Was es braucht, damit Selbst- und Mitbestimmung der Kinder im Krippenalltag funktionieren kann, an welchen Punkten der Umsetzung sich Grenzen aufzeigen und welche Rolle die pädagogische Fachkraft im partizipativen Handeln übernimmt, gilt es auf den folgenden Seiten zu erläutern. Mithilfe einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung und eines quantitativen Fragebogens werden diese Fragen im Hinblick auf Theorie und Praxis beleuchtet.
Erzieherin Anja steht zwischen einem eventuellen Machtkampf und Partizipation. Besteht sie auf eine Korrektur des Schuhwerks oder lässt sie Semra diese Erfahrung machen? Was hat die Erzieherin zu verlieren und was kann Semra gewinnen? Krippenalltag. Eine Situation, die sich tagtäglich in dieser oder ähnlicher Form findet. Entscheidungen, die sich unzählige Male in den Köpfen des Fachpersonals abspielen.
Wenn Kinder im Krippenalltag am Geschehen beteiligt werden, sie das Gefühl haben, wahrgenommen zu werden und ihre Meinung in der Gemeinschaft zählt, dann erfahren Kinder bereits in jungem Alter Partizipation und gesellschaftliches Engagement. Wie sich der Begriff Partizipation definiert, wird im folgenden Abschnitt näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Bedeutung der Partizipation
1.1. Definition des Begriffs Partizipation
1.2. Rechtliche Verankerung von Partizipation
1.3. Partizipation im Orientierungsplan
1.4. Ziele der Partizipation
1.5. Nebeneffekte der Partizipation
1.5.1. Stärkung von Selbstbildungsprozessen und sozialen Kompetenzen
1.5.2. Partizipation als Schlüssel zur Demokratie
2. Standpunkt der Partizipation in der Krippenpädagogik
2.1. Pädagogik nach Emmi Pikler
2.2. Reggio-Pädagogik von Loris Mallaguzzi
2.3. Montessori-Pädagogik von Maria Montessori
2.4. Situationsorientierter Ansatz
3. Voraussetzungen zum Gelingen von Partizipation
3.1. Formen der Partizipation
3.2. Prinzipien der Partizipation
3.3. Professionalität der pädagogischen Fachkraft
3.3.1. Die Haltung der pädagogischen Fachkraft
3.3.2. Der Weg zur Förderung von Partizipation und Engagement
3.4. Wissen über Partizipation
3.5. Beobachtung
3.6. Partizipation im Alltag
3.7. Eltern beteiligen
4. Grenzen in der Partizipation – Regeln und Rituale
4.1. Grenzen – Verhindern Regeln und Rituale Partizipation?
4.2. Partizipativer Umgang mit Regeln und Beschwerden
4.3. Machtverhältnisse
5. Praxisbezug
5.1. Forschungsziel
5.2. Forschungsgegenstand
5.2.1. Erhebungsinstrument
5.2.2. Aufbau des Fragebogens und Art der Fragestellung
5.2.3. Stichprobe
5.2.4. Ein- und Ausschlusskriterien
5.3. Untersuchungsablauf
5.3.1. Pretest
5.3.2. Durchführung der Methode
5.4. Analyse der Daten
5.4.1. Form der Datenauswertung
5.4.2. Teil A – Einrichtung und Aktualität
5.4.3. Teil B – Krippenalltag – Spielsituation
5.4.4. Teil C – Krippenalltag – Essensituation
5.4.5. Teil D – Krippenalltag – Schlafenssituation
5.4.6. Teil E – Bedeutung von Partizipation
5.4.7. Teil F – Partizipation allgemein
5.4.8. Demografische Daten
5.5. Gütekriterien auf dem Prüfstand
5.6. Auswertung des Fragebogens
5.6.1. Partizipation in der Konzeption
5.6.2. Partizipation im Freispiel
5.6.3. Der Morgenkreis als partizipative Möglichkeit
5.6.4. Partizipation in Essenssituationen
5.6.5. Partizipation in der Schlafenssituation
5.6.6. Voraussetzungen für Partizipation – Grenzen im Blick
5.6.7. Partizipation abhängig vom Alter
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie und in welchem Umfang Partizipation bei Kindern unter drei Jahren im Krippenalltag realisiert werden kann, welche Voraussetzungen hierfür erforderlich sind und an welchen praktischen Grenzen dieser Prozess stößt. Dabei werden theoretische Grundlagen mit einer quantitativen Untersuchung in der Region Bodensee-Oberschwaben verknüpft, um den Status quo der Mitbestimmung in Kleinkindgruppen abzubilden.
- Grundlagen der Partizipation und ihre rechtliche Verankerung.
- Einfluss pädagogischer Konzepte auf die Umsetzung von Partizipation in der Krippe.
- Bedeutung der professionellen Haltung der pädagogischen Fachkraft.
- Herausforderungen in Alltagssituationen wie Essen, Schlafen und Regeln.
- Quantitative Analyse der Praxis mittels Fragebogenerhebung.
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Die Haltung der pädagogischen Fachkraft
„Die Grundhaltung der pädagogischen Fachkraft ist geprägt von den demokratischen Werten unserer Gesellschaft und der Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen. Deshalb ist das pädagogische Handeln von Respekt, Achtung und Wertschätzung gegenüber jedem Kind geleitet. […] Ausdruck dieser Grundhaltung sind auch Prinzipien des pädagogischen Handelns wie Partizipation, Integration, Ganzheitlichkeit sowie eine vorurteilsbewusste, geschlechtersensible Bildung und Erziehung.“ (Ministerium für Kultus, 2014, S. 56ff) Im baden-württembergischen Orientierungsplan wird deutlich, dass bereits die Grundhaltung der pädagogischen Fachkraft von partizipativen Aspekten bestimmt sein muss, um jedes Kind mit seinen Bedürfnissen und Interessen individuell wahrzunehmen.
Die Haltung der pädagogischen Fachkraft wird durch die eigenen Erfahrungen und Werte beeinflusst. Da die Haltung sich auf das professionelle Handeln auswirkt, setzt sich die professionelle, pädagogische Fachkraft mit den Einflüssen ihrer Biografie auseinander und berücksichtigt sie in ihrer pädagogischen Arbeit (vgl. ebd. S. 56). Mithilfe der Selbst- und Teamreflektion hat die Fachkraft die Möglichkeit, sich in ihrer Persönlichkeit und ihrer Fach- sowie Handlungskompetenz zu entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Bedeutung der Partizipation: Dieses Kapitel definiert den Begriff Partizipation, beleuchtet dessen rechtliche Grundlagen und erläutert Ziele sowie Nebeneffekte wie die Förderung demokratischer Kompetenzen.
2. Standpunkt der Partizipation in der Krippenpädagogik: Es werden verschiedene Ansätze wie die Pädagogik von Emmi Pikler oder der Situationsorientierte Ansatz hinsichtlich ihrer Sicht auf Partizipation bei Kleinkindern untersucht.
3. Voraussetzungen zum Gelingen von Partizipation: Dieser Abschnitt analysiert notwendige Bedingungen wie Formen der Beteiligung, die professionelle Haltung der Fachkraft, Beobachtung und die Elternarbeit.
4. Grenzen in der Partizipation – Regeln und Rituale: Das Kapitel befasst sich mit der Spannung zwischen notwendigen Sicherheitsvorgaben und partizipativen Spielräumen sowie dem Umgang mit Machtverhältnissen.
5. Praxisbezug: Hier wird die Durchführung, Analyse und Auswertung einer quantitativen Fragebogenerhebung vorgestellt, die Erkenntnisse über die praktische Partizipationsumsetzung in der Region Bodensee-Oberschwaben liefert.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Partizipation im Krippenalltag primär eine Frage der pädagogischen Haltung ist und trotz institutioneller Rahmenbedingungen aktiv gestaltet werden kann.
Schlüsselwörter
Partizipation, Krippenalltag, Selbstbestimmung, Teilhabe, pädagogische Fachkraft, Selbstwirksamkeit, Demokratiebildung, Kleinkindpädagogik, Erziehungspartnerschaft, Beobachtung, Mitbestimmung, Kindeswohl, professionelle Haltung, Regelverhandlung, Bildungskonzept.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen der Partizipation von Kindern unter drei Jahren im Krippenalltag und untersucht, wie demokratische Teilhabe bereits in der frühen Kindheit gelingen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die theoretische Fundierung von Partizipation, die Rolle der pädagogischen Fachkraft, die Bedeutung von Regeln und Ritualen sowie die praktische Umsetzung der Mitbestimmung in Alltagssituationen wie Essen oder Schlafen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Partizipation in Krippeneinrichtungen trotz struktureller Herausforderungen gefördert werden kann und welche professionelle Haltung hierfür notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Untersuchung durchgeführt, bei der ein Fragebogen an pädagogische Fachkräfte in der Region Bodensee-Oberschwaben versandt wurde, um den Ist-Zustand der Partizipationspraxis zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Partizipationskonzepten und eine detaillierte Auswertung der empirischen Daten, die aufzeigen, in welchen Bereichen des Alltags Kinder bereits mitbestimmen können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Partizipation, Selbstbestimmung, Krippenpädagogik, pädagogische Haltung, Machtabgabe und Demokratiebildung.
Wie wirkt sich das Alter der Kinder auf die Partizipation aus?
Die Ergebnisse zeigen, dass die Partizipationsmöglichkeiten mit zunehmendem Alter steigen, da die Kinder ihre Bedürfnisse differenzierter äußern und besser an Entscheidungsprozessen mitwirken können.
Welche Bedeutung haben Regeln in der Arbeit?
Regeln werden nicht als grundsätzliches Hindernis für Partizipation gesehen, sondern als strukturgebender Rahmen, der idealerweise verhandelbar sein sollte, sofern dies nicht durch Sicherheitsaspekte eingeschränkt ist.
- Citation du texte
- Kathleen Lienig (Auteur), 2019, Partizipation zwischen Teilhabe und Selbstbestimmung im pädagogischen Krippenalltag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984135