Extremer und eingeschränkter Utilitarismus. Essay von John J. Smart


Essay, 2018

4 Seiten, Note: bestanden (unbenotet)


Leseprobe

Essay zu John. J. Smart: „Extremer und eigeschränkter Utilitarismus“

John J. Smart befasst sich in seinem Werk Extremer und eigeschränkter Utilitarismus mit den Unterschieden zwischen dem klassischen Handlungsutilitarismus und dem Regelutilitarismus. Er verdeutlicht seine kritische Position gegenüber eingeschränktem Utilitarismus und versucht den Leser anhand von Erläuterungen und Beispielen von seiner Absurdität zu überzeugen. Den Textauszug, welcher diese Gegenüberstellung und Kritik thematisiert, soll in folgender Arbeit dargestellt und auf seine Wirksamkeit überprüft werden.

Zunächst legt Smart dar, dass Utilitarismus in seiner Grundform die Moralität einer Handlung anhand ihrer Konsequenzen überprüft. Jedoch existiere hierbei ein Interpretationsfreiraum zwischen individuellen Handlungen und Handlungsklassen, welcher die Moraltheorie in zwei Formen unterteile: Den extremen und den eingeschränkten Utilitarismus (vgl. Smart 1992: 167).

Der extreme Utilitarismus, entsprechend dem klassischen Handlungsutilitarismus (HU), charakterisiere sich nach Smart durch die individuelle Beurteilung einer einzelnen Handlung anhand ihrer Folgen. Er betont die Irrelevanz von Regeln als Komponente für die moralische Beurteilung einer Handlung. So fände man Regeln im extremen Utilitarismus nur in Form von Faustregeln, welche der Orientierung dienen; nicht aber gilt ihre unbedingte Einhaltung als Voraussetzung für eine moralisch richtige Handlung. Im Gegenteil: „Ob es (…) richtig oder falsch ist ein Versprechen zu brechen, hängt allein davon ab, ob die Konsequenzen (…) gut oder schlecht sind.“ (Smart 1992: 167). Smart gesteht ein, dass der Bruch einer Regel auch negative Konsequenzen mit sich ziehen könne, wobei letztendlich dennoch nur gelten müsse, dass das Gute in der Gesamtheit dem Schlechten überwiegt (vgl. Smart 1992: 167).

Die zweite mögliche Interpretation der Grundidee des Utilitarismus stellt Smart als „bescheidenere Form des Utilitarismus“ (Smart 1992: 168) vor. Es handelt sich um den eingeschränkten Utilitarismus, entsprechend dem Regelutilitarismus (RU), welcher Regeln einen höheren Stellwert in besagter Moraltheorie zuschreibt. Sie seien der einzige Gegenstand zur Handlungsüberprüfung. Regelkonformität bestimme hier Moralität, wobei Regeln anhand von hypothetischen Konsequenzen bestimmt würden. Weitergehend müsse sich ein Regelutilitarist in zwei Fällen dem extremen Utilitarismus bedienen: Wenn zwei Regeln kollidieren oder es keine formulierte Regel gibt (vgl. Smart 1992: 168).

Des Weiteren bezieht sich Smart auf A. K. Scout, welcher mithilfe der Unterscheidung zweier Universalisierungsprinzipien die Unterschiedlichkeit beider Formen des Utilitarismus verdeutlicht (vgl. Smart 1992: 169). Der extreme Utilitarismus bediene sich der kausalen Form des Prinzips. Hierbei würde gelten: Eine individuell optimale Handlung ist dann nicht mehr moralisch richtig, wenn sie andere Menschen zur Nachahmung motiviert und das in des Gesamtheit Schaden verursache. Sobald eine Handlung allerdings keinen kausalen Einfluss auf andere Menschen habe, müsse man sie nicht auf ihre Verallgemeinerbarkeit überprüfen. Der Regelutilitarismus hingegen frage lediglich danach, was in jedem Fall geschehe, wenn jeder Mensch eine bestimmte Handlung täte, nicht aber was tatsächlich geschieht. Die tatsächlichen Folgen der Universalisierung spielen hierbei keine Rolle, genau wie der individuelle kausale Einfluss einer Handlung. Diese Form definiert sich als hypothetische Form der Universalisierung (vgl. Smart 1992: 169f).

Anschließend verdeutlicht Smart den Gebrauch von Faustregeln im Handlungsutilitarismus. Es wird angeführt, dass das Abwägen einer Handlung entsprechend dem HU Zeit erfordere, welche nicht immer zu genüge verfügbar sei. In solchen Situationen sei es hilfreich, sich an Faustregeln bedienen zu können, welche sich gemäß Erfahrungen als vertretbare Moralregeln erwiesen. Erweise sich eine solche Handlung anhand ihrer Konsequenzen doch als moralisch falsch, sei es trotzdem richtig die handelnde Person für die begangene Handlung zu loben, sofern sie gemäß dem Universalisierungsprinzip generell großen Nutzen beschaffe. „Wenn man Fragen von gelobten oder getadelten Handlungen erwägt, (…) steht nicht die Zweckmäßigkeit der gelobten Handlung zur Debatte, sondern die Zweckmäßigkeit des Lobes.“ (Smart 1992: 172). Smart verdeutlicht seine positive Einstellung gegenüber dem HU anhand von einem Beispiel, in welchem es um das Retten von politisch bekannten Personen geht. Ein weiterer Faktor, welcher extremen Utilitaristen das Festhalten an Regeln erlaubt, sei unmittelbare Betroffenheit oder Voreingenommenheit. In besagten Fällen sei es außerdem hilfreich, der Common-Sense- Moralität zu vertrauen (vgl. Smart 1992: 172).

Darauf folgend äußert Smart erstmals seine Kritik gegenüber dem Regelutilitarismus, welchen er als absurde Vorstellung von rationalem Denken über Moralität betitelt. Er führt an, dass es unsinnig wäre, einen Regelbruch nicht zu gestatten, obwohl man wissen könne, dass er größeres Glück bewirke als die Einhaltung der Regel. Smart vergleicht den Regelutilitarismus mit einem Fetisch, erkennt diese Überlegung aber keinesfalls als eine vertretbare Überlegung eines rationalen Philosophen an. Um die Sinnhaftigkeit der Regelausnahmen zu veranschaulichen, verwendet Smart drei Beispiele, von welchen lediglich das Dritte hier Platz finden wird. Man stelle sich vor, dass es während einer Hitzewelle verboten sei, Wasser für den Garten zu gebrauchen. Eine Person X wässert aber dennoch seine Pflanzen und schenkt diese an Dritte. Smart führt an, dass nun einiges zu beachten sei. Gemäß dem HU sei es zweckmäßig Person X zu tadeln, außerdem verletze Person X die Achtung vor dem Gesetz, was „im Ergebnis schädlich“ (Smart 1992: 178) wäre. Handle es sich allerdings um einen geheimen Garten, so wäre es moralisch richtig, Dritte mit Blumen eine Freude zu machen, da es keine kausalen Einflüsse auf andere gäbe und Person X das Glück von einigen erhöhe. Dennoch solle man auch den psychologischen Aspekt berücksichtigen, welcher Person X etwaiges seelisches Leid zufüge, da er weiß, dass es gegen das Gesetz verstoßen habe.

Smart fasst seine argumentative Darstellung wie folgt zusammen: „Wenn es eine Regel R gibt, die einzuhalten im Allgemeinen optimal ist, die zu brechen aber unter besonderen Umständen das optimale Verhalten darstellt, dann sollten wir (…) R brechen.“ (S. 180). Er argumentiert weiter, dass die Optimalität einer Handlung definitiv als Motiv für diese sinnvoll sei, nicht aber die Zugehörigkeit zu einer bestimmen Handlungsklasse. Final fordert Smart den Leser dazu auf, Wohlwollen als greifendes Motiv von Handlungen anzunehmen und somit realitätsnah zu dem Wohl aller Menschen beizutragen (vgl. Smart 1992: 181).

Meiner Meinung nach ist Smarts Argumentation nicht überzeugend. Zunächst möchte ich anführen, dass ich das Implizieren der psychischen Aspekte sehr positiv wahrgenommen habe. Es zeigt, dass Smart als (vermutlicher) Handlungsutilitarist tatsächlich alle möglichen Konsequenzen berücksichtigt. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Konsequenz des seelischen Leids einer Person bei einem Regelbruch temporär ist und damit auch Tendenz zur Gewohnheit hat. Das heißt, wenn ich eine Regel breche, von dessen Regelbruch nur ich weiß und ich deshalb anschließend ein schlechtes Gewissen habe, ist es anzunehmen, dass ich das im Laufe der Zeit wieder verliere. Das entspricht dem normalen Lauf der Dinge - Menschen leben von Tag zu Tag, etwaige Entscheidungen über etwaige Dinge weilen nicht auf ewig in unserem Bewusstsein. Gemäß dem Fall ich breche gemäß dem HU später wieder eine Regel, so wird auch dieses Mal meine psychische Belastung nicht von Dauer sein. Irgendwann stellt sich bei mir dann ein Gefühl ein, was man mit Gewohnheit gut beschreiben kann, da ich schon häufig eine Regel gebrochen habe, und weiß, dass mein psychischer Zustand sich wieder erholt. Ich bin williger auch Regeln zu brechen, die nicht lediglich Moralregeln sind. Man könnte anführen, dass bestimmte Handlungen, wie z.B. eine Abtreibung jedoch langfristigeren seelischen Schaden anrichten könnten. Wenn das Leid, das durch die Handlung verursacht wird aber so groß ist, hätte man gemäß dem HU anders handeln müssen.

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Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Extremer und eingeschränkter Utilitarismus. Essay von John J. Smart
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
bestanden (unbenotet)
Autor
Jahr
2018
Seiten
4
Katalognummer
V991580
ISBN (eBook)
9783346357199
Sprache
Deutsch
Schlagworte
extremer, utilitarismus, essay, john, smart
Arbeit zitieren
Lara Witt (Autor:in), 2018, Extremer und eingeschränkter Utilitarismus. Essay von John J. Smart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991580

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