Diese Arbeit greift die Problematik der Wohnungslosigkeit auf und stellt Strategien auf verschiedenen Handlungsebenen vor, die Zugang zu Wohnraum fördern können. Im ersten Teil dieser Arbeit erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstand „Wohnungslosigkeit“. Dazu werden verschiedene Begriffsdefinitionen gegenübergestellt und quantitative Entwicklungen von Wohnungslosigkeit auf Grundlage der Schätzungen der BAG W vorgestellt.
Die quantitativen Entwicklungen sollen in einem zweiten Teil auf die zugrunde liegenden ursächlichen Zusammenhänge geprüft werden. Da die Ursachen und Verläufe von Wohnungslosigkeit sehr vielfältig sind, werden besonders strukturelle Bedingungsfaktoren dargestellt, die zur Entstehung von Wohnungslosigkeit beitragen. Des Weiteren ist es interessant zu betrachten, wie sich Vorstellungen über bestimmte Formen von Wohnungsnotfälle im Laufe der Wohlstandsentwicklung verändert haben. Dabei soll kritisch hinterfragt werden, ob unzumutbare Wohnverhältnisse erst in den vergangenen Jahren thematisiert und zum sozialen Problem erhoben wurden. Kapitel 5 setzt sich mit verschiedenen Strategien auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene auseinander und diskutiert deren Wirksamkeit in Bezug auf die Schaffung, Erhalt bzw. Sicherung von Wohnraum. Abschließend sollen die zentralen Ergebnisse in einer zusammenfassenden Betrachtung dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Wohnungsnotfälle und Wohnungslosigkeit
3. Wohnungsnotfallstatistik
4. Hintergründe für die quantitative Entwicklung von Wohnungslosigkeit
4.1 Bedingungsgefüge zwischen Armut und Arbeitslosigkeit
4.2 Defizit an bezahlbarem Wohnraum
4.3 Ökonomisierung der Wohnungspolitik
4.4 Immobilien als Kapitalanlage
4.5 Unzumutbare Wohnverhältnisse als soziales Problem
5. Strategien zur Schaffung, Sicherung und Erhalt von Wohnraum
5.1 Wohnungs- und sozialpolitische Handlungsnotwendigkeiten
5.2 Handlungsebene Bund und Länder
5.3 Handlungsebene Kommune
5.3.1 Schaffung von Wohnraum auf Kommunalebene
5.3.2 Sicherung von Wohnraum
5.3.3 Zugang zu Wohnraum für Menschen in Wohnungsnot
5.4 Handlungsebene der Hilfen im Wohnungsnotfall
5.4.1 Schaffung von Wohnraum durch freie Träger der Hilfen im Wohnungsnotfall
5.4.2 Anmietung von Wohnraum durch freie Träger der Hilfen im Wohnungsnotfall
5.4.3 Mietverhältnisse im Dreieck Klient_in, Freie Träger, Vermieter_in
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Hausarbeit setzt sich zum Ziel, die Problematik der Wohnungslosigkeit in Deutschland zu analysieren und wirksame Strategien auf verschiedenen politischen Handlungsebenen zu identifizieren, die den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum fördern können.
- Definition und statistische Erfassung von Wohnungslosigkeit
- Strukturelle Ursachen wie Armut, Arbeitslosigkeit und Wohnraummangel
- Ökonomisierung der Wohnungspolitik und deren soziale Auswirkungen
- Strategien und Handlungsmöglichkeiten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene
- Bedeutung der sozialen Wohnraumhilfe und Kooperationsmodelle
Auszug aus dem Buch
4.1 Bedingungsgefüge zwischen Armut und Arbeitslosigkeit
Armut und Arbeitslosigkeit erhöhen das Risiko für das Eintreten prekärer Lebenslagen und müssen auch als Einflussfaktoren für die Entstehung von Wohnungslosigkeit berücksichtigt werden (Lutz/Simon 2014, S. 44). Der Paritätische Gesamtverband verweist in seinem Armutsbericht auf die gestiegene Armutsrisikoquote in den vergangenen Jahren. Ein starker Anstieg der Armutsrisikoquote ist vor allem in der Gruppe der Erwerbslosen zu verzeichnen: Zwischen 2005 und 2015 erhöhte sich die Armutsquote von 40 Prozent auf 59 Prozent (Hofmann 2017, S. 39). Besonders bei Personen im ALG II-Bezug ist die ökonomische Deprivation stark ausgeprägt. Die Armutsrisikoquote liegt hier bei 84 Prozent. „Arbeitslosigkeit ist damit eine der wesentlichen Risiken und Ursachen für Armut in Deutschland“ (ebd., S. 39). Der Anstieg der Armutsrisikoquote bei Arbeitslosigkeit ist besonders auf sozialpolitische Entscheidungen zurückzuführen. So wurden z. B. die Anwartschaftszeiten für ALG I mehrfach angepasst, was dazu geführt hat, „dass immer weniger Betroffene Arbeitslosengeld, statt dessen immer mehr die geringere Arbeitslosenhilfe, bzw. seit 2005 Arbeitslosengeld II erhielten“ (Lutz/Simon 2012, S. 44). Zudem wurde eine Angleichung der Arbeitslosenhilfe an das Niveau der Sozialhilfe vorgenommen (ebd., S. 44). In den vergangenen Jahren ist allerdings auch die Tendenz ersichtlich, dass Erwerbstätigkeit nicht immer mit Wohlstand einhergeht. So ist z. B. trotz des Rückgangs der Arbeitslosen- und Hartz-IV-Quote die Armutsquote weiterhin angestiegen (Abbildung 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die existenzielle Bedeutung des Wohnens und führt in die gesellschaftliche Problematik der Wohnungslosigkeit als soziale Frage des 21. Jahrhunderts ein.
2. Definition Wohnungsnotfälle und Wohnungslosigkeit: In diesem Kapitel werden Begriffe geklärt und die Definition der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zur Kategorisierung von Wohnungsnotfällen vorgestellt.
3. Wohnungsnotfallstatistik: Es wird die schwierige Datenlage zur Wohnungslosigkeit in Deutschland diskutiert und auf Basis aktueller Schätzungen das Ausmaß des Problems verdeutlicht.
4. Hintergründe für die quantitative Entwicklung von Wohnungslosigkeit: Dieses Kapitel analysiert strukturelle Faktoren, darunter Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnraummangel sowie die zunehmende Ökonomisierung des Wohnungsmarktes.
5. Strategien zur Schaffung, Sicherung und Erhalt von Wohnraum: Hier werden politische Handlungsoptionen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene sowie spezielle Konzepte der Wohnungslosenhilfe zur Wohnraumversorgung erörtert.
6. Zusammenfassung: Die Ergebnisse der Arbeit werden resümiert, wobei die Notwendigkeit sozialpolitischer Maßnahmen zur Wohnraumversorgung erneut unterstrichen wird.
Schlüsselwörter
Wohnungslosigkeit, Wohnungsnot, Wohnraummangel, Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnungspolitik, Soziale Arbeit, Wohnungslosenhilfe, Mietverhältnisse, Wohnraumförderung, Soziale Exklusion, Daseinsvorsorge, kommunale Handlungsfelder, Kosten der Unterkunft, Gemeinnützigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Strukturen, Wohnungsmarktbedingungen und der Entstehung von Wohnungslosigkeit in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die statistische Erfassung von Wohnungsnot, die Auswirkungen von Armut und Ökonomisierung auf den Wohnungsmarkt sowie Strategien zur Wohnraumversorgung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, durch welche wohnungs- und sozialpolitischen Strategien auf verschiedenen Handlungsebenen der Zugang zu Wohnraum für betroffene Personen verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Auswertung von Fachliteratur, Statistiken sowie Positionspapieren der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert ursächliche Faktoren wie Arbeitslosigkeit und Privatisierung von Wohnraum und diskutiert anschließend konkrete Interventionsmöglichkeiten von Kommunen und freien Trägern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wohnungslosigkeit, Armut, soziale Wohnraumförderung und wohnungspolitische Strategien geprägt.
Warum wird die „Neue Gemeinnützigkeit“ als Lösungsansatz diskutiert?
Sie wird diskutiert, um durch Gewinnbeschränkungen und steuerliche Vergünstigungen dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu sichern, da der freie Markt dies aktuell nicht leistet.
Welche Rolle spielt die Kommune bei der Wohnraumakquise?
Kommunen fungieren als zentrale Akteure, etwa durch „Poolmanagement“, Kooperationen mit Wohnungsunternehmen oder durch Vorgaben zur sozialgerechten Bodennutzung.
Was besagt das BGH-Urteil von 2008 zur Zwischenvermietung?
Es besagt, dass bei einer Zwischenvermietung durch juristische Personen an Dritte das Wohnraummietrecht nicht anwendbar ist, was den Kündigungsschutz der Bewohner erheblich schwächt.
- Citation du texte
- Samuel Joseph (Auteur), 2019, Bekämpfung von Wohnungslosigkeit. Wohnungs- und sozialpolitische Strategien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/993181