Diese Arbeit befasst sich mit der interkulturellen Kommunikation zwischen Sozialarbeitern und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Dazu wird besonders das 4-Dimensionen-Modell nach Auernheimer zur Analyse herangezogen. Auf der Basis des Modells erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Erwerb der interkulturellen Kompetenz.
Migrations- und Flüchtlingsströme führen zum Anstieg interkultureller Begegnungen in Deutschland. Ein Begegungszentrum stellt die Kinder-und Jugendhilfe dar, die unbegleitete Minderjährige Geflüchtete (umF) in Obhut nehmen. Die Arbeit von Sozialarbeiter*innen in Wohngruppen mit umF sind geprägt von interkulturellen Begegnungen, was zu Schwierigkeiten und Missverständnissen in der interkulturellen Kommunikation führen kann.
Seit den 1990er Jahren besteht der Diskurs um die Aneignung einer interkulturellen Kompetenz für Sozialarbeiter*innen, um mit Menschen aus anderen Kulturen konfliktfrei kommunizieren zu können und sie auf der Basis ihrer Wertevorstellungen zu verstehen. Auernheimer fokussiert in seinem 4-Dimensionen Modell den Machtaspekt in interkulturellen Begegnungen, das eine andere Perspektive auf den Diskurs in der interkulturellen Kompetenz wirft, indem er behauptet, dass sich die unterschiedliche Erwartungshaltung der Kommunikationspartner*innen nicht nur auf differente Kulturmuster, Fremdbilder und unterschiedliche Kollektiverfahrungen zurückführen lässt. Er steht somit kritisch der reinen Aneignung von Wissen über andere Kulturen zur Minimierung von Verständigungsproblemen gegenüber.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kulturbegriff
3. Interkulturelle Kommuniaktion
4. unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF)
5. 4- Dimensionen Modell zu Interkulturellen Kommuniaktion nach Auernheimer
5.1 Einführung
5.2 Machtasymmetrie
5.3. Kollektiverfahrungen
5.4 Fremdbilder
5.5 Differente Kulturmuster
6. Erkenntnisse für das Konzept der interkulturellen Kompetenz und Aneignung dieser
7. Kritische Reflexion des Modells und Ausblick
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen der interkulturellen Kommunikation zwischen Sozialarbeitenden und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) unter besonderer Berücksichtigung des 4-Dimensionen-Modells von Auernheimer, um Machtasymmetrien und Missverständnisse in diesem professionellen Kontext besser zu verstehen.
- Analyse des Kulturbegriffs und dessen Bedeutung für die soziale Arbeit.
- Untersuchung der Machtdynamiken in der Kommunikation zwischen Fachkräften und umF.
- Bedeutung kollektiver Erfahrungen und deren Einfluss auf aktuelle Interaktionen.
- Reflexion über Fremdbilder und unterschiedliche Kulturmuster.
- Strategien zur Aneignung interkultureller Kompetenz in der Praxis.
Auszug aus dem Buch
5.2 Machtasymmetrie
Nach Auernheimer sind die meisten interkulturellen Begegnungen geprägt von Ungleichheiten. Er verweist zunächst darauf, dass Macht nicht mit Herrschaft gleichzusetzen sei. Macht ergibt sich aus den ungleichen Zugangsvoraussetzungen zu Ressourcen der Kommunikationspartner (vgl. Auernheimer 2003, S. 186).
Bourdieu differenziert den Zugang zu Ressourcen in soziales, kulturelles oder ökonomisches Kapital (vgl. Bourdieu 1992, S. 49.ff.) Bourdieu argumentiert, dass die Position in einer Gesellschaft nicht nur abhängig ist vom individuellen Habitus einer Person, sondern die Ausstattungen und Zugängen zu den drei Kapitalsorten entscheidend sind. So gleicht er sich mit Auernheimer, dass der Zugang zu Ressourcen ausschlaggebend für Ungleichheiten ist.
Nach Auernheimer spiegelt sich Macht im institutionellen Status, sozialen Beziehungen oder im Zugang zu Informationen wieder. Er selbst nennt als Beispiel für ein Machtverhältnis den/die Sozialarbeiter*in gegenüber seines/r Klient*in (vgl. Auernheimer 2013, s. 52). Begründen lässt sich dieses Machtverhältnis dadurch, dass derjenige, der Einfluss nehmen kann und Regeln setzen kann zum Überlegenen wird und der andere sich fügen muss.
Norbert Elias bezeichnet Macht in seiner Machttheorie als „Struktureigentümlichkeit aller menschlichen Beziehungen“ (zit. n. Wolf 2007, S. 105). Die menschlichen Beziehungen kennzeichnen sich durch zwei zentrale Merkmale. Zum einen durch Abhängigkeiten. Elias geht davon aus, dass es Menschen nicht egal sei, was andere tun, denken oder fühlen. Als zweites seien Menschen auf andere Menschen angewiesen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen und Unbehagen zu vermeiden. Dies erzeugt gegenseitige Abhängigkeit und beeinflusst Machtbalancen. Macht, wenn der eine von dem anderen stärker abhängig ist. Diese „Machtdifferentiale“ (zit. ebd., S. 106) sind allerdings nicht statisch. Sie können mit verändernden Bedürfnissen abschwächen oder stärker werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Anstieg der interkulturellen Begegnungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und führt in die Problematik von Missverständnissen zwischen Sozialarbeitenden und umF ein.
2. Kulturbegriff: Dieses Kapitel definiert Kultur als ein System aus Überzeugungen, Konzepten und Einstellungen, das sich im Verhalten von Menschen widerspiegelt.
3. Interkulturelle Kommuniaktion: Es wird die interkulturelle Kommunikation als personale Begegnung zweier Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Kontext erörtert.
4. unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF): Das Kapitel liefert eine formale Definition des Begriffs umF unter Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen.
5. 4- Dimensionen Modell zu Interkulturellen Kommuniaktion nach Auernheimer: Der Hauptteil erläutert das Modell Auernheimers, welches Machtasymmetrie, kollektive Erfahrungen, Fremdbilder und kulturelle Muster als zentrale Einflussfaktoren identifiziert.
6. Erkenntnisse für das Konzept der interkulturellen Kompetenz und Aneignung dieser: Hier werden Schlussfolgerungen für die professionelle Praxis gezogen, insbesondere im Hinblick auf Selbstreflexion und Wissensaneignung.
7. Kritische Reflexion des Modells und Ausblick: Das Kapitel reflektiert die Anwendbarkeit des Modells und betont die Notwendigkeit, auch individuelle biografische Erfahrungen der Flüchtlinge zu berücksichtigen.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Referenzen.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Auernheimer, Machtasymmetrie, umF, Sozialarbeit, Interkulturelle Kompetenz, Kulturbegriff, Fremdbilder, Kollektiverfahrungen, Kulturelle Muster, Flucht, Ressourcen, Machtverhältnis, Selbstreflexion, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Dynamiken in der Kommunikation zwischen Sozialarbeitenden und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) unter Anwendung des 4-Dimensionen-Modells von Auernheimer.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind interkulturelle Begegnungen, Machtstrukturen, Stereotypisierung, kollektive Erfahrungen und der Erwerb interkultureller Kompetenz in der sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen für Missverständnisse in der interkulturellen Kommunikation zu identifizieren und aufzuzeigen, wie Sozialarbeitende durch Reflexion und Wissen diese Situationen professioneller gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie auf eigene Beobachtungen aus einem Praktikum im Bereich der Jugendhilfe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird das 4-Dimensionen-Modell von Auernheimer detailliert erläutert, wobei insbesondere die Faktoren Machtasymmetrie, kollektive Erfahrungen, Fremdbilder und kulturelle Muster analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind interkulturelle Kommunikation, Machtasymmetrie, umF, Sozialarbeit, Auernheimer und interkulturelle Kompetenz.
Warum spielt der Begriff Macht in der sozialen Arbeit laut dieser Arbeit eine so große Rolle?
Macht ergibt sich in der sozialen Arbeit aus institutionellen Rahmenbedingungen und unterschiedlichen Zugängen zu Ressourcen, was die Beziehung zwischen Fachkräften und Klienten oft asymmetrisch gestaltet.
Inwiefern beeinflussen kollektive Erfahrungen die Kommunikation mit Flüchtlingen?
Kollektive Erfahrungen, wie Krieg, Flucht oder Diskriminierung, prägen das Verhalten und die Wahrnehmung der Flüchtlinge und müssen von Fachkräften bei der Kommunikation berücksichtigt werden, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Zum Machtüberhang in der interkulturellen Kommunikation zwischen Sozialarbeiter*innen und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987211