Die Eisschmelze in der Arktis. Ein Unterrichtsentwurf


Unterrichtsentwurf, 2011

22 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse

2. Didaktische Reflexion
2.1. Einordnung in den Bildungsplan ´04
2.2. Bildungsstandards im Fach Geographie
2.3. Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit
2.4. Bedeutung des Themas für die Schüler/innen
2.5. Exemplarität und didaktische Reduktion
2.6. Aufgabenanalyse und mögliche Schwierigkeiten

3. Kompetenzerwerb/ Lernziele
3.1. Übergeordnete Kompetenzen / Ziele
3.2. Fachliche Lernziele
3.3. Methodische Lernziele
3.4. Soziale Lernziele
3.5. Personale Lernziele

4. Methodische Reflexion
4.1. Artikulation des Unterrichts
4.1.1. Begrüßung/ Einstieg
4.1.2. Erarbeitungsphase I
4.1.3. Auswertungsphase
4.1.4. Erarbeitungsphase II
4.1.5. Ergebnissicherung
4.1.6. Abschluss/ Diskussion/ Puffer
4.1.7. Vertiefung/ Differenzierung/ Puffer
4.2 Methoden und Sozialformen
4.2.1. Kartierung
4.2.2. Einzelarbeit
4.2.3. Ich – Du – Wir und Gruppenarbeit
4.3 Medien
4.3.1. Satellitenbilder
4.4. Alternativen

5. Verlaufsplan & Anlagen

6. Literaturverzeichnis

1. Sachanalyse

Die Arktis ist die Region der Erde, die sich zwischen dem geographischen Nordpol und dem Nordpolarkreis 66,56°N befindet. Im Zentrum der Arktis befindet sich das Nordpolarmeer, welches größtenteils von Eis bedeckt und von den Nordrändern der Kontinente Nordamerika, Asien und Europa begrenzt wird. Das Pendant zur Arktis bildet die Antarktis auf der Südhalbkugel der Erde. Aufgrund der Erdrevolution schmilzt im Nordsommer ein Teil des Meereises in der Arktis. Im Idealfall bildet sich im Nordwinter wieder genau so viel neues Eis, wie im Sommer geschmolzen ist, so dass die Arktis im Gleichgewicht ist. Seit über einem halben Jahrhundert wird jedoch eine zunehmende Abnahme der Meereseisfläche beobachtet, die in den letzten Jahrzehnten immer weiter an Geschwindigkeit zugenommen hat. Natürliche Schwankungen, die es immer schon gegeben hat, erscheinen somit zunehmend unwahrscheinlicher. Es müssen somit anthropogene Einflüsse als die Hauptursache für den Wandel von Klima und Eisbedeckung angesehen werden. Im Vergleich zum Durchschnitt zeigen Messungen eine Abnahme der Eisfläche in den Jahren 1978 bis 2000 um rund 45% auf 3 Millionen km2. Laut IPCC kann die Arktis demnach schon im Sommer 2070 (andere Experten sagen 2040 oder noch früher) eisfrei sein. Das Eisminimum wurde im Jahr 2007 festgestellt. In diesem Jahr sind über eine Million Quadratkilometer Eis geschmolzen.1 Für 2011 sagten Geowissenschaftler und Journalisten ein neues Eisminimum voraus und haben dieses teilweise sogar veröffentlicht (Vgl. Abb. 2). Bei genauerer Darstellung fällt allerdings auf, dass der Arktiseis-Minimum-Rekord von 2007 knapp, aber nicht erreicht worden ist (Vgl. Abb. 3). Regionale Auswirkungen auf das Ökosystem, die Bevölkerung, die Infrastruktur und Industrie sind unübersehbar. Die Veränderungen in der Arktis sind aber nicht nur ein frühes Anzeichen für den globalen Klimawandel, sondern verursachen auch drastische Veränderungen in weiten Teilen der Erde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Didaktische Reflexion

2.1. Einordnung in den Bildungsplan ´04

Die Unterrichtsstunde „Eisschmelze in der Arktis - Nicht nur im Sommer schmilzt das Eis“ im Fach EWG Sek. 1 lässt sich im Bildungsplan ´04 für die Realschule – Klasse 8 der Leitidee 1 „Wechselbeziehungen zwischen Klima und Vegetation“ und der Leitidee 2 „Menschen erschliessen, gestalten und gefährden ihre Umwelt“ zuordnen. Hinsichtlich der Kompetenzentwicklung von Schülerinnen und Schülern heißt es dort: „ Die Schülerinnen und Schüler besitzen einen Überblick über die Klima- und Vegetationszonen der Erde. Sie können […] wichtige Grundlagen der Klimakunde erklären. Die Schülerinnen und Schüler können an außereuropäischen Beispielen Räume analysieren, die durch die menschliche Nutzung ökologisch bedroht sind.“ 2 Im weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit „Arktis und Antarktis“ werden noch weitere Leitideen verfolgt, wie sie im Bildungsplan ’04 aufgeführt sind. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass in dieser Unterrichtsstunde die methodische Kompetenz „Kartierung“ (Vgl. Kap. 5.2.1) im Vordergrund stehen soll, durch welche die Schülerinnen und Schüler die Arktiseisschmelze analysieren sollen.

2.2. Bildungsstandards im Fach Geographie

In Anlehnung an die „Internationale Charta der Geographischen Erziehung“ entwickelte die „Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG)“ 3 Bildungsstandards die sie als national gültige Standards festzulegen versucht. Diese rein geographischen Bildungsstandards können als Hilfestellung und Erweiterung zum Bildungsplan gesehen werden. Die vom DGfG dargestellten Kompetenzbereiche wirken, auch in der folgenden Unterrichtsstunde, gemeinsam, um eine geographische Gesamtkompetenz aufzubauen. Zentrale Kompetenzen, die in dieser Unterrichtsstunde hauptsächlich angesprochen werden sind im Kompetenzbereich Fachwissen: „F2 Fähigkeit, Räume unterschiedlicher Art und Größe als naturgeographische Systeme zu erfassen. Die Schülerinnen und Schüler können […] S5 vergangene und zu erwartende naturgeographische Strukturen in Räumen […] erläutern.“ 4 Im Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung/ Methoden: „ M3 Fähigkeit, Informationen zur Behandlung geographischer/ geowissenschaftlicher Fragestellungen auszuwerten. Die Schülerinnen und Schüler können - S6 geographisch relevante Informationen aus klassischen und technisch gestützten Informationsquellen […] strukturieren und bedeutsame Einsichten herausarbeiten.5 Auf eine ausführlichere Beschreibung und Zuordnung, der von der DGfG benannten Bildungsstandards6, muss an dieser Stelle aber verzichtet werden.

2.3. Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit

In der Unterrichtseinheit „Arktis und Antarktis“ sollen die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die beiden Polregionen bekommen und diese in Hinblick auf Vegetation, Klima, Topographie, physische Gestalt, politische Zugehörigkeit, Nutzung und andere geographische Phänomene beschreiben können. Hier ein kleiner Überblick über die gesamte Unterrichtseinheit:

1. Polarnacht – Polartag (Überleitung von der Entstehung der Jahreszeiten)
2. Topographie Arktis und Antarktis (Topographische Übung)
3. Arktis und Antarktis im Profil
4. Eisformen (Lerntheke)
5. Klimavergleich Grönland/ Deutschland (Klimadiagramme auswerten)
6. Klimaveränderungen in der Arktis (Arktiseisschmelze: Kartierung)
7. Klimaveränderungen in der Arktis (Ursachen und Folgen)
8. Gebietsansprüche an die Arktis (In Anlehnung an den Spiegel Artikel 23/2008 „Wettlauf zu den letzten Grenzen“)
9. Leben in Polargebieten (Film)
10. Wie leben Grönlands Jugendliche heute? (Vgl. Praxis Geographie 12/2011)
11. Tourismus in der Antarktis (Kritische Auseinandersetzung mit Reisangeboten)
12. Abschluss: Arktis und Antarktis im Vergleich

2.4. Bedeutung des Themas für die Schüler/innen

„Geographische Grundbildung ist mit ihren Zielen, Inhalten und Methoden wesentlicher Teil von Allgemeinbildung.“7 Die Veränderungen in der Arktis sind nicht nur ein Anzeichen für den globalen Klimawandel, sondern verursachen in weiten Teilen der Erde Veränderungen. Durch viele sich gegenseitig beeinflussende Variablen wird das Klimasystem der Erde gesteuert und ist somit ein hoch komplexes System. Regionale Klimaveränderungen, wie sie verstärkt in der Arktis zu beobachten sind, können daher nicht isoliert beobachtet werden. Sie betreffen nicht nur das Ökosystem und die Bevölkerung der arktischen Region, sondern alle Menschen in sämtlichen Regionen der Erde. Als globale Auswirkungen sind beispielsweise zu nennen: Die verstärkte Erwärmung (nicht nur in der Arktis) durch verringerte Reflexion, der Meeresspiegelanstieg durch Schmelzen von Festlandeis (betrifft auch Deutschland), eine Veränderung der Ozeanzirkulation – insbesondere der Nordatlantikstrom (welche zu einer absoluten Abkühlung von Europa führen kann).8 Jedes einzelne Element und die Systeme als Ganzes verändern sich durch ständig ablaufende Prozesse. Diese müssen vom Menschen erfasst werden, um Zusammenhänge zu entdecken und gleichzeitig lebensweltliche Perspektive zu schaffen. Dafür ist ein systematischer Wissensaufbau unabdingbar. Durch die Untersuchung von einem geographischen Teilsystem, soll in dieser Stunde Methodenkompetenz der Schülerinnen und Schüler gefordert werden. Sie ist eine wichtige Voraussetzung für das Verständnis von Zusammenhängen und um lebenslanges Lernen zu ermöglichen.9 Darüber hinaus lernen die Schülerinnen und Schüler eine Methode kennen, die es ihnen erlaubt, Ergebnisse aus dem TV oder Internet kritisch zu hinterfragen und selbst zu überprüfen.

2.5. Exemplarität und didaktische Reduktion

Die Erde als Teil unseres Sonnensystems unterliegt ständigen Veränderungen, die sowohl natürliche als auch anthropogene Ursachen haben. Um diese ständigen Veränderungen zu erfassen, wahrnehmen und interpretieren zu können, bedarf es an methodischen Kompetenzen, die es ermöglichen auch komplexe Prozesse und Zusammenhänge einfach darzustellen. Ziel dieser recht einfachen Form der Kartierung ist es, den Schülerinnen und Schülern eine Methode näher zu bringen, mit der sie immer komplexer werdende Sachverhalte darstellen können. Am Beispiel der Arktisschmelze erfahren die Schülerinnen und Schüler darüber hinaus, welche Folgen die globale Klimaveränderung nach sich zieht. Hier setzt auch schon die didaktische Reduktion ein. In dieser Unterrichtsstunde steht die Methode „Kartierung“ im Vordergrund. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Veränderung eines Raums, hier der Arktis, erfassen und eine Vorstellung vom Rückgang des Arktiseises bekommen. Als formale Stufe wird daher die Stufe der Klarheit anvisiert.10 Die Verknüpfung der neu gelernten Vorstellung mit anderen Wissenselementen (z.B. globaler Klimawandel) ist in dieser Stunde nicht vorgesehen. Jedoch, kann aber das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler für diese Unterrichtsstunde durch Wortmeldungen bereitgestellt werden. Ich möchte noch anmerken, dass v.a. im Internet zahlreiche Grafiken, Informationstexte, Animationen, Artikel, usw. verfügbar sind, die nicht nur bei Schülern falsche Assoziationen hervorrufen können und den Leser/ Betrachter teilweise bewusst täuschen wollen. Die einen verniedlichen, die anderen neigen zu Übertreibungen. Diese Stunde ist insoweit didaktisch reduziert, dass sie reale Prozesse in das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler rufen möchte.

[...]


1 Vgl. DiePresse.com 2011, S. 1 ff.

2 Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2004, S.122

3 Die Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG) ist eine Dachorganisation, die in mehrere geographische Verbände und Gesellschaften gegliedert ist. Die DGfG setzt sich dafür ein, Inhalte und Bedeutung der Geographie als Schulfach zu vermitteln.

4 DGfG 2006, S. 14

5 Ebd. S. 21

6 Ebd., S. 13ff.

7 Ebd., S. 7

8 Vgl. Zetsche 2005, S. 17 ff.

9 Vgl. DGFG., S. 10-12 und 18

10 In der Stufe der Klarheit haben sich die Schülerinnen und Schüler zunächst in neue Wissenselemente zu vertiefen, um dabei diese Wissenselemente zu erfassen und zu verstehen. Haben sie sich eine klare Vorstellung vom Lerngegenstand gemacht, sollen sie diesen, auf der zweiten Stufe, mit anderen (neu) gelernten Wissenselementen (z.B. Treibhauseffekt) assoziativ verknüpfen. Vertiefung durch Klarheit und Assoziation. Erst der nächste Schritt dient der Besinnung. Die Lernenden müssen gelernte Wissenselemente miteinander verknüpfen (z.B. Albedo-Effekt [Arktis] ßà Treibhauseffekt) und können das neu Gelernte, im ethischen Sinne, zur Anwendung bringen. Besinnung durch System und Methode. (Formale Stufen nach Herbart 1776-1841).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Eisschmelze in der Arktis. Ein Unterrichtsentwurf
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V984873
ISBN (eBook)
9783346349170
ISBN (Buch)
9783346349187
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arktis, Eisschmelze, Klimawandel
Arbeit zitieren
Martin Briol (Autor), 2011, Die Eisschmelze in der Arktis. Ein Unterrichtsentwurf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984873

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