Diese Arbeit soll sich näher mit der Dualität von Zeitarbeitnehmer*innen und Stammbelegschaften beschäftigen. Hier ergeben sich verschiedene wirtschafts- und sozialpolitische Vor- und Nachteile, die möglicherweise von Unternehmen ausgenutzt werden, jedoch zu Ungunsten verschiedener Arbeitnehmer*innen. Die Problematiken, die sich für das Stammpersonal verschiedener Unternehmen ergeben können, werden hier aus pragmatischen Gründen nicht weiter vertieft. Stattdessen wird der Fokus explizit auf die Situation der Zeitarbeitnehmer*innen gelegt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Forschungsfrage
Forschungsstand
Theoretische und Rechtliche Grundbegriffe des Arbeitsmarktes
Analysemethode
Praktischer Bezug zur Zeitarbeit in Deutschland
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Effektivität der Umsetzung der EU-Richtlinie 2008/104/EG in Deutschland, mit einem speziellen Fokus auf die Gleichbehandlung von Zeitarbeitnehmern im Vergleich zur Stammbelegschaft sowie die wirtschafts- und sozialpolitischen Implikationen dieser Flexibilisierungsform.
- Historische Entwicklung und rechtliche Einordnung der Zeitarbeit in Deutschland
- Analyse der Zielsetzungen und Grundsätze der EU-Richtlinie 2008/104/EG
- Untersuchung der Lohnunterschiede zwischen Zeitarbeitnehmern und Stammpersonal
- Evaluierung der Reformen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG)
- Kritische Reflexion über Missbrauchsmöglichkeiten und Arbeitsmarktflexibilisierung
Auszug aus dem Buch
Praktischer Bezug zur Zeitarbeit in Deutschland
Zunächst wird im Bezug auf die wesentlichen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im Rahmen der Thematik der Gleichbehandlung der finanzielle Aspekt näher betrachtet. Hierzu lohnt es sich, die Bruttoentgeltwerte von verschiedenen Kerngruppen zu vergleichen, in denen auch Zeitarbeitnehmer eingesetzt werden. Um die Entwicklung der Jahre ab 2008 aufzuzeigen, werden statistische Datenerhebungen als Hilfsmittel eingesetzt.
Dr. Wilhelm Adamy vom Deutschen Gewerkschaftsbund thematisiert die Lohnunterschiede zwischen Stammpersonal und Leiharbeitnehmern in seinem Aufsatz „Niedriglohn und Lohndumping im Verleihgewerbe“ (2011). Hierbei nutzt er Statistiken der Bundesagentur für Arbeit. Diese zeigen auf, dass im Verleihgewerbe, welches im generellen Lohnvergleich nur beispielhaft anzusehen ist, das durchschnittliche Bruttoentgelt aller Vollzeitbeschäftigten in den alten Bundesländern (ohne Berlin) im Jahre 2008 bei 2.782 € und im Jahre 2009 bei 2.805 € lag (ebd., S. 3). Gleichzeitig lag das Bruttoentgelt bei vollzeitbeschäftigten Leiharbeitnehmern im Westen Deutschlands in denselben Jahren bei 1.465 € respektive 1.456 € (ebd.). Somit lag der Unterschied bei ca. 1317 € bis 1349 €. In den neuen Bundesländern inklusive ganz Berlin betrug das Durchschnitts-Bruttoentgelt beim Stammpersonal 2.028 € bzw. 2.050 €, bei den vollzeitbeschäftigten Leiharbeitnehmern jedoch nur 1.243 € respektive 1.225 € (ebd.). Hier betrug der Unterschied also 785 € bis 825 €.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die historische Entwicklung der Zeitarbeit in Deutschland sowie das "dreiseitige Rechtsverhältnis" und führt die Problematik der EU-Richtlinie 2008/104/EG ein.
Forschungsfrage: Definiert die zentrale Fragestellung zur Erfolgsbilanz der EU-Richtlinienumsetzung und grenzt das Thema zeitlich und räumlich ein.
Forschungsstand: Gibt einen Überblick über soziologische und arbeitsmarktpolitische Fachliteratur zur Zeitarbeit, einschließlich der Perspektiven von Artus, Helfen et al. und Absenger.
Theoretische und Rechtliche Grundbegriffe des Arbeitsmarktes: Definiert zentrale Begriffe wie Zeitarbeit und Arbeitnehmerüberlassung und erläutert die Anforderungen der EU-Richtlinie an Gleichbehandlung und Flexibilität.
Analysemethode: Legt das empirisch-analytische Vorgehen fest, bei dem quantitative Daten zur Bewertung der Richtlinienumsetzung genutzt werden.
Praktischer Bezug zur Zeitarbeit in Deutschland: Analysiert Gehaltsunterschiede zwischen Stamm- und Zeitarbeitspersonal sowie die Auswirkungen der AÜG-Reformen anhand statistischer Daten der Bundesagentur für Arbeit.
Fazit: Resümiert, dass die Umsetzung des Gleichstellungsgrundsatzes gescheitert ist und Zeitarbeit weiterhin als wirtschaftspolitisches Instrument zu Ungunsten der Arbeitnehmer genutzt wird.
Schlüsselwörter
Zeitarbeit, Leiharbeit, EU-Richtlinie 2008/104/EG, Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, Gleichbehandlung, Equal Pay, Equal Treatment, Stammbelegschaft, Arbeitsmarktflexibilisierung, Lohnunterschiede, Lohndumping, Beschäftigungswachstum, Tarifverträge, Sozialpolitik, Wirtschaftsrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Zeitarbeit in Deutschland und setzt sich kritisch mit der Umsetzung der EU-Richtlinie 2008/104/EG auseinander, insbesondere im Hinblick auf die Gleichbehandlung von Leiharbeitnehmern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die rechtliche Einordnung der Arbeitnehmerüberlassung, die Analyse von Lohnunterschieden, die Auswirkungen der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die Bewertung staatlicher Reformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Inwiefern ist die Umsetzung der Ziele der EU-Richtlinie 2008/104/EG in Deutschland gelungen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird ein empirisch-analytischer Ansatz verfolgt, der auf quantitativen Daten von Institutionen wie der Bundesagentur für Arbeit basiert, um die praktische Umsetzung der Richtlinienziele zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Analyse der Gehaltsentwicklung in der Zeitarbeit sowie die Bewertung der Reformen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) durch die Koalition ab 2013.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Zeitarbeit, Equal Pay, Gleichbehandlung, Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) und Arbeitsmarktflexibilisierung.
Warum sieht die Autorin die Umsetzung der EU-Richtlinie als nicht gelungen an?
Das Fazit der Arbeit betont, dass trotz der gesetzlichen Reformen keine signifikante Lohnannäherung zwischen Zeitarbeitnehmern und Stammpersonal stattgefunden hat und die Grundsätze weiterhin durch Umgehungspraktiken wie kurze Einsatzpausen leicht zu umgehen sind.
Wie wird das Verhältnis zwischen Stamm- und Zeitarbeitspersonal bewertet?
Das Verhältnis wird als problematisch eingestuft, da eine „Dualität“ besteht, bei der Unternehmen Zeitarbeit als Instrument zur Kostensenkung und Flexibilisierung nutzen, was oft zu Lasten der Arbeitsplatzsicherheit der Zeitarbeitnehmer geht.
- Quote paper
- Dario Salvatore Tarallo (Author), 2019, Die Dualität von Zeitarbeit in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994367