Welche Eigenschaften, Facetten und Perspektiven wirft das serielle Erzählen auf und inwieweit können wir dies als bereichernde Entwicklung eines Unterhaltungsformats geltend machen?
Aus dem heutigen Zeitalter der Online-Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Video und gerade aus den Köpfen junger Menschen sind sie nicht mehr wegzudenken: die Serien. Dabei spricht das Erfolgsformat der Serie stets einen möglichst weitreichenden Adressat*innenkreis an und setzt auf eine große Diversität an Formen, Verfahren und Genres. Das fiktionale Format der Serie ist durch immer wiederkehrende, aber dennoch variierende Settings zu erkennen und kreiert dahingehend eine gewisse, sich parodisch fortsetzende Narration. Jede Narration konstruiert den Gegenstand, um den sie kreist, beständig neu, indem sie Szenarien möglicher Fortsetzungen entwirft und damit Erwartungen schürt, die in der Folge bestätigt oder verworfen werden, was wiederum neue mögliche Fortsetzungsszenarien und entsprechend aktualisierte Sinnzusammenhänge in Aussicht stellt.
Das kumulative Storytelling der Serie wird dabei durch eine gemeinsame Idee, ein Thema oder ein Konzept zusammengehalten und bewegt sich strukturell immer im Spannungsfeld von Wiederholung und Variation. Unter die gemeinsame Idee der Serie fallen dabei Wiedererkennungseffekte wie Figurenkonstellationen, Handlungsmuster oder Schauplätze, aber auch paratextuelle Rahmungen wie Titelmelodien oder Intros, welche dann in eine variantenreiche Produktion desselben Modells inkludiert werden. Über das auszulotende Potenzial des seriellen Erzählens und den inhärenten Formen individueller und kultureller Erinnerung anhand von Prozessen der Wiederholung und Erinnerung existieren weitreichende kulturwissenschaftliche, aber auch geistes- und sozialwissenschaftliche Darlegungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Serie und serielles Erzählen
2 Die Geschichte des seriellen Erzählens
3 Zum Konzept der Serialität und dem Prinzip der Serie
3.1 Die Klassifikation von Fernsehserien
3.2 Die offene Narrationsstruktur
3.3 Die Mehrteiligkeit und Verknüpfung
4 Die komplexe Serialität
4.1 Die komplexe Serialität in Babylon Berlin
4.1.1 Komplexität der Narration
4.1.2 Die komplexitätserzeugende Vielschichtigkeit der Figuren
5 Exkurs: Zum Einsatz von Serien im Deutschunterricht
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das serielle Erzählen als ein zentrales, dynamisches Formprinzip der gegenwärtigen Medienkultur, wobei insbesondere die Wechselwirkungen zwischen narrativen Strukturen und der Publikumsbindung analysiert werden. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Eigenschaften und Facetten serieller Narration sowie deren Potenzial als bereicherndes Unterhaltungsformat und Gegenstand des Deutschunterrichts.
- Grundlagen des seriellen Erzählens und dessen historische Entwicklung.
- Konzeptualisierung von Serialität, Mehrteiligkeit und Verknüpfung.
- Analyse komplexer Serialität am Beispiel der Serie "Babylon Berlin".
- Untersuchung narrativer Komplexität und figurenorientierter Vielschichtigkeit.
- Didaktische Potenziale von Serien im modernen Deutschunterricht.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die komplexe Serialität in Babylon Berlin
Babylon Berlin ist eine deutsche Drama- und Kriminalserie, welche basierend auf der Bestseller-Kriminalroman-Reihe von Volker Kutscher erzählt wird und die „Goldenen Zwanziger Jahre“ thematisiert. Babylon Berlin entspricht einer Fortsetzungsserie im Umfang von 28 Episoden in drei Staffeln. Die Titelmelodie „Zu Asche, Zu Staub“ von Severija verleiht der Serie den zusätzlichen rauen Charme.
Der von Volker Bruch gespielte Protagonist Gereon Rath wird innerhalb der Serie als ehemaliger Kölner Kommissar dargestellt, welcher sich nun vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen der Weimarer Republik tiefen und facettenreichen Ermittlungen, voller Intrigen, Mord, Politik, Emanzipation und extremistischem Verhalten mitten in Berlin widmen muss. In der „Roten Burg“, dem Polizeipräsidium der Stadt, trifft Rath auf Charlotte Ritter, welche als Stenotypistin bei der Polizei arbeitet, aber gern selbst als Ermittlerin tätig sein würde. Unter stetigem Einfluss seiner posttraumatischen Belastungsstörung („Kriegszittern“) nimmt Rath gemeinsam mit Charlotte Ritter und seinem Kollegen Bruno Wolter die Ermittlungen auf. Neben dem Schauplatz des Nachtklubs „Moka Efti“, in welchem Charlotte Ritter illegal als Prostituierte arbeitet, spielen auch Ermittlungen bezüglich verfassungsfeindlicher Tätigkeiten der „Schwarzen Reichswehr“ sowie die Dreharbeiten in den Filmstudios Babelsberg aufgrund einer Serie an Morden eine Rolle. Tiefgreifende politische Korruption aber auch der Verrat innerhalb der eigenen Mauern der Roten Burg verleihen der Serie Babylon Berlin eindrücklich wirkende, authentische und dramaturgiebeladene Momente der Rezeption.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Serie und serielles Erzählen: Die Einleitung führt in das Phänomen seriellen Erzählens ein und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Wiederholung und Variation im kumulativen Storytelling.
2 Die Geschichte des seriellen Erzählens: Dieses Kapitel betrachtet die historischen Ursprünge des seriellen Erzählens von den Berufserzählern des 16. Jahrhunderts bis hin zur Etablierung moderner audiovisueller Medienformate.
3 Zum Konzept der Serialität und dem Prinzip der Serie: Hier werden theoretische Grundlagen zur Serialität sowie die Klassifikationsmerkmale von Fernsehserien unter Berücksichtigung offener Narrationsstrukturen dargelegt.
4 Die komplexe Serialität: Das Kapitel analysiert den Begriff der Komplexität in Bezug auf das serielle Erzählen und führt eine detaillierte Untersuchung am Beispiel der Serie Babylon Berlin durch.
5 Exkurs: Zum Einsatz von Serien im Deutschunterricht: Dieser Abschnitt erörtert die didaktischen Möglichkeiten, Serien als komplexe Erzählformate in den schulischen Deutschunterricht einzubinden.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Serialität ein wesentliches Gestaltungsprinzip der heutigen Medienkultur darstellt, das zur Entwicklung narrativer Kompetenzen beitragen kann.
Schlüsselwörter
Serielles Erzählen, Serialität, Fernsehserien, Babylon Berlin, Narrative Komplexität, Kumulatives Storytelling, Fortsetzungsserie, Medienverbund, Deutschunterricht, Figurenkonstellation, Narration, Rezeption, Weimarer Republik, Cliffhanger, Medienkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und der Analyse des seriellen Erzählens als strukturbildendes Phänomen in modernen Medien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese des seriellen Formats, der narratologischen Untersuchung von Komplexität und der praktischen Anwendung im Bildungsbereich.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Mechanismen serieller Narration offenzulegen und aufzuzeigen, inwieweit diese die Rezeption und das Verständnis von Medieninhalten beeinflussen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine medienwissenschaftliche und narratologische Analyse unter Rückgriff auf einschlägige Fachliteratur sowie eine exemplarische Fallanalyse einer konkreten Fernsehserie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Konzept der Serialität, die narrativen Strukturen sowie die spezifische Komplexität der Serie Babylon Berlin (Narration und Figuren) detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Serialität, narrative Komplexität, Babylon Berlin, Medienverbund und der didaktische Einsatz von Serien.
Welche Rolle spielt "Babylon Berlin" in der Untersuchung?
Die Serie dient als zentrales Fallbeispiel, um komplexe narrative Strategien, nichtlineare Zeitstrukturen und eine vielschichtige Figurencharakterisierung nachzuweisen.
Warum eignet sich die Serie für den Deutschunterricht?
Die Autorin argumentiert, dass das komplexe Erzählformat Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung ihrer Medienkompetenz und beim Verständnis für dramaturgische Konstruktionen unterstützen kann.
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- Helene Fraas (Autor), 2020, Welche Eigenschaften, Facetten und Perspektiven wirft das serielle Erzählen auf?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992377