Pädagogische Hilfestellung für Jugendliche mit Sozialer Phobie


Hausarbeit, 2020

8 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung
2.1 Soziale Phobie als psychische Störung
2.2 Klassifizierung
2.3 Erscheinungsbild und Symptome

3 Pädagogische Hilfestellung

4 Resümee

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

1 Einleitung

Wir leben in einer Welt, in der wir oft und überall Menschen treffen, auf Menschen angewiesen sind und ohne soziale Kontakte nur bedingt leben können. Wenn sich jemand in einer neuen Umgebung sein neues Heim errichtet, beginnt er aus einem intrinsischen Antrieb neue soziale Kontakte zu suchen und zu knüpfen. Menschen sind soziale Wesen, die zum Überleben andere Individuen brauchen. Hierfür wird das soziale Miteinander aktiv gesucht, um die Grundbedürfnisse nach Kommunikation, Interaktion, gegenseitiger Unterstützung und Liebe zu befriedigen. Schaut man explizit auf Kinder und Jugendliche so ist es bekannt, dass das Bedürfnis nach sozialen Kontakten unabkömmlich und essenziell für ihre Entwicklung ist, da sie wegen ihrer Vulnerabilität Erwachsene bedürfen sowie durch und mit ihnen Entwicklungsaufgaben zu bewältigen haben. Außerdem ist der Kontakt zu den Peergroups, auf dem Weg zum Erwachsenwerden, einer der wichtigsten Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung. Doch es gibt Jugendliche, denen die Kontaktaufnahme und das soziale Miteinander schwerfällt. So reicht schon ein kurzer Gedanke über die bevorstehende Einzel- oder Gruppeninteraktion mit fremden Menschen, um in panische Angst zu verfallen. Doch wieso haben Jugendliche diese Angst und wie können sie unterstützt werden, um diese herausfordernde Zeit zu meistern?

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Fragen was eine Soziale Phobie ist, welche Auswirkung diese Störung auf die Kinder und Jugendliche hat und welche pädagogischen Möglichkeiten es gibt diese Angst zu nehmen bzw. zu mildern.

Im ersten Abschnitt dieser Arbeit wird zunächst der Begriff psychische Störung definiert. Anschließend eine Charakterisierung sowie Klassifizierung der sozialen Phobie und die Auswirkungen dieser Störung auf das Leben der Betroffenen beschrieben. Im zweiten Abschnitt geht die Hausarbeit auf pädagogische Hilfestellungen beim Umgang mit Jugendlichen mit diesem Erscheinungsbild. Den Schluss bildet eine Zusammenfassung über die gewonnenen Informationen sowie eine persönliche Stellungnahme zu diesem Thema.

2 Begriffsbestimmung

Der Begriff psychische Störung wird „(...) als ein Syndrom definiert, «welches durch klin. bedeutsame Störungen in den Kognitionen, der Emotionsregulation oder des Verhaltens einer Person charakterisiert ist. Diese Störungen sind Ausdruck von dysfunktionalen psychol., biol. oder entwicklungsbezogenen Prozessen, die psych. und seelischen Funktionen zugrunde liegen. Psych. St. sind typischerweise verbunden mit bedeutsamem Leiden oder Behinderung hinsichtlich sozialer oder berufs-/ausbildungsbezogener und anderer wichtiger Aktivitäten. Eine normativ erwartete und kult. anerkannte Reaktion auf übliche Stressoren oder Verlust, wie z. B. der Tod einer geliebten Person, sollte nicht als Psych. St. angesehen werden. Sozial abweichende Verhaltensweisen (z. B. politischer, religiöser und sexueller Art) und Konflikte zw. Individuum und Gesellschaft sind keine Psych. St., es sei denn, der Abweichung oder dem Konflikt liegt eine der oben genannten Dysfunktionen zugrunde.»“1

2.1 Soziale Phobie als psychische Störung

Nach dem die psychische Störung definiert wurde, wird, wie in der Einleitung bereits erwähnt, die Sozialen Phobie erläutert. Unter dieser psychischen Störung wird eine dauerhafte sowie unangemessene Angst des Betroffenen vor einer möglichen und negativen Bewertung durch andere Menschen verstanden. Zusätzlich werden diese bewertenden Situationen folgerecht vermieden oder umgangen. Darüber hinaus wird diese Furcht vor Versagen, Blamieren und Lächerlich machen mit kognitiven und physiologischen Reaktionen begleitet. Unbehandelte Soziale Phobie bildet sich selten zurück und kann Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen nach sich ziehen.2

2.2 Klassifizierung

Die Kategorisierung nach ICD 10 F 40.1 und DSM-IV 300.23 erlaubt es die Soziale Phobie zu diagnostizieren und entsprechend zu intervenieren. Dabei wurden zusätzliche Spezifikationen für Kinder und Jugendliche entwickelt, um die entwicklungsbedingte Besonderheit berücksichtigen zu können, denn viele von ihnen können kurzzeitig unter Schüchternheit oder sozialer Angst leiden. So müssen die Betroffenen über eine altersgerechte soziale Beziehung mit vertrauten Personen verfügen und die Ängste können nicht nur bei Interaktionen mit Erwachsenen sondern auch mit Gleichaltrigen auftreten. Zusätzlich muss die Person einsehen, dass die Angst übertrieben und unvernünftig ist, wobei bei Kindern dieses Merkmal fehlen kann. Außerdem muss die Phobie bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18-ten Lebensjahr mindestens halbes Jahr anhalten.3

2.3 Erscheinungsbild und Symptome

Jugendliche, die unter der Sozialen Phobie leiden, sind davon überzeugt, dass ihnen die Angst und Furcht angesehen werden kann. Die somatischen Symptome wie Erröten, Schwitzen und Zittern gefolgt von behavioralen Symptomen wie Stottern, leises Sprechen, verringerter Blickkontakt kann von jedem gesehen und gehört werden. Somit gehen die Betroffenen davon aus, dass diese Auffälligkeiten offenlegen, wie sehr sie leiden und dass andere darauf mit Geringschätzung reagieren würden. Zusätzlich verstärken kognitive Symptome wie Selbstkritik, Peinlichkeit, Fluchtgedanken und negative Bewertungen die gegenwärtige Situation. Dadurch vermeiden sie immer mehr den Blickkontakt, ziehen sich sozial zurück und kommunizieren weniger.4

Dies führt die Jugendlichen zum „Teufelskreis der Sozialen Phobie"5. Die Betroffenen mit dieser Störung stellen vor einer Interaktion eine Vorhersage, dass ihre unangemessene und unangepasste Verhaltensweise bei dem Gegenüber zur Ablehnung und negativer Bewertung führen wird. Dies steigert nicht nur das negative Selbstwertgefühl, sondern auch die Aufmerksamkeit auf das eigene Verhalten, was physiologische Veränderungen wie Schwitzen, Rot werden und Herzklopfen hervorruft. Die auftretenden Symptome werden als Beleg fürs Scheitern interpretiert und die Angst, die sich bis zu den Panikattacken steigern kann, verstärkt. Daher wird Flucht und Vermeidung der Situation als den letzten Weg angesehen und umgesetzt. Dies führt wiederum zum Stillstand beim möglichen Erwerb der Sozialkompetenzen. Bei einer neuen Situation steht der Betroffene wieder seinen negativen Gedanken gegenüber. Mögliche Ansatzpunkte den Jugendlichen zu helfen, wären das Aufzeigen der Alternativen zur Vermeidung und Flucht, Unterstützung beim Erwerb der Sozialkompetenzen sowie das Auflösen der negativen Kognition. Das darauffolgende Kapitel wird sich mit diesen Ansatzpunkten befassen und explizit auf möglichen pädagogischen Hilfestellungen eingehen, um die Betroffenen aus diesem „Teufelskreis" herauszuholen, deren Persönlichkeit zu stärken und bei der Bewältigung wichtiger Entwicklungsaufgaben zu unterstützen.6

3 Pädagogische Hilfestellung

Zur aller erst ist es wichtig, dass die Jugendlichen für das was mit ihnen passiert eine Erklärung bekommen. Sie sollten ein Verständnis dafür entwickeln was eine Soziale Phobie ist und durch welche Trigger sie ausgelöst wird. Um dies herauszufinden, kann mit den Betroffenen ein Angsttagebuch geführt werden. Hier können die erlebten Situationen der Jugendlichen und die beobachteten Situationen der Pädagogen reflektierend eingetragen werden. Das Datum sowie die Uhrzeit, die Dauer, die Beschreibung der Situation, Beginn der Angst, Stärkeskala der Angst nach einer 1 bis 10, die Angstgedanken und die Reaktion auf die Situation sollten nach jedem Auslösen sowie Beobachtung mit dem Pädagogen oder allein eingetragen und besprochen werden. Das Dokumentieren soll dabei nicht unmittelbar nach der Situation durchgeführt werden, sondern erst mehrere Stunden danach, denn erst dann sind die Jugendlichen wieder beruhigt und entspannt. Ziel der systematischen Dokumentation ist es, das Bewusstsein für die Einschränkungen und Belastungen im Leben schaffen. Darüber hinaus sollten den Betroffenen erklärt werden, dass es drei Ebenen der Angst gibt. Eine physiologische Ebene z.B. Herzklopfen, Zittern, etc., eine kognitive z.B. „Ich sehe blöd aus", Alle denken ich bin doof", etc. sowie eine Verhaltensebene z.B. Vermeidung. Diese Bereiche könne sich gegenseitig verstärken und zu Panikattacken führen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen, dem erworbenen Wissen und dem Überblick über die eigene psychische Störung ist somit der erste Schritt und die Vorbereitung fürs Erlangen der besseren Lebensqualität gemacht.78

Ein weiterer Punkt ist die Exposition. Bevor damit begonnen werden kann, wird zunächst mit den Jugendlichen sechs oder mehr Situationen ausgesucht, in denen die Klienten Angst empfinden, und diese Situationen Anhang einer Angststärkeskala einsortieren können. So kann z.B. auf der ersten Stufe das Erfragen einer Uhrzeit bei einem Passanten und auf der letzten Stufe der Skala ein Gedicht in der Wohngruppe vortragen stehen. Bei diesen Übungen sollte der Pädagoge begleitend unterstützen, um als sicherer Rückzugsort zu dienen und bei Bedarf die Betroffenen aufzufangen. Außerdem ist es wichtig langsam von einer Stufe in die nächste sich vorzutasten und mit ausreichend Zeit dazwischen die Übungen mehrmals zu wiederholen, damit das Manifestierte durchbrochen werden kann und neue Verhaltensmuster gelernt werden können. Bei erfolgreich durchgeführten Übungen sollte der Pädagoge die Unterstützung immer weiter zurückfahren, um zu vermeiden, dass die Betroffenen ihre Sicherheit nur dann erlangen, wenn die pädagogische Fachkraft dabei ist. Hilfreich ist auch, mit ausreichend Vorbereitung, die Übungen zu filmen, und anschließend mit den Jugendlichen auszuwerten. Das Filmen sollte von allen Beteiligten befürwortet, transparent und unter Datenschutz erfolgen. Dadurch kann das „reale" Verhalten der Teilnehmer aufgezeigt werden, denn das individuelle Erlebte der Betroffenen weicht vom Verhalten in den meisten Fällen ab. Somit wird mehr Sicherheit im Auftreten und im sozialen Umgang erlangt und dabei die Stärkung der Sozialkompetenzen vorangetrieben.7 8 9

[...]


1 Wirtz, Markus Antonius: Lexikon der Psychologie, Verlag: Hogrefe Verlag in Bern 2014, S. 1240

2 Vgl. Joormann, Jutta / Unnewehr, Suzan: Behandlung der Sozialen Phobie bei Kindern und Jugendlichen, Verlag: Hogrefe Verlag in Göttingen 2002, S. 9 f.

3 Vgl. Joormann 2002, S. 12 ff

4 Schmidt-Traub, Sigrun: Selbsthilfe bei Angst im Kindes- und Jugendalter, Verlag: Hogrefe Verlag in Göttingen 2010, S. 31 f.

5 Die Abbildung 1 „Teufelskreis der Sozialen Phobie" befindet sich im Anhang.

6 Vgl. Joormann 2002, S. 20 f.

7 Vgl. Schmidt-Traub 2010, S. 116 ff

8 Vgl. Joormann 2002, S. 40 ff

9 Vgl. Schmidt-Traub 2010, S. 120 ff

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Pädagogische Hilfestellung für Jugendliche mit Sozialer Phobie
Note
1
Autor
Jahr
2020
Seiten
8
Katalognummer
V978220
ISBN (eBook)
9783346335197
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pädagogische, hilfestellung, jugendliche, sozialer, phobie
Arbeit zitieren
Jakov Reigerdt (Autor), 2020, Pädagogische Hilfestellung für Jugendliche mit Sozialer Phobie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978220

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