Die vorliegende Arbeit untersucht die Signifikanz der Resilienz zur Stressbewältigung. Explizit wird dabei der Einfluss von Resilienz auf die Bewältigung von arbeitsbedingtem Stress bei Mitarbeitern erörtert. Dazu wird die Begrifflichkeit Stress definiert und konkret auf den Arbeitsalltag bezogen. Es folgt eine Klärung des allgemeinen Resilienz-Begriffs, gängige Eigenschaften resilienter Menschen werden erläutert. Des Weiteren wird ein Bezug zur arbeitsbezogenen Resilienz bei Mitarbeitern hergestellt und mögliche Faktoren zur Stressbewältigung werden dargestellt.
Seit 1994 ist in Deutschland ein Anstieg der Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund von psychischen Erkrankungen um über 100 Prozent erkennbar. Die Arbeitsunfähigkeitstage sind um etwa 90 Prozent gestiegen. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) lagen die Produktionsausfallkosten durch Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Störungen im Jahr 2012 bei 6,0 Mrd. Euro, der Ausfall an Bruttowertschöpfung (Verlust an Arbeitsproduktivität) bei 10,5 Mrd. Euro. Aus den genannten Daten wird nicht nur die gesundheitliche Problematik psychischer Krankheiten deutlich, sondern es werden auch Beispiele ökonomischer Auswirkungen aufgezeigt.
Dass Stress dabei als eine mögliche Ursache psychischer Erkrankungen gilt, zeigt eine Prognose der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach bis zum Jahr 2020 jede zweite Krankmeldung auf Stress zurückzuführen sein wird. Der WHO zufolge stellt Stress das größte Gesundheitsrisiko des 21. Jahrhunderts dar. Nach Sommer, Kuhn, Milletat, Blaschka und Redetzky (2014) können die heutzutage hohen psychischen Anforderungen und Stressbelastungen beispielsweise durch die hohe Informationsflut, die modernen Kommunikationstechniken oder durch die geforderte Fähigkeit zum Multitasking begründet werden. Ein weiterer Grund kann nach Wellensiek (2011) der stetige Veränderungsprozess sein, d.h. es existiert kein klassischer Change Prozess mehr. Menschen werden vermehrt ausgebeutet und bei Leistungsabfall weiterhin stigmatisiert. Erforderlich sind entsprechend kompetente Führungskräfte, eine Beachtung von Ressourcen und Regeneration der Mitarbeiter, sowie eine neue innere Haltung.
Auf dieser inneren Haltung, Selbststeuerung und Selbstwirksamkeit baut auch das Konzept der Resilienz, der psychischen Widerstandsfähigkeit, auf. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Stress
2.1 Begrifflichkeit Stress
2.2 Belastungs-Beanspruchungsmodell und Arbeitspsychologisches Stressmodell
3 Resilienz
3.1 Begrifflichkeit Resilienz
3.2 Eigenschaften resilienter Menschen
3.2.1 Sieben Resilienzfaktoren
3.2.2 Modell: zehn Schritte zur persönlichen Resilienz-Förderung nach Wellensiek
4 Resilienz am Arbeitsplatz
4.1 Arbeitsbezogene Resilienz
4.2 Resilienzförderung von Mitarbeitern und Teams nach Wellensiek
4.3 Praxismodell mit dem Resilienzfaktor Stressbewältigung nach Sommer, Kuhn, Milletat, Blaschka und Redetzky
4.3.1 Regulation von Gefühlen
4.3.2 Distanzierungsfähigkeit
4.3.3 Selbstfürsorge
4.3.4 Belastungsempfinden
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Signifikanz von Resilienz als Instrument der Stressbewältigung, insbesondere im Hinblick auf arbeitsbedingte Belastungen bei Mitarbeitern, um Wege zu einer gesünderen und leistungsfähigeren Arbeitskultur aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen von Stress und Resilienz
- Modelle zur Resilienzförderung für Einzelpersonen und Teams
- Bedeutung der Führungskultur für resiliente Arbeitsumgebungen
- Praktische Aspekte der Stressbewältigung am Arbeitsplatz
Auszug aus dem Buch
4.3.2 Distanzierungsfähigkeit
Die heutzutage stets geforderte Erreichbarkeit stellt für Arbeitnehmer eine erhöhte Belastung dar, was die Erholung von der Arbeit maßgeblich negativ beeinträchtigt. Zur Förderung resilienter Eigenschaften sollten Mitarbeiter ihre ständige Erreichbarkeit daher einschränken, indem sie sich abgrenzen und lernen „nein“ zu sagen. Des Weiteren ist es notwendig, dass Betriebe sich Gedanken darüber machen, inwiefern durch die ständig geforderte Erreichbarkeit tatsächlich mehr geleistet wird oder Erwartungen verringert werden können. Es muss zudem ein richtiger Umgang mit den neuen Medien und Kommunikationstechniken erlernt und umgesetzt werden.
Auch die Abgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit ist von großer Bedeutung, wenn es um die Thematik der Stressbewältigung geht. Mitarbeiter dürfen sich bewusst machen, dass nicht alles von ihnen allein abhängt. Eventuell können Entspannungstechniken oder Rituale dabei helfen, den Arbeitstag zu beenden. Gelassenheit, abschalten und entspannen kann gezielt trainiert werden. Betrieblich gesehen hilft eine verbindliche Pausenkultur, die ausreichend, aktiv und entspannend gestaltet wird. Das führt außerdem zu einer höheren Arbeitseffizienz.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Anstieg psychischer Erkrankungen durch Stress in Deutschland und begründet die Relevanz von Resilienz für das betriebliche Gesundheitsmanagement.
2 Stress: Dieses Kapitel definiert Stress sowohl allgemein als auch arbeitsbezogen und erläutert wissenschaftliche Modelle, um das Zusammenspiel von Belastung und individueller Beanspruchung zu erklären.
3 Resilienz: Der Abschnitt klärt den Begriff Resilienz und stellt verschiedene persönliche Eigenschaften sowie Modelle wie die Zehn-Schritte-Förderung nach Wellensiek vor.
4 Resilienz am Arbeitsplatz: Hier wird der Transfer der persönlichen Resilienz auf den beruflichen Kontext vollzogen, inklusive spezifischer Förderungsansätze für Teams und Praxismodelle zur Stressbewältigung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Resilienz zusammen und betont die Notwendigkeit von strukturellen Maßnahmen sowie einer resilienten Führungskultur zur langfristigen Sicherung der Mitarbeitergesundheit.
Schlüsselwörter
Resilienz, Stressbewältigung, Arbeitspsychologie, psychische Gesundheit, Belastung, Beanspruchung, Burnoutprävention, Stressverschärfer, Selbstfürsorge, Distanzierungsfähigkeit, Unternehmenskultur, Personalentwicklung, Ressourcenmanagement, Achtsamkeit, Arbeitswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Rolle der psychischen Widerstandsfähigkeit (Resilienz) als Mittel, um Stressbelastungen im beruflichen Alltag erfolgreich zu begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Stressmodelle aus der Arbeitswissenschaft mit Resilienzkonzepten und leitet daraus Strategien für eine gesunde Arbeitsplatzgestaltung und individuelle Selbststeuerung ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Resilienz auf die Bewältigung von arbeitsbedingtem Stress zu erörtern und aufzuzeigen, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter gezielt unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis relevanter Fachliteratur, aktueller Studien und bewährter Praxismodelle der Wirtschaftspsychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Stressursachen, definiert Resilienzfaktoren, stellt konkrete Förderungsmodelle (z.B. nach Wellensiek) vor und beleuchtet die Bedeutung von Unternehmenskultur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Resilienz, Stressbewältigung, Arbeitsplatz, psychische Gesundheit und Ressourcenmanagement.
Wie definiert der Autor das Modell der "zehn Schritte" zur Resilienz?
Es handelt sich um einen praxisnahen Ansatz von Sylvia Kéré Wellensiek, der von der Selbstwahrnehmung (Innehalten) über die Ressourcenstärkung bis hin zur Netzwerkbildung und Selbstführung reicht.
Warum ist das Thema Distanzierungsfähigkeit für Arbeitnehmer heute so wichtig?
Angesichts ständiger Erreichbarkeit und digitaler Kommunikation ist die Fähigkeit zur bewussten Abgrenzung essenziell, um eine echte Regeneration nach der Arbeit zu ermöglichen.
- Citation du texte
- Deborah Seiferth (Auteur), 2017, Resilienz als Stressbewältigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/988390