In Rahmen der Masterarbeit, welche in der Fachrichtung Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg verfasst wird, soll untersucht werden, inwieweit sich Lehrkräfte im Fach Geschichte an Lernziele, vorgegebene Inhalte und Kompetenzen orientieren, wenn sie Ihren Unterricht planen.
Die Arbeit gliedert sich in einen Theorieteil, welcher die didaktischen Theorien der Lernzielorientierung nach Christine Möller, des bildungstheoretischen Ansatzes nach Wolfgang Klafki sowie die derzeit vorherrschende Kompetenzorientierung reflektiert und Auszüge der jeweils aktuellen Bildungspläne darstellt. Im empirischen Teil soll mithilfe einer qualitativen Untersuchung im Rahmen von Interviews, welche mit zehn Lehrkräften der Sekundarstufe I geführt wurden, deren Transkripte sowie der anschließenden Kategorisierung nach Mayring und einer qualitativen Inhaltsanalyse auf die Forschungsfragen eingegangen und versucht werden diese zu beantworten.
Die Ergebnissen können eine wesentliche Relevanz für die Forschung innerhalb der Erziehungswissenschaft haben, welche sich mit der Unterrichtsplanung, der Sichtweise von Lehrkräften auf die Bildungspläne sowie den aktuellen Umgang mit der Kompetenzorientierung beschäftigt.
Lehr-und Bildungspläne gelten als Grundlage für die Planung von Unterricht im schulischen Kontext. Diese Pläne werden seit Jahrzehnten anhand verschiedener didaktischer Ansätze und Theorien ausgerichtet und haben ihren Schwerpunkt entweder auf der Vermittlung von Lernzielen, Inhalten oder seit dem Bildungsplan aus dem Jahr 2004 auf Kompetenzen. Für Lehrkräfte ist dieser Wechsel der Lehr-und Bildungspläne oftmals mit Umstrukturierungen und Umstellungen verbunden. Nicht nur an Schulen, sondern auch an Hochschulen und universitären Einrichtungen veränderte sich die Vermittlung der didaktischen Theorien, Ansichten zum Lehren und Lernen sowie zur Unterrichtskultur. Hierbei stellt sich die Frage, nach welchen Prinzipien Lehrkräfte der Sekundarstufe I in der schulischen Praxis vorgehen und an welchen Ansätzen sie sich bei der Planung von Unterricht orientieren. Ebenfalls ist interessant zu betrachten, inwieweit Lehrkräfte sich noch mit didaktischen Theorien auseinandersetzen und diese als Planungsgrundlage für den schulischen Unterricht nutzen.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
A: Theoretischer Teil
1. Die Nutzung von Lernzielen in den 1970er und 1980er Jahren
1.1 Die Einführung der Lernziele im schulischen Kontext
1.2 Die Lernzielorientierung in den Bildungsplänen der 1970er und 1980er Jahre
1.3 Korrespondierende Didaktik: Die lernzielorientierte Didaktik nach Christine Möller
1.4 Korrespondierende Didaktik: Die Curriculumstheorie nach Robinsohn
1.5 Die Nutzung von Lernzielen in der Kontroverse
2. Von der Nutzung der Lernziele zur „Inhaltsorientierung“ in den Bildungsplänen der 1990er Jahre
2.1 Einführung der „Inhaltsorientierung“
2.2 Der inhaltsorientierte Lehrplan der 1990er Jahre
2.3 Korrespondierende Didaktik: Die bildungstheoretische Didaktik nach Wolfgang Klafki
2.3.1 Unterrichtsplanung nach Klafkis Modell
2.4 Die „Inhaltsorientierung“ in der Kontroverse
3. Von der „Inhaltsorientierung“ zur Kompetenzorientierung
3.1 Der „PISA-Schock“ und seine Folgen
3.2 Die Einführung der Bildungsstandards
3.2.1 Bezugspunkte der Standards
3.2.2 Merkmale guter Bildungsstandards
3.2.3 Die Sicht der KMK
3.3 Zur aktuellen Nutzung des Begriffs „Kompetenz“
3.4 Kompetenzorientierung im schulischen Unterricht
3.5 Die Kompetenzen im aktuellen Bildungsplan aus dem Jahr 2016
3.6 Die Kompetenzorientierung in der Kontroverse
B: Empirischer Teil
4. Forschungsstand und aktuelle Befunde
5. Forschungsmethodische Entscheidungen
5.1 Zielsetzung der Studie und Forschungsfragen
5.2 Wahl des methodischen Verfahrens und Untersuchungsdesign
5.3 Theoretische Konzeption der Studie
5.4 Beschreibung der erhobenen Daten und Stichprobe
6. Datenerhebung
6.1 Methode Interview
6.1.1 Das halbstrukturierte Leitfaden-Interview
7. Verfahren der Datenaufbereitung und -auswertung
7.1 Beschreibung der Ergebnisse und interpretative Einordnung
7.2 Diskussion der Ergebnisse
8. Schlussbemerkungen
9. Literaturverzeichnis
10. Anhang
10.1 Anhang 1: Transkripte der Interviews
10.2 Anhang 2: Interviewleitfaden:
10.3 Anhang 3: Codeliste „Inwiefern orientieren sich Lehrkräfte im Fach Geschichte bei der Planung von Unterricht an Lernzielen, Inhalten und Kompetenzen
10.4 Anhang 4: Tabellen mit jeweiligen Codierungen der Transkripte
10.5 Anhang 5: Zusammenfassungen der einzelnen Kategorien
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht, nach welchen didaktischen Prinzipien Lehrkräfte der Sekundarstufe I im Fach Geschichte ihren Unterricht planen. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit Lernziele, fachliche Inhalte oder Kompetenzen als Planungsgrundlage dienen und wie sich der Wandel von den Lehrplänen der 1970er und 1980er Jahre bis hin zum kompetenzorientierten Bildungsplan von 2016 in der schulischen Praxis widerspiegelt.
- Didaktische Konzepte (Lernzielorientierung, Inhaltsorientierung, Kompetenzorientierung)
- Wandel der Lehr- und Bildungspläne
- Unterrichtsplanung in der Praxis im Fach Geschichte
- Wahrnehmung und Umsetzung von Bildungsstandards
- Qualitative Untersuchung mittels Lehrerinterviews
Auszug aus dem Buch
1.3 Korrespondierende Didaktik: Die lernzielorientierte Didaktik nach Christine Möller
Zunächst sollte innerhalb dieses didaktischen Ansatzes geklärt werden, was Christine Möller unter einem Curriculum versteht. Sie definiert das Curriculum als einen Plan für den Ablauf sowie den Aufbau einer Unterrichtseinheit, welcher Aussagen über die Organisation, die Kontrolle sowie die Ziele des Lernens gibt. Das Curriculum soll hierbei sowohl Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern helfen, eine optimale Realisierung von Lernsituationen zu ermöglichen (vgl. Möller 1999).
In ihrem Aufsatz zur curricularen Didaktik gibt Möller (1980) zudem Aufschluss darüber, was sie unter der curricularen Didaktik sowie deren Notwendigkeit für das Unterrichten in der Schule versteht. So beschreibt sie die Tatsache, dass es kein „curriculares Didaktikmodell“ (vgl. Möller 1999) an sich gibt, sondern sich ein Curriculum vielmehr an verschiedenen didaktischen Positionen orientieren kann. Hierbei gibt sie als Beispiele das Berliner Modell (vgl. Buer 1975), das kybernetische Modell (vgl. Frank 1975 ) sowie den Strukturgitteransatz (vgl. Thoma 1975) an. Möller plädiert daher für den Ausdruck „lernzielorientierter Ansatz“ (vgl. Möller 1980, S.164).
Doch warum hat sich Christine Möller für diesen Ausdruck entschieden? Und was leistet der lernzielorientierte Didaktikansatz? Möller (1999) grenzt ihren Ansatz dahingehend von anderen didaktischen Modellen ab, welche zwar auch Ziele für den Unterricht mit aufnehmen, jedoch diese als etwas Vorgegebenes angesehen werden, welche von einer außenstehenden Institution oder Instanz bereits entwickelt wurden. Für Christine Möller sollte der Prozess der Zielerstellung in den Aufgabenbereich der Curriculumsentwicklung als bedeutender Bestandteil mitaufgenommen werden (vgl. ebd. S. 76). Weiterhin ist für sie von großer Bedeutung, dass das Curriculum als „handhabbares Instrumentarium für den Zielerstellungsprozeß“ (Möller 1980, S. 164) gilt, sodass eindeutige Zielbeschreibungen vorgenommen werden können. Voraussetzung hierfür ist jedoch auch, dass die Lehrkraft das Verhalten der Lerner sowie den Inhalt des Lerngegenstands und das geäußerte Verhalten klar bestimmen kann (vgl. ebd.). Für Möller gelten zudem die präzisen Zielformulierungen als wesentliche Voraussetzungen für eine effektive Wahl an geeigneten Unterrichtsmethoden. Als besonders hervorzuheben gilt die Tatsache, dass Möller (1980) den Erfolg des Lehrens und Lernens sowie des erstellten Curriculums auf die Ziele zurückführt beziehungsweise diese den Lernerfolg wirkungsvoll überprüfen können.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Arbeit erläutert die Problematik der Unterrichtsplanung im Fach Geschichte zwischen Lernzielen, Inhalten und Kompetenzen.
A: Theoretischer Teil: Detaillierte Darstellung der didaktischen Entwicklung von der Lernzielorientierung über die Inhaltsorientierung hin zur heutigen Kompetenzorientierung.
1. Die Nutzung von Lernzielen in den 1970er und 1980er Jahren: Fokus auf Operationalisierung, Messbarkeit und die didaktischen Modelle von Möller und Robinsohn.
2. Von der Nutzung der Lernziele zur „Inhaltsorientierung“ in den Bildungsplänen der 1990er Jahre: Analyse des Übergangs zu Klafkis bildungstheoretischer Didaktik und der inhaltlichen Ausrichtung.
3. Von der „Inhaltsorientierung“ zur Kompetenzorientierung: Aufarbeitung der PISA-Debatte und der Einführung von Bildungsstandards.
B: Empirischer Teil: Beschreibung der qualitativen Interviewstudie mit Lehrkräften der Sekundarstufe I.
4. Forschungsstand und aktuelle Befunde: Überblick über existierende empirische Studien zur Unterrichtsplanung.
5. Forschungsmethodische Entscheidungen: Darstellung des qualitativen Untersuchungsdesigns und der Stichprobe.
6. Datenerhebung: Erläuterung des halbstrukturierten Leitfaden-Interviews als Erhebungsinstrument.
7. Verfahren der Datenaufbereitung und -auswertung: Beschreibung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und der Kategorienbildung.
8. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf künftige Forschung.
9. Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen.
10. Anhang: Enthält Transkripte, Leitfaden und Codelisten der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Unterrichtsplanung, Fach Geschichte, Lernzielorientierung, Inhaltsorientierung, Kompetenzorientierung, Didaktik, Bildungsstandards, Christine Möller, Wolfgang Klafki, PISA, Lehrpläne, qualitative Inhaltsanalyse, Lehrerprofessionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert, an welchen didaktischen Prinzipien und Vorgaben sich Lehrkräfte im Fach Geschichte bei der Unterrichtsplanung orientieren.
Welche Themenfelder sind zentral?
Die historischen Entwicklungslinien didaktischer Modelle, der Wandel von Lernzielen zu Kompetenzen und die aktuelle Praxis der Unterrichtsplanung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll empirisch ermittelt werden, welche didaktischen Ansätze (Lernziel-, Inhalts- oder Kompetenzorientierung) Lehrkräfte in der aktuellen Praxis tatsächlich nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, basierend auf halbstrukturierten Leitfaden-Interviews mit sechs Lehrkräften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Theorieteil zur didaktischen Entwicklung und einen empirischen Teil, der die Interviews auswertet.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Unterrichtsplanung, Kompetenzorientierung, Lehrpläne, Lernziele, Bildungsstandards.
Wie gehen Lehrkräfte mit den verschiedenen Bildungsplänen um?
Die Untersuchung zeigt, dass Lehrkräfte oft eine Kombination aus verschiedenen Konzepten nutzen und sich stark an Schulbüchern als Planungshilfe orientieren.
Welche Rolle spielt die Erfahrung der Lehrkräfte?
Ältere Lehrkräfte neigen stärker zu Inhalts- und Lernzielorientierung, während jüngere Lehrkräfte stärker kompetenzorientiert ausgebildet wurden.
- Citation du texte
- Maximilian Leitzig (Auteur), 2020, Inwiefern orientieren sich Lehrkräfte im Fach Geschichte bei der Planung von Unterricht an Lernzielen, Inhalten und Kompetenzen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975649