Welche Chancen und Grenzen bieten Fachpraktikerberufe im Berufsfeld EuH im Kontext von Inklusion? Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenkonvention im Jahr 2009 erhielt der Inklusionsbegriff einen rechtsverbindlichen Charakter. Unterschiedliche gesellschaftliche Barrieren sollen abgebaut werden, die Behinderung und Benachteiligung begünstigen bzw. vergrößern. Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sollen Menschen mit Behinderung die gesellschaftliche Teilhabe durch eine Berufsausbildung ermöglichen. Fachpraktikerausbildungen nach § 66 BBiG/§ 42m HwO sind spezielle Ausbildungen für Menschen mit Behinderung, die im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft stark nachgefragt werden. Zunehmend wird in Frage gestellt, ob dieses Ausbildungskonzept die Anforderungen eines inklusiven Bildungssystems erfüllen kann. Fachpraktikerausbildungen bieten im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft Menschen mit Behinderung eine Berufsausbildung mit Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Jedoch erfordert die Realisierung einer inklusiven beruflichen Bildung eine Verbesserung struktureller und rechtlicher Rahmenbedingungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Fachpraktikerberufe im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft
2.1 Das Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft
2.2 Das Berufsprofil Fachpraktiker
3 Inklusion in der beruflichen Bildung am Beispiel der Fachpraktikerberufe
3.1 Inklusionsverständnis
3.2 Bedeutung der Inklusion in der beruflichen Bildung
3.3 Diskussion zu Inklusion und Fachpraktikerausbildung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit untersucht kritisch, ob Fachpraktikerausbildungen gemäß § 66 BBiG/§ 42m HwO den Anforderungen eines inklusiven Bildungssystems im Sinne der UN-Behindertenkonvention entsprechen und welche Chancen sowie Grenzen sich daraus im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft ergeben.
- Analyse des Inklusionsbegriffs in Theorie und Praxis
- Untersuchung der Struktur der Fachpraktikerausbildung (Beispiel: Fachpraktiker Küche/Beikoch)
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Separierung und Teilhabe
- Evaluation von Rahmenbedingungen für eine inklusive berufliche Bildung
- Betrachtung der Arbeitsmarktperspektiven für Menschen mit Behinderung
Auszug aus dem Buch
3.1 Inklusionsverständnis
Der Inklusionsbegriff ist aktuell in der Gesellschaft fast allgegenwärtig. Dennoch weichen die Begriffsdefinitionen und Zielvorstellungen voneinander ab, da oft nicht das Gleiche gemeint ist (Friend, Cook, 2010, S. 297f.). In der im Jahr 1994 verabschiedeten Salamanca-Erklärung der UNESCO ist der Inklusionsbegriff weit gefasst. Danach sollen Diskriminierungen vermieden werden und Gemeinschaften, die alle Menschen aufnehmen, geschaffen werden. Ziel ist es, mit Heterogenität und Vielfalt wertschätzend umzugehen (Löser & Werning, 2015, S. 18; UNESCO, 1994, S. 4).
Erst mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 erhielt der Inklusionsbegriff in Deutschland einen rechtsverbindlichen Charakter. Der Schwerpunkt dieser Konvention liegt auf Menschen mit Behinderung, die gemäß Artikel 24 Absatz 1 c befähigt werden sollen, wirklich an der freien Gesellschaft teilnehmen zu können (Löser & Wernig, 2015, S.18).
Diese Teilhabe kann dadurch erreicht werden, indem die unterschiedlichen gesellschaftlichen Barrieren abgebaut werden, die Behinderung und Benachteiligung begünstigen bzw. verursachen (Lindmeier & Lindmeier, 2012, S. 16ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Ausbildungssituation von Menschen mit Behinderung ein und erläutert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Fachpraktikerberufe im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft: Hier wird das Berufsfeld sowie das spezifische Berufsprofil des Fachpraktikers, insbesondere im Bereich Küche, detailliert beschrieben.
3 Inklusion in der beruflichen Bildung am Beispiel der Fachpraktikerberufe: Dieses Kapitel setzt sich theoretisch mit dem Inklusionsbegriff auseinander und diskutiert kritisch die Umsetzung in der beruflichen Ausbildung.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert strukturelle sowie rechtliche Verbesserungen zur Realisierung einer echten inklusiven Bildung.
Schlüsselwörter
Inklusion, Berufliche Bildung, Fachpraktiker, Ernährung und Hauswirtschaft, Menschen mit Behinderung, UN-Behindertenrechtskonvention, Berufsausbildung, Nachteilsausgleich, Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit, Beikoch, Arbeitsmarkt, Förderschwerpunkt, Heterogenität, Berufsvorbereitung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Ausbildungssituation von Menschen mit Behinderung im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft innerhalb des deutschen Bildungssystems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind das Inklusionsverständnis, die Struktur von Fachpraktikerausbildungen und die rechtlichen Rahmenbedingungen der beruflichen Teilhabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob Fachpraktikerausbildungen ein inklusives Ausbildungsangebot darstellen, das den Leitlinien der UN-Behindertenkonvention gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse wissenschaftlicher Fachliteratur sowie die Auswertung von Ausbildungsregelungen und bildungspolitischen Leitlinien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Berufsfeld, das Inklusionsverständnis, die Bedeutung von Inklusion in der beruflichen Bildung und eine kritische Diskussion zu den Fachpraktikerausbildungen erörtert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Inklusion, berufliche Teilhabe, Fachpraktikerausbildung, Menschen mit Behinderung und Bildungsgerechtigkeit beschreiben.
Warum wird die Fachpraktikerausbildung Küche (Beikoch) als Beispiel herangezogen?
Dieser Beruf dient als exemplarisches Beispiel, da das Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft eine hohe Nachfrage nach Fachpraktikerausbildungen aufweist und die Ausbildungsinhalte praxisnah gestaltet sind.
Welche Kritik äußert die Autorin an der aktuellen Situation?
Die Autorin weist darauf hin, dass eine spezielle Fachpraktikerausbildung zwar Ausbildungsmöglichkeiten bietet, aber durch ihre separierende Art den Ansprüchen einer vollumfänglichen, inklusiven Bildung widersprechen kann.
- Citar trabajo
- Sabine Scholle (Autor), 2019, Inklusion in der beruflichen Bildung. Fachpraktikerberufe im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/981536