Der Einfluss von Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit und sozialer Unterstützung auf das Wohlbefinden bei Studierenden

Eine empirische Untersuchung


Bachelorarbeit, 2018

71 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Resilienz
2.1.1 Achtsamkeit
2.1.2 Soziale Unterstützung
2.1.3 Selbstwirksamkeit
2.2 Wohlbefinden
2.3 Aktueller Forschungsstand und Forschungsfrage

3 Methode
3.1 Hypothesen
3.2 Stichprobenbeschreibung
3.3 Untersuchungsdesign
3.4 Operationalisierung
3.4.1 Achtsamkeit
3.4.2 Soziale Unterstützung
3.4.3 Selbstwirksamkeit
3.4.4 Wohlbefinden
3.5 Durchführung
3.5.1 Generierung der Stichprobe und Datenerhebung
3.5.2 Angewandte statistische Verfahren

4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Ergebnisse
4.2 Hypothesenprüfung
4.2.1 Einfluss der Subkonstrukte von Resilienz auf das Wohlbefinden

5 Diskussion
5.1 Zusammenfassung und inhaltliche Einordnung
5.2 Kritische Würdigung
5.3 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abstract

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den Einfluss dreier Subkonstrukte von Resilienz, im Genaueren Achtsamkeit, sozialer Unterstützung und Selbstwirksamkeit, auf das Wohlbefinden bei Studierenden zu untersuchen. Hierfür wurden mittels eines Online-Fragebogens Daten von insgesamt 124 Studenten gesammelt. Die Stichprobe setzt sich aus 66 männlichen und 58 weiblichen Versuchspersonen mit einem Durchschnittsalter von 23.43 Jahren zusammen. Die erhobenen Daten wurden sowohl über das Statistikprogramm IBM SPSS Statiscs Version 23.0.0.3 mittels einfacher und multipler Regressionsanalyse, als auch durch zwei andere vergleichende Verfahren analysiert. Es zeigten sich für die Prädiktoren Achtsamkeit (R 2 = .59), soziale Unterstützung (R 2 = .52) und Selbstwirksamkeit (R 2 = .62) jeweils hohe Effekte auf das Wohlbefinden der Studierenden. Eine weitere Analyse, ob sich die drei Prädiktoren in ihrem Einfluss auf das Wohlbefinden der Studierenden voneinander unterscheiden ergab, dass lediglich zwischen Selbstwirksamkeit und sozialer Unterstützung ein statistisch signifikanter Unterschied vorliegt (p = .06). In weiterführenden Untersuchungen sollten die untersuchten Konstrukte differenzierter betrachtet werden und mögliche Mediatoreffekte sowohl zwischen den Konstrukten und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, als auch zwischen den untersuchten Konstrukten selbst, beachtet werden.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Kennwerte der Regressionsanalyse

Tabelle 2. Kennwerte zur zweiten Hypothesenprüfung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Psychologie als großes wissenschaftliches Feld setzt sich mit unterschiedlichsten Themen auseinander, weshalb sie in verschiedene Gebiete aufgeteilt ist. Einige wichtige Bereiche, wie beispielsweise die Klinische Psychologie, konzentrieren sich darauf negative Zustände der menschlichen Psyche, wie psychische Krankheiten oder mangelnde Stressbewältigung, zu neutralisieren. In den letzten Jahrzehnten hat sich laut Duckworth, Steen und Seligman (2005) aus der Humanistischen Psychologie die Positive Psychologie entwickelt, welche eine neue und wichtige Sichtweise bietet. Sie beschäftigt sich mit den positiven menschlichen Eigenschaften und versucht Methoden zu vermitteln, durch die man zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben gelangt (Blickhahn, 2015). Seligman ist einer der Vorreiter der Positiven Psychologie, er ist seit Jahrzehnten bemüht diesen Forschungsbereich voranzutreiben und beschreibt sie als wissenschaftliche Erforschung verschiedener Konstrukte wie Stärke, optimales Funktionieren und Wohlbefinden (Duckworth, Ste49en & Seligman, 2005). Obwohl die Positive Psychologie erst in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat, gab es schon früher Theorien und Ansätze die man zu dem heutigen Bereich der Positiven Psychologie zählen kann. Rogers und Maslow führten bereits Anfang der 1960er Jahre das Konzept der Selbstaktualisierung ein, welche das grundlegende Motiv für Leistung, optimale Nutzung der eigenen Ressourcen und somit positiver Entwicklung des Selbst sei (Rogers, 1981). Jahodas (1958) Buch Current Concepts of Positive Mental Health stellt psychologisches Wohlbefinden als erstrebenswertes Ziel eines jeden Menschen dar. Im gleichen Jahrzehnt veröffentlichte Banudra (1989) seine Theorie zur Selbstwirksamkeit, auf welche im Folgenden weiter eingegangen wird. Allgemein sieht sich die Positive Psychologie als selbstständiger wissenschaftlicher Zweig, der aber eher eine Erweiterung und nicht ein Gegensatz zu anderen Richtungen, wie der Klinischen Psychologie sei (Brunnhuber, 2010). In der Positiven Psychologie ist man also darum bemüht, dass der Mensch sich trotz schwieriger Umstände positiv entwickelt und ein gutes Wohlbefinden aufbaut. Dieser Prozess der gesunden Entwicklung trotz großer Belastungen gelingt durch die Fähigkeit der Resilienz (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2015). Resilienz ist die Fähigkeit „erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und negativen Stressfolgen“ (Wustmann 2004, S. 18) umgehen zu können. Geht man nach der Definition liegt der Gedanke nahe, dass Resilienz das subjektive Wohlbefinden fördert. Diese Fragestellung wurde in einigen Studien untersucht (vgl. Tomas et al., 2012). Die vorliegende Bachelorthesis beschäftigt sich mit dem Einfluss dreier Subkonstrukte von Resilienz, im Genaueren Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit und sozialer Unterstützung, auf das Wohlbefinden bei Studierenden. Im Folgenden werden eingangs die verschiedenen Konstrukte näher erläutert.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Resilienz

Wie in der Einleitung schon erwähnt scheint Resilienz ein möglicher Faktor für ein positives und gesundes Leben zu sein (Fröhlich-Gildoff & Rönnau-Böse, 2015). Dies ist wohl einer der Gründe weshalb das Konstrukt solch eine zentrale Rolle in der Forschung der Positiven Psychologie einnimmt.

In den 1950er Jahren entwickelte sich eher zufällig aus Studien zur Entwicklungspsychologie eine Richtung der Forschung, die mittlerweile interdisziplinär mit dem Überbegriff Resilienz beschrieben wird. Die Forscher untersuchten auf Kauai, eine der acht Hauptinseln von Hawaii mit mittlerweile circa 63700 Einwohnern, eine gesamte Kohorte von Kindern, die 1955 geboren waren und begleiteten diese über einen Zeitraum von 32 Jahren. Einige der Kinder fielen unter die Risikogruppe, sie kamen aus armen Familien, hatten psychisch kranke Eltern oder lebten in schwierigen Familienverhältnissen. Die Forscher stellten zu ihrer Überraschung fest, dass sich einige diese Kinder zu gesunden Menschen entwickelten, obwohl sie schweren Bedingungen ausgesetzt waren (Werner, 1993). Dies warf die Frage auf, welche Prädiktoren es für eine positive Entwicklung gibt.

Zu Beginn beschränkte sich die Resilienzforschung auf das Kindesalter, erst später wurde sie auch auf Erwachsene bezogen. Zur Zeit der frühen Forschung ging man noch davon aus, dass eine positive Entwicklung aufgrund schwerer Risikofaktoren sehr selten sei. Mit der Zeit wurde den Forschern jedoch bewusst, dass Resilienz weit verbreitet ist und der Mensch eine gute Anpassungsfähigkeit besitzt (Masten, 2011).

Wörtlich übersetzt wird der Begriff resilience als Spannkraft, Widerstandsfähigkeit oder Elastizität. Wustmann (2014) beschreibt Resilienz als eine Fähigkeit durch die man negative Umstände erfolgreich bewältigen kann. Für eine genaue Definition von Resilienz muss man jedoch den jeweiligen Kontext und die zugrundeliegenden Kriterien betrachten. Man kann beispielsweise internale oder externale Kriterien als Maßstab nehmen, in diesem Fall wird Resilienz internal durch die inneren Befindlichkeiten oder eben external durch Anpassungsleistungen an die Umwelt verstanden (Fröhlich-Gildoff & Rönnau-Böse, 2015).

Anfangs ging man in der Forschung davon aus, dass die Fähigkeit zur Resilienz angeboren sei, jedoch entsteht sie durch den Interaktionsprozess zwischen Individuum und Umwelt (Lösel & Bender, 2008). Man kann Resilienz somit als einen dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess beschreiben. Das bedeutet also auch, dass sich die Resilienz eines Menschen mit der Zeit, abhängig von Erfahrungen die man macht und Situationen die man bewältigt, verändern kann (Rutter, 2000). Es erscheint jedoch auch wichtig anzumerken, dass Resilienz an sich keine übergreifende Fähigkeit darstellt, sondern auch bereichsspezifisch und multidimensional wirken kann. Ein Kind kann beispielsweise sehr gut mit schulischen Anforderungen zurechtkommen, an Aufgaben wie der sozialen Integration in einen Freundeskreis jedoch scheitern (Petermann & Petermann, 2006). Masten und Obradovic (2008) gehen deshalb auch davon aus, dass Resilienz eine Art übergeordnetes Konstrukt ist, unter dem man abhängig von Ausrichtung und persönlicher Präferenz unterschiedliche Facetten der Widerstandsfähigkeit verstehen kann.

Viele Definitionen zu Resilienz gehen davon aus, dass es drei Formen der Bewältigung von Stressoren gibt. Die wohl am weitesten verbreitete Form sei die Resistenz (Bonanno et al., 2004). Hier bleiben die Menschen psychisch stabil, wenn sie mit einem Stressor konfrontiert werden. Eine andere Form ist die Regeneration. Bei der Regeneration gelten Individuen als resilient, wenn ein Stressor sie zwar kurzfristig belastet, die Personen nach einer gewissen Zeit aber trotzdem ohne große Probleme ihren Alltag weiterleben können (Agaibi & Wilson, 2005). Die letzte Form beschreibt die Resilienz als Rekonfiguration. Hierbei steht der Aspekt der Anpassungsfähigkeit im Vordergrund. War das Individuum einem schweren Stressor ausgesetzt, so erfordert die Bewältigung dieser Begegnung es manchmal, eine Änderung der Verhaltensweisen oder Kognitionen vorzunehmen (Walsh, 2006). Vor allem im Kontext der Entwicklung von Kindern scheint dieser Aspekt von zentraler Bedeutung zu sein, da für die positive Entwicklung von Kindern unter schwierigen Umständen eine enorme Anpassungsleistung erforderlich ist (Cicchetti & Cohen, 2006). Im Gegensatz zu den drei oben genannten Definitionen, bei denen die Art der Stressbewältigung im Vordergrund steht, gibt es Definitionen der Resilienz die das zentrale Merkmal eher auf inhaltliche Aspekte legen (Bengel & Lyssenko, 2012). Zautra, Hall und Murray (2008) gehen beispielsweise davon aus, dass Resilienz zu einem Drittel aus Regeneration und zu zwei Dritteln aus Nachhaltigkeit besteht. Nachhaltigkeit wird in diesem Kontext als Fähigkeit verstanden, seine Lebensfreude nach der Konfrontation mit einem Stressor beizubehalten (Bengel & Lyssenko, 2012).

In der Forschung zu Resilienz sollte man zwischen den Aspekten des Kindes- und des Erwachsenenalters unterscheiden. Diese Unterscheidung macht Sinn, da Resilienz, als Fähigkeit Belastungssituationen zu bewältigen, in unterschiedlichen Entwicklungsstadien auch unterschiedliche Verhaltensweisen zum Anspruch hat (Fröhlich-Gildoff & Rönnau-Böse, 2015). Im Erwachsenenalter wird Resilienz häufig als stabiles Persönlichkeitsmerkmal bezeichnet (Klohnen, 1996). Dadurch besteht jedoch die Gefahr der fälschlichen Annahme, Resilienz sei ein stabiles und überdauerndes Konstrukt, das einige Menschen besitzen und andere nicht (Bengel & Lyssenko, 2012).

In jedem Entwicklungsstadium gibt es bestimmte Risikofaktoren, die die positive Entwicklung gefährden und zur Ausbildung psychischer Störungen beitragen (Fröhlich-Gildoff & Rönnau-Böse, 2015). In Bezug auf Resilienz gibt es hier das Risikofaktorenkonzept, das auf Basis des biomedizinischen Krankheitsmodells entstanden ist (Fröhlich-Gildoff & Rönnau-Böse, 2015). Die zentrale Aussage des biomedizinischen Modells ist, dass Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit ist. Der Mensch gilt als passiver Träger der Krankheit und im Vordergrund steht nur die Heilung der Krankheit (Wittchen & Hoyer, 2011). Beim Risikofaktorenkonzept wird zwischen kindbezogenen Vulnerabilitätsfaktoren, also psychologischen und biologischen Faktoren des Kindes, und externalen Risikofaktoren aus der psychosozialen Umwelt unterschieden (Wustmann, 2014). Die internalen Vulnerabilitätsfaktoren lassen sich weiter in primäre und sekundäre Faktoren aufteilen. Die primären Faktoren stellen solche dar, die seit der Geburt bestehen, wohingegen sekundäre Faktoren durch die Interaktion mit der Umwelt entstehen (Fröhlich-Gildoff & Rönnau-Böse, 2015).

Es gibt aber auch verschiedene Faktoren und Fähigkeiten, die zu Resilienz führen und diese fördern. Solche Faktoren bezeichnet man als Schutz-, Protektiv- oder Resilienzfaktoren (Bengel & Lyssenko, 2012). Sofern sie bei einem Individuum vorhanden sind, verringern sie die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer psychischen Störung oder fehlerhafter Bewältigungsstrategien nach Konfrontation mit einem Stressor. Im Erwachsenenalter unterteilt man diese Schutzfaktoren zum einen in personale, soziale und soziokulturelle Faktoren. Zum anderen muss man zwischen stabilen, also unveränderbaren Faktoren wie beispielsweise dem Geschlecht, und variablen Faktoren wie der sozialen Unterstützung unterscheiden (Bengel & Lyssenko, 2012). Ein Ziel der Resilienzforschung ist es, diese Schutzfaktoren zu identifizieren, ihr Zusammenwirken zu verstehen und aufbauend darauf Interventionsprogramme zu erstellen. Durch diverse Studien zeigten sich einige Schutzfaktoren als besonders wirksam, darunter auch Achtsamkeit, soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit und Optimismus (Bengel & Lyssenko, 2012).

Bezüglich der Achtsamkeit zeigen einige Studien eine Steigerung resilienten Verhaltens durch verschiedene Achtsamkeitstrainings (Pauls et al., 2016). Weitere Untersuchungen in spezifischen Arbeitskontexten postulieren einen großen Effekt durch die Kombination individueller Achtsamkeitstrainings mit organisationalen Interventionen auf die Resilienz bei beispielsweise Ärzten (Krohn, 2018). Die protektive Wirkung von Achtsamkeit scheint damit als erwiesen.

Die Erforschung der sozialen Unterstützung als Schutzfaktor wurde in den 1970er Jahren durch Studien angestoßen, die nahelegten, dass sozial isolierte Individuen höhere Erkrankungs- und Sterberaten aufweisen (Berkman, 1979). Weitere Studien zeigten eine positive Korrelation von sozialer Unterstützung mit verschiedenen anderen psychologischen protektiven Konstrukten wie der Selbstwirksamkeit (Uchino et al., 2012).

Zur Selbstwirksamkeit gibt es Studien, die belegen, dass Selbstwirksamkeit die Kognitionen, emotionalen Reaktionen und auch das Verhalten von Personen im Hinblick auf verschiedene Anforderungssituationen mitbestimmt (Bengel & Lyssenko, 2012). Wenn man über eine hohe Selbstwirksamkeit verfügt werden Stressoren eher als Herausforderung betrachtet und problemorientierte Bewältigungsstrategien verfolgt (Schwarzer, 1992). Des Weiteren gibt es Studien die einen positiven Zusammenhang zwischen Selbstwirksamkeit und einer positiven psychischen 5

Anpassung nach Konfrontation mit kritischen Stressoren darlegen (Benight & Bandura, 2004). Eine Metaanalyse stellt fest, dass Selbstwirksamkeit bei kollektiven Traumata einen größeren Effekt auf die Verarbeitung der kritischen Ereignisse hat als andere Prädiktoren wie zum Beispiel die wahrgenommene Lebensbedrohung (Luszczynska, Benight & Cieslak, 2009).

Optimismus wird seit Jahrzehnten als ein für die positive Entwicklung förderliches Persönlichkeitsmerkmal erforscht. Scheier und Carver (1985) sehen Optimismus als eine zeitlich und situativ überdauernde Ausrichtung auf positive Ergebniserwartungen, durch die das zukünftige Verhalten der Personen mitbestimmt wird. Diese Definition des Optimismus geht auf ein Selbstregulationsmodell des Verhaltens zurück (Carver und Scheier, 1990). Laut diesem Modell wird das Verhalten einer Person wesentlich durch die Vorstellung der bevorstehenden Konsequenzen und Ergebnisse einer Handlung mitbestimmt. Da optimistische Individuen meist positive Ergebnisse erwarten, weisen sie nach diesem Modell auch eine erhöhte Handlungsbereitschaft auf (Bengel & Lyssenko, 2012). Der positive Zusammenhang zwischen Optimismus und psychischer wie physischer Gesundheit gilt als empirisch belegt (Hoyer, 2000). Die Erklärung dieses Zusammenhangs ist jedoch noch nicht einwandfrei geklärt. Eine Hypothese lautet, dass Optimismus zum einen direkt auf das Immunsystem wirkt und zum anderen zu einem gesunden Lebensstil und einem Einsatz positiver Bewältigungsstrategien führt (Hoyer, 2000). Im Folgenden werden die drei, für diese Studie relevanten, Subkonstrukte Achtsamkeit, soziale Unterstützung und Selbstwirksamkeit näher erläutert.

2.1.1 Achtsamkeit

Schon Freud beschrieb bestimmte Probleme, die mit dem Zustand der fokussierten Aufmerksamkeit auftreten (Anderssen-Reuster, 2011).

„So wie man nämlich seine Aufmerksamkeit absichtlich bis zu einer gewissen Höhe anspannt, beginnt man auch unter dem dargebotenen Materiale auszuwählen; man fixiert das eine Stück besonders scharf, eliminiert dafür ein anderes, und folgt bei dieser Auswahl seinen Erwartungen oder seinen Neigungen. Gerade dies aber darf man nicht.“ (Freud, 1999, S. 376 f., in Anderssen-Reuster, 2011)

Dieses Zitat verdeutlicht den selektiven Auswahlprozess bei der Aufmerksamkeitsleistung, welchen Freud im Hinblick auf die psychoanalytische Praxis als gefährlich ansieht. Er empfiehlt dem Analytiker das Konzept der schwebenden Aufmerksamkeit. Man solle sich nicht darauf konzentrieren etwas Besonderes zu merken, sondern allem Gehörten die gleiche Aufmerksamkeit schenken (Anderssen- Reuter, 2011).

Ähnlich zu der gleichschwebenden Aufmerksamkeit verhält sich das Konstrukt der Achtsamkeit, welches in jüngster Zeit zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es erscheinen immer mehr Publikationen in Fachzeitschriften wie der Clinical Psychology: Science and Practice, aber auch in nichtwissenschaftlichen Zeitschriften wie der Zeit und Psychologie heute wird dieses Themengebiet immer häufiger debattiert.

Um den Begriff der Achtsamkeit zu definieren muss man sich der buddhistischen Meditationspraxis zuwenden. Kabat-Zin (1990) formuliert Achtsamkeit als eine spezifische Form der Aufmerksamkeitslenkung. Sie bezieht sich auf den augenblicklichen Moment. Das Geschehen wird bewusst und wertfrei wahrgenommen und die Absicht ist, aufkommenden Gefühlen, Gedanken oder Wahrnehmungen keine bewertende Gestalt zu geben. Durch diese Kriterien zeigt sich, dass sich der Zustand der Achtsamkeit stark von dem Alltäglichen abhebt, bei dem oft eine Degression der Aufmerksamkeit und eine intensive Bewertung zu beobachten sind. Im Zustand der Achtsamkeit nimmt man die Dinge, die gerade in diesem Moment geschehen, wahr und handelt, ohne sich von abschweifenden Gedanken beeinflussen zu lassen (Michalak, Heidenreich & Bohus, 2006). Kabat-Zin (1990) versteht Achtsamkeit nicht im religiösen Sinne, sondern als eine erlernbare, kognitive Fertigkeit.

Bishop et al. (2002) schlagen ein Zwei-Komponenten-Modell für Achtsamkeit vor, das zum einen aus der Selbstregulation der Aufmerksamkeit und zum anderen aus der Orientierung zur Erfahrung des Augenblicks besteht. Achtsamkeit beginnt demnach damit, die Wahrnehmung auf die momentanen Erfahrungen zu richten. Man folgt den wechselnden Emotionen, Gedanken und Sensationen, die man erlebt, stets aufmerksam. Dies geschehe durch die Selbstregulation der Aufmerksamkeit. Die zweite Komponente ist maßgeblich gekennzeichnet von einer Einstellung der Neugier und Offenheit bezüglich des Erlebten. Somit werden alle möglichen Erfahrungen als relevant angesehen und es entsteht keine Selektion der Aufmerksamkeit.

In der Forschung gewinnt das Konstrukt der Achtsamkeit mehr und mehr an Bedeutung. Im Kontext der Positiven Psychologie gibt es einige Studien die den Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und dem Wohlbefinden untersuchen, meist wird ein positiver Zusammenhang zwischen der Achtsamkeit und verschiedenen Facetten des Wohlbefindens, wie beispielsweise dem positiven Affekt (r = .34), gefunden. Eine Studie von Iani et al. (2017) untersuchte die Beziehung zwischen verschiedenen Facetten von Achtsamkeit als Mediator zwischen Neurotizismus und sowohl dem subjektiven als auch dem psychologischen Wohlbefinden. Die verschiedenen Facetten observing, describing, acting with awareness nonjudging und nonreactivity von Achtsamkeit wurden in diesem Fall über den Five Facets Mindfulness Questionarry, kurz FFMQ-SF, erhoben. Das subjektive Wohlbefinden wurde über die Satisfaction With Life Scale und das psychologische Wohlbefinden mittels einer 18 Items umfassenden Version der Psychological Well-Being Scales erfasst. Es zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen den Konstrukten Achtsamkeit und psychologischem Wohlbefinden (r = .53; p < .01). Des Weiteren erkannte man, dass verschiedene Facetten von Achtsamkeit als intervenierende Variablen zwischen Neurotizismus und Wohlbefinden agieren (Iani et al., 2017). Basierend auf solche Studien werden Trainingsprogramme zur Achtsamkeit erstellt und erprobt.

Ein therapeutischer Ansatz zur Anwendung von Achtsamkeit liegt in der Idee, dass angenehme und unangenehme Dinge wesentlich von der eigenen Wahrnehmung und Bewertung abhängen. Folglich liegt die Möglichkeit der Einflussnahme in der Erkenntnis, dass Wahrnehmung und Interpretation dieser Dinge internal ablaufen. Somit können wir uns durch Achtsamkeit einerseits bei der Schaffung und Strukturierung unserer Wirklichkeit beobachten und andererseits intrapsychische Einengungen verhindern (Anderssen-Reuter, 2011).

Mittlerweile wird in Studien und vor allem auch in der Psychotherapie häufig das sogenannte MBSR, Mindfullnes-Based Stress Reduction Programm, angewandt (Kabat-Zinn, 2013). Entwickelt wurde das MBSR Programm in der Stress Reduction Clinic des Medical Centers in Massachusetts. Zu Beginn war dieser Therapieansatz nur in der Verhaltensmedizin verbreitet. Diese Forschungsrichtung geht davon aus, dass mentale und emotionale Prozesse sowohl positive und negative Einflüsse auf die körperliche Gesundheit haben, als auch entscheidend dafür sind, ob wir trotz widriger Umstände wie chronischen Erkrankungen oder Stress unsere Lebensqualität wahren können (Ehlert, 2016). Meist wird dieses Programm, beziehungsweise Training, über acht Wochen hinweg durchgeführt und enthält acht Termine zu je zweieinhalb Stunden (Soons, Brouwers & Tomic, 2010). Das Programm soll den Anfang für eine offenere und neutralere Wahrnehmung und letztendlich auch Lebensweise darstellen (Kabat- Zinn, 2013). Wichtig im Kontext des MBSR Programm ist zu erwähnen, dass die Teilnehmer die Übungen über die acht Wochen hinweg nicht zwangsweise gerne machen müssen, sie sollten ihnen aber unbeirrt folgen, viel Einsatz zeigen und vor allem mögliche Bewertungen oder Einstellungen bezüglich des Programms wenig Bedeutung zukommen lassen (Kabat-Zinn, 2013). Das Programm basiert auf einer in der buddhistischen Tradition konzipierten Form der Meditation um die Fähigkeit der Achtsamkeit nach und nach zu verbessern (Kabat-Zinn, 2013). Dies geschieht durch die gerichtete Aufmerksamkeit für die Geschehnisse in unserem alltäglichen Leben, denen sonst keine Beachtung geschenkt wird (Kabat-Zinn, 2013). Die meisten MBSR Programme enthalten drei Komponenten. Als erstes wird den Teilnehmern Lehrmaterial zum Konstrukt der Achtsamkeit, zu der Technik des Yoga, allgemeiner Meditation und zur Beziehung zwischen Körper und Geist nähergebracht. Des Weiteren gibt es immer wieder praktische Übungen verschiedener Meditationstechniken zu Achtsamkeit, Yoga, Übungen für zuhause die je 45 Minuten dauern und sechsmal die Woche durchgeführt werden sollen, sowie den body-scan, eine Übung zur Stärkung der Körperwahrnehmung (Sibinga et al., 2009). Die letzte Komponente bilden die häufig durchgeführten Gruppendiskussionen. Die Thematiken können hierbei die Anwendung von Achtsamkeit im Alltag oder auch problemorientierte Diskussionen zur effektiven Ausübung der verschiedenen Techniken sein (Sibing et al., 2011). Das MBSR Programm konzentriert sich mit seinen Übungen auf die Verbesserung der Qualität der Achtsamkeit, wodurch dann letztendlich eine Verbesserung der Lebensqualität und der Gesundheit erzielt werden soll (Shapiro, Biegel & Brown, 2007). Da die Fähigkeit der Achtsamkeit, wenn sie ausreichend trainiert ist, situations- und kontextunabhängig funktioniert, können MBSR Programme leicht für spezifische Berufsgruppen oder auch Populationen angepasst werden (Shapiro, Biegel & Brown, 2007).

Verschiedene Studien belegen die Wirksamkeit des MBSR Programms (vgl. Shapiro, Biegel & Brown, 2007; Sibing et al., 2009). Shapiro, Biegel & Brown (2007) untersuchten das MBSR Programm beispielsweise im Kontext von Psychologie­Masterstudenten. Hintergrund dieses Vorgehens waren verschiedene Studien (vgl. Mann, 2004; Vredenburgh, Carlozzi & Stein, 1999) die belegen, dass die Arbeit im Gesundheitssystem sehr stressvoll und belastend sein kann. Diese Belastung könne beispielsweise die Arbeit der Psychologen und Psychotherapeuten in Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen beeinträchtigen (Coster & Schwebel, 1997) und es könne letztendlich zu Burnout (Rosenberg & Pace, 2006) oder depressiven Symptomen (Radeke & Mahoney, 2000) kommen. Ziel der Studie war es zu untersuchen ob das MBSR Programm einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit der angehenden Psychologen habe (Shapiro, Biegel & Brown, 2007). Das MBSR Programm wurde acht Wochen lang in wöchentlichen zwei Stunden Sitzungen an einer Experimentalgruppe angewandt, die zwei Kontrollgruppen erhielten keine Intervention. Die Teilnehmer des MBSR Programms berichteten signifikante Abnahmen des erlebten Stresses (p < .05), negativen Affekts und Angst (p < .001), sowie signifikante Steigerungen des positiven Affekts und der Selbstwahrnehmung (p < .001). Des Weiteren zeigten die Ergebnisse, dass durch das MBSR Programm eine Steigerung der Achtsamkeit erzielt werden konnte, die zu einer Abnahme des erlebten Stresse (p < .001) und der Angst (p < .01), sowie zu einer Steigerung der Selbstwahrnehmung (p < .01) führte. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das MBSR Programm zu einer Steigerung des Wohlbefindens führt. Wenn man dies differenzierter betrachtet, verbessert das MBSR Programm die Fähigkeit der Achtsamkeit, durch welche wiederum das Wohlbefinden gesteigert wird (Shapiro, Biegel & Brown, 2007).

In einer weiteren Studie wurde das MBSR Programm an Überlebenden von Brustkrebs getestet (Lengacher et al., 2009). Hierbei wurde eine Gruppe der Patienten mit der typischen Nachsorge, beispielsweise Psychoedukation, Sozioedukation und physische Aktivierung, der Behandlung von Brustkrebs behandelt und eine andere zusätzlich mittels des MBSR Programms. Das ursprüngliche MBSR Programm wurde adaptiert, auf Überlebende von Brustkrebs angepasst und auf sechs Wochen reduziert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Patientinnen, die das MBSR Programm absolvierten, geringere Angst vor einem Wiederauftreten der Krankheit (p < .001) hatten. Des Weiteren zeigten sie niedrigere Werte bezüglich Angst (p < .05) und depressiven Symptomen (p < .05). Außerdem zeigte sich eine bessere physische Funktionalität (p < .05) und empfundener Energie (p < .05). Somit liegt der Schluss nahe, dass das MBSR Programm nicht nur einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden hat, sondern auch bei physischen Erkrankungen positiv mitwirkt (Lengacher et al., 2009).

2.1.2 Soziale Unterstützung

Zunächst muss der Begriff der sozialen Unterstützung, auch als social support bezeichnet, geklärt werden. Dieser wird etwa seit dem Jahre 1970 in der psychoonkologischen Forschung gebraucht. Darunter versteht man allgemein die vor allem qualitativen Komponenten der positiven sozialen Interaktion zwischen Personen (Klauer in Bengel & Jerusalem, 2009). Die zentralen Komponenten umfassen dabei drei Arten. Diese unterteilen sich in die instrumentelle Unterstützung, die durch alltagspraktische Hilfen geprägt wird. Zudem in die emotionale Unterstützung, die einen besseren Umgang mit Belastungen fördert. Und zuletzt in die informationelle Unterstützung, die beispielsweise Lösungsansätze beinhaltet (Klauer in Bengel und Jerusalem, 2009). Eine weitere Unterscheidung erfolgt in wahrgenommener oder erwarteter und tatsächlich erhaltener Unterstützung (Schwarzer & Schulz, 2003).

Schwarzer und Schulz (2000) formulierten das Ziel von sozialen Unterstützungsleistungen darin, einen Problemzustand, der beim Betroffenen zu Leid führt zu verringern. Wenn dies nicht möglich ist sollte dieser Zustand durch die Unterstützungsleistungen wenigsten besser ertragen werden können. Somit wird soziale Unterstützung als externale Ressource begriffen und bildet mit anderen Ressourcen das Potenzial, mit bestimmten Umweltanforderungen so umzugehen, dass man Verluste verringert und Gewinne maximiert (Hobfoll, 2011).

Des Weiteren wird in der Forschung darauf eingegangen, dass soziale Unterstützung nicht ausschließlich eine soziale Ressource ist, sondern auch als persönliche Ressource dienen kann, da sie zur persönlichen Identität beiträgt. Man könnte aus der Erfahrung von sozialer Unterstützung beispielsweise schließen gemocht zu werden und liebenswert zu sein (Kienle, Knoll & Renneberg, 2006).

Kaplan (1975) macht zudem deutlich, dass sich nicht nur die Unterstützung, sondern auch das Fehlen der Unterstützung auf den Menschen auswirkt. Auch wenn der Mensch in ein noch so großes soziales Netzwerk eingeschlossen ist, kommt es weniger auf die Quantität als auf die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen an (Neuling und Winefield, 1988). Auch die social-support-Forschung beschäftigt sich damit, wie das Zusammenspiel von Verfügbarkeit und Effektivität auf die zu unterstützende Person positiv einwirkt (Klauer in Bengel & Jerusalem, 2009).

Abzugrenzen ist die soziale Unterstützung von ähnlichen Konstrukten, wie der sozialen Integration. Diese beschreibt den Aufbau und die Quantität von sozialen Beziehungen, also beispielsweise die Anzahl an sozialen Interaktionen oder die Dichte von Netzwerken (Reinhold, 2000). Man kann also sagen, dass soziale Integration ein quantitativ-struktureller Aspekt ist und soziale Unterstützung ein qualitativ-funktionaler Aspekt.

Ist ein soziales Netzwerk vorhanden, ist es ebenfalls sinnvoll, dass sich die verschiedenen Unterstützer ergänzen und koordinieren können (Badura, 1981). Außerdem muss man beachten, dass soziale Unterstützung zusätzlich durch die Wechselwirkung der beiden Personen, also dem Geber und Rezipienten, besteht (Thoits, 1986).

Es stellt sich nun jedoch die Frage, warum es nicht allen Rezipienten gleichermaßen gelingt, ein Unterstützungsangebot in Belastungssituationen so zu nutzen, dass der eigene Selbstwert stabilisiert wird. Hierzu zeigte sich in Studien das Geschlecht häufig als Moderatorvariable von Unterstützungseffekten. Es fällt auf, dass die Zusammenhänge zwischen emotionaler Unterstützung aus dem gesamten sozialen Netzwerk und der seelischen Gesundheit für Frauen höher ausfallen (Shumaker & Hill, 1991). Daraus schließt man, dass Männer sich anscheinend stärker auf ihre Partnerinnen als Hauptquelle von Unterstützung fokussieren, während Frauen auf eine größere Anzahl an Unterstützern aus dem sozialen Netzwerk zurückgreifen können (Schwarzer & Leppin, 1989). Aus bedürfnis- und bindungstheoretischen Bereichen der Psychologie werden weitere personale Voraussetzungen für Unterstützungseffekte vorgeschlagen: Der Erfolg sozialer Unterstützung scheint davon abhängig zu sein, ob der gewählte Unterstützungsmodus des Unterstützers auch dem gewünschten Unterstützungsmodus des Rezipienten entspricht. Wenn man beispielsweise informationelle Unterstützung in Form von Ratschlägen erhält, aber eigentlich emotionale Unterstützung erwartet, scheint dies nicht so wirksam zu sein (Bengel & Jerusalem, 2009).

In der social-support Forschung stellt die Frage nach der Effektivität von Unterstützungsleistungen ein Hauptthema dar. Bezüglich der Richtung und Stärke von Unterstützungseffekten in Belastungssituationen gibt es verschiedene Kausalmodelle, die im Folgenden etwas erörtert werden. Die Haupteffektmodelle gehen davon aus, dass soziale Unterstützung für alle Belastungsniveaus gleichermaßen dämpfend wirkt und somit psychische Folgebeschwerden verringert. Im Stresspuffer-Modell von Cohen und Willis (1985) hingegen wird postuliert, dass der dämpfende Effekt von sozialer Unterstützung mit steigendem Belastungsniveau zunimmt. Es gibt auch komplexere Modelle, die einen möglichen Zusammenhang zwischen der Stärke sozialer Unterstützung und dem Belastungsniveau berücksichtigen. Somit wird beispielsweise in Präventionsmodellen beschrieben, dass schon das Auftreten von Belastungen durch genügend soziale Unterstützung verhindert werden kann (Schwarzer & Leppin, 1989). Entsprechend dieser Modelle wird der sozialen Unterstützung also eine protektive Wirkweise zugeschrieben. Die Mobilisierungsmodelle hingegen gehen von einem positiven Zusammenhang zwischen dem Belastungsniveau und sozialer Unterstützung aus. Dies wird durch die Annahme, dass soziale Ressourcen meist erst während bereits aktiven Belastungssituationen abgerufen werden, begründet (Bengel & Jerusalem, 2009).

Bezüglich des Wirkspektrums sozialer Unterstützung spricht die eindeutigste Evidenz für einen positiven Zusammenhang zwischen dem subjektiven Wohlbefinden und wahrgenommener sozialer Unterstützung (Schwarzer & Leppin, 1989). Eine Person, die also für eine hypothetische Belastungssituation erwartet, praktische Hilfe und emotionale Fürsorge in hoher Intensität zu bekommen, weist regelmäßig positivere Werte auf Befindlichkeitsskalen und gleichzeitig weniger Symptome depressiver Störungen auf (Bengel & Jerusalem, 2009).

In jüngerer Zeit wird in der Forschung vermehrt auf den Unterstützungsaustausch in realen Belastungssituationen eingegangen, wobei hier zum Teil widersprüchliche Ergebnisse erzielt wurden. In einigen epidemiologischen Studien wird ein protektiver Effekt von erhaltener emotionaler Unterstützung auf die Entstehung psychiatrischer Krankheiten berichtet (Bengel & Jerusalem, 2009). In anderen Studien hingegen zeigen sich keine, beziehungsweise negative Wirkungen von erhaltener Unterstützung auf den Empfänger (Brown et al., 2003). Für diese ausbleibenden Effekte scheint eine Bedrohung des Selbstwerts ursächlich zu sein. Diese scheint durch die, in Verbindung mit der sozialen Unterstützung gebrachten, offenkundigen Bedürftigkeit des Rezipienten zu entstehen (Bengel & Jerusalem, 2009). Dies wird durch Studien zur unsichtbaren Unterstützung, also Unterstützungsanteile, die für den Rezipienten unbemerkt bleiben, untermauert. Es zeigte sich nämlich, dass diese unbemerkten Unterstützungsteile eine sehr wirksame Komponente der sozialen Unterstützung sind (Bolger, Zuckermann & Kessler, 2000). Ein weiterer starker Effekt von sozialer Unterstützung ergibt sich dann, wenn sie auf dem Prinzip der Reziprozität beruht, durch erhaltene Unterstützung also zuvor selbst erbrachte Unterstützungsleistungen ausgeglichen werden. Der Gedanke dahinter scheint, dass der Rezipient eine Art Überversorgung verhindern möchte (Väänänen et al., 2005). Nah an den beiden zuvor genannten Arten sozialer Unterstützung bewegt sich auch die Idee, dass der Rezipient mobilisierte Unterstützung vermeiden möchte. Studien zeigten nämlich, dass Unterstützung, wenn sie vom Rezipienten aktiv eingefordert wird, nicht so wirksam ist wie spontane, oder eben unsichtbare Unterstützung (Eckenrode & Weshington, 1990).

Der zuvor erwähnte Aspekt von erhaltener und geleisteter Unterstützung und deren Effekte auf das Wohlbefinden wurde in einer Studie von Thomas (2009) untersucht. Hier wurden also sowohl die Auswirkungen erhaltener sozialer Unterstützung, als auch der geleisteten sozialen Unterstützung auf das Wohlbefinden der Probanden untersucht. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Leisten von Unterstützung und auch das Erhalten von Unterstützung einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden haben (p < .05). Interessant zu sehen ist, dass es einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden hat, wenn man mehrere Arten der Unterstützung erfährt oder gibt, eine größere Anzahl an Personen die man unterstützt jedoch einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden hat (Thomas, 2009).

2.1.3 Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist ein recht junges, psychologisches Konstrukt, das von Albert Bandura in den 1970er Jahren eingeführt wurde. Dennoch hat das Interesse bezüglich des Glaubens in persönliche Kontrolle in der Philosophie und Psychologie eine lange Geschichte. Viele Philosophen wie John Locke, David Hume oder Gilbert Ryle haben versucht den Wert von Volition und dem Willen im Kontext des menschlichen Verhaltens zu ergründen (Russel, 1945). Bandura lieferte letztendlich 1977 mit seinem Artikel Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change ein greifbares Konstrukt und eine Theorie, wie es entsteht und welche Auswirkungen es auf das menschliche Verhalten hat.

Die Selbstwirksamkeit ist kein genetisch veranlagter trait, vielmehr entwickelt sie sich durch verschiedenste Erfahrungen über die Zeit hinweg. Diese Entwicklung beginnt in der Kindheit und zieht sich über die gesamte Lebensspanne. Um das Konzept der Selbstwirksamkeit und seiner Entwicklung besser zu verstehen sollte man die sozial-kognitive Lerntheorie von Bandura betrachten (Bandura, 1986; Maddux, 2009):

Bandura geht davon aus, dass wir starke kognitive Ressourcen besitzen. Durch diese seien wir dazu befähigt, internale Modelle von Situationen zu erstellen, Modelle zu gewissen Handlungen zu entwickeln und den Ausgang dieser Handlungen hypothetisch bestimmen zu können. Des Weiteren könnten wir unsere Handlungen und unser Verhalten durch diese Ressourcen analysieren und beurteilen. Diese selbstreflektiven Vorgänge bilden die Voraussetzung für die Selbstregulation. Durch diese Selbstregulation werden sowohl kognitive, affektive und körperliche Zustände, als auch unsere Umwelt beeinflusst. Durch die Selbstregulation können wir uns Ziele setzen, unser Verhalten den Zielen entsprechend anpassen und bestimmte Erwartungen entwickeln. Letztendlich entstehen durch diese Prozesse auch Überzeugungen bezüglich unserer Fähigkeiten. Diese Überzeugungen sind die Grundlage für die Selbstwirksamkeit. Bandura beschreibt in seiner Theorie auch, dass unsere Persönlichkeit in soziale Kontexte eingebettet ist. Deswegen ist unsere Persönlichkeit nicht nur was wir in soziale Interaktionen einbringen, sondern sie entwickelt und verändert sich auch in diesen Situationen. (Maddux, 2009).

Durch diese Annahmen geht man davon aus, dass die frühe Entwicklung von Selbstwirksamkeit durch zwei interagierende Faktoren beeinflusst wird: Einerseits durch die Fähigkeit die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung zu verstehen und andererseits durch die Leistung der Selbstreflektion. In der Kindheit entsteht eine Entwicklung von der Wahrnehmung einer kausalen Beziehung zwischen Ereignissen, über das Verständnis von Handlungs-Ergebnis-Erwartungen, hin zu der Erkenntnis, dass man selbst durch bestimmte Handlungen bestimmte Ergebnisse erzielen kann (Bandura, 1997). Später wird die Selbstwirksamkeit durch die Reaktionen der Umgebung der Kinder, vor allem der sozialen Umgebung, beeinflusst. Denn die Interaktionspartner, die empfänglich für das Verhalten und die Handlungen der Kinder sind, können durch ihre Reaktionen die Entwicklung von Selbstwirksamkeit fördern. Man geht deshalb auch davon aus, dass die Selbstwirksamkeit gestärkt wird, wenn Eltern ihre Kinder anhalten ihre Umwelt zu erkunden und Aufgaben selbstständig zu meistern (Maddux, 2009).

Selbstwirksamkeit beschreibt den subjektiven Glauben in seine eigenen Kompetenzen und durch diese, alltägliche Aufgaben und Hindernisse zu bewältigen (Frey & Irle, 2002). Somit stellt Selbstwirksamkeit eine wichtige personale Ressource im alltäglichen Leben dar.

Bandura (1977) unterteilte die Selbstwirksamkeit in Wirksamkeitserwartungen und Ergebniserwartungen. Wirksamkeitserwartungen beschreiben die eigene Überzeugung, durch erfolgreiches Verhalten und Handeln ein erwünschtes Ziel zu erreichen. Bei den Ergebniserwartungen hingegen ist es nicht von Bedeutung, ob die Person die Überzeugung hat, durch sein Verhalten ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie beschreiben die Beurteilung, ob ein Verhalten überhaupt erst zu einem gewünschten Ziel führen kann. Jedoch sind die beiden Konstrukte voneinander zu trennen, da Personen einerseits glauben können, dass durch ein bestimmtes Verhalten ein gewünschtes Ziel erreicht werden kann, andererseits aber auch der Überzeugung sein können, nicht in der Lage zu sein, dieses Verhalten erfolgreich durchzuführen (Bandura, 1977). Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit hat große Vorteile für den Anwendungsbezug der Psychologie. Es ist einerseits auf das aktuelle Verhalten und Handeln einer Person bezogen, schließt aber auch die Einschätzung zukünftigen Verhaltens ein.

Man muss Selbstwirksamkeit von einigen Konstrukten, wie beispielsweise der Kontrollüberzeugung abgrenzen (Bandura, 1997). Diese beschreibt nämlich den subjektiven Glauben daran, dass die Kontrolle über bestimmte Ereignisse bei der Person selbst, bei anderen Personen oder sogar äußeren Umständen wie Pech oder Schicksal liegt (Frey & Irle, 2002). Dementsprechend ergab eine Untersuchung von Smith (1989) auch keinen Zusammenhang zwischen genereller Selbstwirksamkeit und Kontrollüberzeugung. Des Weiteren ist Selbstwirksamkeit keine wahrgenommene Fähigkeit, es ist die Überzeugung was man mit seinen Fähigkeiten unter bestimmten Voraussetzungen erreichen kann (Maddux, 2009).

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Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit und sozialer Unterstützung auf das Wohlbefinden bei Studierenden
Untertitel
Eine empirische Untersuchung
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,6
Autor
Jahr
2018
Seiten
71
Katalognummer
V981156
ISBN (eBook)
9783346327413
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Selbstwirksamkeit, Wohlbefinden, Studierende
Arbeit zitieren
Paul Schmid (Autor), 2018, Der Einfluss von Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit und sozialer Unterstützung auf das Wohlbefinden bei Studierenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/981156

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