Anti-Stress-Training für Kinder. Eine Untersuchung des AST-Präventionsprogramms von Petra Hampel und Franz Petermann


Hausarbeit, 2007

28 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Stress und psychologische Stresskonzepte
2.1 Definition „Stress“
2.2 Das Stresskonzept von Lazarus

3. Stress bei Kindern und Jugendlichen
3.1 Ursachen und Symptome
3.2 Stressverarbeitung

4. Behandlungsansätze
4.1. Kognitiv-behaviorale Stressbewältigungsprogramme
4.2 Entspannungsverfahren

5. Stressmessung

6. Bestehende Interventionsprogramme
6.1 Stressimpfungstraining von Meichenbaum
6.2 Anforderungen an Stressbewältigungstrainings

7. Das Vorgehen des Anti-Stress-Trainings

8. Versionen des Anti-Stress-Trainings

9. Verhaltenstherapeutische Methoden

10. Evaluation des Anti-Stress-Trainings für Kinder
10.1 Mittel zur Datenerhebung
10.2 Durchführung der Evaluationsstudie
10.3 Weitere Studien der Evaluation

11. Fazit

Literaturverzeichnis

0. Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund des Seminars „Entwicklungsförderung bei Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsrisiken“ wurde das Präventionsprogramm „Anti-Stress-Training für Kinder“ (AST) von Petra Hampel und Franz Petermann untersucht.

Ausgehend von einer Diskussion des Begriffes Stress wird näher auf die Hintergründe und die Beschaffenheit sowie auf die Evaluation des Anti-Stress-Trainings für Kinder eingegangen. Das AST ist ein Präventionsprogramm, das auf dem Stresskonzept von Lazarus basiert und Kindern und Jugendlichen helfen soll, negative Stressverarbeitungsstrategien abzubauen und dafür positive Strategien aufzubauen. Dabei bedient es sich unterschiedlicher Methoden, so dass kognitiv-behaviorale Stressbewältigungsprogramme, Entspannungsverfahren und das Stressimpfungstraining von Meichenbaum in einer modifizierten Form im AST ihre Verwendung finden. Evaluationsstudien, die näher erläutert werden, zeigen die Wirksamkeit des in unterschiedlichen Varianten entwickelten Präventionsprogrammes, dessen Hauptziele Stressreduktion und Stressmanagement sind. Jedoch wird darauf hingewiesen, dass noch weitere Studien von Nöten sind.

Schlagwörter: Stress – Stresskonzepte – Prävention – kognitiv-behavioral – Stressbewältigung – Entspannungsverfahren – Stressbewältigung – multimodales Training

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Entwicklungsförderung bei Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsrisiken“ beschäftigten wir uns mit dem Präventionsprogramm zur Stressvorbeugung bei Kindern von Petra Hampel und Franz Petermann, dem Anti-Stress-Training für Kinder (AST). Das Programm wurde von uns im Seminar vorgestellt und soll nun auf den folgenden Seiten noch einmal erläutert und diskutiert werden.

Die folgende Darstellung orientiert sich an dem zu diesem Programm verfassten Buch von Petra Hampel und Franz Petermann. Zuvor jedoch möchten wir auf die Rolle der Präventionsprogramme im Allgemeinen hinweisen, die das Ziel haben, die Entwicklung positiv zu beeinflussen bzw. negative Einflüsse gering zu halten. Voraussetzung dieser Programme ist die interaktionistische Theorie, die besagt, dass sowohl das Individuum selbst als auch dessen Umwelt zur Entwicklung des Individuums beiträgt (Oerter & Montada, 2002). Nur so lassen sich Präventionsprogramme überhaupt sinnvoll einsetzen, denn wenn man davon ausgeht, dass das Individuum ausschließlich von seinen Genen beeinflusst wird, kann man die Entwicklung des Kindes bzw. des Jugendlichen nicht verändern, da sie ihm ja sozusagen vorgegeben ist. Geht man im Gegenteil davon aus, dass das Individuum nur von seiner Umwelt geformt wird, dürfte es bei Kindern und Jugendlichen, die aus einer „heilen Welt“ kommen, keine Schwierigkeiten geben, was jedoch nicht der Fall ist. So spielt also die Einsicht des Individuums eine große Rolle, weshalb die meisten Präventionsprogramme nicht nur drauf setzen, das Verhalten zu ändern, sondern auch das Denken und die Einsicht ansprechen.

Im Rahmen des Seminars machten wir uns mit unterschiedlichen Studien und Präventionsprogrammen vertraut, die zum Ziel hatten, Risiko- und Schutzfaktoren der Kinder bzw. der Jugendlichen so ins Gleichgewicht zu bringen, dass das Kind oder der Jungendliche keine psychischen Störungen entwickelt.

Dass Stress im Leben eines jeden Erwachsenen eine große Rolle spielt ist wohl eine unumstrittene Tatsache. Von täglichen Anforderungen ge- und überfordert, kann Stress, ein eigentlich natürlicher Schutzmechanismus des Körpers, jedoch nicht immer abgebaut werden und wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden aus. Doch auch Kinder und Jugendliche sind immer mehr von diesem Phänomen betroffen, können jedoch oft nicht richtig mit dem Stress umgehen und reagieren mit körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen, die in unterschiedlichen Studien untersucht und mit Stress in Zusammenhang gebracht wurden (Hampel et al., 2001a, zitiert nach Hampel & Petermann, 2003; Banez & Compas, 1990, zitiert nach Hampel & Petermann, 2003).

Diesen Missstand greift das Anti-Stress-Training für Kinder auf und versucht, Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit Stress zu vermitteln.

Bevor wir das Programm, dessen Ausführung im Seminar und dessen Evaluation beschreiben, gehen wir ebenfalls noch einmal auf den Begriff Stress an sich ein und welche Maßnahmen bisher entwickelt wurden, um den richtigen Umgang mit Stress zu erlernen.

2. Stress und psychologische Stresskonzepte

2.1 Definition „Stress“

„Stress wird zu einem immer größeren Problem unserer Gesellschaft“, das hört man oft im Alltag. Doch was ist eigentlich Stress? Eine eindeutige Definition gibt es nicht, da Stress aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet werden kann, je nachdem, ob man sich auf körperliche oder psychische Aspekte konzentriert.

Der Begriff „Stress“ stammt ursprünglich von dem lateinischen Wort „distringere“ ab, was soviel wie „beanspruchen“ oder „einengen“ bedeutet, und bezeichnet allgemein Phänomene, die durch eine erhöhte Aktivierung des Körpers hervorgerufen werden, wobei auch eine emotionale Erregung besteht (Brockhaus, 1998). Nicht immer war jedoch der Stress-Begriff mit der Medizin bzw. der Psychologie verbunden. Die eigentlich in der Physik verwendete Bezeichnung für Zug oder Druck auf Material wurde von dem Zoologen Hans Selye in Zusammenhang mit einem Organismus verbunden und an Ratten untersucht. Er definierte Stress damals als ein „Adaptationssyndrom“, also eine Anpassungsleistung des Organismus auf jegliche Anforderung der Umwelt (Selye, 1936, S. 32).

Heute bezieht sich Stress sowohl auf physiologische als auch auf psychische Faktoren und Zustände, wobei unterschiedliche Erklärungsmodelle, so genannte psychologische Stresskonzepte, entwickelt wurden, um die Entstehung und die Wirkung von Stress in einem theoretischen Modell zu erfassen. So unterschiedlich manche Konzepte sind, ihnen allen gemeinsam ist eine Organismus-Umwelt-Adaptation, bei der sich der Organismus einer neuen oder veränderten Situation stellen muss, an die er sich dann anpasst bzw. anpassen muss. Hierbei wirkt eine Kraft auf das Individuum, die psychische Belastung, auch als „input“ bezeichnet, die von Kallus (1995) als „Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken“ bezeichnet wird (zitiert nach Hampel & Petermann, 2003, S. 8). Die daraufhin im Individuum auftretende Reaktion, die psychische Beanspruchung, auch als „output“ bezeichnet, versteht Kallus (1995) als „die individuelle, zeitlich unmittelbare und nicht langfristige Auswirkung der psychischen Belastung im Menschen in Abhängigkeit von seinen individuellen Voraussetzungen und seinem Zustand“ (zitiert nach Hampel & Petermann, 2003, S. 8). Mittlerweile wird Stress jedoch eher als ein ausgleichender Prozess verstanden. Wie gut man mit Stress umgehen kann, hängt davon ab, was aus bisherigen Erfahrungen mit Stress gelernt wurde, wie die soziale Unterstützung aussieht und natürlich auch von den eigenen Fähigkeiten (Iowa State University Extension, 1996a).

2.2 Das Stresskonzept von Lazarus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Stress und Stressbewältigung nach Lazarus (aus: „Anti-Stress Training für Kinder“ (S. 9) von Hampel, P. und Petermann, F., 2003, Weinheim, Basel, Berlin: Beltz Verlag).

Das Anti-Stress-Training für Kinder geht von dem psychologischen Stresskonzept von Lazarus aus (Lazarus & Folkman, 1984, 1986; Lazarus & Launier, 1981; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003). Bei diesem transaktionalen Modell wird davon ausgegangen, dass sowohl die Umwelt als auch das Individuum aktiv sind, sich also gegenseitig beeinflussen. Dem Individuum wird demnach zugesprochen, aktiv das Stressgeschehen mitbestimmen zu können. Nach Lazarus bezieht sich Stress „auf eine Beziehung mit der Umwelt, die vom Individuum im Hinblick auf sein Wohlergehen als bedeutsam bewertet wird, aber zugleich Anforderungen an das Individuum stellt, die dessen Bewältigungsmöglichkeiten beanspruchen oder überfordern“ (Lazarus & Folkman, 1986; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003, S. 8). Wichtig für das Stresserleben sind also kognitive Bewertungen und das Bewältigungskonzept des Individuums.

Bei den Bewertungen unterscheidet Lazarus zwischen drei Bewertungsprozessen. Primäre Bewertungen beziehen sich auf Einschätzungen des Individuums über die Relevanz der Auseinandersetzung mit der Umwelt für sein Wohlergehen, ungeachtet dessen, ob die Anforderungen von der Umwelt oder aus dem Individuum selbst stammen. Dabei werden drei Bewertungsarten unterschieden, die sich auf Stress beziehen: Schaden bzw. Verlust, Bedrohung und Herausforderung, wobei Schaden bzw. Verlust sich auf bereits geschehene Ereignisse beziehen, eine Bedrohung einen Schaden nach sich ziehen könnte und eine Herausforderung erfolgreichen Umgang mit einer Anforderung bedeuten könnte. Sekundäre Bewertungen werden vorgenommen, wenn das Individuum die Personen-Umwelt-Auseinandersetzung als stresshaft ansieht, wobei die eigenen Bewältigungsfähigkeiten und -möglichkeiten eingeschätzt und bestimmte Bewältigungsmaßnahmen ausgewählt werden. Primäre und sekundäre Bewertungen laufen nicht unbedingt nacheinander, sondern auch nebeneinander ab und können sich auch gegenseitig beeinflussen. Hierbei wird die letzte Bewertungsart aktiv: Die Neubewertungen, mit denen nach Eingang von neuen Informationen das Stressgeschehen noch einmal eingeschätzt wird.

Nach der Einschätzung des Geschehens geht es nun zur Bewältigung der Stresssituation, die sowohl im Individuum stattfinden als auch auf die Umwelt bezogen sein kann. Bei einer problembezogenen Bewältigung wird entweder die Umwelt verändert oder das Individuum passt sich an die Umwelt an, bei einer emotionsbezogenen Bewältigung, die selbst- oder umweltbezogen sein kann, werden stressbegleitende Emotionen wie Angst oder Wut reguliert.

Die angewandte Bewältigungsmaßnahme zieht nicht unbedingt eine erfolgreiche Stressbewältigung nach sich, muss also nicht erfolgreich ausgehen. Es gibt günstige Bewältigungsstrategien wie positive Selbstinstruktionen, Ablenkung, Erholung oder Suche nach sozialer Unterstützung, die eine erfolgreiche Bewältigung begünstigen, aber auch ungünstige Bewältigungsstrategien wie Resignation, passive Vermeidung oder Aggression, die eine erfolgreiche Bewältigung eher unwahrscheinlich machen.

3. Stress bei Kindern und Jugendlichen

3.1 Ursachen und Symptome

Kinder, so zeigen es Studien, sind von Stress keinesfalls frei und zeigen auch Beanspruchungssymptome, die in zwei Kategorien eingeteilt werden.

Als psychische oder emotionale Beanspruchungssymptome werden Anspannung, Nervosität, Unwohlsein, Ängstlichkeit, Schüchternheit, Einsamkeit, Depression und Agitiertheit bezeichnet (Matheny et al., 1993; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003). Unter physischen Beanspruchungssymptomen versteht man Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit, Erschöpfung, akute Paniksymptome, Appetitlosigkeit, aber auch eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen. Andere Stresssymptome werden erst im Umgang mit Anderen sichtbar: So ziehen sich manche Kinder und Jugendliche zurück, andere aber reagieren im Gegenteil aggressiv auf ihr soziales Umfeld und lassen ihre Emotionen an Gleichaltrige aus. Wiederum andere Kinder und Jugendliche erscheinen als extrem schüchtern (Iowa State University Extension, 1996b).

In einer Studie von Hampel et al. (2001a, zitiert nach Hampel & Petermann, 2003) zeigte sich unter anderem, dass nur 36% der untersuchten Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 14 Jahren nicht an Einschlafschwierigkeiten litten. Eine Studie von Lohaus et al. (1996) wies bei etwa 50% der unter anderem befragten Fünft- und Sechstklässler Erschöpfung nach, des Weiteren wurden zudem auch zahlreiche weitere Beanspruchungssymptome wie Bauchschmerzen, Einschlafschwierigkeiten und Appetitlosigkeit in unterschiedlichen Altersgruppen festgestellt (zitiert nach Hampel & Petermann, 2003).

Die auftretenden Symptome resultieren aus Stressereignissen, die vor allem aus Alltagsbelastungen zusammengesetzt sind (Banez & Compas, 1990; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003). Solche belastenden Situationen können in der Schule oder auch im sozialen Bereich auftreten. Belastende Situationen in der Schule sind zum Beispiel das Durchfallen durch eine Klassenarbeit, der Wunsch nach einer guten Note, die Unfähigkeit, die Hausaufgaben zu lösen, der Streit mit einem Lehrer oder auch der Leistungsdruck der Eltern. Auch im sozialen Bereich gibt es Situationen, die zu Stress führen, so zum Beispiel der Streit mit den Eltern, mit Geschwistern oder mit Gleichaltrigen.

Trotz der Vielzahl an möglichen Stressereignissen bedeuten nicht all diese Ereignisse für alle Kinder und Jugendliche auch unmittelbar ein negatives Stresserleben und das Auftreten von Beanspruchungssymptomen, da es beträchtliche Unterschiede im Umgang mit Stress gibt. Kinder und Jugendliche, die gegen solche Stresssituationen „resistent“ sind, verfügen über bestimmte protektive Faktoren, zum Beispiel eine gute Stressbewältigungskompetenz und ein positives soziales Umfeld, die unterstützend wirken und sich in günstigen Stressverarbeitungsstrategien äußern. Sie gehen leichter mit fremden Situationen um und erscheinen unbeschwert. Bei Kindern und Jugendlichen, die als „stress-anfällig“ erscheinen, sind hingegen ungünstige Bewältigungsstrategien sehr stark ausgeprägt. Sie erscheinen schnell aufgebracht und verunsichert. Die Anfälligkeit bzw. Resilienz für bzw. gegen Stress hängt sowohl von ihrer genetischen Ausstattung und ihren Charaktereigenschaften als auch von der Umwelt, in der sie aufwachsen ab (Iowa State University Extension, 1996b). So wirken als schützende Faktoren zum Beispiel eine positive Beziehung zu einem Erwachsenen, der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, der Glaube an sich und den eigenen Wert, Beziehungen zu Erwachsenen, die außerhalb der Familie stehen und auch der Glaube an Gott (Iowa State University Extension, 1996a).

3.2 Stressverarbeitung

Zwar werden psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen immer genauer erforscht und in dem neu entstandenen Feld der Klinischen Kinderpsychologie gesondert betrachtet, die Stressforschung im Kindes- und Jugendalter ist bisher jedoch unzureichend und uneinheitlich. Klar ist jedoch, dass eine ungünstige Stressverarbeitung die Entwicklung negativ beeinflussen kann (Boekaerts, 1996; Hampel et al. 2001a; Lohaus & Klein-Heßling, 2001; Matheny et al., 1993; Seiffge-Krenke, 1995; Wolchik & Sandler, 1997; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003). Auch haben Kinder und Jugendlichen Defizite in der Stressverarbeitung, da ihnen trotz der Vielzahl an Problemsituationen nur wenige Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen (Seiffge-Krenke, 1989; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003).

Nachgewiesen werden konnte zudem, dass es sowohl geschlechts- als auch altersspezifische Unterschiede bei der Stressverarbeitung gibt. So setzen Mädchen eher die Suche nach sozialer Unterstützung ein (Hampel et al., 2001a; Frydenberg & Lewis, 1993; Lohaus et al., 1996; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003) und bevorzugen emotionsbezogene Bewältigung (Compas et al., 1988; Frydenberg & Lewis, 1993; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003). Nach einer Studie von Hampel et al. (2001) haben Mädchen ein höheres Stresserleben, weisen mehr Beanspruchungssymptome auf und setzen eher ungünstige Stressbewältigungsstrategien ein (zitiert nach Hampel & Petermann, 2003). Auch in Bezug auf das Alter sind unterschiedliche Bewältigungsstrategien ausgeprägt: Emotionsregulierende Strategien zum Beispiel werden erst später ausgebildet und spielen bei jüngeren Kindern keine Rolle (Frydenberg & Lewis, 1993; Spirito et al., 1992; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003).

Diese Unterschiede sollten auch bei der Durchführung und Entwicklung von Stressbewältigungstrainings aufgegriffen werden und aufzubauende Bewältigungsstrategien sind dementsprechend an Geschlecht und Alter anzupassen.

4. Behandlungsansätze

4.1. Kognitiv-behaviorale Stressbewältigungsprogramme

Zu den kognitiv-behavioralen Stressbewältigungsprogrammen zählen das „Multimodale Training“, sowie das Stressimpfungstaining von Meichenbaum, auf das später noch genauer eingegangen wird. Beide Trainings sind Bewältigungsprogramme, die sowohl die Stressreduktion, als auch ein andauerndes Stressmanagement zum Ziel haben. Der aktuelle Stress soll vermindert und der langfristige Umgang mit psychischen Belastungen erlernt werden. Im Rahmen eines multimodalen Trainings wird eine kognitive Umstrukturierung vorgenommen. Dem Teilnehmer des Trainings wird beigebracht, was Stress ist und was dieser im Körper auslöst. Außerdem werden dadurch Problemlösestrategien sowie Entspannungsverfahren eingeübt. Sie ermöglichen den Trainingsteilnehmern, mit anfallenden belastenden Situationen auch zukünftig besser umzugehen (Hampel, 2003).

Hampel und Petermann (2003) erklären, dass kognitiv-behaviorale Stressbewältigungsprogramme sowohl in der Primär- als auch in der Sekundär- und Tertiärprävention erfolgreiche Befunde erzielt haben. Sie haben nachweisbar die Belastung reduziert und durch die Modifizierung von Bewältigungsfertigkeiten sowie -fähigkeiten den langfristigen Umgang mit Stressoren verbessert.

4.2 Entspannungsverfahren

Entspannungsverfahren werden häufig zur Stressbewältigung eingesetzt. Hierbei muss jedoch beachtet werden, dass Entspannungsverfahren allein nicht als Stressmanagementtraining bezeichnet werden können. Als Trainingsbaustein eines multimodalen Trainings sind Entspannungsverfahren jedoch sinnvoll verwendbar, da sie vor allem erste Erregungsspitzen kappen (Wagner-Link, 1995; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003), erlebte Erregung verringern, motorische Unruhe reduzieren und, indem sie ausgeglichenes Verhalten steigern, die Wahrnehmung verbessern (Hampel & Petermann, 2003).

Es gibt drei verschiedene Arten von Entspannungsverfahren, das sensorische, das imaginative und das kognitive Verfahren. Das sensorische Verfahren ist ein körperbezogenes Verfahren, das als Hauptziel die Verminderung der Körperspannung, das heißt die Entspannung der Muskeln, hat. Hierzu zählt das Verfahren der Progressiven Muskelrelaxation (PMR), das 1928 von dem Arzt und Psychologen Jacobson auf der Beobachtung, dass Unruhe, Angst und psychische Anspannung mit Anspannung der Muskulatur einhergehen, entwickelt wurde (Mayer, 2006). Bei der imaginativen Entspannung werden den Partizipanten Phantasiegeschichten erzählt. In diesen Phantasiegeschichten werden meist Problemlösungsstrategien eingebaut, die dem Individuum auf eine spielerische Art und Weise das Umgehen mit belastenden Situationen beibringen sollen. Das kognitive Verfahren ist ein ausschließlich passives Verfahren und ist als Meditation oder Hypnose zu verstehen. Ein Beispiel hierfür ist das autogene Training (Hampel & Petermann, 2003).

Studien zufolge konnte durch Entspannungsverfahren bei Kindern kurzfristig ein Zustand der Ruhe und Ausgeglichenheit festgestellt werden. Vor allem das imaginative Verfahren ist für Kinder als geeignet betrachtet worden, da es ihnen einen spielerischen Zugang zu der Thematik erlaubt. Bei kindgerechter Entspannung muss berücksichtigt werden, dass die Anleitung intensiv, verständlich und prägnant ist und die Übertragung in den Alltag schon in den Sitzungen geübt wird (Hampel & Petermann, 2003).

5. Stressmessung

Die Stressmessung ist ein noch nicht genügend erforschtes Feld der Stressprävention. Bislang wird so vorgegangen, dass die Individuen Fragebögen ausfüllen und ihr Stressgeschehen weitestgehend selbst einschätzen. Bei Kindern und Jugendlichen wird ebenfalls sehr stark auf die Einschätzung von Eltern und Lehrern vertraut (Hampel & Petermann, 2003).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich all diese Fragebögen sowohl auf die momentane Stresssituation (momentane Belastungssituation), als auch auf die Art und Weise, wie der Patient mit Stress umzugehen gelernt hat, beziehen. Manche Fragebögen testen auch die Stressreaktivität, das heißt, wie sehr sich das Individuum durch bestimmte Schul- oder Alltagssituationen unter Druck gesetzt fühlt, und die Körperliche Beanspruchungssymptomatik. Diese Körperliche Beanspruchungssymptomatik erfasst die sechs Symptome Kopfweh, Bauchweh, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Einschlaflosigkeit und Herzklopfen, die auf eine ungünstige Stressverarbeitung hinweisen (Hampel & Petermann, 2003).

Ein Beispiel für solch einen Fragebogen, der sich sowohl auf die Belastungssituationen als auch auf die Stressverarbeitung und die Beanspruchungssymptomatik bezieht, ist das „Anti-Stress-Wochenblatt“.

Um die Stressmessung objektiver zu gestalten, kann die Stressreaktivität auch im Rahmen einer laborexperimentellen Belastungsinduktion erhoben werden (Hampel, 2003).

6. Bestehende Interventionsprogramme

Um herauszufinden wie ein Stresspräventionstraining für Kinder konkret aussehen sollte, muss man sich bereits existierende erfolgreiche Trainings anschauen und diese dann speziell kindgerecht gestalten.

6.1 Stressimpfungstraining von Meichenbaum

Donald Meichenbaums Stressimpfungstraining (Stress inoculation training) ist das am häufigsten angewandte (kognitiv-behaviorale) Stressbewältigungsprogramm für Erwachsene. Die Teilnehmer lernen im Training Bewältigungsstrategien und wenden diese dann in einer stressauslösenden Situation an. Das Training kann sowohl in Einzel- als auch in Gruppensitzungen durchgeführt werden und wird meistens bei Erwachsenen angewandt. In der Regel besteht das Stressimpfungstraining aus 12 bis 15 Sitzungen mit anschließender Nachuntersuchung (Hampel, 2003).

Das Training ist in drei Teile gegliedert die Walter (2006) wie folgt beschreibt:

Informationsphase

In dieser Phase wird den Teilnehmern erklärt, dass nicht die Ereignisse den Stress hervorrufen, sondern die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. Um den Teilnehmern deutlich zu machen, dass ein anderes Wahrnehmen der Situation auch weniger Stress bedeutet, wird der Ablauf von Stresssituation in fünf Schritte eingeteilt:

1. Vorbereitung auf die Situation, die Stress hervorrufen wird
2. Konfrontation und Umgehen mit der Situation
3. Umgehen mit Schwierigkeiten während der Bewältigung
4. Bewertung der Situationsbewältigung
5. Selbstbelohnung bei gelungener Bewältigung

Übungsphase

In dieser Phase übt der Teilnehmer allgemeine wie auch problemspezifische Bewältigungsstrategien und ihren sinnvollen Einsatz ein. Zu den allgemeinen Bewältigungsstrategien zählt Entspannung, kognitives Umstrukturieren und problemlösende sowie selbstbelohnende Selbstinstruktion.

Anwendungsphase

In der letzten Phase werden die Teilnehmer mit Stress auslösenden Situationen, zuerst in den Therapiesitzungen durch Vorstellungsübungen und Rollenspiele und dann durch Übungen in realen Situationen, konfrontiert. Dabei sollen die Teilnehmer frühzeitig erkennen, wann bei ihnen Stresssymptome (erhöhte Herzfrequenz, Schwitzen, Katastrophendenken, motorische Unruhe) anfangen, um frühzeitig darauf reagieren zu können, das heißt frühzeitig ungünstige Stressreaktionen zu unterbrechen und alternative Reaktionen zu aktivieren. Wenn der Teilnehmer eine angemessene Bewältigungsstrategie gewählt hat, um mit der Situation umzugehen, hat er sich erfolgreich damit auseinandergesetzt.

Um Rückfällen vorzubeugen, wird den Teilnehmern geraten, Misserfolge als Lernerfahrungen zu sehen und die Situation in Therapiesitzungen erneut zu üben.

6.2 Anforderungen an Stressbewältigungstrainings

Hampel und Petermann (2003) erklären, dass das Ziel eines Stressbewältigungstrainings darin besteht das Risiko und Schutzfaktoren so zu modifizieren, dass psychischen Belastungen vorgebeugt wird. Hierzu hat Petermann (2000b; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003) ein Ordnungsschema entwickelt, das mögliche Risiko- und Schutzfaktoren kindlicher Entwicklung aufzeigt (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Risiko- und Schutzfaktoren der kindlichen Entwicklung (modifiziert nach Petermann, 2000b, S.15, aus: „Anti-Stress Training für Kinder“ (S. 51) von Hampel, P. und Petermann, F., 2003, Weinheim, Basel, Berlin: Beltz Verlag).

Geht man von diesem Schema aus, so können das Risiko und Schutzfaktoren sowohl auf der Seite der Personen als auch auf Seite der Umgebung betrachtet werden. Betrachtet man sie auf Seiten der Person, in diesem Fall auf der des Kindes, sind die Risikofaktoren als Stressreaktivität des Kindes aufzufassen (Janke & Kallus, 1995; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003) und stehen den Schutzfaktoren gegenüber, zu denen gute Stressbewältigungskompetenz und genetische Prädisposition gehören, die unter Widerstandsfähigkeit zusammengefasst werden können. Besitzen die Kinder ein hohes Maß an effektiven Bewältigungsstrategien sowie an kognitiven und sozialen Kompetenzen, kann davon ausgegangen werden, dass sie aktiv ihre Probleme lösen und nicht durch die ständige Belastung psychische Störungen entwickeln. Haben die Kinder jedoch nicht gelernt, in kontrollierbaren (sozialen) Situationen problemlösende Strategien und in unkontrollierbaren (z.B. schulischen) Situationen emotionsregulierende Strategien einzusetzen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie auf Dauer psychische Störungen oder Verhaltensstörungen entwickeln.

Auf Seiten der Umgebung wirken mehrere Aspekte zusammen. Zum einen ist die Häufigkeit, Intensität und Chronizität der Stressoren, zum anderen die soziale Integration des Kindes, sowie die soziale Unterstützung, die das Kind erhält, zu berücksichtigen. Vor allem die Familie spielt eine große Rolle in der Entwicklung des Kindes und trägt somit entweder positiv, indem sie eine große Zahl von stressvermindernden Faktoren beisteuert, oder negativ, indem das Kind im familiären Bereich durch starke Konflikte belastet wird, bei. Trautmann-Villalba et al. (2001; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003, S.53) haben zum Beispiel festgestellt, dass ein zurückhaltender, „abwertender und wenig angemessener mütterlicher Interaktionsstil mit einer erhöhten Anzahl hyperkinetischer Symptome bei achtjährigen Kindern zusammenhängt“. Zusätzlich zu den Eltern im familiären Umfeld tragen aber auch Gleichaltrige und Lehrer im außerfamiliären Umfeld zu der sozialen Unterstützung bei.

Es wird angenommen, dass das Auftreten mehrerer Risikofaktoren, das heißt in Umgebung und bei dem Individuum selbst, erst die kindliche Entwicklung beeinträchtigt (Roosa et al., 1997; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003).

Mit diesen Befunden können Aspekte definiert werden die in einem Stressmanagementtraining für Kinder berücksichtigt werden sollten. Da das Kind sehr stark in ein bestimmtes soziales Netzwerk integriert ist muss dieses Netzwerk auch in die Vorgehensweise des Trainings einbezogen werden. So sollten Eltern über die Beanspruchung ihrer Kinder sowie deren Bewältigungskompetenzen informiert werden. Außerdem sollte ihnen ebenfalls Wissen über das Stressgeschehen vermittelt werden. Besteht die Möglichkeit, zu den Lehrern der Kinder Kontakt aufzunehmen sollten auch sie informiert werden (Hampel & Petermann, 2003).

Da die Stressoren jedoch nicht immer zu reduzieren sind, muss bei einem Stressmanagementprogramm der Focus auf die Bewältigungsstrategien und die Denkweisen der Kinder gelegt werden. Die jungen Teilnehmer sollen verstehen, was Stress ist, wie man sich in belastenden Situationen fühlt und wie man damit umgehen kann. Dabei muss das Alter der Kinder berücksichtigt werden, da im Kindesalter vor allem emotionsregulierende Bewältigungsstrategien und im Jungendalter vor allem die Stabilisierung von Bewältigungsstrategien im Vordergrund liegen sollte (Compas et al., 1988; Mellins et al., 1996; Spirito et al., 1991; zitiert nach Hampel & Petermann, 2003). Außerdem muss Rücksicht auf das Geschlecht genommen werden. Bei Mädchen sollten die positive Selbstinstruktion sowie der Aufbau von aktiver Situationskontrolle und bei Jungen die Entwicklung von Strategien zur Emotionsregulation wie Entspannung verstärkt werden.

7. Das Vorgehen des Anti-Stress-Trainings

Im Anti-Stress Training für Kinder werden zwei große Ziele verfolgt, nämlich zum einen die Stressreduktion und zum anderen das Stressmanagement. Durch das AST sollen die Kinder lernen, aktuellen psychischen Druck selbst zu reduzieren und auch längerfristig mit psychischen Belastungen besser umzugehen. Da hierbei sowohl die Denkweisen als auch die Körperwahrnehmung der Kinder geschult wird, wird das AST als kognitiv-behaviorales Interventionsprogramm bezeichnet. Weitere spezifische Ziele sind auch der Aufbau günstiger Stressverarbeitungsmaßnahmen und der Abbau ungünstiger Verarbeitungsmethoden, sowie eine verbesserte Körperwahrnehmung, um Stressreaktionen des Körpers besser wahrzunehmen. Des Weiteren versuchen die Trainer, den Kindern angemessene Sichtweisen auf ihr eigenes Stress- und Bewältigungsgeschehen zu übermitteln.

Das AST ist ein Gruppentraining für Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren. In einer Gruppe finden ca. sechs Kinder Platz, wobei darauf geachtet werden sollte, dass die Gruppe eine gerade Anzahl von Kindern aufnimmt, da einige Elemente im Training zusammen mit einem Partner vorgenommen werden. Das Training in der Gruppe ermöglicht es den Kindern auch, soziale Fertigkeiten zu erlernen und sich mit anderen Kindern auszutauschen. Um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, sollten die Gruppen möglichst homogen sein, d.h. Kriterien wie Alter, Geschlecht und Art, Dauer und Intensität der Stressbeanspruchung sollten bei der Auswahl der Gruppen besonders berücksichtigt werden. Gerade bei den 13-jährigen Kindern ist deutlich geworden, dass sich die Trainingsmotivation und Atmosphäre besonders dann verbessert, wenn die Gruppen gleichgeschlechtlich sind und sich die Kinder vor dem Training noch nicht kennen.

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Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Anti-Stress-Training für Kinder. Eine Untersuchung des AST-Präventionsprogramms von Petra Hampel und Franz Petermann
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Jahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V961546
ISBN (eBook)
9783346309556
ISBN (Buch)
9783346309563
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stress, Prävention, Stressbewältigung, Entspannungsverfahren, multimodales Training, Stresskonzepte, kognitiv-behavioral
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Anti-Stress-Training für Kinder. Eine Untersuchung des AST-Präventionsprogramms von Petra Hampel und Franz Petermann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/961546

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