Entwicklung eines Workshop-Konzeptes zum Thema Cybermobbing. Medienkompetenzförderung von Jugendlichen im Alter von 14 - 16 Jahren

Medienkompetenz zur "digitalen Selbstverteidigung"


Bachelorarbeit, 2020

55 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Quellenkritik
1.3. Aufbau und Vorgehensweise

2. Das Leben im digitalen Zeitalter
2.1. Mediatisierung
2.2. Mediensozialisation
2.3. Internetnutzungskompetenz

3. Das Phänomen Cybermobbing
3.1. Arten des Cybermobbings
3.2. Dynamik, Phasen & Rollen
3.3. Ursachen von digitalem Mobbing
3.4. Täter- und Opferprofil
3.5. Folgen für Opfer
3.6. Lösungen
3.6.1. Präventive Maßnahmen
3.6.2. Schutz-und Gegenmaßnahmen
3.6.3. Gesetzliche Strafbestände

4. Didaktische & pädagogische Grundlagen
4.1. Kompetenzfördernde Didaktik nach Weinert & Lersch
4.2. Der kognitive & emotionale Entwicklungsstand der Zielgruppe
4.2.1. Emotionaler Entwicklungsstand
4.2.2. Kognitiver Entwicklungsstand

5. Das Konzept
5.1. Zielgruppe & Zielsetzung
5.2. Didaktischer Aufbau & medienpädagogisches Konzept
5.3. Rahmenbedingungen & Ressourcen
5.3.1. Räumlichkeiten
5.3.2. Zeitmanagement
5.3.3. Gruppengröße
5.3.4. Ressourcen
5.4. Digitaler Workshop
5.5. Methoden
5.6. Pädagogische Anleitung zur Workshop-Umsetzung

6. Fazit & Ausblick

7. Literaturverzeichnis

Abstract

Das Internet und seine Kommunikationsmöglichkeiten bieten zahlreiche Chancen für das soziale Miteinander und ist sozusagen zum Abbild unserer Gesellschaft geworden. Demzufolge manifestieren sich auch im digitalen Zusammenleben die Probleme des analogen Alltags. Hatespeech, Shitstorms, Cybermobbing sind alltägliche Phänomene im Internet. Insbesondere Heranwachsende leiden unter Cybermobbing, da sich ein Großteil ihres alltäglichen Lebens im Internet abspielt. Sie nutzen die digitalen Medien und ihre Kommunikationsmöglichkeiten zur sozialen Interaktion und Sozialisation.

Das vorliegende Workshop-Konzept wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit entwickelt und thematisiert die Problematik des Cybermobbings. Als Zielgruppe werden Jugendliche im Alter von 14 - 16 Jahren adressiert. Der Workshop soll die Teilnehmenden für das Thema sensibilisieren, ihre medialen, sozialen und reflexiven Kompetenzen stärken und Lösungswege vorschlagen. Das Konzept soll zur Medienkompetenz-Vermittlung in Bildung- und Jugendeinrichtungen eingesetzt werden.

In der theoretischen Fundierung des Workshops werden die Themen Mediatisierung, Mediensozialisation, Cybermobbing, kompetenzfördernde Mediendidaktik, Internetnutzungs­kompetenz, Lerntheorie und die Emotion und Kognition der Zielgruppe behandelt. Im Anschluss wird das Konzept vorgestellt und im Fazit die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst. Der Workshop richtet sich inhaltlich nach vier zentralen Kompetenzschwerpunkten, die die Medienkompetenz der Heranwachsenden untermauern sollen: Soziale Interaktion & Selbstregulation, Wissensvermittlung, Stärkung des Selbstbewusstseins, Reflexion & kritische Analyse. Diese Schwerpunkte sollen die Heranwachsenden dazu befähigen, ihr Medienhandeln sozial, reflektiert, informiert und selbstbewusst zu gestalten und zu regulieren. Als Methoden werden u.a. stumme Impulse, Reflexionsrunden, Rollenübungen, Standbilder, Clustering, Mindmaps, anonyme Erlebnisbilder und kreative Medienarbeit genutzt.

Schlagwörter: Internetnutzungskompetenz, Mediensozialisation, Cybermobbing, Medienkompetenzförderung, Digital Natives, kompetenzfördernde Mediendidaktik, Jugendliche, Konzept, Workshop, Internet, Selbstregulation, Präventive Maßnahmen, Online-Kommunikation

Abbildungsverzeichnis

Anhang (nicht im Lieferumfang enthalten)

1. Einleitung

Die digitalen Medien wurden in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil der alltäglichen Lebenswelt der Menschen. Sie finden Anwendung in fast allen Bereichen des alltäglichen Lebens und führen zu einem Wandel von Kultur, Kommunikation und Gesellschaft. 89 Prozent der Deutschen nutzen das World Wide Web für ihre Zwecke. (vgl. ARD/ZDF-Onlinestudie 2019). Die Auswirkungen des allgegenwärtigen Online-Konsums werden in der Wissenschaft mannigfaltig diskutiert. Das Netz bietet u.a. viele Chancen für unser zwischenmenschliches Miteinander. Jedoch gilt es trotzdem, die Risiken und Gefahren des Internets nicht zu vernachlässigen. Unreflektiertes, bedenkenloses Internethandeln kann zu emotionalen, sozialen, finanziellen und rechtlichen Problemen führen. Die Relevanz des Themas Internetsicherheit genießt regelmäßig öffentliche Aufmerksamkeit.

Die Unübersichtlichkeit des Internets und der Mangel an Schutz- und Überwachungsmöglichkeiten öffnen Türen für Hatespeech, Shitstorms und Cybermobbing. Es handelt sich um digitale Auswüchse realer Probleme. Mobbing vom Arbeitsplatz oder aus dem Klassenzimmer schwappt sozusagen aus der analogen Welt in die digitale Welt. Aufgrund der Anonymität, räumlichen Distanz, Virtualität und unzähligen Möglichkeiten nimmt das digitalen Mobbing extremere gravierende Ausmaße an. Opfer von Cybermobbing leiden unter der anhaltenden Konfrontation durch das Stalking, Gewaltandrohungen oder der Veröffentlichung persönlicher Bilder, um einige Beispiele zu nennen. TäterInnen fühlen sich unangreifbar und verstecken sich hinter dem Deckmantel der Anonymität des Internets. Viele Individuen fühlen sich den Angriffen im schutzlos Netz ausgeliefert. Insbesondere für Heranwachsende bedeutet das Netz Versuchung und Gefahr zugleich. Cybermobbing hat aufgrund seiner mitunter fatalen Auswirkungen auf die Lebenswelten von Heranwachsenden hohe Relevanz für die pädagogische Medienarbeit. Laut der JIM-Studie 2019 sehen sich 66 % der 14 - 16-jährigen regelmäßig mit Hassbotschaften im Internet konfrontiert, während ca. 22 % schon einmal von Cybermobbing betroffen waren. (vgl. JIM-Studie 2019). Trotz der fortgeschrittenen Digitalisierung verfügt das deutsche Schulsystem nur über beschränkte personelle und technische Ressourcen, um die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler hinreichend zu fördern.

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit soll ein medienpädagogisches Workshop-Konzept entwickelt werden, welches an dieser Stelle anknüpfen soll. Als Lösungsansatz wird neben Sensibilisierung der Jugendlichen die Vermittlung von sozialen und medialen Kompetenzen bzw. Internetnutzungskompetenzen aufgezeigt. Auch für Lehrkräfte bzw. PädagogInnen stellt das Konzept einen Leitfaden dar, der sie bei der Vermittlung von Medienkompetenz an ihre Schülerinnen und Schüler unterstützen soll.

1.1. Zielsetzung

Die Teilnehmenden sollen dahingehend gefördert werden, dass sie ihr eigenes Medienhandeln sozial, reflektiert, informiert und selbstbewusst gestalten und regulieren können. Sie sollen lernen, die Medien als soziale Räume wahrzunehmen, deren Nutzung wie auch die analoge Welt, bestimmter Werte und Normen obliegt. So können sie Meinungen, Werte, Verhaltensweisen, Kommunikationsarten und Rollenbilder, die durch die Medien übertragen werden, reflektieren und für sich selbst entweder annehmen, ablehnen oder gestalten . Hier steht vorallem das verantwortungsbewusste und respektvolle digitale Miteinander im Vordergrund. Teilnehmende sollen für aggressive und gewaltvolle Kommunikation im Netz sensibilisiert werden, ein Verständnis für Cybermobbing, dessen Arten, Ursachen und Folgen entwickeln und Lösungswege erarbeiten. Sie sollen in der Lage sein, bestimmtes Medienhandeln als Cybermobbing zu identifizieren, diesem vorzubeugen und Handlungswege kennen, um sich selbst wie auch andere gegen Angriffe wehren zu können.

Zur Entwicklung des Workshop-Konzeptes müssen vorab einige essenzielle Fragestellungen erörtert werden:

- Welche Inhalte sollen den Heranwachsenden vermittelt werden?
- Welches mediendidaktische Konzept soll für die Aufbereitung der Inhalte genutzt werden?
- Welches Hintergrundwissen ist für die Teilnahme notwendig?
- Welche Methoden sollen zur Vermittlung der Inhalte eingesetzt werden?
- Welche Ressourcen (Material, Technik, etc.) werden benötigt?
- Welche Schwerpunkte werden in der Konzeption des Workshops gesetzt?
- Wie sieht das Zeitmanagement für die Durchführung des Workshops aus?
- Welche Theorie wird zur Fundierung des Workshops benötigt?

Der Workshop kann in analoger und digitaler Form durchgeführt werden, um Bildung für alle Individuen zugänglich zu machen. Mit Hinblick auf den Aufbau des Workshop-Konzepts, soll ein Dokument verfasst werden, dass PädagogInnen und Lehrkräften als Leitfaden zur analogen oder digitalen Umsetzung dient. Zusätzlich wird eine PowerPoint-Präsentation zur Verfügung gestellt, die den Workshop begleiten soll. Diese bietet Struktur für Lernende und Lehrende und soll den Ablauf mit Informationen (Text, Bild, Video) untermauern.

1.2. Quellenkritik

Zur Beantwortung der o.g. Teilfragen müssen die medienpädagogischen Begrifflichkeiten definiert und in den Kontext eingeordnet werden. Die theoretische Fundierung für das medienpädagogische Konzept setzt sich zusammen aus Fachliteratur zu den Themenfeldern Mediatisierung, Mediensozialisation, Cybermobbing, Mediendidaktik, Internetnutzungskompetenz, Lerntheorie und Emotion bzw. Kognition der Zielgruppe. Die Erläuterungen zum Thema Mediatisierung (vgl. Krotz 2017) und Mediensozialisation (vgl. Geulen/Hurrelmann 1980, Paus-Hasebrink 2017 & Wegener 2016) sollen verdeutlichen, wie Kinder und Jugendliche im digitalen Zeitalter aufwachsen und auf welche Art und Weise sich ihre Lebenswelt durch und mit den digitalen Medien gestaltet. Es findet eine Einordnung der medienpädagogischen Begriffe statt. Die Kenntnisse sind elementar für die Sichtweise der Heranwachsenden und demzufolge für die Entwicklung des medienpädagogischen Konzeptes. Inhaltlich wird der Sachverhalt des Cybermobbings behandelt, wobei auf die verschiedenen Formen, Dynamik, Rollen, Folgen, Ursachen, Täter- und Opferprofile sowie Lösungsalternativen eingegangen wird. Es wird herausgearbeitet, welche Relevanz das Thema Cybermobbing für die Mitglieder der Gesellschaft hat.

Die Inhalte werden passend zur Zielgruppe methodisch-didaktisch aufbereitet. (u.a. Hilt et al 2019, Schneider/Leest 2018 & Kretschmer et al 2015). Zur didaktischen Aufbereitung der zu vermittelnden Inhalte soll die Theorie der kompetenzfördernden Didaktik (Weinert 1998 & Lersch 2010) herangezogen werden. Diese trifft Aussagen zur Gestaltung eines Lehr- und Lernprozesses, der die Wissensvermittlung nachhaltig, systematisch, transparent und flexibel aufbauen soll. Zentral ist hierbei nicht nur die reine Vermittlung von Lerninhalten sondern besonders die methodisch­didaktische Vorgehensweise. Durch situiertes Lernsituationen sollen soziale und kognitive Kompetenzen der Workshopteilnehmenden dauerhaft gefördert werden. Weiterhin sollen Methoden eingesetzt werden, die die verschiedenen Lerntypen und Lernniveaus der Lernenden ansprechen. (vgl. Lahmer/Berger 2006). Außerdem sollen Module des Workshops inhaltlich-methodisch passend zum kognitiven (u.a. Ciompo 1997, Piaget & Inhelder 1972) und emotionalen (u.a. Cizek/Kapella/Steck 2005, Oerter/Montanda 1995 & Schöfthaler 1998) Entwicklungsstand der Zielgruppe gestaltet sein. Die Inhalte und Methoden sollen in ihrer Auswahl und Aufarbeitung so strukturiert sein, dass sie sich in spezifische Schwerpunkte eingliedern lassen, die die reflexive und soziale Medienkompetenz der Lernenden fördern sollen. Als theoretische Grundlage hierfür wird die Fachliteratur von Kretschmer et al (2015) zur Internetnutzungskompetenz verwendet.

1.3. Aufbau und Vorgehensweise

Die vorliegende Bachelorarbeit gliedert sich auf in vier Kernabschnitte. Im ersten Schritt wird das Leben im digitalen Zeitalter (Kapitel 2) beleuchtet, wobei genauer auf die Themenschwerpunkte, Mediatisierung (2.1.) und Mediensozialisation (2.2.) eingegangen wird. Im darauffolgenden Unterkapitel wird die aus diesen resultierende Notwendigkeit der Internetnutzungskompetenz (2.3.) für Heranwachsende dargestellt. Im Anschluss wird das Phänomen Cybermobbing (Kapitel 3) als inhaltlicher Schwerpunkt des Workshop-Konzepts erläutert. Es erfolgt ein Überblick über die Cybermobbing-Arten (3.1.), Dynamik, Phasen & Rollen (3.2.), die Ursachen (3.3.), spezieller das Täter- und Opferprofil (3.4.), Folgen für Opfer (3.5.) und verschiedene Lösungsansätze (3.6.) wie präventive Maßnahmen (3.6.1.), Schutz und Gegenmaßnahmen (3.6.2.) und gesetzliche Strafbestände (3.6.3.). Im nachfolgenden Hauptkapitel werden Inhalt und Methode didaktisch verortet (Kapitel 4) und in Bezug zur Kognition und dem emotionalem Entwicklungsstand der Zielgruppe (14 - 16 Jahre) gesetzt (4.2.). Im letzten Hauptkapitel der Bachelorarbeit erfolgt die Entwicklung des Konzeptes (Kapitel 5). Diese stützt sich auf die Fachliteratur und Erkenntnisse der vorangegangenen Kapitel. Zuerst werden Zielgruppe und Zielsetzung formuliert (5.1.), der didaktische Aufbau und das medienpädagogische Konzept (5.2.) erläutert und die benötigten Rahmenbedingungen und Ressourcen (5.3.) beschrieben. Weiterhin werden Aussagen zur digitalen Durchführung des Workshops getroffen (5.4.). Es erfolgt eine Übersicht der anzuwendenden Methoden (5.5.) und eine pädagogische Anleitung zur Workshop-Umsetzung (5.6.). Diese gibt das Workshop-Konzept in seiner inhaltlichen und methodischen Form wieder, wobei pädagogisch - didaktische Anmerkungen zur Durchführung getroffen werden. Diese Ausführungen finden sich im Workshop-Plan (vgl. Anhang 1.1.) wieder, der PädagogInnen und Lehrkräften als zusätzlicher Leitfaden dienen soll. Abschließend werden die grundlegenden Aspekte und Erkenntnisse der Bachelorarbeit im Fazit (Kapitel 6) zusammengefasst, ein Ausblick und die Chancen und Grenzen des Workshop-Konzeptes aufgezeigt und Empfehlungen für die Durchführung ausgesprochen.

Für die vorliegende Arbeit konnten aufgrund der durch Covid-19 bedingten Maßnahmen analoge Medien nur eingeschränkt genutzt werden. Es wird hiermit die Bitte ausgesprochen, dies bei der Prüfung und Benotung der Bachelorarbeit zu berücksichtigen.

2. Das Leben im digitalen Zeitalter

Die Bedeutung der digitalen Medien für1 Gesellschaft nimmt aufgrund ihrer vielen Chancen und Möglichkeiten stetig zu. Die Medien wirken in fast allen Bereichen des menschlichen Alltags. Berufs- und Privatleben vermischen sich, was eine grundlegende Veränderung der Mediennutzung im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten darstellt. (vgl. Dallmann/Vollbrecht/Wegener, 2017, S. 197). Laut Krotz werden digitale Kommunikationsmedien zum „kommunikativen Kitt“ (Krotz 2017, S. 36) und zum „zentralen Instrument für soziale Beziehungen.“ (ebd.). Dies ermöglicht es den Individuen, sich gleichzeitig in verschiedenen Welten aufzuhalten und trotzdem ständig erreichbar zu sein. Durch die Mediatisierung „verändern sich Wahrnehmungs- und Kommunikationsformen der Menschen, ihre sozialen Beziehungen, ihre Selbstreflexion, ihre Gewohnheiten und ihr Verständnis von der Welt.“ (Krotz 2017, S. 30).

2.1. Mediatisierung

Der Prozess der Mediatisierung beschreibt den „Wandel von Alltag, Kultur und Gesellschaft im Kontext des Wandels der Medien [sowie deren] wechselseitige Auswirkungen und Bedeutungen auf den Menschen.“ (Krotz 2017, S. 24 - 28). Mediatisierung definiert sich als ein „historischer und kulturübergreifender Langzeitprozess.“ (vgl. ebd.). Dieser geht einher mit der „Globalisierung, Individualisierung [und] Kommerzialisierung. “ (ebd.). Steigende Kommunikationsformen führen zu einer „zeitlichen, räumlichen und sozialen Entgrenzung“ von Medienkommunikation (Krotz 2017, S. 29-30), die eine ständige Erreichbarkeit der Individuen mit sich bringt. Die Bedeutung der Medien für Gesellschaft und Individuen nimmt immer mehr zu und wandelt sich stetig. Es ist die Rede von einem „kulturelle [n] und soziale[n] Wandel.“ (ebd., S. 27). Dieser kommt auf unterschiedliche Art und Weise zustande. Neue Techniken ermöglichen „neue Kommunikationsformen,“ da die „Menschen auf andere Weise miteinander kommunizieren.“ (ebd.). Die soziale Wirklichkeit der Menschen verändert sich, Handlungen werden durch die Mediatisierung beeinflusst. Grundsätzlich stehen Gesellschaft und Medien in einem Wechselverhältnis zueinander. Sie sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Medien beeinträchtigen durch ihre „soziale[n] Institutionen die bestehenden Machtbalancen“ der Gesellschaft, sie eröffnen „neue Wissensbestände und Erlebnisse,“ kreieren neue „ästhetische Formen [...] und Erfahrungen.“ (ebd.).

2.2. Mediensozialisation

Im Jugendalter streben Individuen nach „eigenen Werten, Identität und Gemeinschaft.“ (vgl. Geulen/Hurrelmann 1980, S. 51). In der Phase der Sozialisation ist die Bildung des Menschen zu einem „gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt“ zentral. (vgl. ebd.). „[Die Sozialisation beschreibt] einen lebenslangen Prozess, in dem die Persönlichkeit eines Individuums gebildet wird und sich andauernd „in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt“ entwickelt.“ (vgl. Geulen/Hurrelmann 1980, S. 51). Während der Sozialisation erwerben Heranwachsende „Fertigkeiten und Kompetenzen,“ die zur „konstruktiven und zufriedenstellenden Lebensführung innerhalb einer konkreten Gesellschaft notwendig“ sind. (vgl. Oerter/Dreher 2002, S. 268). Im digitalen Zeitalter werden Kinder und Jugendliche schon sehr früh mit digitalen Medien konfrontiert. Ihre Generation wird „Digital Natives“ genannt. (vgl. Gabler 2018). Sie wachsen im digitalen Zeitalter auf und sehen die digitalen Medien und Informationstechnologien als selbstverständlich an. Laut JIM-Studie 2019 wachsen Jugendliche heutzutage mit einem „breiten Repertoire an Mediengeräten “ auf. (vgl. JIM-Studie 2019, S. 5). In praktisch allen Familien sind „Smartphone, Computer/Laptop und WLAN“ verfügbar. (vgl. ebd.). 93 Prozent der Jugendlichen besitzt ein eigenes Smartphone und „zwei von drei Jugendlichen haben einen eigenen Computer oder Laptop.“ (ebd., S. 7). 92 Prozent der Jugendlichen nutzt täglich ein Smartphone und 89 Prozent surft täglich im Internet. (vgl. ebd., S. 12). Die Nutzung von „Internet-, Smartphone- und Musik“ gilt als zentrale Tätigkeit [...] für alle Jugendlichen im Alter von 12 - 19 Jahren. (vgl. ebd., S. 13). Wie bereits erwähnt, werden soziale Kommunikationsmedien (z.B. WhatsApp, Instagram, YouTube, Snapchat, usw.) insbesondere zur Selbstdarstellung genutzt. Jedoch nutzen deutlich mehr Mädchen die Funktionen von „Instagram und Snapchat.“ (vgl. Abbildung 1). Die vielen „Optionen zur Selbstdarstellung und das Feedback der Gruppe haben dabei einen hohen Stellenwert.“ (vgl. Hilt et al 2019, S. 39). Die digitalen sozialen Netzwerke nehmen folglich eine wichtige Rolle in der sozialen Interaktion von Heranwachsenden ein. Sie finden dort Möglichkeiten um „Feedback, Anerkennung [und] Orientierung für das Selbst“ zu erlangen, wie beispielsweise eine Bestätigung durch „Likes [und] Kommentare.“ (vgl. ebd.). Sie können ihre Äußeres präsentieren, „Informationen zum Status [bzw.] zur Stellung in der Gruppe, [die] Beziehungen zu Freunden, Geschlechterrolle und sexuelle Orientierung, [aber auch] Interessen und Freizeitgestaltung“ mit ihrer Online-Community teilen. (vgl. ebd.). Das Medienhandeln von Jugendlichen ist diffiziler, intensiver und komplexer als das der älteren Generationen. Medien begleiten als „unmittelbarer Bestandteil“ ihren Alltag und gelten als „wesentliches Element ihres sozialen Handelns.“ (vgl. Wegener 2016, S. 10). Zahlreiche Möglichkeiten der Kommunikation, Interaktion und Vergemeinschaftung führen dazu, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Identitätsfindung und Sozialisation beeinflusst werden. (vgl. Paus-Hasebrink 2017, S. 103). Sie suchen im Netz Vorbilder, an denen sie sich orientieren können und finden Feedback, Interaktion und Gemeinschaft nicht mehr nur offline, sondern auch online. Sie befriedigen „soziale und emotionale Bedürfnisse,“ können sich selbst ausprobieren, darstellen, tauschen sich mit anderen aus und erhalten „Bestätigung und Aufmerksamkeit.“ (vgl. Süss 1998, S. 284-298.). Das Austesten von Identitätsentwürfen und die Orientierung an medialen „Influencern “ ist Phase der Identitätsbildung von großer Bedeutung, da diese „mögliche Entwürfe von Lebensstilen, Idole und Wunschidentifikationen“ personifizieren. (ebd.). Digitale Medien werden also eingesetzt, um die eigene Rolle in der Gesellschaft zu lokalisieren, dienen zur Orientierung und zum Austesten von Identitätsentwürfen. Gemäß Süss et al (2013) versteht sich die Sozialisation als eine „Interaktion zwischen Individuum und Umwelt.“ (vgl. Süss et al., 2013, S. 31). Digitale Medien wirken entwicklungsfördernd auf die psychosoziale Entwicklung von Heranwachsenden . Aufgrund des andauernden technischen Wandels werden immer neue Innovationen angeboten, die eine neue Auseinandersetzung mit den Medien unvermeidlich machen. Um sich dementsprechend in der digitalen Welt zurechtzufinden, stehen die Mitglieder der Gesellschaft vor der Aufgabe, sich ihr ganzes Leben lang Fertigkeiten und Kompetenzen zu Medienangeboten anzueignen. Mediensozialisation ist immer individuell und in Relation zu Medienangeboten, Entwicklungsstand, Medienerfahrung und individuellem Umfeld der Person zu betrachten. (vgl. Wegener 2016, S. 51).

2.3. Internetnutzungskompetenz

In den 1970er Jahren legte der Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke (1997) den Grundstein für den Wissenschaftszweig der Medienkompetenz. Baacke verband Medienkompetenz mit dem „grundlegende[n] Menschenbild eines selbstbestimmten und gesellschaftlich handelnden Subjekts.“ (Baacke 1997, S. 15). Er definiert Medienkompetenz als „Fähigkeit mit Medien selbstbewusst, selbstbestimmt, kreativ und kritisch umgehen zu können. “ (ebd.). Im digitalisierten Zeitalter wurde Medienkompetenz zu einer Schlüsselqualifikation. Baacke teilte den Begriff in vier Kategorien auf: „Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. “ (Baacke 1997, S.98f). Laut Medienpädagoge und -didaktiker Prof. Kai Hugger (2008) führte die „Einführung von Internet und Multimedia“ zu einem „medienpädagogischen wie materiell- ausstattungsbezogene[n] Nachholbedarf in nahezu allen Feldern von Bildung und Erziehung. “ (vgl. Hugger 2008, S. 93). Medienkompetenz kann „eigenständig im Rahmen von Selbstsozialisationsprozessen erworben,“ aber auch durch „medienpädagogisches Handeln in formalen [und] non-formalen Bildungssettings gefördert“ werden. (vgl. ebd.). Aktuell werden insbesondere die „neuen Informations-und Kommunikationstechnologien “ diskutiert. (vgl. ebd.). Es ist fragwürdig, ob die bisher in Bildungseinrichtungen vermittelten Medienkompetenzen ausreichen, um Heranwachsende auf den Umgang mit digitalen (sozialen) Medien vorzubereiten. (vgl. ebd.). Aus diesem Grunde eröffnete sich die Diskussion über eine Internetnutzungskompetenz. Ein Modell der Internetnutzungskompetenz wurde von den AutorInnen Kretschmer, Wegmann, Stodt und Brand (2015) im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW veröffentlicht. (vgl. Abbildung 4). Sie benennen vier Dimensionen der Internetnutzungskompetenz, die einen sicheren und verantwortungsbewussten Gebrauch des Internets gewährleisten sollen. (vgl. Kretschmer et al 2015, S. 72). Diese umfassen „technische Expertise, Produktion und Interaktion, Reflexion und kritische Analyse und Selbstregulation.“ (vgl. ebd.). Nutzende sollen laut Kretschmer et al (2015) die „technische Fertigkeit [besitzen, um] mit Computer- und Internetanwendungen umzugehen. “ (ebd.). Diese wird durch „wiederholte Nutzung erworben und weiter ausgebildet.“ (ebd.). Hierbei gilt zu beachten, dass durch dauerhafte technische Innovationen stets neue digitale Medien und soziale Plattformen auf den Markt kommen, die eine neue Auseinandersetzung verlangen. Als zweite Dimension wird die „Fähigkeit“ genannt, sich „durch die Produktion eigener Inhalte und Beiträge im Internet einzubringen, kreativ zu sein und die geeignete Plattform dafür zu finden. “ (ebd.). Weiterhin ist die Fähigkeit zur „Reflexion und kritische [n] Analyse“ der Internetinhalte notwendig, um die „Glaubwürdigkeit “ einzuschätzen und „nützliche Informationen herausfiltern zu können.“ (vgl. ebd.). Ebenso sollen NutzerInnen sich bewusst über die „Konsequenzen des eigenen Verhaltens“ sein, da das Internet zwar anonym, aber trotzdem kein straffreier Raum ist. (vgl. ebd.). In diesem Zusammenhang fordern Kretschmer et al (die eigene Regulation des Individuums während seinem Aufenthalt im Internet. Hierbei sollen „persönliche Standards“ helfen, das eigene Handeln zu „kontrollieren und zu regulieren, um dysfunktionales Verhalten und damit einhergehende negative Konsequenzen zu vermeiden.“ (ebd.).

3. Das Phänomen Cybermobbing

Das vorliegende Workshop-Konzept soll Wissen zum Thema Cybermobbing vermitteln. Dieses Wissen soll systematisch strukturiert nach den Bestimmungen der kompetenzorientierten Didaktik gemäß Kapitel 4.1. aufbereitet werden. Die folgenden Ausführungen des Kapitels determinieren die Inhalte des Workshops. Zunächst werden einige Aussagen zum analogen Mobbing getroffen werden. „[Mobbing beschreibt das] wiederholte und systematische Herabwürdigen anderer, das der Befriedigung eigener Bedürfnisse dient, insbesondere nach Macht und Ansehen, das in der Gruppe eine positive Resonanz findet, vom Opfer nicht alleine beendet werden kann und den Werterahmen der Gruppe verändert.“ (vgl. Hilt et al 2019, S 27). Voraussetzung ist, dass zwischen Opfer und TäterIn ein „Macht- oder Kräfteungleichgewicht“ herrscht und dass das Mobbing „wiederholt und über einen längeren Zeitraum“ erfolgt. (vgl. Hilt et al 2019, S 27). Wie bereits in Kapitel 2.2 erläutert, findet ein Großteil unseres menschlichen Alltags digital statt. Wir nutzen die sozialen Medien zur Vernetzung und Kommunikation, erstellen Online -Profile, die unsere Person sozusagen in der digitalen Welt verkörpern. Jedoch haben die sozialen Medien nicht nur positive Seiten. Probleme, die in der analogen Welt vorkommen, tauchen häufig auch in der digitalen Welt auf und nehmen mitunter sogar extremere Formen an. Digitales Mobbing tritt verletzender und feindseliger auf und sollte aus diesem Grund besonders diskutiert werden.

Cybermobbing definiert sich als:

„[...] eine von einer Einzelperson oder Gruppe begangene aggressive und vorsätzliche Handlung [im virtuellen Raum], welche über einen längeren Zeitraum gegenüber einer oder mehreren Personen stattfindet. Dabei kommen elektronische Kommunikationsmittel wie das Handy/Smartphone oder der Computer zum Einsatz. Ein direkter „Face-to-Face“ Kontakt zwischen dem Täter und seinem Opfer ist nicht zwingend notwendig. “ (vgl. Kretschmer et al 2015, S. 50)

Cybermobbing beschreibt ein Problemfeld des „klassischen Mobbings“ wobei digitale Kommunikationsmedien als „Werkzeuge“ eingesetzt werden, um „Betroffene zu bedrohen, bloßzustellen, zu beleidigen, sexuell zu belästigen, auszugrenzen oder sogar mit dem Tode zu bedrohen.“ (vgl. Schneider / Leest 2018, S. 3). Mobbing in der digitalen Welt nimmt aufgrund von Anonymität, Distanz, zeit- und örtlichen Entgrenzung eine neue Dynamik und extreme Ausmaße an. Als ein Beispiel von Cybermobbing kann der der Fall des 18-jährigen Studenten Tyler Clementi genannt werden (vgl. Kretschmer et al 2015, S. 47):

„Tyler Clementi beging im Alter von 18 Jahren Suizid, nachdem er von einem Zimmergenossen mit einer Webcam dabei gefilmt worden war, wie er einen Mann geküsst hatte, und der Zimmergenosse die Aufnahmen an Studierende der eigenen Universität weitergeleitet hatte. Das Video verbreitete sich in kürzester Zeit innerhalb der Universität und darüber hinaus. Wenige Tage später wurde das Cybermobbing fortgesetzt, indem der Zimmergenosse erneut einen Link unter Mitstudierenden verbreitete, diesmal zu einer Liveübertragung von einem weiteren Treffen des Opfers und seines Partners. (vgl. Kretschmer et al 2015, S. 50).

Opfer von Cybermobbing werden Tag und Nacht mit Stalking, Beschimpfungen, Gewaltandrohung, übler Nachrede oder der Veröffentlichung persönlicher Bilder konfrontiert. Aufgrund der enormen Reichweite erreichen Inhalte des Cybermobbings schnell „große Personenkreise“ und wirken aufgrund der Speicherfunktionen des Internets nachhaltig. (vgl. Klicksafe 2018, S. 5). Im Zuge dessen kann es zu einem Verlust von „Rückzugsräumen “ und andauernden Stresszuständen führen. (vgl. ebd.). Die Opfer fühlen sich ausgeliefert, leiden häufig unter den psychischen und physischen Auswirkungen des Mobbings. In extremen Fällen kann das Cybermobbing zu „schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen der Betroffenen und einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität“ führen. (vgl. Schneider / Leest 2018, S. 3). Cybermobbing, auch „Online­Belästigung,“ „Cyber-Viktimisierung“ oder „Online-Aggression“ genannt (vgl. Kretschmer et al 2015, S. 54) findet insbesondere unter SchülerInnen im „Teenageralter“ statt. (vgl. Kretschmer et al 2015, S. 53). 17 Prozent der Heranwachsenden zwischen dem 12. und 19. Lebensjahr wurden im Internet belästigt oder schikaniert. (vgl. Abbildung 3). Unter den 16 bis 17-Jährigen ist der Anteil der Betroffenen mit 22 Prozent am höchsten. (vgl. ebd.). Cybermobbing findet häufig parallel zum traditionellen Mobbing statt und kommt von Jahr zu Jahr immer häufiger vor. Laut der JIM-Studie 2019 sehen sich 66 % der 14 - 16-jährigen regelmäßig mit Hassbotschaften im t, während ca. 22 % schon einmal von Cybermobbing betroffen waren. (vgl. JIM-Studie 2019). Im Folgenden wird erläutert, welche Dienste bzw. Geräte häufig zum Cybermobbing verwendet werden. Das Smartphone als alltäglicher Begleiter in der digitalen Zeit steht für 96 % der Jugendlichen jederzeit zur Verfügung (ebd.). Und es bietet viele Möglichkeiten, um (anonym) mit anderen in Kontakt zu treten. Beispielweise kann die „eigene Rufnummer unterdrückt“ werden. (Hilt et al 2019, S. 41).

TäterInnen fühlen sich auf der sicheren Seite, da sie sich hinter dem Deckmantel der Anonymität verstecken. Über das Smartphone werden per SMS, „WhatsApp, Threema, Snapchat, Instagram oder Instant-Messanger“ Nachrichten versendet. (vgl. ebd.). Dies kann im Text, Bild- oder Videoformat erfolgen. (Hilt et al 2019, S. 41).

3.1. Arten des Cybermobbings

Bevor Cybermobbing als Gruppenphänomen zustande kommt, ist der Initiator des Angriffs abhängig von der positiven Resonanz der Gruppe. Zuerst ist jeder „mit digitalen Mitteln geführter Angriff“ eine „Cyber-Attacke“ (vgl. Hilt et al 2019, S. 27). Wenn der Angriff „Resonanz in der Gruppe“ findet oder die Gruppe die Attacke sogar verurteilt, „handelt es sich um einen in der Testphase gescheiterten Cybermobbing-Versuch.“ (vgl. ebd.). Sobald der Angriff Resonanz in der Gruppe findet, wird sie zu Cybermobbing. (vgl. ebd.).

Gemäß Schultze-Krumbholz und Scheitenauer (2010) kann Cybermobbing in verschiedenen Formen auftreten. Hierzu gehören „Flaming, Harassment, Denigration, Outing, Exclusion, Impersonation, Happy Slapping, Cyberstalking oder Cyberthreat.“ (vgl. Schultze-Krumbholz/ Scheitenauer 2010. S. 16ff). Unter dem Begriff „Flaming“ versteht sich das gegenseitige Versenden von verletzenden Nachrichten, Kommentaren oder Androhungen im Zuge einer öffentlichen Online-Kommunikation. „Harassment“ bezeichnet das Verschicken von beleidigenden, bösartigen Nachrichten durch digitale Medien. Dies kann privat oder öffentlich geschehen, wobei es beim öffentlichen Versand zu einer Kettenreaktion kommen kann, die andere InternetnutzerInnen dazu verleitet, sich auch am Cybermobbing zu beteiligen und das Opfer online zu beleidigen. „Denigration“ (Verleumdung) beschreibt eine Art des Cybermobbings, bei der Gerüchte und Lügen über eine Person in Umlauf gebracht werden, die den Ruf der Person ruinieren und ihre sozialen Kontakte reduzieren sollen. Unter „Exclusion “ versteht sich der die absichtliche soziale Isolation einer Person, mündend auf dem Ausschluss bzw. der Ausgrenzung aus ihren soziale Gruppen (z.B. Chatgruppen, Communities oder Online-Games. (vgl. ebd.). Unter „Cyberstalking“ versteht sich die fortwährende Belästigung, Schikane und Verfolgung einer Person im digitalen Raum. Dieses kann in verschiedenen Formen vorliegen, z.B. durch Spam-Mails, anonyme Telefonanrufe, Chatnachrichten, SMS oder auch Aktivitätsverfolgungen über soziale Medien. Häufig veröffentlichen Cyberstalker private Fotos und Daten des Opfers auf öffentlich zugänglichen Websites und setzen sie damit auf die Abschussliste von anderen Cyberstalkern. Beim Cyberstalking befürchten Opfer häufig ihre eigene Sicherheit in Gefahr. „Impersonation “ lässt sich als Form des Cybermobbings definieren, bei der TäterInnen unter einer „falschen Identität“ auftreten, sich also als eine andere Person ausgeben. (vgl. ebd.). „Happy Slapping“ beschreibt eine Unterart des Cybermobbings, das zugleich auch mit analogem Mobbing einhergeht. (vgl. cyberhelp 2020). Es handelt sich um körperliche Angriffe gegen Passanten, Mitschülerinnen oder auch Lehrende, die mit dem Smartphone aufgenommen und öffentlich im Internet zugänglich gemacht werden. „Diese Angriffe erstrecken sich bis hin zum Verprügeln bis zur Bewusstlosigkeit oder zur Vergewaltigung des Opfers.“ (ebd.). Beim „Outing und Trickery“ handelt es sich um eine Methode der Bloßstellung einer Person durch das Veröffentlichen von Aspekten aus ihrem Privat- oder Intimleben wie beispielsweise peinlicher Fotografien, Nacktfotos, Privatnachrichten oder Videos. Hierzu gehört auch die Veröffentlichung intimer Details, wie z.B. die Sexualität, sexuelle Orientierung, Religion, etc. Meistens erschleichen sich die TäterInnen diese privaten Details, indem sie unter falschen Tatsachen das Vertrauen des Opfers erlangen und eine private Kommunikation vorgeben. Eine Unterkategorie des Outings ist das „Sexting“. Dieses beschreibt die Verbreitung von Fotos, auf denen Personen erotisch, freizügig oder nackt zu sehen sind. Diese Fotos werden häufig an einen Schwarm oder Partner bzw. Partnerin versendet und kommen über diese in Umlauf. Heranwachsende haben nach kurzer Zeit keine Kontrolle mehr über die Anzahl der Empfänger ihrer privaten Bilder. Besonders dramatisch ist hierbei, dass die Schamgrenze der Heranwachsenden online und offline immer wieder verletzt wird. Beim „Cyberthreat“ handelt es sich um eine Androhung von physischer, emotionaler oder psychischer Gewalt über das Internet. Dieses nimmt mitunter so extreme Ausmaße an, dass Betroffene sich auch in der analogen Welt bedroht fühlen.

3.2. Dynamik, Phasen & Rollen

Mobbing bzw. Cybermobbing ist ein Gruppenphänomen in Form eines „komplexen, systemischen Konfliktgeschehens in Klassen und Gruppen, zu dessen Entstehung und Aufrechterhaltung viele Akteure beitragen. “ (vgl. Korn 2006). Nicht nur die „Beziehung zwischen Tätern und Opfern“ ist relevant, sondern auch die komplexen Dynamiken im Gruppenverbund. (vgl. Hilt et al 2019, S. 27). Laut Blum und Beck lebt (Cyber-)Mobbing von zirkulären Zusammenhängen, d.h. dass das Verhalten aller SchülerInnen „durch das Zusammenspiel aller Mitglieder im System (z. B. in der Klasse) entsteht.“ (vgl. Blum / Beck 2010, Seite 60). Cybermobbing ist ein Prozess, der sich in fünf Phasen untergliedern lässt. (vgl. Hilt et al 2019, S. 30). Die erste Phase wird „Testphase“ genannt. (vgl. Abbildung 4). Der Täter bzw. die Täterin testet in dieser Phase aus, welches Gruppenmitglied sich „am besten zur Erniedrigung eignet.“(vgl. ebd.). Meistens reicht schon „eine einzige markante Szene von wenigen Minuten, beispielsweise im Umkleideraum der Sporthalle.“ (ebd.). TäterInnen nutzen eine Begebenheit, um die Gruppe gegen ihr Opfer aufzuheizen und die Person zu isolieren. Ziel ist es, das „Machtungleichgewicht“ zu stabilisieren, den „informelle[n], dissoziale[n] Werterahmen in der Klasse“ auszuweiten und zu stärken. (vgl. ebd.). In diesem Prozess nehmen die Mittäter eine grundlegende Rolle ein, da sie die Inhalte weiterverbreiten. Die erste „Cyber-Attacke“ wird über mehrere „Adressaten über Verteilerlisten oder in sozialen Netzwerken“ veröffentlicht und soll die Reaktion des Opfers austesten. (vgl. ebd.). Kann sich das Opfer effektiv dagegen wehren, sind „genügend protektive, prosoziale Kräfte präsent“ und hat die „Klassen-/Gruppenleitung einen guten Kontakt zu den Kindern oder Jugendlichen“ ist es wahrscheinlich, dass die Attacke wirkungslos im Sande verläuft. (vgl. Hilt et al 2015, S. 30). Kann das Opfer dem Cybermobbing jedoch wenig entgegensetzen und findet im Klassenverband nur gering Unterstützung, schreitet das Mobbing in die zweite Phase. Die „Konsolidierungsphase“ (vgl. Abbildung 5) beschreibt die Differenzierung der Rollen in der Mobbingkonstellation. (vgl. ebd., S. 31). Neben dem Täter bzw. der Täterin gibt es die Rolle der „AssistentInnen. “ (ebd.). Diese MitschülerInnen unterstützen den Täter bzw. die Täterin bei den Attacken, obwohl sie paradoxerweise in der Testphase vielleicht selbst von ihm attackiert worden sind und daher noch eine Rechnung mit ihm offen haben.“ (vgl. ebd.). Sie schließen sich dem Täter bzw. der TäterIn an, um die „Vorteile der Assistentenrolle“ zu genießen und die „Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Macht, Spaß und Anerkennung “ zu befriedigen. (vgl. ebd.). Sie stellen dadurch sicher, nicht selbst zum Opfer zu werden und fühlen sich in der „starken “ Gruppe mächtig und überlegen. (vgl. ebd.). Eine weitere Rolle im Mobbing bzw. Cybermobbing nehmen die „Claqueure“ bzw. „Verstärker“ ein. (vgl. ebd., S. 32). Sie gruppieren sich um TäterIn, AssistentInnen und Opfer, um die Situation zu beobachten. Durch ihr Interesse und „Mitlachen,“ beteiligen sie sich zwar „nicht aktiv am Mobbing“, fördern aber die „Aktivitäten des Täters [bzw. der Täterin] und der Assistentinnen].“ (vgl. Hilt et al 2015, S. 32). Neben den Verstärkern finden sich auch die „Verteidiger oder potenziellen Verteidiger“ in der Mobbingsituation ein. (vgl. ebd.). Sie lehnen Mobbing ab, „helfen dem Opfer direkt oder indirekt “ und fühlen sich dem „formellen Werterahmen verpflichtet.“ (vgl. ebd.). Eine weitere Gruppe formen die „Unbeteiligten oder Außenstehenden.“ (vgl. ebd.). Sie würden der Situation gerne entfliehen, müssen aber aufgrund des „Zwangskontextes“ in der Schule im Raum bleiben. (vgl. ebd.).

Mobbing ist demzufolge ein „dynamisches Konfliktgeschehen und als solches prinzipiell veränderbar.“ (vgl. ebd.). Während der Konsolidierungsphase etabliert sich der „dissoziale, informelle Werte- und Normenrahmen“ zunehmend und hat zur Folge, dass das asoziale Verhalten der Gruppe gegenüber dem Opfer ansteigt. (vgl. ebd.). Es bilden sich „eigene Gesetze“ wie zum Beispiel „fehlende Meinungsfreiheit oder eine Mauer des Schweigens“ (vgl. ebd.).Die nächste Phase ist die „Manifestationsphase.“ (vgl. Abbildung 6). In dieser Phase sieht die Mehrzahl der Gruppenmitglieder das Mobbing als gerechtfertigt an. Laut Hilt et al. sind nun bis „auf ein oder zwei Unbeteiligte [...] alle als Täter[Innen], Assistenten[Innen] oder Claqueure aktiv. “ (vgl. Hilt et al 2015, S. 32). Es besteht „weitestgehend Einigkeit bezüglich der Ausgrenzung des Opfers. “ (ebd.). Statt des „formellen Werte- und Normenrahmens [und der] Grund- und Menschenrechte“ gilt nun der „dissoziale, informelle Werte- und Normenrahmen der Gruppe.“ (vgl. ebd.). Aus sozialwissenschaftlicher Sichtweise befindet sich das Opfer nun in einem „Sozialraum einer Subkultur mit eigenem, menschenfeindlichen Werte- und Normenrahmen und kann dessen Angriffen nicht mehr entgehen.“ (vgl. ebd.). In diesem neuen „Staat im Staate“ sind das „Quälen, Schikanieren, Herabwürdigen und Demütigen des Opfers [...] informell legitimiert(vgl. ebd.). Laut Huber wird es für das Opfer immer schwieriger aus seiner Rolle auszubrechen. „Seine Unbeliebtheit und Isolation nehmen immer mehr zu. Während der Täter durch seine Aktionen seinen Handlungsspielraum erweitert, wird der Spielraum für das Opfer immer mehr eingeschränkt. Das Opfer kann am wenigsten selbst dazu beitragen, seine Situation zu verändern - es ist auf Unterstützung angewiesen. Leider wird mit der zunehmenden Manifestation der Opferrolle auch eine Intervention immer schwieriger“(vgl. Huber 2011, S. 5). Lehrkräfte begreifen die Situation in vielen Fällen nicht richtig und werden durch das manipulierende Verhalten der Gruppe in das dissoziale Werte- und Normenverhältnis involviert. (vgl. Hilt et al 2019, S. 36). Häufig „gelingt es der Klasse, ihr dissoziales Verhalten gegenüber der [Lehrenden] zu legitimieren. (Rechtfertigungsstrategie).“ (vgl. ebd.).

3.3. Ursachen von digitalem Mobbing

Die digitalen Kommunikationsmedien begünstigen durch die dort herrschende Anonymität, Virtualität, physische Distanz und die unbegrenzte Kommunikationskultur dissoziales Medienhandeln von Individuen. Nicht selten findet das Mobbing im Netz seinen Anfang und verlagert sich zusätzlich auch in die reale Welt. Im Internet können Täterinnen anonym auftreten und „durch die Verwendung von Spitznamen“ die eigene Identität „verschleiern.“ (vgl. Hilt et al 2019, S. 42). So wiegen sie sich in Sicherheit und fühlen sich der geschädigten Person überlegen. Betroffene haben meistens Probleme die Angriffe zurückzuverfolgen, verdächtigen jedoch häufig eine bestimmte Person aus ihrem privaten Umfeld, hinter dem Cybermobbing stecken könnte. (vgl. ebd.). In der Online-Kommunikation „fehlen die wesentlichen Merkmale der Kommunikation wie Mimik und Gestik, um ein Feedback des Kommunikationspartners zu erhalten, sodass dem Täter das Ausmaß seines Handelns häufig nicht bewusst ist.“ (ebd.). Täter bzw. der Täterin nehmen die „Verletztheit ihres Opfers oft nicht wahr, da sie keine „direkten Reaktionen [...] auf eine verletzende Aussage oder ein despektierliches Bild“ erhalten. (ebd.). Demnach wird „Mitgefühl“ erschwert und „Impulse für ein Beenden der Attacken“ verhindert. (vgl. ebd.). Für das Opfer bedeutet die Anonymität eine weitere Belastung, da es „den fehlenden direkten Kontakt [und] die Beweggründe für die Attacken nicht nachvollziehen “ kann. (vgl. ebd.).

Ein weiterer mobbingfördernder Faktor im Internet ist die schnelle und entgrenzte Kommunikation. Häufig ist in den sozialen Medien zu beobachten, dass Heranwachsende „unreflektiert Informationen, Bilder oder Filme“ veröffentlichen. (vgl. Hilt et al 2019, S. 39). Jedoch sollten nicht alle Inhalte mit der Öffentlichkeit geteilt werden, vorallem wenn es um intime oder private Angelegenheiten geht. Mit ihren selbstdarstellerischen Posts versuchen Heranwachsende ihren Vorbildern nachzueifern und zeigen sich in gewagten Posen im Netz. Jedoch ist das „Feedback anderer auf gepostete Fotos, Videos und Beiträge“ nicht immer nur positiv. (vgl. ebd.). Denn oft wird durch solche Posts „eine Vielzahl unerwünschter Reaktionen in der Community hervorgerufen.“ (vgl. ebd.). Selbstinszenierung im Netz, die der Identitätsfindung und Selbstverortung der Heranwachsenden dienen soll, bietet enorme „Angriffsflächen für Cybermobbing.“ (vgl. ebd.). Mit einem einzigen Mausklick verbreiten sich die Inhalte im Netz und sind in Sekundenschnelle auf den Endgeräten von unzähligen InternetnutzerInnen abrufbereit. Dieser Aspekt wird vielen Internetnutzerinnen erst bewusst, wenn sie die Inhalte bereits in den Kreislauf des World Wide Webs gebracht haben. Messenger-Apps erfreuen sich bei Heranwachsenden an großer Beliebtheit. Sie bieten die Möglichkeit in Gruppenchats miteinander zu kommunizieren und auch Texte, Bilder, Links und Videos zu teilen. Jedoch können „alle Gruppenmitglieder [...] die Inhalte darüber hinaus an Personen außerhalb der Gruppe weiterleiten. “ (vgl. ebd.). Auch können einzelne Mitglieder in Gruppen blockiert und damit aus der sozialen Interaktion ausgegrenzt werden. Es werden Räume zum gemeinsamem Mobbing geschaffen, in denen die abwesende Person schikaniert und gedemütigt wird. (vgl. ebd.).

3.4. Täter- und Opferprofil

Laut Schneider und Leest (2018) liegen zu den individuellen Ursachen von Cybermobbing bislang noch keine vorschriftsmäßige empirische Studien vor. (vgl. Schneider / Leest 2018, S. 38). Jedoch liegt es nahe, dass einige Faktoren bei der Entstehung von Mobbing eine Rolle spielen können. Je nach Umfeld können die „Individualität,“ der soziale bzw. kulturelle Hintergrund und die „äußerliche Auffälligkeit des Opfers“ bei der Entstehung des Mobbings eine Rolle spielen. (vgl. ebd.). Häufig sind „Neid, Leistungsorientierung, Leistungsprobleme, Rollenkonflikte, Nationalität, Religion, Geschlecht und sexuelle Orientierung, äußere Auffälligkeiten, Krankheiten, Behinderungen,“ Faktoren, die als auslösende Kriterien wirken können. (vgl. ebd.). Laut Hilt et al (2019) entsteht Mobbing oder auch Cybermobbing häufig in „sozialen Systemen mit Zwangscharakter, aus denen die Betroffenen nicht einfach fliehen können,“ wie beispielsweise Schulen oder der Arbeitsplatz. (Hilt et al 2019, S. 17). Im Schulkontext leiden nicht nur die Lernenden unter Mobbingangriffen, sondern auch Lehrende können von Klassengemeinschaften als Opfer ausgewählt und täglich schikaniert werden. Im Folgenden sollen die Kriterien untersucht werden, die dazu beitragen, dass ein bestimmtes Individuum zum Opfer bzw. TäterIn wird. Jeder Mensch verspürt den Wunsch nach „Geltung, Status und Macht.“ (vgl. Hilt et al 2019, S. 42). Um diese Bedürfnisse zu befriedigen, nutzen Individuen verschiedene Wege. Beispielsweise eine hohe Leistung zu erbringen und sich selbst anzustrengen. Andere Individuen versuchen über andere Macht auszuüben, um sich selbst mächtig zu fühlen. Insbesondere Kinder und Jugendliche verfolgen diese Strategie.

„ [Heranwachsende haben ein] besonders hohe[s] Geltungsbedürfnis [und] machen häufig sehr früh die Erfahrung, dass sie dieses Bedürfnis befriedigen können, indem sie Gewalt ausüben, andere erniedrigen und diese durch Manipulation der Gruppe gezielt zum Opfer machen. “ (vgl. ebd.).

Die Schikanierung anderer kann auch als Ventil für aufgestaute Aggressionen dienen. (Katharsis). Es ist jedoch auch möglich, dass Versagensängste oder die Angst, selbst als Opfer ausgewählt zu werden, Ursachen für Mobbing sind. In diesem Zusammenhang kann es auch zu Mobbing-Gruppen kommen, die sich ein gemeinsames Opfer aussuchen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhöhen. TäterInnen nutzen die Abwertung anderer als Aufwertung der eigenen Person. Sie demonstrieren ihre Macht, weil sie zum Beispiel zuhause unterdrückt werden oder von ihren wichtigsten Bezugspersonen nicht genug Anerkennung bekommen. (vgl. Cyberhelp 2020). Die weitverbreitete Meinung, dass Mobbing-TäterInnen über einen Mangel an Selbstbewusstsein verfügen, kann nicht bestätigt werden. Vielmehr besitzen diese soziale Fähigkeiten, die es ihnen erlauben, ihr Umfeld zu steuern und zu manipulieren. „Soziale Intelligenz“ ist grundsätzlich eine „neutrale Fähigkeit,“ die jedoch sehr häufig von Mobbing-TäterInnen und „dissozialen“ Menschen missbraucht wird, um „persönliche Ziele auf aggressive“ Weise zu erreichen. (vgl. Scheithauer et al. 2007, S. 144). TäterInnen bauen laut Hilt et al (2019) „über Monate hinweg ein System auf [...], an dem sich letztlich fast alle Mitschüler[Innen] beteiligen.“ (vgl. Hilt et al 2019, S. 42). Die Ursache von Mobbing liegt meist in dem Versuch, das eigene „Ansehen innerhalb des Freundeskreises“ aufzuwerten. (vgl. ebd.). Aber auch die die Möglichkeit der Mitteilung und die der Spaß am Leid anderer kann TäterInnen dazu verleiten, andere Personen im Netz bloßzustellen und zu schikanieren. (vgl. ebd.). Sie handeln stets nach einem bestimmten Motiv wie beispielsweise „Rache, Ansehen, Macht oder Spaß.“ (ebd.).

Um ihr Bedürfnis nach Macht und Status zu stärken, suchen TäterInnen gezielt nach Personen, die sich als Opfer eignen können. Im Grunde kann jeder Mensch Opfer von Cybermobbing werden. TäterInnen untersuchen „mithilfe kleiner Tests im Alltag (z. B. einer beleidigenden Bemerkung oder eines unvorteilhaften Bildes im Chat) und durch Beobachtung ähnlicher Vorgänge bei Mitschülern [...] wer sich am besten als Opfer von Attacken eignet.“ (vgl. ebd., S. 28). Hierbei wurden von Hilt et al (2019) drei Kriterien besonders hervorgehoben: „Aufhänger, ineffektives Wehren und Machtungleichgewicht [bzw.] geringe Unterstützung.“ (vgl. Hilt et al 2019, S. 28). Aufhänger sind bestimmte Merkmale oder Verhaltensweisen von Individuen, die als Auslöser von Mobbing gelten. (vgl. ebd.). Darunter zählen zum Beispiel „ethnische Zugehörigkeit, Familieneinkommen, Haut-und Haarfarbe, Mitarbeit im Unterricht, Noten, Sportlichkeit oder Stottern.“ (ebd.). Alle Eigenschaften, die Individuen voneinander entscheiden, können als Grundlage von Cybermobbing genutzt werden. Aus diesem Grund kann jede Person ein Opfer von Angriffen werden. Hier ist nicht der „Wahrheitsgehalt eines Merkmals“ entscheidend, sondern die „Resonanz in der Klasse/Gruppe.“ (vgl. ebd.). Ein weiterer Faktor, den sich TäterInnen zunutze machen ist, dass bestimmte Individuen sich nicht ausreichend gegen ihre Angriffe wehren können. (vgl. Hilt et al 2019, S. 29). Vorallem bei „psychisch instabilen, sozial unsicher-ängstlichen Kindern fehlen von die personalen Fähigkeiten, um sich effektiv zu wehren. “ (vgl. ebd.). TäterInnen spüren „Machtungleichgewichte oder geringe Unterstützung“ und stufen Individuen direkt als „potenzielle Mobbing-Opfer“ ein. (vgl. ebd.). Grundsätzlich kann jedes Individuum als Opfer ausgewählt werden, jedoch ist es wahrscheinlich, dass es denjenigen trifft, der „die auffälligsten Aufhänger präsentiert, sich am ineffektivsten wehrt und keine oder wenig Unterstützung erfährt. “ (vgl. Hilt et al 2019, S. 29).

[...]


1 Mit der Intention, prüfungsrechtliche Sanktionen sowie den Vorwurf des Eigenplagiats zu vermeiden, soll hiermit kenntlich gemacht werden, dass das Kapitel 2 übernommene Abschnitte aus einer meiner früheren Hausarbeiten enthält. Es handelt sich um die Hausarbeit vom 30.09.2018 des Studiums Intermedia im Basismodul 3 - Grundlagen der Medienpädagogik. Aus thematischen und formulierungstechnischen Gründen erschien mir die Übernahme als sinnvoll.

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Entwicklung eines Workshop-Konzeptes zum Thema Cybermobbing. Medienkompetenzförderung von Jugendlichen im Alter von 14 - 16 Jahren
Untertitel
Medienkompetenz zur "digitalen Selbstverteidigung"
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,1
Autor
Jahr
2020
Seiten
55
Katalognummer
V967490
ISBN (eBook)
9783346310712
ISBN (Buch)
9783346310729
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Anhänge sind nicht im Lieferumfang enthalten
Schlagworte
Internetnutzungskompetenz, Mediensozialisation, Cybermobbing, Medienkompetenzförderung, Digital Natives, kompetenzfördernde Mediendidaktik, Jugendliche, Konzept, Workshop, Internet, Selbstregulation, Präventive Maßnahmen, Online-Kommunikation
Arbeit zitieren
Stefanie Schary (Autor:in), 2020, Entwicklung eines Workshop-Konzeptes zum Thema Cybermobbing. Medienkompetenzförderung von Jugendlichen im Alter von 14 - 16 Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/967490

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Entwicklung eines Workshop-Konzeptes zum Thema Cybermobbing. Medienkompetenzförderung von Jugendlichen im Alter von 14 - 16 Jahren



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden