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Geld regiert die Welt. Zur Darstellung des Frühkapitalismus im "Fortunatus"

Title: Geld regiert die Welt. Zur Darstellung des Frühkapitalismus im "Fortunatus"

Term Paper (Advanced seminar) , 2018 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sascha Dankudis (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Schon früh wurden in der Fortunas-Forschung die Themen Reichtum und Geld untersucht. Die älteren Deutungen mit ökonomischem Erkenntnisinteresse sind dabei einerseits stark von marxistischer Geschichtsphilosophie geprägt und argumentieren andererseits im Sinne einer Widerspiegelungstheorie, wenn sie Verhältnisse und Tendenzen der außerliterarischen Welt und ihre konkreten Entsprechungen im Text untersuchen wollen.

Es wird in diesem Rahmen die Frage zu stellen sein, wie sich der Fortunatus gegenüber dem neuartigen Wirtschaftssystem positioniert und ansatzweise auch, wie er sich zum wirtschaftsethischen Diskurs seiner Zeit verhält. Zuvor ist aber der Frühkapitalismus aus wirtschafts- und sozialgeschichtlicher Perspektive in seinen für den Text relevanten Grundzügen grob zu skizzieren, um die erforderliche historische Basis für die Interpretation sicherzustellen. Vorab will ich die für die Fragestellung relevante Forschung knapp bezüglich ihrer methodischen Grundlagen und kontroversen Positionen vorstellen.

Die Entstehungszeit des Fortunatus, als einer der ersten Prosaromane deutscher Sprache, ist eine Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen und Umbrüche. Religiös-moralische Wertvorstellungen und die traditionelle feudale Ständeordnung geraten ins Wanken. Gleichzeitig gelangen Teile des städtischen Bürgertums als Kaufleute und Bankiers zu beträchtlichem Reichtum und politischem Einfluss. Das von diesem merkantilen Großbürgertum getragene monetäre Wirtschaftssystem, als Handels- oder Frühkapitalismus bezeichnet, kann sich neben dem auf agrarischem Grundbesitz und Naturalienhandel basierenden feudalen Wirtschaftskonzept etablieren.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zur Forschung

2. Das frühkapitalistische Wirtschaftssystem im 15. und 16. Jahrhundert

3. Der Frühkapitalismus im Fortunatus

3.1. Fortunatus' Aufbruch und Dienst beim Grafen von Flandern

3.2. Fortunatus in London

3.3. Mystifikation des Kapitalerwerbs

3.4. Reichtum und Weisheit

3.5. Der Fernhandel und das Wünschhütlein

3.6. Wirtschaftlicher Niedergang in der Folgegeneration

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Frühkapitalismus im Prosaroman Fortunatus. Dabei wird analysiert, wie sich der Protagonist im Kontext eines sich wandelnden Wirtschaftssystems positioniert und inwiefern der Roman ökonomische und soziale Umbrüche der Entstehungszeit des Werkes widerspiegelt oder narrativ verarbeitet.

  • Analyse der frühkapitalistischen Wirtschaftsparameter im 15. und 16. Jahrhundert.
  • Untersuchung der Rolle von Geld als zentrales Kommunikationsmedium im Roman.
  • Spannungsfeld zwischen Reichtum und Weisheit als ethisches Dilemma des Protagonisten.
  • Die Funktion von Mystifikation und märchenhaften Elementen im Kontext ökonomischer Prozesse.
  • Darstellung des sozialen Aufstiegs und des wirtschaftlichen Niedergangs der nachfolgenden Generation.

Auszug aus dem Buch

Der Fernhandel und das Wünschhütlein

Nach erfolgreicher Familiengründung und der Etablierung eines großbürgerlichen Lebensstils in Famagusta zieht es Fortunatus erneut in die Ferne. Diesmal tritt er nicht nur als neugieriger Reisender sondern als Fernhandelskaufmann im Orient in Aktion. Alexandria wird ähnlich wie zuvor London als Handelsmetropole vorgestellt, auf die sich die wirtschaftlichen Interessen verschiedener Nationen beziehen. Wie auch die anderen Händler ist Fortunatus um die Gunst des dortigen Sultans bemüht und kann ihm, nachdem er sein Vertrauen gewonnen hat, durch eine List seinen größten Schatz, das Wünschhütlein, entwenden, das ihm fortan ermöglicht sich an jeden beliebigen Ort zu wünschen. So gelangt neben dem Geldsäckel ein zweiter magischer Gegenstand, der nicht vom anderen getrennt werden darf, in Fortunatus' Besitz. Auch dieser symbolisiert mit der „merkantile(n) Ubiquität“ als „verdinglichte Omnipräsenz weit verzweigter Handelsnetze“ einen entscheidenden Faktor frühkapitalistischer Unternehmertums. Die Glücksgüter werden fortan als untrennbare Einheit gedacht, weil das Kapital nur in Verbindung mit uneingeschränkter Mobilität den kaufmännischen Erfolg sicherstellt. Vom Erzähler wird der Hütchenraub an keiner Stelle kommentiert oder moralisch problematisiert. Auch andere Textstellen, die das „Prinzip individueller Bereicherung“ vorführen, wie etwa die Episode beim Waldgrafen, sind frei von jeglicher Kritik durch die Erzählinstanz. Eher erscheint das unkluge Verhalten derer, die sich übervorteilen lassen wie hier der Sultan als defizitär. Somit lässt sich zumindest keine explizite Kritik an skrupelloser Bereicherung im Text nachweisen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die gesellschaftliche Umbruchsphase des 15. Jahrhunderts und die Relevanz des Fortunatus als literarisches Zeugnis frühkapitalistischer Entwicklungen.

1. Zur Forschung: Überblick über die bisherige Forschungsgeschichte, insbesondere hinsichtlich sozialgeschichtlicher und ökonomischer Deutungsansätze des Werkes.

2. Das frühkapitalistische Wirtschaftssystem im 15. und 16. Jahrhundert: Historische Kontextualisierung der merkantilen Strukturen, des Fernhandels und der Bedeutung des aufkommenden Kreditwesens.

3. Der Frühkapitalismus im Fortunatus: Zentrale Analyse der Romanhandlung unter Berücksichtigung der kaufmännischen Ausbildung und der ökonomischen Logik in verschiedenen Handlungsorten.

3.1. Fortunatus' Aufbruch und Dienst beim Grafen von Flandern: Untersuchung des sozialen Abstiegs des Vaters und des ersten Auftretens von Fortunatus in höfisch geprägten Dienstverhältnissen.

3.2. Fortunatus in London: Darstellung Londons als Handelszentrum und die Bedeutung ökonomischer Bildung für den Erfolg des Protagonisten.

3.3. Mystifikation des Kapitalerwerbs: Betrachtung der Glücksjungfrau-Episode und der narrativen Funktion des Geldsäckels als ökonomisches Symbol.

3.4. Reichtum und Weisheit: Analyse des zentralen Spannungsfeldes, ob der Protagonist durch seine Entscheidung für den Reichtum eine moralisch falsche Wahl traf.

3.5. Der Fernhandel und das Wünschhütlein: Erörterung der merkantilen Aspekte von Mobilität und Bereicherung am Beispiel des Wünschhütleins.

3.6. Wirtschaftlicher Niedergang in der Folgegeneration: Bewertung des Scheiterns der Nachkommen als Resultat mangelnder kaufmännischer Klugheit.

4. Resümee: Synthese der Ergebnisse, die den Fortunatus weniger als Gesellschaftskritik, sondern als didaktisches Lehrstück für erfolgreiches Wirtschaften einstuft.

Schlüsselwörter

Frühkapitalismus, Fortunatus, Reichtum, Weisheit, Wirtschaftsgeschichte, Fernhandel, Merkantilismus, Sozialgeschichte, Kapitalerwerb, Erzählstruktur, Glücksgüter, Geldwirtschaft, Handelsmetropole, Wissensvermittlung, Wirtschaftslehre.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung des Frühkapitalismus im Prosaroman Fortunatus und untersucht, wie ökonomische Realitäten in die Erzählstruktur des Werkes integriert wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Fernhandels, die Bedeutung von kaufmännischer Bildung, die Mystifizierung von Reichtum sowie das Verhältnis zwischen traditionellen höfischen Werten und neuen merkantilen Machtprinzipien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, wie sich der Protagonist innerhalb des neuen Wirtschaftssystems positioniert und ob der Roman als Kritik an der skrupellosen Kapitalvermehrung oder als Lehrstück für unternehmerischen Erfolg zu verstehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine exemplarische Analyse relevanter Textstellen durchgeführt, die auf Basis einer sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Perspektive sowie literaturwissenschaftlicher Interpretationsansätze erfolgt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Handelswege, die Bedeutung des Geldsäckels und des Wünschhütleins, das Dilemma zwischen Weisheit und Reichtum sowie den Niedergang des Hauses durch die fehlende kaufmännische Bildung der Söhne.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Frühkapitalismus, Wirtschaftsgeschichte, Geldwirtschaft, Kapitalerwerb, soziale Mobilität und merkantile Strategien charakterisiert.

Warum ist die Wahl zwischen Reichtum und Weisheit für Fortunatus so bedeutend?

Diese Wahl bildet den narrativen Wendepunkt, da sie das lebenslange Bemühen des Protagonisten um den Erhalt seines Reichtums motiviert, wobei der Text die Frage aufwirft, inwieweit Weisheit eine notwendige Voraussetzung für dauerhaften Erfolg darstellt.

Wie bewertet der Autor den Niedergang der nachfolgenden Generation?

Der Niedergang wird primär nicht als Scheitern des Reichtums an sich, sondern als Resultat der mangelnden kaufmännischen Ausbildung und fehlender Weisheit der Erben interpretiert, die die familiären Werte missachten.

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Details

Title
Geld regiert die Welt. Zur Darstellung des Frühkapitalismus im "Fortunatus"
College
University of Stuttgart  (Germanistik)
Course
Frühneuhochdeutsche Literatur
Grade
1,0
Author
Sascha Dankudis (Author)
Publication Year
2018
Pages
20
Catalog Number
V975136
ISBN (eBook)
9783346319791
ISBN (Book)
9783346319807
Language
German
Tags
geld welt darstellung frühkapitalismus fortunatus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sascha Dankudis (Author), 2018, Geld regiert die Welt. Zur Darstellung des Frühkapitalismus im "Fortunatus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975136
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