird untersucht, wie spezifische Topographien – wie Städte, das Meer und das Bergwerk – als Projektionsflächen für seelische Prozesse der Protagonisten fungieren und wie durch das Überschreiten räumlicher Grenzen das Unbewusste erfahrbar gemacht wird.
- Analyse der symbolischen Bedeutung romantischer Räume
- Untersuchung der psychologischen Dynamik des Protagonisten Elis Fröbom
- Wechselwirkung zwischen Zivilisationsraum und Naturraum
- Die Darstellung des Unbewussten durch räumliche Metaphern
- Grenzüberschreitung als Ausdruck sexueller Entwicklung und Adoleszenzkrisen
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Städte Göthaborg und Falun
Bereits am Anfang der Erzählung wird der Protagonist, Elis Fröbom, räumlich von den anderen Figuren getrennt durch eine Opposition des Drinnen und Draußen; während seine Kameraden im Schenkhaus feiern, sitzt er draußen alleine auf einer Bank. Hiermit wird sofort klar, dass Elis sich im Innenraum, wo der Hönsning stattfindet, nicht wohlfühlt. Das Treiben der Seemänner und der „Dirnen“ wird als „wild“ beschrieben und mit Begriffen der „Lust“ assoziiert. (S. 26) Elis möchte sich von diesem ganzen wilden Treiben abgrenzen, selbst als eine Dirne sich zu ihm gesellt, die ihm gefällt. (S. 28)
Die Seemänner bringen „Saft und Kraft in das rege Leben der Stadt“ (S. 26), somit sind die Seemänner diejenigen, die neben dem Reichtum auch die Ausgelassenheit mitbringen. Trotzdem besteht eine sehr enge Verbindung zwischen dem Leben auf dem Meer und dem Leben in der Stadt: Das wilde Treiben wird nicht nur akzeptiert sondern scheint von der ganzen Stadt gefeiert zu werden.
Die Stadt von Falun bildet einen starken Kontrast zu Göthaborg. Obwohl in Falun ebenfalls gefeiert wird, geschieht dies in einem sehr friedlichen Rahmen: „Die helle Fröhlichkeit, die, als Pehrson Dahlsjö hinaustrat, wie aufs neue angefacht, durch den ganzen Kreis aufloderte, war wohl ganz anderer Art als der wilde tobende Jubel der Seeleute beim Hönsning.“ (S. 37) Hier fühlt sich Elis sofort „unbeschreiblich wohl“. (S. 37) Anders als in Göthaborg, sehnt sich Elis danach, mit den anderen Leuten, in das Haus von Pehrson Dahlsjö einzutreten, um Teil der Feier zu werden. Dennoch bleibt er an der Türschwelle stehen und ist unsicher darüber, ob er hierhin gehöre. Ulla ist diejenige, die ihn hereinbittet. Mit dieser Einladung tritt er nicht nur in das Haus von Ulla und ihrem Vater ein, sondern wird Teil dieser Familie. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Pehrson Elis als seinen „Sohn“ (S. 43) betitelt, oder dass Ulla betont Elis sei „ja nicht mehr fremd, sondern gehöre ins Haus.“ (S. 39)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Raumdarstellung in der Romantik und Zielsetzung der Analyse von Hoffmanns Erzählung.
2. Die Romantik und das Unbewusste: Theoretische Einordnung der Romantik als Geisteshaltung, die das Unbewusste durch bildliche Sprache und räumliche Metaphern greifbar macht.
3. Topographien in Die Bergwerke zu Falun: Untersuchung der spezifischen Orte (Göthaborg, Falun, Meer, Bergwerk) als psychologische Räume und ihre Wirkung auf die Figuren.
4. Das Unbewusste in Die Bergwerke zu Falun: Analyse der Naturräume, der Rolle der Sexualität bei Grenzüberschreitungen und der gescheiterten Synthese von Bewusstem und Unbewusstem.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, wonach die Räume seelische Prozesse der Protagonisten sichtbar machen und die Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem verschwimmen lassen.
Schlüsselwörter
Romantik, E.T.A. Hoffmann, Die Bergwerke zu Falun, Unbewusstes, Raumdarstellung, Topographie, Psychologie, Adoleszenz, Grenzüberschreitung, Sexualität, literarische Analyse, Elis Fröbom, Dualismus, Symbolik, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die symbolische Funktion von Räumen in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ und setzt diese in Bezug zur psychologischen Erforschung des Unbewussten in der Romantik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die literarische Raumgestaltung, die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten, Identitätskrisen des Protagonisten sowie die Dualität zwischen Zivilisation und Natur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die topographische Darstellung des Unbewussten in Hoffmanns Werk zu entschlüsseln und zu begründen, wie Räume als Spiegel psychischer Vorgänge dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Untersuchung von Raummetaphern und dem Vergleich mit literaturtheoretischen Ansätzen (u.a. von Böhme, Hartmann und Begemann) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Schauplätze wie Städte (Göthaborg und Falun), das Meer und das Bergwerk sowie deren Verbindung zu den seelischen Konflikten des Protagonisten Elis Fröbom.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem romantische Topographie, das Unbewusste, Grenzüberschreitung, psychische Innenräume und die Versöhnung von Polaritäten.
Wie unterscheidet sich die Stadt Falun von der Stadt Göthaborg im Hinblick auf den Protagonisten?
Göthaborg wird als Ort eines wilden, ungezügelten Treibens wahrgenommen, dem Elis sich entfremdet fühlt, während Falun durch einen friedlicheren Rahmen gekennzeichnet ist und Elis einen ersten Anschluss an eine familiäre Struktur ermöglicht.
Warum spielt das Bergwerk eine so zentrale Rolle für die Darstellung des Unbewussten?
Das Bergwerk fungiert als tiefgründiger, magischer Ort der Bildsprache, in dem Elis durch seine Arbeit und seine phantastischen Vorstellungen unmittelbar mit dem Unbewussten konfrontiert wird.
Welche Bedeutung kommt dem Tod des Protagonisten am Ende der Erzählung zu?
Der Tod wird als ein „Einswerden“ gedeutet, bei dem durch die Konservierung im Bergwerk eine endgültige, wenn auch tragische, Zusammenführung des Bewussten und Unbewussten stattfindet.
- Citar trabajo
- Cindy Bloes (Autor), 2017, Die Novelle "Die Bergwerke zu Falun" von E.T. A. Hoffmann. Topographische Darstellungen des Unbewussten in der Romantik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/959167