Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob die Inflationserwartung als politisches Instrument genutzt werden kann. Hierfür werden zunächst die möglichen Einflüsse auf die Inflationserwartung erläutert. Danach werden mögliche Messmethoden und Umfragedesigns behandelt, welche essenziell für die Auswertung der Problematik sind. Im Anschluss werden Lösungsansätze diskutiert, welche den Einsatz der Beeinflussung der Inflationserwartung möglich machen und verbessern können. Sodann wird die Problematik im darauffolgenden Kapitel in den wissenschaftlichen Gesamtkontext eingeordnet und kritisch hinterfragt.
Mit der Einführung der Nullzinspolitik wurden die politischen Entscheidungsträger im Hinblick auf die Geldpolitik vor eine Herausforderung gestellt. In der konventionellen Geldpolitik konnte eine Wirkung auf die Wirtschaftsakteure ausgeübt werden, indem der Nominalzins verändert wurde. Der daraus resultierende Realzins hat einen erheblichen Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Situation und beeinflusst beispielsweise die Konsumenten in ihren Konsumentscheidungen. Da sich der Nominalzins in der heutigen Zeit nahe der Nullgrenze befindet (Zero Lower Bound), verschwindet diese Möglichkeit der Beeinflussung des Nominalzinses fast gänzlich.
Mit der Inflationserwartung spielt ein weiterer Faktor in die Bildung des Realzinses ein, wodurch Politiker eine Alternative haben, die Entscheidungen der Wirtschaftsakteure in die intendierte Richtung lenken zu können. Da die bisherige Inflationsrate in der Vergangenheit relativ konstant gehalten wurde, existieren wenige Arbeiten, die den Zusammenhang zwischen Inflationserwartungen und daraus resultierenden wirtschaftlichen Entscheidungen aufzeigen. Um die Veränderung in den Erwartungen der Wirtschaftsakteure als politisches Instrument zu benutzen, muss zuallererst erforscht werden, auf welche Weise sich jene auswirken.
Aus diesem Grund zeigen Coibon et al., was nötig ist, um die Auswirkungen der Inflationserwartungen in den verschiedenen wirtschaftlichen Bereichen zu messen. Dazu haben sie, unter Zuhilfenahme anderer Arbeiten, Thesen aufgestellt, welche den Einfluss der Inflationserwartungen als politisches Instrument ermöglichen und verbessern sollen. Es gilt demnach herauszustellen, ob die Beeinflussung von Inflationserwartungen als politisches Instrument genutzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inflationserwartungen als politisches Instrument
2.1 Einflüsse
2.2 Messmethoden
2.3 Lösungsansätze
3. Forschungsstand Inflationserwartungen
3.1 Ergebnisse
3.2 Kritik
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die Eignung der Beeinflussung von Inflationserwartungen als alternatives geldpolitisches Instrument zu untersuchen, insbesondere vor dem Hintergrund der durch die Nullzinspolitik eingeschränkten Steuerungsmöglichkeiten über den Nominalzins.
- Analyse der Einflussfaktoren auf die Bildung von Inflationserwartungen bei Haushalten und Unternehmen.
- Untersuchung geeigneter Messmethoden und Umfragedesigns für Inflationserwartungen.
- Evaluation von Strategien zur gezielten Kommunikation geldpolitischer Ziele.
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit und potenzieller Risiken, wie Glaubwürdigkeitsverlust der Zentralbanken.
Auszug aus dem Buch
2. Inflationserwartungen als politisches Instrument
Die Inflationserwartung als Variable ist für die Entscheidungsbildung verschiedener wirtschaftlicher Akteure von Bedeutung. Das Hauptaugenmerk liegt in der zugrunde liegenden Arbeit auf den Gruppen der Konsumenten und Firmen, da der Einfluss auf die Inflationserwartungen bei diesen eine hohe Auswirkung haben kann, wie sich im weiteren Verlauf dieser Arbeit zeigen wird. Bei den Konsumenten wirkt sie, wie mit der Euler-Gleichung bewiesen, mit in die Konsum- und Sparentscheidungen ein, wodurch die politischen Entscheidungsträger in der Geldpolitik ein großes Interesse daran haben könnten, die Erwartungen zu beeinflussen (vgl. Coibon et al. 2020: 7). Im Firmensektor hat die Inflationserwartung und der damit einhergehende Realzins einen Einfluss auf die Preissetzung und das Beschäftigungsniveau.
Des Weiteren sind auch die Teilnehmer der Finanzmärkte und professionellen Prognostiker für die Beleuchtung der Thematik von Relevanz. Sie bilden einen Referenzwert für die Auswirkungen möglicher Maßnahmen, da sie grundsätzlich mehr Bezug zu den geldpolitischen Geschehnissen haben und dadurch tendenziell zutreffendere Erwartungen haben. Zum besseren Verständnis der Auswirkungen hinsichtlich einer Veränderung in der Inflationserwartung, ist eine Betrachtung der unterschiedlichen Einflüsse auf die Entstehung sinnvoll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik ein, dass die konventionelle Geldpolitik bei Nullzinsen an ihre Grenzen stößt, und stellt die Inflationserwartung als mögliches alternatives Steuerungsinstrument vor.
2. Inflationserwartungen als politisches Instrument: Dieses Kapitel analysiert Faktoren, die Inflationserwartungen beeinflussen, diskutiert methodische Herausforderungen bei deren Messung und erörtert Ansätze für eine effektivere geldpolitische Kommunikation.
3. Forschungsstand Inflationserwartungen: Es werden empirische Ergebnisse aus bestehenden Studien zusammengetragen und kritisch hinsichtlich der Praktikabilität einer gezielten Beeinflussung durch die Geldpolitik hinterfragt.
4. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine gezielte Beeinflussung von Inflationserwartungen zwar theoretisch möglich, aber aufgrund der derzeitigen Datenlage und potenzieller Risiken in der nahen Zukunft als verfrüht zu bewerten ist.
Schlüsselwörter
Inflationserwartungen, Geldpolitik, Nullzinspolitik, Realzins, Wirtschaftsakteure, Zentralbank, Inflationsziel, Forward Guidance, Erwartungsbildung, Umfragedesign, Kommunikation, Glaubwürdigkeit, Prognose, Konsumverhalten, Fiskalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen als politisches Instrument der Geldpolitik genutzt werden können, um wirtschaftliche Entscheidungen in einer Zeit von Niedrigzinsen zu beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Einflussfaktoren auf die Inflationserwartungen, methodische Aspekte ihrer Messung, die Wirksamkeit geldpolitischer Kommunikation sowie die kritische Reflexion über die Durchführbarkeit dieser Strategie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Tauglichkeit der Beeinflussung von Inflationserwartungen als geldpolitisches Steuerungsinstrument kritisch zu prüfen und herauszustellen, ob eine Implementierung zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der existierende Arbeitspapiere und empirische Studien, wie beispielsweise von Coibon et al., ausgewertet, verglichen und kritisch interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Einflüssen auf die Erwartungsbildung, die Diskussion geeigneter Messmethoden für Umfragedesigns sowie die Analyse des aktuellen Forschungsstandes zur Wirksamkeit der Beeinflussung durch Zentralbankankündigungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Inflationserwartungen, Geldpolitik, Forward Guidance, Zentralbankglaubwürdigkeit und die Erwartungsbildung von Konsumenten und Firmen.
Welche Rolle spielt die Forward Guidance laut der Arbeit?
Forward Guidance wird als ein Instrument diskutiert, mit dem Zentralbanken Informationen zur Beeinflussung von Erwartungen an Finanzmärkte und Akteure vermitteln können, wobei die Arbeit einschränkend feststellt, dass der Effekt auf Haushalte begrenzt sein kann.
Welche Risiken ergeben sich bei der Kommunikation der Zentralbanken?
Die Arbeit weist auf Risiken wie den Glaubwürdigkeitsverlust bei mehrschichtiger Kommunikation, die Gefahr der Verbreitung von Informationen, die als "Fake news" missverstanden werden, und potenzielle kontraproduktive Wirkungen bei pessimistischer Reaktion der Akteure hin.
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- Matteo Henrizi (Autor), 2020, Inflationserwartungen als politisches Instrument. Einflüsse, Messmethoden und Lösungsansätze, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978199