Gegenstand dieser Arbeit soll es sein, Kleists Text „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ im Hinblick auf das Konzept des epistemischen Schreibens für die Didaktik des Essay-Schreibens in der Oberstufe nutzbar zu machen. Zwar ist dieses Konzept für das Schreiben aller Textgattungen und Aufsatzformen anwendbar, es scheint mir jedoch für die kategorisch schwer fassbare Textsorte des Essays, die als „Gedankenspaziergang“ konzeptionell ohnehin auf die „allmähliche Verfertigung“ kognitiver Prozesse während des Schreibprozesses abhebt, besonders griffig zu sein. Zudem vollzieht der Text, wie zu zeigen sein wird, die Charakteristika essayistischen Schreibens in geradezu mustergültiger Art und Weise thematisch nach. Er kann daher auch als Modelltext für die Textsorte Essay im Unterricht gelten. In der Folge soll der Essay zunächst hinsichtlich
Inhaltsverzeichnis
Problemstellung
1. Der Essay als Textgattung
1.1. Kurze Geschichte des Essays – von Montaigne bis Kleist
1.2. Charakteristika und Merkmale
1.3. Kleists Essay als Modelltext
2. Epistemisches Schreiben – Die Verfertigung der Gedanken beim Schreiben?
3. Unterrichtskonzeption
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Heinrich von Kleists Essay "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" als Modelltext für den Deutschunterricht der Oberstufe, um das Konzept des epistemischen Schreibens praktisch nutzbar zu machen.
- Historische Einordnung der Textgattung Essay
- Analyse der Merkmale und Charakteristika des Essays
- Erarbeitung des Konzepts des epistemischen Schreibens nach Bereiter
- Entwicklung einer didaktischen Unterrichtskonzeption
- Förderung der Schreibkompetenz als Technik des Denkens
Auszug aus dem Buch
1.3. Kleists Essay als Modelltext
Eine ausführliche Textanalyse ist in im Rahmen dieser Arbeit nicht zu leisten. Es sollen lediglich prägnantes Charakteristika des Essayistischen aufgezeigt und mit ihrer didaktischen Relevanz in Beziehung gesetzt werden.
Schon beim Lesen der ersten Textzeilen fällt dem Rezipienten dessen „Gesprächscharakter“ auf. Der Originaltext ist an Kleists Freund Rühle von Lilienstein adressiert, der im Textverlauf als imaginärer Leser der Gedankenentwicklung des Verfassers folgt. Man könnte den Text somit fälschlicherweise schlicht für einen Brief halten, doch schon der abrupte Einstieg wäre für die Briefform eher untypisch, denn Kleist kommt ohne Umschweife auf sein Thema zu sprechen: „Wenn du etwas wissen willst und es allein durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen.“
Sowohl der sprunghafte Einstieg als auch der Adressatenbezug sind typische Merkmale des Essayistischen, die im Unterricht an dieser Stelle eine erste Abgrenzung des Essays von den schulischen Schreibformen „Interpretation“ und „Erörterung“ ermöglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
Problemstellung: Es wird die Zielsetzung formuliert, Kleists Text im Hinblick auf das Konzept des epistemischen Schreibens als Modelltext für den Unterricht zu erschließen.
1. Der Essay als Textgattung: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick von Montaigne bis Kleist und definiert die essayistischen Merkmale sowie die Funktion des Essays als Modelltext.
2. Epistemisches Schreiben – Die Verfertigung der Gedanken beim Schreiben?: Das Kapitel theoretisiert den Schreibmodus des epistemischen Schreibens nach Bereiter und diskutiert dessen Anwendbarkeit auf den Unterricht.
3. Unterrichtskonzeption: Hier wird eine konkrete Unterrichtsidee entworfen, die experimentell und prozessorientiert zur Förderung der Schreibkompetenz und des Denkens anleitet.
4. Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass Kleists Essay ein hervorragender Modelltext ist, um den heuristischen Effekt beim Schreiben für den Unterricht nutzbar zu machen.
Schlüsselwörter
Epistemisches Schreiben, Essay, Schreibkompetenz, Heinrich von Kleist, Modelltext, Schreibprozess, Denken, Didaktik, Oberstufe, Aufsatzform, Montaigne, Kommunikation, kognitive Prozesse, Textgattung, Sprachdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Heinrich von Kleists Essay als Modelltext genutzt werden kann, um Schülern das Konzept des epistemischen Schreibens – also Schreiben als Technik des Denkens – näherzubringen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Gattungsgeschichte des Essays, die Theorie des epistemischen Schreibens sowie die didaktische Umsetzung dieser Konzepte im Deutschunterricht der Oberstufe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den epistemischen Prozess, den Kleist beschreibt, für den Unterricht didaktisch fruchtbar zu machen und Schreibkompetenz über die bloße Wissensvermittlung hinaus als prozessuales Denken zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse zur Gattungsgeschichte und zum epistemischen Schreiben, die auf Kleists Essay angewandt wird, um daraus eine Unterrichtskonzeption abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Merkmale des Essays und das Konzept des epistemischen Schreibens theoretisch fundiert, bevor dies in ein 3-Phasen-Modell für den Unterricht übersetzt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Epistemisches Schreiben, Essay, Schreibkompetenz, Didaktik, Modelltext und die prozessuale Verfertigung von Gedanken.
Warum wird Kleists Essay als "Modelltext" bezeichnet?
Der Essay thematisiert selbst den Zusammenhang von Sprache und Denken und eignet sich daher hervorragend, um Schülern zu zeigen, wie Schreiben dazu beitragen kann, Gedanken erst während des Schreibprozesses zu strukturieren.
Wie unterscheidet sich das epistemische Schreiben von anderen Aufsatzformen?
Im Gegensatz zu klassischen schulischen Formen wie der Interpretation oder Erörterung steht beim epistemischen Schreiben nicht das fertige Produkt, sondern der prozesshafte Erkenntnisgewinn während des Schreibens im Fokus.
Welche Rolle spielt die "Donnerkeil-Anekdote" in der Arbeit?
Die Anekdote dient als historisches Beispiel im Kleist-Text, um zu illustrieren, wie Sprecher in emotionaler Anspannung improvisieren müssen und wie dies auf den Schreibprozess als kognitiven Prozess übertragbar ist.
- Citar trabajo
- Sascha Dankudis (Autor), 2019, Epistemisches Schreiben in der Didaktik des Essayschreibens. Heinrich von Kleists Essay "Über die Verfertigung der Gedanken beim Reden", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975135