Die Naturgefahren Indiens. Ein Überblick über Auslöser ausgewählter Naturgefahren und -katastrophen


Seminararbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Naturgefahren

3 Überschwemmungen
Mumbai 2005

4 Zyklone
Odisha 2013

5 Erdbeben
Gujarat 2001

6 Katastrophenmanagement

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Die erstaunliche Vielfalt Indiens spiegelt sich nicht nur in den zahlreichen Sprachen, Religionen und Lebensstilen des Landes wider, sondern auch in seinen einzigartigen klimatischen Bedingungen und den daraus resultierenden Naturräumen. Die Gefahren, die die Natur Indiens birgt, sind aufgrund dieser Faktoren, verbunden mit der extrem großen Fläche des Landes, ebenso vielfältig.

Am Anfang einer jeden Naturgefahr steht immer das eigentliche, natürliche Ereignis, welches exogenen oder endogenen Ursprung haben kann. Wenn dieses Ereignis im Stande ist, potentiellen Schaden anzurichten, spricht man von einer Naturgefahr. Um eine Naturkatastrophe handelt es sich erst dann, wenn eine Gefahr eingetreten ist und erhebliche Schäden mit sich gezogen hat, die von den Betroffenen nicht ohne Hilfe von außen bewältigt werden können (Hohmann et al. 2003: 15). Naturkatastrophen können sich außerdem in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wiederholen (Thattai & Kumar 2017: 1). Der Begriff des Risikos und die damit verbundene Risikobewertung und -analyse spielen eine zentrale Rolle hinsichtlich der Einschätzung der Stärke und des Ausmaßes von Naturkatastrophen.

Aus Indiens Lage am arabischen Meer im Westen und dem Golf von Bengalen im Osten sowie den vielseitigen Einflüssen der großen Gebirgszüge, der verzweigten Flusssysteme und des Monsuns resultieren Naturgefahren, die das ganze Land betreffen.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Einblick in die vielfältigen Auslöser ausgewählter Naturgefahren und -katastrophen zu gewähren und der Frage nachzugehen, inwiefern Indiens Gesellschaft und Regierung in der Lage sind, mit diesen Gefahren und deren potentiellen Folgen umzugehen. Im ersten Kapitel wird zunächst ein Überblick über die häufigsten Naturgefahren Indiens gegeben. Im Hauptteil wird dann genauer auf Überschwemmungen, Zyklone und Erdbeben eingegangen, deren Folgen und anschließende Maßnahmen anhand ausgewählter Beispiele aufgezeigt werden. Im Fokus des sechsten Kapitels steht das Katastrophenmanagement Indiens. Ein Fazit und ein kurzer Ausblick auf mögliche Lösungsansätze beschließen die Arbeit.

2 Naturgefahren

Eine Verallgemeinerung der Naturgefahren ist aufgrund der enormen Landfläche mit seinen verschiedenen Naturräumen kaum möglich. 59% von Indiens Landmasse sind anfällig für Erdbeben, 12% für Überflutungen, 89% der kultivierbaren Fläche sind von Dürren gefährdet und 79% der Küsten Indiens sind der Gefahr von Zyklonen und Tsunamis ausgesetzt. Darüber hinaus haben die Erdbeben und Überschwemmungen häufig Bergrutsche und -stürze sowie Lawinen zur Folge (Thattai & Kumar 2017: 2). Nichtsdestotrotz kommen Erdbeben nicht so häufig vor wie Überschwemmungen, Dürren oder Zyklone. Vor allem Überschwemmungen haben in den letzten Jahren zugenommen und treten in größeren Städten sogar jährlich auf (Thattai & Kumar 2017: 3) (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Naturgefahren Indiens

3 Überschwemmungen

Der indische Subkontinent befindet sich im Herzen des Monsungürtels und erhält 75% seines jährlichen Niederschlags während der Monsunmonate von Juni bis September (Dhar & Nandargi 2003: 1). Durch die starken Regenfälle herrscht eine stetige Überschwemmungsgefahr der circa 120 großen und mittelgroßen Flüsse, die das ganze Land durchqueren (Dhar & Nandargi 2003: 4). Die fünf Flusssysteme, die am stärksten gefährdet sind, sind das Brahmaputa Flusssystem, das Ganga Flusssystem, das Nordwest Flusssystem und das Zentralindien und Dekkan Flusssystem (Dhar & Nandargi 2003: 5). Der Monsunregen an sich ist jedoch nicht allein für die hohe Überschwemmungsgefahr verantwortlich. Vielmehr treten Überschwemmungen erst dann auf, wenn ungewöhnlich viel Regen konzentriert über bestimmten Orten fällt und schlimmstenfalls noch mit starken Stürmen verbunden ist (Dhar & Nandargi 2003: 7). Der Großteil der Überschwemmungsursachen ist außerdem auf das rücksichtslose Verhalten des Menschen zurückzuführen. Die Vegetation an den Oberläufen von Flüssen wird zerstört, wodurch das Wasser keine Möglichkeit hat zu versickern und an der Oberfläche abläuft. Aufgrund des vermehrten Abflusses kommt es vor allem an Berghängen zu einer ausgedehnten Rinnen- und Flächenerosion, was in der Verschlammung von Flussbetten und der Verringerung der Transportkapazität der Flüsse resultiert (Dhar & Nandargi 2003: 10). Ferner tragen landwirtschaftliche Aktivitäten wie zum Beispiel Brandrodung oder Wanderfeldbau zur weiteren Erosion bei. Ferner schränken das Errichten von Dämmen und Brücken den freien Flusslauf ein oder unterbinden ihn sogar ganz (Dhar & Nandargi 2003: 4). Die Degradierung der Bodenbeschaffenheit und die Veränderung der natürlichen Flussläufe durch den Menschen und die damit verbundene Verhinderung der Entwässerung der enormen Wassermengen bei Starkregenereignissen sind folglich die Hauptauslöser für die häufigen Überschwemmungen.

Generell können zwei Arten von Überschwemmungen unterschieden werden. Am weitesten verbreitet sind die sogenannten Single Event Floods (Dhar & Nandargi 2003: 11). Diese werden durch großflächige, starke Regenfälle von einer Dauer von circa zwei bis drei Tagen über Einzugsgebieten von Flüssen verursacht (ebd.). Flash Floods hingegen sind mit starkem, jedoch kurzzeitigen Regenfall und Stürmen über einen Gebiet, oft im Bergland, verbunden (ebd.). Sie verursachen einen Wasserpegelanstieg lokaler Ströme und Bäche und haben häufig die Zerstörung von Brücken, Straßen, Gebäuden und Ernten zur Folge (ebd.). Doch nicht nur starker Regenfall kann Überschwemmungen auslösen. Küstenüberschwemmungen werden durch starke Stürme in Küstennähe, verbunden mit zyklonischer Aktivität verursacht (Dhar & Nandargi 2017: 12). An Indiens Ostküste, wo die Flüsse in den Golf von Bengalen münden, kommt es daher häufig zu Überschwemmungen des Deltas (ebd.). Außerdem können Überschwemmungen durch Dammbrüche oder Schnee- und Eisschmelze, vor allem im Himalaya, hervorgerufen werden (ebd.).

Mumbai 2005

Mumbai ist mit seinen 18,41 Millionen Einwohnern (Stand 2011) die größte Stadt Indiens. Die Mehrheit der Bevölkerung, 55-60%, lebt in Slums, die circa 33% Mumbais Fläche einnehmen (Patankar 2011: 5). Die Stadt liegt an der westlichen Küste Indiens am arabischen Meer (Ranger et al. 2001: 142). Große Teile liegen gerade so über, oder sogar knapp unter dem Gezeitenhochwasserstand (ebd.). Der Grund hierfür ist, dass Mumbai ursprünglich aus sieben Inseln bestand, die während der britischen Kolonialherrschaft ab 1661 verbunden wurden und das heutige Stadtzentrum bilden (Butsch et al. 2016: 103). Mumbai ist aufgrund seiner geographischen Lage am arabischen Meer, seiner niedrigen Höhe und des starken Einflusses des Süd-West Monsuns extrem anfällig für Überschwemmungen und Überflutungen (Patankar 2011: 5).

Im Juli 2005 ereignete sich die schlimmste Überschwemmung Mumbais Geschichte, die die Stadt selbst, aber auch große Teile des Staates Maharashtras traf und einen geschätzten Schaden von 1,7 Billionen US Dollar verursachte (Ranger et al. 2011: 141). Diese Überschwemmungen sind jedoch nicht allein durch den Monsunregenfall ausgelöst worden, sondern durch ein Extremwetterereignis mit unaufhörlichem, großflächigen Regen (Bhagat 2006: 338). Dieser entstand dadurch, dass starker, feuchter Wund vom arabischen Meer auf das Festland zuwehte. Die Westghats stellten ein Hindernis dar, das den Wind nach Norden lenkte und zum Aufstieg zwang, was in bis zu 15km hohen Wolkentürmen resultierte (Bhagat 2006: 338). Der Regen fiel extrem lokalisiert über Mumbai und der näheren Umgebung (siehe Abb. 2). Normalerweise fallen in Mumbai im gesamten Juli 946 mm Regen (Bhagat 2006: 338). Am 26. Juli jedoch, fiel diese Menge bereits innerhalb von 24 Stunden (ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Regenverteilung Mumbai & Maharashtra

Da die enormen Wassermassen den öffentlichen Verkehr lahmlegten, war das Stadtzentrum im Süden Mumbais mit seinen 2 Millionen Einwohnern vom Festland abgeschnitten (Government of Maharashtra 2006: 15). Insgesamt waren sogar 2,5 Millionen Menschen von der Überschwemmung eingeschlossen (ebd.). Des Weiteren war auch der regionale Transport und damit die Bewegung von Mensch, Gütern und Notfallversorgung tagelang komplett stillgelegt (Beresford & O’Hare 2012: 40). 450 Menschen sind durch die Fluten, Erdrutsche, das Einstürzen von Gebäuden und Stromschläge, vor allem in Slums, ums Leben gekommen (Government of Maharastra 2006: 247).

Die Hauptauslöser für diese Katastrophe sind vielseitig, jedoch alle anthropogen. Zum einen trug die massive Degradierung der Natur dazu bei (Butsch et al. 2016: 103). Die Mangrovenwälder vor Mumbai, die als natürlicher Schutz vor Überschwemmungen fungierten, indem sie überschüssiges Wasser regelrecht aufsogen, wurden größtenteils zerstört (ebd.). Außerdem gibt es vielerorts keine Kontrollen bezüglich der Landnutzung und Baustandards werden nicht eingehalten (ebd.). Häufig werden Gebäude unwissentlich in Überschwemmungsgebieten oder auf Flussbetten gebaut (ebd.). Ein weiteres Problem ist, dass in der Stadt kaum natürliche Systeme aus Bächen oder Flüssen existieren (ebd.). Stattdessen gibt es ein verzweigtes, künstlich angelegtes System aus Kanälen, das vor Jahrhunderten von den Briten erbaut worden ist (ebd.). Mumbai besitzt also ein extrem kompliziertes Netzwerk aus Kanalisation, Flüssen, Bächen und Tümpeln, das direkt ins Meer mündet (Ranger et al. 2011: 142). Bei Hochwasser jedoch, dringt das Meerwasser in dieses System ein und verhindert das Ablaufen des überschüssigen Wassers (ebd.). Grundsätzlich sind die Abwassersysteme Mumbais nicht fähig, mit großen Mengen an Regenwasser umzugehen (Ranger et al. 2011: 142). Mit der voranschreitenden Urbanisierung ohne eine sinnvolle Planung der Abwassersysteme wird das Überschwemmungsrisiko in Zukunft immer größer werden (ebd.). Ein weiteres Problem Mumbais ist die unzureichende Abfallwirtschaft (Butsch et al. 2016: 103). Jeglicher Müll wird in den Gewässern entsorgt, was das ohnehin schon minderwertige Entwässerungssystem zusätzlich blockiert (ebd.). Vor allem der Mithi-Fluss, der eigentlich für den natürlichen Abfluss Mumbais sorgen soll, ist besonders stark von der Verschmutzung betroffen und besitzt daher stellenweise kaum noch Transportkapazität (Bhagat et al. 2006: 338). Darüber hinaus resultieren die unzureichende Entwässerung kombiniert mit den unhygienischen Lebensverhältnissen und der mangelhaften Abfallwirtschaft in der Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten. Das kontaminierte Wasser stagnierte 2005 auch noch Tage nach dem Starkregen und Krankheiten wurden erzeugt, die 248 weiteren Menschen das Leben kosteten (Butsch et al. 2016: 103). Jedes Jahr, wenn der Monsun Gebiete überflutet treten genau dort vermehrt Fälle von Malaria, Gelbsucht und anderen Krankheiten auf (Patankar 2015: 18). Nach der Katastrophe 2005 wurde eine Debatte über die Planung und Entwicklung Mumbais Zukunft mit Hinblick auf mögliche bevorstehende Naturkatastrophen losgetreten (Bhagat et al. 2006: 337).

Bezüglich der Katastrophenvorbereitung und -bewältigung war Mumbais größtes Problem das nicht-existente Warnsystem (Patankar, 2015: 21). Die einzige Möglichkeit für eine frühzeitige Warnung bestand über die Gesellschaft, das Radio und das Fernsehen, wobei über 90% der städtischen Bevölkerung Mumbais nicht einmal eine Schutzmöglichkeit hatte (ebd.). Nach der Katastrophe gab es staatliche Hilfe in der Stadt, die jedoch nicht alle Bevölkerungsschichten in gleichem Maße erreichte. Vor allem die ärmere Bevölkerung hatte Probleme wieder zur Normalität zurückzukehren, da der Schaden um ein vielfaches höher war, als ihre gesamten Ersparnisse und sie es nicht leisten können, aus den gefährdeten Gebieten wegzuziehen (Patankar 2015: 19).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Naturgefahren Indiens. Ein Überblick über Auslöser ausgewählter Naturgefahren und -katastrophen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Geographisches Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V976080
ISBN (eBook)
9783346327246
Sprache
Deutsch
Schlagworte
naturgefahren, indiens, überblick, auslöser
Arbeit zitieren
Jasmin Haddad (Autor), 2020, Die Naturgefahren Indiens. Ein Überblick über Auslöser ausgewählter Naturgefahren und -katastrophen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976080

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