In dieser Arbeit wird sich mit der Bedeutung und den Möglichkeiten der Durchführung von Biografiearbeit mit dementiell erkrankten Senioren in der Pflege auseinandergesetzt.
Aktuell sind bis zu 1,6 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz erkrankt, bis zum Jahr 2050 wird sich diese Zahl voraussichtlich verdoppelt haben. Grund dafür ist die demografische Entwicklung einer immer älter werdenden Gesellschaft. Aufgrund der stark anwachsenden Anzahl der Bevölkerungsgruppe dementieller Kranken ist es wichtig zu wissen, wie man Erinnerungen und das Bewusstsein für die eigene Identität so lange wie möglich bewahrt.
Im Folgenden wird sich zuerst den zentralen Begriffen "Biografie" und "Demenz" angenähert. Dann werden Methoden der Biografiearbeit aufgezeigt und auf die Erinnerungsarbeit übertragen, um die Bedeutung der Vergangenheit für Demenzkranke zu verdeutlichen. Anschließend wird auf die Ziele der Biografiearbeit in der Pflege von dementiellen Kranken eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition „Biografie(-Arbeit)“
2.1 Alltägliche Biografiearbeit
2.2 Angeleitete Biografiearbeit
3 Definition „Demenz“
4 Innere und äußere Biografie
5 Erinnerungspflege
5.1 Gesprächsorientierte Erinnerungspflege
5.1.1 Das Gespräch
5.1.2 Schlüsselwörter
5.1.3 Non-Verbale Kommunikation
5.2 Aktivitätsorientierte Erinnerungspflege
5.2.1 Das Lebensbuch als Schlüssel
5.2.2 Musik als Schlüssel
5.2.3 Objekte als Schlüssel
6 Ziele der Biografiearbeit mit dementiell erkrankten Senioren
6.1 Lebensbilanz
6.2 Lebensbewältigung
6.3 Lebensplanung
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Anwendung der Biografiearbeit in der Pflege demenziell erkrankter Menschen, um trotz des fortschreitenden Gedächtnisverlustes das Identitätsbewusstsein zu erhalten und die Lebensqualität zu fördern.
- Grundlagen der Biografiearbeit und deren Abgrenzung zur Alltagspraxis
- Kommunikationsstrategien bei Demenz, insbesondere verbal und non-verbal
- Einsatz von Schlüsselwörtern zur Aktivierung des Langzeitgedächtnisses
- Praktische Methoden wie Lebensbücher, Musik und sensorische Objekte
- Die drei zentralen Zielkategorien: Lebensbilanz, Lebensbewältigung und Lebensplanung
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Das Gespräch
Sofern der Patient bereit ist, von seinem Leben zu berichten, ist vor allem die Fähigkeit des aktiven Zuhörens wichtig.
Um Aufmerksamkeit zu zeigen und um Interesse an der Person zu signalisieren, ist der Blickkontakt von großer Bedeutung, damit der Demenzkranke „(…) über die Augen eine Situation emotional erfassen und die Haltung der Kontakt aufnehmenden Person spüren kann. Dieses „Erspüren“ (…) wird den weiteren Verlauf der Kommunikation stark beeinflussen.“ Auf diese Weise fühlt sich der Erzählende in seiner Position ernst genommen und erfährt Wertschätzung. Ein aufmunterndes Nicken oder ein Lächeln sowie Humor, d.h. Mitlachen über lustige Geschichten, können die Situation entspannen.
Der Erzählende sollte in seinem Redefluss auf keinen Fall unterbrochen werden, weil sein Kurzzeitgedächtnis den Gedanken nicht festhalten kann. Wenn er ihn nicht sofort aussprechen kann, geht er verloren.
Außerdem ist zu beachten, dass sich der Gegenüber nicht durch zu komplizierte und anspruchsvolle Themen überfordert fühlen soll. Auch bei der Sprache ist zu bedenken, dass „Wenn die kognitiven Fähigkeiten verloren gehen, (…) die Kontaktpersonen eine einfache Sprache sprechen (…)“ müssen. Kurze und inhaltlich einfache und klar strukturierte Sätze werden am ehesten verstanden und ermöglichen einen Dialog.
Wenn eine Pause entsteht oder zum Erzählen animiert werden soll, macht man dies nicht mit Fragen, die eine präzise Antwort verlangen. Denn dies kann zur Folge haben, dass der Gegenüber in Verlegenheit gebracht wird aus Angst, die „richtige“ Antwort nicht zu kennen und zu scheitern. Deshalb sind offene Fragen, die nach Meinungen und Interessen fragen sinnvoller, denn subjektive Wahrnehmungen können nicht falsch sein und garantieren Erfolg.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Biografiearbeit bei Demenz vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2 Definition „Biografie(-Arbeit)“: Das Kapitel definiert den Begriff der Biografie als Lebensbeschreibung und unterscheidet zwischen der unbewussten alltäglichen und der professionell angeleiteten Biografiearbeit.
3 Definition „Demenz“: Es erfolgt eine medizinisch-pädagogische Einordnung von Demenz als Oberbegriff für fortschreitende Gehirnerkrankungen, die das Identitätsbewusstsein und die Teilhabe am Alltag beeinflussen.
4 Innere und äußere Biografie: Hier wird die Differenzierung zwischen objektiven Lebensdaten (äußere Biografie) und deren subjektiver Bewertung (innere Biografie) als Grundlage für die Arbeit erläutert.
5 Erinnerungspflege: Dieses Kapitel stellt Methoden vor, wie die Vergangenheit als Ressource genutzt werden kann, um über eine individualisierte Ansprache Kontakt zu Demenzkranken aufzubauen.
6 Ziele der Biografiearbeit mit dementiell erkrankten Senioren: Hier werden die drei tragenden Säulen – Lebensbilanz, Lebensbewältigung und Lebensplanung – definiert, um das Wohlbefinden und die Würde im Alter zu stärken.
7 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Biografiearbeit trotz fehlender Heilungschancen durch die Aktivierung vorhandener Ressourcen eine wesentliche Unterstützung bei der Gestaltung des Lebensabends bietet.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Demenz, Erinnerungspflege, Lebensgeschichte, Kommunikation, Langzeitgedächtnis, Lebensbuch, Schlüsselwörter, Identität, Altenpflege, Sensorische Aktivierung, Lebensbilanz, Lebensbewältigung, Lebensplanung, Non-verbale Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und der Bedeutung der Biografiearbeit bei Menschen mit Demenz, um ihre Identität zu wahren und einen Zugang zu ihrer Lebensgeschichte zu erhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Biografie und Demenz, die Abgrenzung von Erinnerungspflege sowie die Implementierung spezifischer Methoden wie Musik, Lebensbücher und Gesprächsführung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Antworten auf die Forschungsfrage zu finden: Wie gelingt Erinnerungsarbeit bei Demenzkranken trotz fortschreitendem Gedächtnisverlust?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung vorhandener Fachliteratur und pädagogischer Konzepte zur Altenpflege und Geragogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Unterscheidung von innerer und äußerer Biografie, die verschiedenen Ebenen der Kommunikation (verbal/non-verbal) und diverse aktivitätsorientierte Methoden zur Erinnerungspflege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Biografiearbeit, Demenz, Erinnerungspflege, Lebensbilanz und Identitätswahrung charakterisiert.
Warum spielt die Musik bei der Biografiearbeit eine so wichtige Rolle?
Musik erreicht das Gedächtnis auf emotionaler Ebene, überbrückt Kommunikationsdefizite und kann selbst dann noch positive Reaktionen hervorrufen, wenn die verbale Sprachfähigkeit weitgehend verloren ist.
Was unterscheidet die "innere" von der "äußeren" Biografie?
Während die äußere Biografie objektive Lebensdaten und Fakten umfasst, beschreibt die innere Biografie die subjektive Wahrnehmung, Bewertung und Einordnung dieser Ereignisse durch das Individuum selbst.
- Citar trabajo
- Linda Schmoll (Autor), 2015, Biografiearbeit mit dementiell erkrankten Senioren. Wie gelingt Erinnerungsarbeit trotz fortschreitendem Vergessen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/979618