Sowohl der amerikanische Philosoph Thomas Nagel als auch der australische Philosoph Frank Jackson haben versucht, den Physikalismus herauszufordern bzw. zu widerlegen. Ihre dazu verfassten Arbeiten „What is it like to be a bat“ und „Epiphenomenale Qualia“ sollen daher in dieser Hausarbeit nach ihren Argumenten analysiert und verglichen werden, um darzulegen, welche Implikationen deren Ergebnisse auf das Leib-Seele-Problem haben und welche der beiden Positionen plausibler erscheint.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Herausforderungen an den Physikalismus
2.1 Thomas Nagel: „What is it like to be a bat“
2.1.1 Bewusstsein
2.1.2 Das ‚What-is-it-like-to-be‘-Argument
2.1.3 Zukunftsvisionen
2.2 Frank Jackson: „Epiphenomenal Qualia“
2.2.1 Das Knowledge Argument
2.2.2 Epiphänomenalismus
2.2.3 Kritikpunkte am Argument
3 Diskussion und Gegenüberstellung der Positionen
4 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leib-Seele-Problem mit einem spezifischen Fokus auf die physikalistische Position und deren Herausforderung durch die Philosophen Thomas Nagel und Frank Jackson. Ziel ist es, deren zentrale Argumente zu analysieren, kritisch gegenüberzustellen und ihre Implikationen für die Philosophie des Geistes zu bewerten.
- Das Leib-Seele-Problem und die physikalistische Perspektive
- Thomas Nagels subjektiver Charakter von Erfahrungen
- Frank Jacksons Knowledge Argument und die Existenz von Qualia
- Kritische Analyse des Epiphänomenalismus
- Vergleich der Argumente hinsichtlich ihrer Plausibilität für den Physikalismus
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Bewusstsein
Thomas Nagel stellt schon gleich zu Beginn seines 1974 verfassten Aufsatzes heraus, dass es das Bewusstsein ist, welches das Leib-Seele-Problem so schwierig macht. Mit Bewusstsein ist hier nicht das Bewusstsein gemeint im Sinne eines Wachzustandes im Gegensatz zum Schlafzustand, oder einem Bewusstsein als Selbstwissen bzw. Selbstbewusstsein, sondern gemeint ist das phänomenale Bewusstsein, nämlich das Bewusstsein irgendwie zu sein, welches Nagel auch als subjektiven Charakter von Erfahrungen bezeichnet:
„Die Tatsache, dass ein Organismus überhaupt bewusste Erfahrungen hat, heißt im Wesentlichen, dass es irgendwie ist, dieser Organismus zu sein. […] Wir können dies den subjektiven Charakter von Erfahrungen nennen“ (Nagel 2009, S. 63).
Bewusstsein ist also der Zustand, dass es sich bei physischen Erfahrungen irgendwie anfühlt, dieses Wesen zu sein, man könnte diesen Zustand von Erfahrungen auch als Subjektivität bezeichnen. Der subjektive Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes wird auch „Qualia“ genannt. Aber auch unbelebte Dinge haben Erfahrungen oder Erlebnisse, wie beispielsweise ein Haus, das in der Sonne steht. Aber im Gegensatz zum Menschen mit Bewusstsein, für den es sich irgendwie anfühlt die Wärme der Sonne zu spüren, fühlt das Haus in der Sonne die Wärme nicht. Das Bewusstsein ist also ein subjektiver Charakter.
Die Schwierigkeit an diesen Erlebnissen mit subjektivem Charakter ist nun aber, dass sie sich nicht mit den gängigen Methoden des Reduktionismus erklären lassen (vgl. ebd., S. 63). Reduktionismus bedeutet, dass man Dinge oder Eigenschaften, die verschieden zu sein scheinen, in Wirklichkeit identisch sind und das eine durch das das andere erklärt werden kann. So kann z.B. in einer reduktionistischen Analyse Wasser mit H2O erklärt werden oder ein Blitz durch elektrische Entladung, ohne dass hierbei etwas verloren geht, denn die Reduktion basiert vollständig auf den Naturgesetzen. Bei der Reduktion des Bewusstseins ist diese vollständige Reduktion nicht möglich, denn der subjektive Charakter wird bei dieser Reduktion nicht erfasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert das historische Leib-Seele-Problem und definiert die relevanten philosophischen Strömungen, wobei der Fokus auf dem Physikalismus liegt.
2 Herausforderungen an den Physikalismus: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Argumente von Thomas Nagel und Frank Jackson, die den Physikalismus durch die Einbeziehung subjektiver Erfahrungen infrage stellen.
3 Diskussion und Gegenüberstellung der Positionen: Hier werden die Ansätze von Nagel und Jackson verglichen, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die generelle Tragfähigkeit ihrer Argumente zu bewerten.
4 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die zukünftige Relevanz des Leib-Seele-Problems und die ethischen Fragen einer potenziellen objektiven Phänomenologie.
Schlüsselwörter
Physikalismus, Leib-Seele-Problem, Bewusstsein, Qualia, Thomas Nagel, Frank Jackson, Knowledge Argument, Epiphänomenalismus, Reduktionismus, subjektiver Charakter, phänomenales Bewusstsein, Erklärungslücke, Dualismus, Monismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung zwischen der physikalistischen Theorie des Geistes und den Herausforderungen, die sich durch das subjektive Erleben ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Leib-Seele-Problem, der Reduktionismus sowie die philosophischen Konzepte von Thomas Nagel und Frank Jackson zu phänomenalem Bewusstsein.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse und der Vergleich der Argumente von Nagel und Jackson, um deren Bedeutung für die Verteidigung oder Widerlegung des Physikalismus zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der philosophischen Text- und Argumentationsanalyse, um die Theorien der genannten Autoren zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Nagels „What is it like to be a bat“ und Jacksons „Epiphenomenal Qualia“ im Detail besprochen, inklusive der Argumentationsskizzen und kritischer Einwände.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Physikalismus, Qualia, Subjektivität, Bewusstsein und Erklärungslücke beschreiben.
Wie unterscheidet sich Nagels Ansatz von Jacksons Ansatz?
Während Jackson den Physikalismus durch die Existenz nicht-physischer Tatsachen direkt für falsch erklärt, sieht Nagel derzeit lediglich das Fehlen einer geeigneten Methode zur physikalischen Erklärung mentaler Zustände.
Was besagt das Knowledge Argument?
Es besagt, dass Mary, obwohl sie alles physikalische Wissen über Farben besitzt, neues Wissen erwirbt, sobald sie tatsächlich eine Farbe sieht, was gegen die Vollständigkeit des Physikalismus spricht.
Warum wird der Epiphänomenalismus kritisiert?
Er wird kritisiert, da er mentale Zustände als kausal wirkungslos betrachtet, was dem Alltagsverständnis widerspricht und zur Selbstverdummung führen würde.
Wie bewertet die Autorin die Plausibilität der Argumente?
Nagels offenerer Ansatz wird tendenziell vorgezogen, da er die Möglichkeit zukünftiger Erkenntnisse zulässt, während Jacksons Epiphänomenalismus als unplausibel zurückgewiesen wird.
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- Moritz Fork (Autor), 2020, Wie Mary und die Fledermäuse den Physikalismus herausfordern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984619