Fair Fashion. Welche Hindernisse halten Verbraucher von nachhaltigem Modekonsum ab?


Bachelorarbeit, 2020

83 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 N achhaltigkeit
2.1.1 Bedeutung von Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung
2.1.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.1.3 Bedeutung für die Gesellschaft
2.1.4 Bedeutung für Unternehmen
2.2 Greenwashing
2.3 Politische Einflüsse auf nachhaltige Entwicklung
2.3.1 Die Agenda
2.3.2 Das Lieferkettengesetz
2.4 Nachhaltiger Konsum
2.4.1 Perspektiven des nachhaltigen Konsums
2.4.2 Formen des nachhaltigen Konsums

3 CSR und Fashion
3.1 Modebranche als Teil der Textilindustrie
3.1.1 Fast Fashion versus Fair Fashion
3.1.2 Bedeutung von Mode für die Gesellschaft
3.2 CSR als Herausforderung für die Modeindustrie
3.3 Lieferkette aus Sicht der Bekleidungsindustrie

4 Einflüsse auf einen nachhaltigen Modekonsum
4.1 Attitude-Behavior Gap
4.2 Low-Cost Hypothese
4.3 Psychologische Einflüsse

5 Empirischer Teil
5.1 Grundkonzept der empirischen Studie
5.2 Forschungsfrage, Forschungsdesign und Hypothesen
5.3 Datenauswertung

6 Ergebnisse und Diskussion
6.1 Hypothese
6.2 Hypothese
6.3 Hypothese
6.4 Hypothese
6.5 Kritische Betrachtung der Methode

7 Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Weitere Quellen:

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Drei-Säulen-Modell

Abbildung 2: Die drei Sphären der Nachhaltigkeit

Abbildung 3: Attitude-Behaviour Gap und einige bekannte Hindernisse

Abbildung 4: Auswertung der Geschlechter

Abbildung 5: Auswertung der Altersgruppen

Abbildung 6: Auswertung des Nettoeinkommens

Abbildung 7: gewöhnlicher Lebensstil und Wertigkeit beim Kauf von Kleidung

Abbildung 8: bisheriges Konsumverhalten

Abbildung 9: Umweltbewusstsein Handeln

Abbildung 10: Einschätzung der negativen Umweltbelastungen

Abbildung 11: Verantwortlichen der negativen Auswirkungen

Abbildung 12: Vertrauen auf ökologisches Marketing

Abbildung 13: Erwerbsquellen nachhaltiger Bekleidung

Abbildung 14: Wertschätzung von sozial und umweltverträglicher Produktion

Abbildung 15: Hindernisse zu nachhaltigem Modekonsum

Abbildung 16: offene Frage zum Thema

Abbildung 17: Einführung des Unterrichtsfachs an Schulen

Abbildung 18: schlechtes Gewissen

Abbildung 19: Ausblick in die Zukunft

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispiele für CSR-Aktivitäten

Tabelle 2: Die globalen SGDs der nachhaltigen Entwicklung

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Es spielt in der Gesellschaft eine immer größer werdende Rolle und war noch nie ein so bedeutendes Schlagwort wie in der heutigen Zeit. Der Begriff bleibt in Wirtschaft, Wissenschaft und Medien nicht unerwähnt. Nahezu jeder zweite Hersteller oder Produzent propagiert heute Nachhaltigkeit und das Einsparen von Treibstoff, Wasser und Energie. Dies geschieht nicht grundlos - denn an dieser Thematik ist die gesamte Menschheit beteiligt. Schon jetzt macht sich der Klimawandel bei der weltweiten Bevölkerung bemerkbar. Die Auswirkungen von Umweltkatastrophen nehmen zu, das Wetter wird unvorhersehbarer und das Weltklima immer wärmer. Dies ist auf die enormen Treibhausgase zurückzuführen, die von der Industrie in die Erdatmosphäre freigesetzt werden.1 Wie wichtig es ist, nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen und dabei stets transparent zu handeln, haben die Unternehmen erkannt, und auch das Bewusstsein, Konsumgüter nachhaltig herzustellen, wächst immer mehr. Dabei beeinflussen Mega-Trends wie Neoökonomie und Gesundheitswesen die heutige Gesellschaft und folglich auch das Konsumverhalten.2 Auch hinsichtlich der Ernährungsweise werden nachhaltige Lebensmittel gekauft, um sich vegan oder vegetarisch zu versorgen. Die Menschen leben allgemein gesünder und treiben regelmäßig Sport. Teilweise werden sogar Autos gefahren, die anstelle von Diesel und Benzin mit Strom betrieben werden.3

Wie bereits angedeutet, kann ein nachhaltiger Konsumstil auf einzelne Konsumkategorien beschränkt werden, die sich hinsichtlich der Nachhaltigkeit stark unterscheiden. In diesem Sinne konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf eine klassische Konsumkategorie, nämlich den Bereich Mode und Bekleidung. In diesem Zusammenhang fällt der englische Begriff Fast Fashion sehr häufig. Dieses Geschäftsmodell meint das Angebot einer breiten Palette an erschwinglicher Mode mittels einer schnellen Umsetzung der Modetrends für den Endverbraucher, was auf den ersten Blick als vorteilhaft erscheint. Hinter diesem Trend verbirgt sich jedoch auch ein großer Schatten. Aufgrund der sehr bezahlbaren Preise und einer damit verbundenen Wegwerfmentalität bildet sich ein Massenkonsum heraus, welcher schwerwiegende ökologische Folgen, die der Umwelt und den Menschen schaden, mit sich bringt.4 Wenn eine große Eistüte einen höheren Preis hat als ein T-Shirt aus Baumwolle, ist damit zu rechnen, dass die Arbeit der Beschäftigten in der Textilindustrie weder menschlich noch finanziell gewürdigt wird. Medienberichten zufolge sind es vor allem die Menschen in der Textil- und Bekleidungsproduktion, die neben den ökologischen Umweltschäden unter den Folgen der rasanten Entwicklung des sogenannten Fast-Fashion-Segments leiden.5 Die Frage der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ist seit dem Zusammensturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Sabhar, Bangladesch, am 24. April 2013 ein integraler Bestandteil der öffentlichen, politischen und wirtschaftlichen Debatte.6 Dennoch prägen Fast-Fashion-Ketten wie Primark, Zara und H&M nach wie vor die Stadtzentren und erwirtschaften weiterhin jährliche Umsätze in Milliardenhöhe.7 Es stellt sich die Frage, warum die Konsumenten trotz eines absolut notwendigen Umdenkens innerhalb des Modekonsums keinen Konsum von nachhaltig produzierter Mode und Kleidung bevorzugen. Welche Faktoren behindern den Konsum von nachhaltiger Mode? Und was bedeutet Fair Fashion8 überhaupt?

In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit „Fair Fashion. Welche Hindernisse halten Verbraucher von nachhaltigem Modekonsum ab?“ wird diesen Fragen nachgegangen. Die empirische Forschung der quantitativen Analyse erfolgt durch eine Online-Umfrage mittels der Web Software „Umfrage Online“. Um die Forschungsfrage „Welche Hindernisse halten Verbraucher von nachhaltigem Konsum ab?“ zu beantworten, wurden vier Hypothesen aufgestellt:

H1: Mangelndes Vertrauen in Modeunternehmen hindert Verbraucher gezielt nachhaltig einzukaufen.

H2: Jüngere Verbraucher haben ein begrenztes Wissen an Umweltpolitik.

H3: Die wichtigsten Kriterien beim Kauf von Kleidung sind Aussehen/Design, Qualität und Preis.

H4: Nachhaltige Mode ist kostspielig und kommt lediglich für Verbraucher mit hohem Einkommen in Frage.

Diese Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Im theoretischen Teil werden dem Leser wesentliche Begriffe und Grundlagen des nachhaltigen Modekonsums ausführlich dargelegt. Dabei werden im zweiten Kapitel zunächst die Ursprünge des Konzepts der Nachhaltigkeit und der nachhaltigen Entwicklung erläutert. Darauf folgen die Dimensionen der Nachhaltigkeit sowie die Relevanz für die Gesellschaft und Unternehmen. Auch Greenwashing als eine Form des ökologischen Marketings wird diskutiert. Außerdem wird der Leser in einem weiteren Abschnitt mit politischen Einflüssen für nachhaltige Entwicklung vertraut gemacht, zu welchen die Agenda 2030 und das Lieferkettengesetz gehören. Im letzten Unterkapitel geht es um den nachhaltigen Konsum und deren Perspektiven sowie Formen. Im darauffolgenden Kapitel werden die beiden unterschiedlichen Geschäftsmodelle Fast Fashion und Fair Fashion voneinander abgegrenzt sowie die Bedeutung der Mode aus gesellschaftlicher Sicht verdeutlicht. In einem weiteren Schritt wird CSR als Herausforderung für die Modeindustrie und die Lieferkette aus der Perspektive der Bekleidungsindustrie diskutiert und damit das dritte Kapitel abgeschlossen. Das vierte und letzte theoretische Kapitel beinhaltet verschiedene mögliche Einflussfaktoren, welche den nachhaltigen Modekonsum aus psychologischer Sicht behindern könnten. Hierfür werden zwei verschiedene - und für das Verständnis der Thematik wichtige - Modelle näher beschrieben. Besonders in Kapitel 3 und 4 soll aufgezeigt werden, welche Themengebiete sich innerhalb des nachhaltigen Konsums und insbesondere des nachhaltigen Konsumverhaltens entwickeln. Im nachfolgenden Hauptteil der Arbeit werden zunächst die wesentlichen Ansätze der empirischen Untersuchung aufgezeigt. Im Anschluss daran, werden Forschungsfrage, Forschungsdesign und die Ergebnisse der Hypothesen vorgestellt. Mit der Datenanalyse der Online-Befragung wird Kapitel 5 abgeschlossen. Danach werden die Befunde und die Diskussion der Hypothesen eins bis vier präsentiert. Abschließend wird eine Schlussfolgerung zu den Ergebnissen und ein Ausblick gewährt. Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit die übliche männliche Sprachform verwendet. Dies stellt jedoch keine Diskriminierung der Geschlechter dar, sondern ist als geschlechtsneutral im Sinne einer sprachlichen Vereinfachung zu verstehen.

2 Theoretische Grundlagen

Im folgenden Abschnitt werden die Begriffe Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung bestimmt sowie der Ursprung dieser anhand der ausgewählten Literatur hergeleitet. Im nächsten Schritt werden dann die Dimensionen der Nachhaltigkeit vorgestellt und näher erläutert. Der weitere Verlauf des Unterkapitels beschäftigt sich mit der Bedeutung für die Gesellschaft und die Unternehmen, um dem Leser so einen Überblick über beide Perspektiven zu geben. In den letzten beiden Unterkapiteln werden Greenwashing und nachhaltiger Konsum thematisiert.

2.1 Nachhaltigkeit

Bei Eingabe des Wortes Nachhaltigkeit in die Suchfunktion von Google erscheinen innerhalb von 0,50 Sekunden 210.000.000 Ergebnisse. Der Begriff kann dort in über hundert Sprachen übersetzt werden.9 Nachhaltigkeit scheint ein brisantes Thema zu sein, sei es in sämtlichen Branchen oder auf der ganzen Welt. Der Ausdruck wird heute für viele verschiedene Kontexte und Bedeutungen herangezogen. Dennoch ist es für die Betroffenen ein nicht unerhebliches Problem, dass es eine weitverbreitete Unsicherheit oder gar Uneinigkeit darüber gibt, was eigentlich unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. Einzelne Personen und mittlerweile auch Unternehmen nutzen die Begrifflichkeit gerne für verschiedenste Zwecke. Es wird klar, dass Nachhaltigkeit in irgendeiner Art und Weise immer und überall wichtig ist. Nun stellt sich aber die eigentliche Frage, was dieses Wort eigentlich zu bedeuten hat. Wie ist dieses Prinzip des Handelns definiert und wie hat es sich in den zurückliegenden Jahren entwickelt? Welche heutige Rolle spielt Nachhaltigkeit für die Gesellschaft? Welche heutige Bedeutung hat sie für Unternehmen? Mit diesen Fragen wird sich im folgenden Abschnitt auseinandergesetzt.

2.1.1 Bedeutung von Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung

Nachhaltigkeit kann unterschiedlich interpretiert werden, nämlich sowohl nach ökologischer als auch nach ökonomischer und sozialer Sichtweise. Eine allgemeingültige Definition von Nachhaltigkeit wird in Fachkreisen intensiv debattiert. Allerdings konnte bisher keine Übereinstimmung erreicht werden. Hintergrund ist die starke und rasante Fortentwicklung der Nachhaltigkeit und die vielen Gebiete, in denen auf nachhaltiges Denken und Handeln getroffen wird. So werden je nach Ursprung des Definitionsansatzes unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt.10 Nachhalt bedeutet etwas, an dem man festhält, wenn alles andere nicht mehr hält, und mit nachhaltig werden Dinge bezeichnet, die dazu bestimmt sind, lange zu halten und lange zu wirken.11 Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und erschien erstmals 1713 in der Publikation Sylvicultura Oeconomica von Hans Carl von Carlowitz, in der er zum ersten Mal von der nachhaltigen Nutzung der Wälder sprach.12 Demnach darf den Wäldern in einem bestimmten Zeitraum „nur so viel Holz entnommen“13 werden, wie im gleichen Zeitraum nachwachsen kann. Zusammenfassend bedeutet Nachhaltigkeit, ein sich selbst regenerierendes System so zu nutzen, dass seine wesentlichen Eigenschaften erhalten bleiben und der Bestand auf natürliche Weise erneuert wird.14 Aus historischer Sicht gibt es weitere vielzählige Varianten zur umfassenden Beschreibung des Begriffs, wenngleich sich die meisten dieser Ansätze heute weitgehend auf die Definition des britischen Brundtland-Reports der UN aus dem Jahr 1987 stützen.15 In deutscher Übersetzung ist zu lesen: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig lebende“16. In Anbetracht der wachsenden Probleme im ökologischen, aber auch im sozialen und wirtschaftlichen Bereich - darunter die Weltwirtschafts- und Verschuldungskrise sowie die Arbeitslosigkeit - trat die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, die sogenannte Brundtland-Kommission, unter dem Vorsitz der norwegischen Premierministerin Gro Harlem Brundtland erstmals 1983 ihre Arbeit an. Sie trägt den Ehrentitel, das Konzept der nachhaltigen Entwicklung als globales Phänomen zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit, einschließlich der Naturwissenschaften, angenähert zu haben. Dies hat es der Kommission ermöglicht, ein Verständnis von Nachhaltigkeit zu entwickeln, das nach wie vor weltweit als tauglicher Ansatzpunkt für handfeste Strategien wahrgenommen wird.17 Die Kommission stellte in ihrem 1987 veröffentlichten Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ drei Grundsätze in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Bei diesen Grundprinzipien handelt es sich zum einen um die untrennbare Verbindung zwischen Umwelt- und Entwicklungsaspekten und um die globale Perspektive. Zum anderen handelt es sich um die Verwirklichung von Generationengerechtigkeit. Sowohl in der intergenerationalen Perspektive in Hinblick auf künftige Generationen als auch unter dem Aspekt der Verteilungsgerechtigkeit unter den heute lebenden Menschen in der intragenerativen Hinsicht. Die Brundtland-Kommission entwickelte daher eine Definition, die am häufigsten zitiert wird. Sie bildet auch heute noch die Grundlage für die meisten Werke zur nachhaltigen Entwicklung.18 Folglich besteht der Sinn der Nachhaltigkeit darin, mit der Welt sorgsam umzugehen. Heute wie damals geht es darum, die Selbstversorgung der heutigen Generation mit der Vorsorge für künftige Generationen unauflöslich zu verbinden. Seit drei Jahrhunderten ist die Generationengerechtigkeit der ethische Kern dieses Leitbildes.

2.1.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit gewinnt in der ökonomischen Literatur immer mehr an Bedeutung. Das Leitbild fordert in der kürzesten Form, nicht auf Kosten der Enkel- und Urenkelkinder zu leben. Diese Forderung bringt den Zusammenhang zwischen der ökonomischen, sozialen und ökologischen Dimension auf den Punkt. Der Egoismus der politischen und wirtschaftlichen Machteliten und die Beeinträchtigung der natürlichen Lebensgrundlagen oder des Erdklimas verletzen das Prinzip der Nachhaltigkeit und sind eine Belastung für künftige Generationen.19 Es bedurfte einiger großer Wirtschaftskrisen, bevor Bürger und Regierungen für die zunehmende Umweltverschmutzung durch Unternehmen sensibilisiert wurden. Dies führte schließlich 1994 zur Entstehung des Drei-SäulenModells der Nachhaltigkeit. Dieses Modell bewegt die Unternehmer dazu, neben dem Profit sowohl soziale als auch ökologische Komponenten zu integrieren.20 Entsprechend erstreckt sich die Nachhaltigkeit auf drei Dimensionen: eine ökologische, eine soziale und eine ökonomische Dimension. Alle diese drei Komponenten sind voneinander abhängig und gleichermaßen entscheidend für den Fortgang im Rahmen der nachhaltigen Entwicklung. Mittlerweile haben sich die Mehrzahl der globalen Unternehmen dieses Rahmenwerk zu eigen gemacht und orientieren sich bei allen wichtigen Entscheidungen am so genannten Triple-Bottom-Line-Modell.21 Für ein besseres Verständnis von Nachhaltigkeit werden im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit die drei verschiedenen Dimensionen vorgestellt und näher erläutert. Hierfür dient die bildliche Darstellung des Drei-Säulen-Modells in Abbildung 1, welche die drei Säulen als wichtigen Bestandteil zum Erhalt der Nachhaltigkeit visualisiert.

Abbildung 1: Drei-Säulen-Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Corsten, H., Roth, S. (Hrsg.), Nachhaltigkeit, 2012, S. 2

Diese drei Dimensionen bilden die Grundpfeiler der Nachhaltigkeit beziehungsweise der nachhaltigen Entwicklung. Sie werden auch als „Triple P“ bezeichnet, was so viel wie Planet, People und Profit bedeutet. Auf der ökologischen Stufe Planet handelt es sich bei der Verbesserung der Umweltqualität, der Verringerung des Energieverbrauchs und der Senkung des Bedarfs an Rohstoffen um die wichtigsten Gesichtspunkte dieser Ebene. Die wirtschaftliche Ebene Profit bedeutet für die Nachhaltigkeit oder die nachhaltige Entwicklung das Vorhandensein sozialer Unbedenklichkeit, wirtschaftlicher Kapazitäten und vor allem eines funktionierenden Wirtschaftssystems. In der sozialen Kategorie People geht es generell um grundlegende Sicherheit, Teilhabe und Chancengleichheit für alle sowie um ein nachhaltiges Ausleben der Bedürfnisse und eine emanzipierte Lebensgestaltung.22 Im Drei-Säulen-Modell wird jeweils nur eine dieser Dimensionen auf jeder der Säulen des Modells angezeigt. Um das Zusammenspiel der einzelnen Sphären der Nachhaltigkeit zu veranschaulichen, geht das Triple-Bottom-Line Modell einen Schritt weiter und führt die drei Ebenen zusammen (siehe Abbildung 2).23 Durch die Darlegung der nachhaltigen Entwicklung als dauerhaftes Säulenkonzept kann der enge Bezug zwischen wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit weiter illustriert werden.

Abbildung 2: Die drei Sphären der Nachhaltigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Gordon, G., Nelke, A. (Hrsg.), CSR und nachhaltige Innovation, 2016, S. 75 (nach Rodriguez et. al. 2002)

Nachhaltigkeit kann nach dem in Kapitel 2.1.1 erwähnten Brundtland-Report nur durch die gleichzeitige Verknüpfung aller drei Dimensionen und aller relevanten Ebenen erreicht werden. Einerseits stehen die ökologische, soziale und ökonomische Dimension gleichberechtigt nebeneinander. Andererseits muss Nachhaltigkeit auch auf allen Ebenen erreicht werden, d.h. in Unternehmen, Regionen und Volkswirtschaften, wobei die Betrachtungsweise eine global ausgerichtete ist.24 Aus den drei Dimensionen lassen sich dann jeweils die Ziele und Regeln ableiten.

2.1.3 Bedeutung für die Gesellschaft

Konsequenzen der Umweltbelastung sind bereits zu spüren. Deshalb wird die Nachhaltigkeit immer wichtiger für die gegenwärtige und künftige Gesellschaft. Für die heutige Gesellschaft entwickelt sich langsam, aber kontinuierlich das Bewusstsein für dieses Thema. Ebenso schlägt es sich bereits auf das menschliche Verhalten und den Konsum nieder.25 Durch eine nicht nachhaltige Lebensweise wird der Treibhaus-Effekt weiter zunehmen und mit ihm ein Anheben der durchschnittlichen Temperatur auf der Erde.26 Andererseits wäre ohne diesen Effekt ein Leben in den Ausmaßen des heutigen Lebens auf der Welt keinesfalls denkbar. Die durchschnittliche Erdtemperatur würde ohne dieses Naturereignis nur etwa -18 °C betragen. Für das Überleben ist der Treibhauseffekt unabdingbar, da er Teil des Naturkreislaufs auf der Erde ist.27 Vor allem wird der Treibhauseffekt durch die Brandrodung und die Verbrennung fossiler Brennstoffe gefördert, bei der vor allem CO2 entsteht. Von den so genannten Treibhausgasen sind 80% CO2 Gase, die zwar lichtdurchlässig, jedoch kaum transparent für das wärmende Infrarotlicht sind.28 Es wird somit in der Atmosphäre reflektiert und verbleibt dort. Messungen haben bewiesen, dass eine erhöhte Anreicherung von Treibhausgasen logischerweise zu einer Erwärmung und damit zu einer steigenden Durchschnittstemperatur auf der Erde führt.29 Der Klimawandel, auch Erderwärmung genannt, wird schwerwiegende Konsequenzen haben. Das Leben auf der Erde kann sich dadurch dramatisch verändern. Dass der gegenwärtige westliche Lebensstil und der damit verbundene Ressourcenverbrauch nicht zukunftsfähig ist und sein wird, liegt auf der Hand. Heute gelingt dieser „kaiserliche Lebensstil“ nur, weil die westliche Welt auf preiswerte Rohstoffe und Arbeitskräfte aus anderen Gebieten der Welt angewiesen ist und die gesellschaftlichen und umweltbedingten Kosten des hohen Lebensstandards nach außen verlagert.30 Es besteht weltweit ein extremes Ungleichgewicht in Bezug auf den Lebensstandard und den Zugang zu Ressourcen. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich weitet sich immer weiter aus.31 Es ist offensichtlich, dass an dieser Art, die Erde zu bewohnen, etwas verkehrt ist. Auch im öffentlichen Dialog verbreitet sich diese Wahrnehmung zunehmend. Speziell in jüngeren Bevölkerungsschichten löst diese Entwicklung große Besorgnis aus. Diese Besorgnis zeigt sich auch in der großen Zahl von „Fridays For Future“-Demonstrationen. Zum Beispiel nahmen am 15. März 2019 am ersten „Global Climate Strike for Future“ weltweit fast 2,3 Millionen Demonstranten teil, mehr als 200.000 davon kamen aus Deutschland.32 Die globale soziale Bewegung Studierender „Fridays for Future“ ist eine positive Entwicklung, denn frühere Datenerhebungen zeigen, dass das Interesse an Nachhaltigkeits- und Gesundheitsfragen erst mit wachsendem Alter zunimmt. Gruppen von Menschen, die sich stark für Nachhaltigkeit und Gesundheit interessieren, nennen sich selbst LOHAS, was so viel wie Lifestyle of Health and Sustainability bedeutet.33 Knapp 18,7 Prozent dieser Gruppe waren im Jahr 2020 zwischen 60 und 69 Jahre alt. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug etwa 14,4 Prozent. Hingegen betrug der prozentuale Anteil der LOHAS in der Altersklasse der 20- bis 29-Jährigen nur 7,5.34 Es bleibt abzuwarten, ob Entwicklungen wie die Bewegung „Fridays for Future“ zu einer Zunahme der LOHAS in der jüngeren Altersgruppe führen können. Denn je früher sich Menschen mit einem nachhaltigen Lebensstil auseinandersetzen, desto mehr Ressourcen können im Laufe ihres Lebens eingespart oder nachhaltig verbraucht werden und umso mehr kann die junge Generation Druck auf Politik und Wirtschaft ausüben.

2.1.4 Bedeutung für Unternehmen

Die im vorherigen Kapitel 2.1.3 vorgestellten LOHAS stellen allerdings nicht nur eine spezielle Gesellschaftsgruppe dar, sondern auch eine für Unternehmen besonders kaufkräftige Zielgruppe. Der Trend zur Nachhaltigkeit spielt auch für die Wirtschaft eine wichtige Rolle. Immer mehr Menschen beschäftigen sich zunehmend mit ihrem Konsumverhalten und sind sich der Zusammenhänge zwischen den von ihnen konsumierten Waren und Dienstleistungen und den daraus resultierenden Folgen für die Umwelt bewusst. Auch der Präsident des deutschen Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, behauptet, dass es „ohne nachhaltigen Konsum deshalb keinen umfassenden Klima- und Umweltschutz geben kann“35. Gerade mit der Globalisierung, die den Einfluss internationaler Konzerne auf die Gestaltung von Märkten und Produktionsbedingungen erhöht hat, wird von den Unternehmen eine größere Verantwortung erwartet. Internationale Großkonzerne beschäftigen nicht nur einige hunderttausend Arbeitnehmer, ihr Umsatz übersteigt oft das BIP mittelständischer Industrieländer und sie beherrschen Schlüsseltechnologien der Zukunft. Diese internationalen Firmen sind zu politischen Entscheidungsträgern geworden, die die Gesellschaft auf unterschiedliche Weise prägen. Von ihnen wird auch ein konkreter Einsatz zur nachhaltigen Entwicklung erwartet.36 Für ein besseres Verständnis der heutigen Bedeutung von nachhaltiger Entwicklung für Unternehmen wird in der vorliegenden Arbeit zunächst der Begriff CSR definiert und dann an die Thematik angeknüpft. Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) ist eine neuartige Wortkombination, deren Beliebtheit unter Unternehmen allgemein anerkannt ist und mit sozialer Verantwortung von Unternehmen übersetzt werden kann. Gemeint ist damit, dass Unternehmen im Einklang mit den Normen und Werten der Gesellschaft handeln und dass sich daraus eine Reihe von Verpflichtungen ableiten lassen.37 Die einer CSR- Strategie verpflichteten Unternehmen wollen damit verdeutlichen, dass sie über ihre ökonomische Verantwortung hinaus soziale, ökonomische und ökologische Ziele anstreben.38 In der Praxis bedeutet dies zum Beispiel mitarbeiterorientierte Personalpolitik, faire Geschäftspraktiken, Klima- und Umweltschutz, sparsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen, ernsthaftes Engagement vor Ort und Verantwortung in der Lieferkette.39 Viele Unternehmen verwenden die Begriffe CSR und Nachhaltigkeit im Prinzip weitgehend synonym. Beispielsweise sprechen einige Unternehmen von einem Nachhaltigkeitsbericht und einer Nachhaltigkeitsstrategie, andere von einem CSR- Bericht und einer CSR-Strategie. Theoretisch wird CSR als Begriff jedoch enger gefasst als Nachhaltigkeit: CSR bezieht sich auf den spezifischen Beitrag, welchen Unternehmen zur nachhaltigen Wirtschaft, zur nachhaltigen Entwicklung leisten. Ein weiterer Begriff, der oft mit CSR in Verbindung gebracht wird, ist Corporate Citizen Jedoch bezieht sich Corporate Citizenship im Gegensatz zu CSR lediglich auf das Engagement, welches über die tatsächliche Geschäftstätigkeit eines Unternehmens hinausgeht und somit den Bereich der unternehmerischen Wohltätigkeit umfasst. Corporate Citizenship beschränkt sich im Wesentlichen auf Spenden, Sponsoring und Stiftungsaktivitäten. Fest steht, dass es unmöglich ist, CSR in einem Unternehmen erfolgreich umzusetzen, wenn kein klarer Bezug zu seinen Geschäftsaktivitäten besteht. Unternehmen, die ihre CSR-Aktivitäten als „Add-on“ verstehen, welche mit den Hauptgeschäftsprozessen und dem Geschäftsmodell nichts zu tun haben, verfehlen ihre Ziele. Ob Mindeststandards in der Lieferkette, Energieeffizienz, Mitarbeiterzufriedenheit oder Arbeitssicherheit - für den Unternehmenserfolg sind diese CSR-Aktivitäten entscheidend.40 Um dem Leser einen Überblick über die CSR-Handlungsfelder zu geben, werden in Tabelle 1 Beispiele für CSR-Aktivitäten aufgeführt.

Tabelle 2: Beispiele für CSR-Aktivitäten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Schmid, E., Pröll, T., Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung, 2019, S. 29, (nach Meixner et. al., 2015, S. 925)

Nachhaltigkeitsmanagement, d.h. die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen, umfasst einerseits die Kommunikation, Planung und Umsetzung von ökologischen und sozialen Maßnahmen und andererseits deren Einbindung in Unternehmen. Es hat sich damit zu einer strategischen Querschnittsaufgabe entwickelt. Sie ist aber auch Teilbereich der Organisationsentwicklung, denn Unternehmen müssen sich den veränderten ökologischen und sozialen Anforderungen stellen. Demnach obliegt dem Nachhaltigkeitsmanagement die Aufgabe, Entwicklungs- und Lernprozesse in einem Unternehmen so zu konzipieren, dass ökologische Rahmenbedingungen stärker in Betracht gezogen werden und das Unternehmen so aktiv an der Gestaltung einer gerechten Gesellschaft mitwirken kann. Da wirtschaftlicher Erfolg für Unternehmen dennoch unverzichtbar ist, wirft sich die Frage auf, inwieweit die übernommene Verantwortung für die Gesellschaft zusätzliche Kosten mit sich bringt oder ob sie dem wirtschaftlichen Erfolg entgegenkommt. Letzteres ist dann gegeben, wenn die Mitarbeiter zufriedener und damit engagierter sind, Kosteneinsparung durch eine Senkung des Material- oder Energieverbrauch erreicht oder das Unternehmensbild verbessert wird. Bei der sozialen Verantwortung von Unternehmen geht es auch sehr stark darum, wie sie ihre eigenen Mitarbeiter behandeln. Diversity Management spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Dazu gehören Maßnahmen zur Frauenförderung, zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, zur besseren Integration ethnischer Minderheiten und zur altersgerechten Arbeitsplatzgestaltung. CSR meint folglich also nicht nur keinen Schaden anzurichten, sondern auch Mehrwert für die Umwelt zu schaffen, d.h. das gesamte Unternehmen so zu gestalten, dass alle davon profitieren.

2.2 Greenwashing

Entscheiden sich Unternehmen für eine nachhaltige Produktentwicklung, übernehmen sie soziale Verantwortung oder recyceln sogar die verarbeiteten Rohstoffe, so sollte auch ihr Marketing an die neuen Ziele angepasst werden. In diesem Prozess ist das „Grüne Marketing“ von entscheidender Bedeutung. Die Vermarktung von Produkten, die Einhaltung sozialer Dimensionen und das Streben des Unternehmens nach Nachhaltigkeit stehen dabei gleichermaßen im Fokus.41 Ökologisches Marketing zielt darauf ab, die Menschen zu einem umweltfreundlicheren Verhalten zu bewegen und folglich die negativen Folgen des kommerziellen Wirtschaftens und Marketings dabei zu begrenzen. Zudem ist es eine Form des alternativen Marketings und bietet Unternehmern die Möglichkeit, eine neue Zielgruppe zu erreichen. Sehr oft wird es im Zusammenhang mit Sozialmarketing eingesetzt. Vor allem im Kontext der Nachhaltigkeit ist die Glaubwürdigkeit der Werbebotschaft der entscheidende Punkt, denn in der Vergangenheit wurde Nachhaltigkeit oft propagiert, wo in Wirklichkeit keine existierte.42 Die Unternehmensstrategie, bei der Unternehmen ökologisches Marketing zu ihrem eigenen Nutzen einsetzen aber nicht tatsächlich nachhaltig produzieren, wird als Greenwashing bezeichnet. Unter Greenwashing wird das Bestreben von Unternehmen verstanden, ihr fragwürdiges Kerngeschäft mit schönen ökologischen und sozialen Versprechungen zu kaschieren. Diese Vorgehensweise ist derzeit erfolgreicher als jemals zuvor. Über die grüne Scheinwelt hinaus schreitet die Umweltzerstörung jedoch rasch voran.43 Die englische Bezeichnung Greenwashing wurde erstmals 1986 vom New Yorker Umweltaktivisten Jay Westerveld in einem Artikel über die Hotellerie verwendet und ist ein kritischer Begriff für PR-Maßnahmen, die einem Unternehmen ein verantwortungsbewusstes und umweltfreundliches Erscheinungsbild geben sollen, ohne dafür gute Gründe zu haben.44 So behaupten Unternehmen unter anderem, dass sie ihre Produkte fair handeln, dass sie die Beseitigung von Welthunger und Armut fördern oder dass sie klimafreundlich und ökologisch produzieren.45 Üblicherweise stellt das Unternehmen mit verstärktem PR-Aufwand, zum Beispiel in Pressekampagnen oder Anzeigen, entsprechende Bewertungen Dritter, aber auch einzelne umweltfreundliche Dienstleistungen oder in der Öffentlichkeit zur Schau. Nicht selten sind die einzelnen Aussagen - zum Beispiel ein neues umweltfreundliches Produkt an den Markt bringen - an sich richtig, doch betreffen sie nur einen kleinen Teil der betrieblichen Aktivitäten des Unternehmens, während das Hauptgeschäft umweltbelastend ist.46 Nur 23 Prozent der Deutschen halten Nachhaltigkeit in der Werbung für glaubwürdig und 57 Prozent glauben, dass viele Unternehmen soziale Themen lediglich als Markenzeichen nutzen.47 Diese Zahlen zeigen, dass die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber der Nachhaltigkeitskommunikation von Unternehmen sehr groß ist. Unternehmen befinden sich in einer Situation, in der sie nachhaltiger agieren und kommunizieren müssen, um am Markt zu bleiben, und stoßen andererseits auf große Zweifel an dieser Kommunikation. Diese Zwickmühle macht eine strategische, präzise Planung der Maßnahmen der Unternehmenskommunikation unumgänglich.48 Zusammenfassend kann in diesem Abschnitt festgehalten werden, dass Greenwashing und das daraus resultierende mangelnde Vertrauen der Verbraucher in die Unternehmen, ein mögliches Hindernis für einen nachhaltigen Modekonsum darstellt.

2.3 Politische Einflüsse auf nachhaltige Entwicklung

Um die Beteiligung und das Engagement der EU für eine nachhaltige Entwicklung aufzeigen zu können, werden im folgenden Abschnitt zunächst die 17 Nachhaltigkeitsziele der Übersichtlichkeit wegen in Form einer Liste der Reihe nach dargestellt. Angesichts der Aktualität der Thematik wird das bereits seit längerem diskutierte Lieferkettengesetz in die Arbeit eingebracht. Die Initiative Lieferkettengesetz wird ebenfalls grob aufgegriffen.

2.3.1 Die Agenda 2030

Mit der Agenda 2030 zur nachhaltigen Entwicklung werden die vielseitigen Herausforderungen der heutigen Zeit angegangen. Im September 2015 wurde sie von der UN-Generalversammlung verabschiedet und zielt darauf ab, die Menschheit auf einen Transformationspfad zu einer gerechten und nachhaltigen Lebensweise zu lenken.49 Der Aufbau der Agenda 2030 orientiert sich an den Hauptthemen Planet Erde, Menschen, Frieden und Partnerschaft sowie Wohlstand. Mit ihren Vorgaben und Zielen umreißt sie das Leitbild einer Welt, in der die Nahrungsmittel- und die Wasserversorgung für alle Menschen gesichert und andere elementare Bedürfnisse befriedigt werden, in der Produktion und Konsum fair und nachhaltig sind und alle Menschen in Frieden mit der Umwelt und ihren Mitmenschen ihr gesamtes Lebenspotential entfalten können.50 Diese ambitiöse Vision ist von den 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen übernommen worden. Die 17 Ziele (Sustainable Development Goals - SDGs) der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sind in 169 Unterziele unterteilt. Die Fortschritte der Ziele sind kontinuierlich zu überprüfen und zu dokumentieren.51 Alle 17 Ziele sind universell und gelten für alle Länder gleichermaßen. Sie umfassen die Hungerbeseitigung in der Welt bis hin zu Klimaschutzmaßnahmen. Zum besseren Verständnis der politischen Einflüsse in Hinblick auf die Agenda 2030 und den 17 nachhaltigen Entwicklungsziele, werden diese im folgenden Abschnitt dargestellt. Dabei handelt es sich beispielsweise bei Ziel 12 „nachhaltige/r Konsum und Produktion‘52 um ein für die vorliegende Arbeit besonders wichtiges Ziel. Es zielt darauf ab, für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster zu sorgen. Die Bezeichnungen der Ziele (siehe Tabelle 2) in der rechten Spalte wurden bei der Erstellung der Tabelle direkt aus der angegebenen Quelle übernommen, da deren Abänderung zu einer abweichenden Auslegung führen kann.

Tabelle 2: Die globalen SGDs der nachhaltigen Entwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: http://www.bmz.de/de/themen/2030_agenda/17_ziele/index.html, [Stand: 26.10.2020]

2.3.2 Das Lieferkettengesetz

Aufgrund der Globalisierung gewinnen Firmen aus aller Welt in den Bereichen Umwelt, Politik und Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. So beschaffen Unternehmen Rohstoffe aber auch andere Produkte auf globalen Märkten und investieren damit international. Zudem fertigen sie über Tochtergesellschaften an ausländischen Standorten und bieten Dienstleistungen und Produkte an, welche die Basis unseres Lebensstils und Konsums formen. Die Umsetzung der Ziele einer nachhaltigen Entwicklung erfordert den Einsatz von Unternehmen. Zugleich stehen sie immer wieder unter dem Vorwurf von unmoralischen Geschäftspraktiken, Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden.50 Viele deutsche Unternehmen profitieren von den globalen Handelsnetzen. So gibt es zum Beispiel in Deutschland ein striktes Verbot von Kinderarbeit und einen Mindestlohn, wohingegen solche Gesetze in anderen Ländern noch immer fehlen. Diese Gesetzeslücken werden von Unternehmen und Zulieferern oft ausgenutzt, damit Produkte möglichst billig und einfach hergestellt werden können. Zu diesem Zweck wird daher in Deutschland und anderen europäischen Ländern seit einiger Zeit darüber diskutiert, ob und inwiefern Unternehmen in Hinblick auf negative Umweltauswirkungen und Menschenrechtsverletzungen einer sogenannten strengeren Due Diligence, also einer strengeren gesetzlich geregelten Sorgfaltspflicht, ausgesetzt werden sollten. Due Diligence meint in diesem Kontext, dass ein Unternehmen seine Betriebe und Lieferanten überprüft, um zu gewährleisten, dass keine Schädigungen in der gesamten Lieferkette entstehen. Ein Unternehmen sollte überprüfen, dass seine Zulieferer keine Kinderarbeit einsetzen oder Abfallprodukte in Flüsse schütten.51 Die Initiative Lieferkettengesetz ist ein Zusammenschluss von Organisationen wie Gewerkschaften, Umweltverbänden und Hilfswerken, welche sich für die garantierte Einhaltung ökologischer und sozialer Mindeststandards einsetzt, um Missstände wie Hungerlöhne und Kinderarbeit zu bekämpfen.52 Jedoch gibt es Widerstände von Wirtschaftsverbänden und aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Der deutsche Wirtschaftsverband warnt beispielsweise davor, dass eine derartig umfassende Unternehmensverantwortung für Unternehmen nicht bezahlbar sei. Ferner werden von den Verbänden Wettbewerbsnachteile befürchtet.53

[...]


1 Vgl. Horx, M., Das Megatrend Prinzip, 2014, S. 212ff

2 Vgl. Wenzel, E., Kirig, A., Rauch, C., Greenomics., 2008, S. 14

3 Vgl. Ahrens, S., Statista: Nachhaltiges Kaufverhalten nach Warengruppen, 20.04.2020, URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1109400/umfrage/nachhahiges-kaufverhahen-nach- warengruppen/, [Stand: 17.09.2020]

4 Vgl. Bhardwaj, V., Fairhurst, A., Fast fashion: Response to changes in the fashion industry. The International Review of Retail., 2010, S. 165f

5 Vgl. Umwelt Bundesamt, Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode, URL: https://www.umweltbundesamt.de/fast-fashion-die-schattenseiten-der-mode, 24.03.2015, [Stand: 24.09.2020]

6 Vgl. Bodenheimer, M., Stärkung der sozialen Nachhaltigkeit in globalen Produktionsnetzwerken, 2018, S. 42

7 Vgl Bhardwaj, V., Fairhurst, A., Fast fashion: Response to changes in the fashion industry. The International Review of Retail., 2010, S. 166

8 Bei Fair Fashion handelt es sich um ein Synonym von Slow Fashion und wurde für den Titel sowie im gesamten Verlauf der vorliegenden Arbeit als dieses verwendet.

9 Vgl. Google Suchfunktion [Stand: 08.11.2020 14:52 Uhr], URL: www.google.de/Nachhaltigkeit

10 Vgl. Brugger, F., Nachhaltigkeit in der Unternehmenskommunikation, 2010, S. 13

11 Vgl. Spengler, T., Metzger, O., Volkmer, T., Nachhaltige Personalplanung, 2019, S. 211

12 Vgl. Pufé, I., Nachhaltigkeit, 2017, S. 37

13 von Carlowitz, H. C., Hamberger, J. (Hrsg.), Sylvicultura Oeconomica, 2013, S. 9f

14 Vgl. Zuberbühler, C., Weiss, C., Nachhaltigkeit ist nicht gleich Gerechtigkeit, 2017, S. 191

15 Vgl. Hauff, V. (Hrsg.), Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht und die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, 1987, S. 46

16 Hauff, V. (Hrsg.), 1987, S. 46

17 Vgl. Grundwald, A., Kopfmüller, J., Nachhaltigkeit, 2012, S. 23f

18 Vgl. Grundwald, A., Kopfmüller, J., Nachhaltigkeit, 2012, S. 24

19 Vgl. Scholz, U., Pastoors, S., Betriebliche Nachhaltigkeit, 2018, S. 11ff

20 Vgl. Ebd.

21 Vgl. Kleine, A., Die drei Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung, 2009, S. 5f

22 Vgl. Jonker, J., Stark, W., Tewes, S., Corporate Social Responsibility und nachhaltige Entwicklung, 2011, S. 155

23 Vgl. Kiessling, W., Babel, F., Corporate Identity: Strategie nachhaltiger Unternehmensführung, 2016, S.

24 Vgl. Gordon, G., Nelke, A. (Hrsg.), CSR und nachhaltige Innovation, 2016, S. 41

25 Vgl. Wenzel, E., Kirig, A., Rauch, C., Greenomics., 2008, S. 197

26 Vgl. Jonker, J., Stark, W., Tewes, S., Corporate Social Responsibility und nachhaltige Entwicklung, 2011, S. 115

27 Vgl. Haase, J., Greenpeace: Was ist der Treibhauseffekt? URL: https://www.greenpeace.de/themen/klimakrise/was-ist-der-treibhauseffekt, Stand: 30.10.2020]

28 Vgl. Jonker, J., Stark, W., Tewes, S., Corporate Social Responsibility und nachhaltige Entwicklung, 2011, S. 128

29 Vgl. Horx, M., Das Megatrend Prinzip, 2014, S. 212ff

30 Vgl. Brand, U., Wissen, M., Imperiale Lebensweise - zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus, 2017, S.

31 Vgl. Möller H.W., Wohlstand für alle? - Die Schere zwischen Arm und Reich., 2017, S. 271ff

32 Vgl. FridaysForFuture 2019, URL: https://fridaysforfuture.de/, [Stand: 29.10.2020]

33 Vgl. Scholz, U., Pastoors, S., Betriebliche Nachhaltigkeit, 2018, S. 11ff

34 Vgl. Pawlik, V., Personen mit Gesundheits- und Nachhaltigkeitsorientierung (LOHAS) in Deutschland nach Altersgruppen. 29.09.2020, URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/982618/umfrage/umfrage-unter-lohas-in-deutschland-zur- altersgruppenverteilung/, Stand [17.10.2020]

35 Flasbarth, Jochen (Grüne Produkte in Deutschland, 2013), URL: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/gruene_produkte_in_deut schland_status_quo_und_trends_neulayout.pdf, Umweltbundesamt, S. 2, [Stand: 18.10.2020]

36 Vgl. Hahn, R., Corporate Citizenship - Unternehmen als politische Akteure, 2013, S. 130ff

37 Vgl. Lopez, I., CSR und Wirtschaftspsychologie, 2017, S. 8

38 Vgl. Brühl, R., Corporate Social Responsibility, 2018, S. 13

39 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, (Nachhaltigkeit und CSR), URL: https://www.csr-in- deutschland.de/DE/Was-ist-CSR/Grundlagen/Nachhaltigkeit-und-CSR/nachhaltigkeit-und-csr.html, [Stand: 08.10.2020]

40 Vgl. Ebd.

41 Vgl. Scholz, U., Green Marketing: ein ganzheitlicher Ansatz für nachhaltiges Handeln, 2018, S.

42 Vgl. Ebd.

43 Vgl. Hartmann, K., Die grüne Lüge, 2018, S. 2

44 Vgl. Watson, B.: „The troubling Evolution of corporate Greenwashing“, in: The Guardian Online, URL: https://www.theguardian.com/sustainable-business/2016/aug/20/greenwashing-environmentalism-lies- companies, 2017, [Stand: 02.10.2020]

45 Vgl. Ebd.

46 Vgl. Ebd.

47 Vgl. Ebd.

48 Vgl. Schmid, E., Pröll, T. (Hrsg.), Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung, 2019, S. 3

49 Vgl. Beisheim, M., Die Agenda für nachhaltige Entwicklung, 2015, S. 255

50 Vgl. Umweltbezogene und menschenrechtliche Sorgfaltspflichten, URL: https://www.umweltbundesamtde/sites/defauh/files/medien/1410/publikationen/2019-09-03_texte_102- 2019_ap_1-unternehmerische-sorgfaltspflichten.pdf, 2019, [Stand: 26.10.2020]

51 Vgl. Abele, K., Verantwortungsvolle Lieferketten, URL: https://ec.europa.eu/germany/news/20200224verantwortungsvolle-lieferketten-studie-untersucht- optionen-fuer-eu-gesetzgebung_de, 24.02.2020, [Stand: 28.10.2020]

52 Vgl. Initiative Lieferkettengesetz, URL: https://lieferkettengesetz.de, [Stand: 28.10.2020]

53 Vgl. Gesetz zur CSR-Verpflichtung, URL: https://www.marktundmittelstand.de/zukunftsmaerkte/gesetz-zur-csr-verpflichtung-mittelstaendler- fuerchten-wettbewerbsnachteile-1294501/, 14.07.2020, [Stand: 29.10.2020]

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Fair Fashion. Welche Hindernisse halten Verbraucher von nachhaltigem Modekonsum ab?
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,8
Autor
Jahr
2020
Seiten
83
Katalognummer
V993453
ISBN (eBook)
9783346359599
ISBN (Buch)
9783346359605
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit Greenwashing Modekonsum Mode Fast Fashion Slow Fashion
Arbeit zitieren
Blerta Laiq (Autor), 2020, Fair Fashion. Welche Hindernisse halten Verbraucher von nachhaltigem Modekonsum ab?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/993453

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