Die Kapitalstruktur deutscher S-DAX Unternehmen. Die Determinanten


Projektarbeit, 2020

38 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Formelverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Finanzierungsinstrumente börsennotierter Unternehmen
2.2 Relevante Kapitalstrukturtheorien
2.2.1 Das Irrelevanz-Theorem von Modigliani und Miller
2.2.2 Die Trade-Off-Theorie
2.2.3 Die Pecking-Order-Theorie
2.3 Bisheriger Forschungsstand

3 Aufbau der empirischen Untersuchung
3.1 Formulierung der Forschungsthesen
3.1.1 Unternehmensgröße
3.1.2 Profitabilität
3.1.3 Sachanlagevermögen
3.2 Operationalisierung der Variablen
3.2.1 Verschuldung
3.2.2 Unternehmensgröße
3.2.3 Profitabilität
3.2.4 Sachanlagevermögen
3.3 Grundgesamtheit und Datenherkunft
3.4 Regressionsgleichung

4 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
4.1 Modellgüte und Regressionsvoraussetzungen
4.2 Überprüfung der Hypothesen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: RESET-Test

Abbildung 2: Durbin-Watson-Test

Abbildung 3: Breusch-Godfrey-Test

Abbildung 4: Goldfeld-Quandt-Test

Abbildung 5: Breusch-Pagan-Test

Abbildung 6: White-Test

Abbildung 7: Paarweise Korrelationen

Abbildung 8: Variance Inflation Factors

Abbildung 9: Shapiro-Wilk-Test

Abbildung 10: Jarque-Bera-Test

Abbildung 11: Ergebnisse der linearen Regression

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Determinanten der Kapitalstrukturforschung

Tabelle 2: Ergebnisse zu den Einflussfaktoren auf die Verschuldung

Tabelle 3: Bereinigung der Stichprobe

Tabelle 4: Branchenzusammensetzung nach Bereinigung

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formelverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Laufe seiner Entwicklung wird jedes Unternehmen mit einer Vielzahl von Finanzierungsentscheidungen konfrontiert. Bei jeder dieser Entscheidungen hat das Unternehmen die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Finanzierungsinstrumenten zu wählen. Die Summe dieser Entscheidungen bestimmt die Zusammensetzung des Gesamtkapitals aus Eigenkapital und Fremdkapital - die Kapitalstruktur. Die Wahl der geeigneten Kapitalstruktur ist für Unternehmen von hoher Relevanz, weil diese die Zahlungsfähigkeit langfristig sichern und das Finanzierungsrisiko sowie die Kapitalkosten minimieren soll.1

Die Kapitalstrukturforschung entwickelt seit mehreren Jahrzehnten mathematische und verhaltenstheoretische Modelle, mit denen der Anteil von Eigen- und Fremdkapital an der Bilanzsumme und die entsprechenden Finanzierungsentscheidungen erklärt werden sollen. Das Ergebnis dieser Forschungsbemühungen ist die Ableitung verschiedener, zum Teil konkurrierender, Hypothesen über mögliche Bestimmungsfaktoren der Kapitalstruktur. Am Beginn einer Reihe relevanter Forschungsbeiträge steht die Veröffentlichung der Irrelevanzthesen von Modigliani/Miller, nach denen der Unternehmenswert unter bestimmten Annahmen unabhängig von der Kapitalstruktur ist.2 Dem folgten weitere Beiträge wie die Trade-Off3 - und die Pecking-Order4 -Theo- rie, die unterschiedliche Faktoren, wie zum Beispiel Steuervorteile der Fremdfinanzierung, ein mit der Verschuldung steigendes Insolvenzrisiko oder Informationsasymmetrien zwischen Management und externen Kapitalgebern zur Erklärung von Finanzierungsentscheidungen heranziehen.

Gemeinsam mit der Trade-Off-Theorie bildet die Pecking-Order-Theorie bis heute das Grundgerüst der theoretischen und empirischen Kapitalmarktforschung. Kern der Pecking-Order-Theorie ist, dass Unternehmen nicht nach einer optimalen unternehmenswertmaximierenden Kapitalstruktur streben, sondern bei der Wahl der Finanzierungsinstrumente bestimmte Finanzierungsarten präferieren. Gemäß dieser Theorie bevorzugen Unternehmen zunächst die Innenfinanzierung, bevor sie auf ex- terne Finanzierungsinstrumente zurückgreifen. Ist dies notwendig, präferieren Unternehmen zunächst die Aufnahme von Fremdkapital, bevor neues Eigenkapital emittiert wird.5 Trotz der intensiven Bemühungen ist es der Kapitalstrukturforschung bis heute nicht gelungen, einen Erklärungsansatz zu entwickeln, der der Pecking-Order- Theorie überlegen ist, weswegen sie auch in dieser Arbeit als theoretische Grundlage für die Untersuchung der Determinanten der Kapitalstruktur herangezogen wird.6

Die empirische Forschung zu den Determinanten der Kapitalstruktur hat bereits eine Vielzahl an Untersuchungen für Unternehmen verschiedener Länder, Branchen und Unternehmensklassen hervorgebracht. Im Fokus der empirischen Forschung standen zunächst angelsächsische und anschließend weitere große Unternehmen, bevor die Untersuchungen auf andere Unternehmen ausgeweitet wurden.7 Insbesondere kleinere und nicht-börsennotierte Unternehmen sind bis heute im Vergleich mit den großen börsennotierten Unternehmen weniger ausgeprägt erforscht.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Determinanten der Kapitalstruktur der verhältnismäßig kleinen deutschen S-DAX Unternehmen für den aktuellen Zeitraum von 2015 bis 2019 auf Basis der Pecking-Order-Theorie zu untersuchen.

In Kapitel 2 werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Kapitalstrukturforschung erläutert und der bisherige Stand der Forschung untersucht. Im 3. Kapitel werden die Hypothesen aufgestellt und der Aufbau der weiteren empirischen Untersuchung dargestellt, bevor die Ergebnisse der Linearen Regression im 4. Kapitel dargelegt und eingeordnet werden. Abschließend folgt im 5. Kapitel das Fazit der Untersuchung.

2 Theoretische Grundlagen

In Kapitel 2.1 werden kurz die Instrumente vorgestellt, die den Unternehmen bei ihrer Finanzierungsentscheidung zur Verfügung stehen. Anschließend erfolgt in Kapitel 2.2 die Erläuterung der relevantesten Kapitalstrukturtheorien, bevor in Kapitel 2.3 der aktuelle Stand der Forschung dargestellt wird.

2.1 Finanzierungsinstrumente börsennotierter Unternehmen

Basis einer jeden Finanzierungsentscheidung bildet die Frage, ob das Unternehmen Eigenkapital oder Fremdkapital zur Finanzierung seiner Investitionen verwendet.8

Eigenkapital kann entweder durch die Thesaurierung von Gewinnen (Innenfinanzierung) oder die Emission neuer Anteilsscheine an externe Investoren beschafft werden (Außenfinanzierung) und wird von den Gesellschaftern zeitlich unbefristet zur Verfügung gestellt. Dies erfolgt ohne feste Verzinsung und geht mit einer Gewinnbeteiligung und üblicherweise Mitspracherechten einher.9 Daraus resultieren bei Kapitalerhöhungen unterschiedliche Interessen von alten und gegebenenfalls neuen Anteilseignern.10 Fremdkapital wird der Gesellschaft von unternehmensfremden Dritten, üblicherweise Banken oder Anleiheinvestoren, zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung von Fremdkapital ist in der Regel zeitlich befristet und die Rückzahlungsbedingungen von vornherein vereinbart. Die Fremdkapitalgeber erhalten für die Bereitstellung des Kapitals eine Verzinsung, haben jedoch üblicherweise keinen Anspruch am Unternehmensgewinn.

Die Eigen- und Fremdkapitalgeber unterscheiden sich in ihrer Rolle charakteristisch in ihrer Risikoaversion. Während der Eigenkapitalgeber das unternehmerische Risiko trägt und vom Erfolg profitiert, erhält der Fremdkapitalgeber eine feste Verzinsung und kann sich möglicherweise durch Hypothek und Verpfändung gegen Risiken absichern.11 Neben reinem Eigen- und Fremdkapital existieren darüber hinaus Mischformen dieser, welche als Mezzaninekapital bezeichnet werden und bilanziell, je nach Ausgestaltung, dem Eigen- oder Fremdkapital zugeordnet werden - meist jedoch dem Fremdkapital.12

2.2 Relevante Kapitalstrukturtheorien

In Kapitel 2.2.1 wird zunächst das Irrelevanztheorem von Modigliani/Miller dargelegt, welches den Ausgangspunkt der jüngeren Diskussion zur Bedeutung der Kapitalstruktur von Unternehmen darstellt.13 Die T rade-Off-Theorie, die anschließend in Kapitel 2.2.2 vorgestellt wird, stellt eine wesentliche Reaktion auf die ersten Überlegungen von Modigliani/Miller dar und befasst sich kritisch mit den restriktiven Annahmen des Irrelevanztheorems, sodass bestimmte Marktunvollkommenheiten zugelassen werden.14 Als Gegenentwurf zu diesen Ansätzen formulierten Myers und Majluf die Pecking-Order-Theorie.15 Dieses Modell wird in Kapitel 2.2.3 vorgestellt und dient als Grundlage für die weiteren Überlegungen dieser Arbeit.

2.2.1 Das Irrelevanz-Theorem von Modigliani und Miller

Die moderne Kapitalstrukturtheorie findet ihren Ursprung in dem 1958 veröffentlichten Beitrag von Modigliani/Miller, in dem ein Modell der Irrelevanz der Kapitalstruktur formuliert wurde.16 Die aus diesem Modell ableitbaren Schlussfolgerungen bilden seither eine wichtige Grundlage der Kapitalstrukturforschung.17

Modigliani/Miller entwickelten die Irrelevanztheorie im Rahmen der neoklassischen Finanzierungslehre. Sie basiert auf der Annahme vollkommener Kapitalmärkte ohne Steuern, Insolvenzkosten und asymmetrischen Informationen.18 Das Modell beinhaltet insgesamt drei Thesen, von denen These I und These II im Folgenden erläutert werden und These III aufgrund der geringeren Relevanz in dieser Arbeit nicht behandelt wird.

Die erste These besagt, dass die Kapitalstruktur eines Unternehmens für den Unternehmenswert irrelevant ist. Dieser hänge demnach lediglich von dem Ertrag der Aktiva ab und nicht von der Struktur der Passiva, mit denen die Investitionen finanziert werden. Würde sich der Marktwert zweier Unternehmen mit identischen Ertragsströmen aufgrund unterschiedlicher Kapitalstrukturen unterscheiden, könnten Anleger das niedriger bewertete Unternehmen kaufen und das höher bewertete Unternehmen nachbilden, um einen Arbitragegewinn zu erzielen. Die Arbitrage würde somit stets den Marktwert beider Unternehmen angleichen. Im Rahmen der zweiten These leiten Modigliani/Miller aus der Unabhängigkeit der operativen Ertragskraft und des Unternehmenswertes von der Kapitalstruktur auch den Zusammenhang zwischen Kapitalkosten Verschuldungsgrad des Unternehmens ab. Im Rahmen des Modells errechnet sich der Unternehmenswert aus der Abzinsung der erwarteten operativen Überschüsse vor Zinsen mit den durchschnittlichen Kapitalkosten. Bei gleichbleibendem Unternehmenswert müssen somit die Kapitalkosten als einzige noch unbestimmte Größe konstant bleiben und sind somit abhängig von der Kapitalstruktur.19 Daraus ergibt sich eine linear mit dem Verschuldungsgrad steigende Eigenkapitalrenditeforderung der Anleger. Die steigende Eigenkapitalrenditeforderung setzt sich aus der Renditeforderung eines rein eigenfinanzierten Unternehmens zuzüglich einer Erhöhung der Renditeforderung zusammen, die die durch den Einsatz von günstigerem Fremdkapital sinkenden Kapitalkosten wieder kompensiert.20

2.2.2 Die Trade-Off-Theorie

Nach der Veröffentlichung des Irrelevanztheorems von Modigliani/Miller beschäftigte sich die theoretische Kapitalmarktforschung intensiv mit den Annahmen des Modells und untersuchte, welche Annahmen möglicherweise für die Irrelevanz der Kapitalstruktur überflüssig sind und wie sich realitätsnähere Annahmen auf die Aussage des Modells auswirken.21 Zwei in der Realität bedeutende Faktoren sind die Steuern und Insolvenzkosten, welche in der Trade-Off-Theorie berücksichtigt werden.22 Die Berücksichtigung von Steuern führt zu einer steuerlichen Abzugsfähigkeit von Fremdkapitalzinsen gegenüber der vollen Steuerbelastung von Ausschüttungen an die Eigenkapitalgeber, wodurch der Anreiz zu einer stärkeren Fremdfinanzierung entsteht. Ein teilweise fremdfinanziertes Unternehmen erzielt somit durch die Steuerersparnis ein höheres Nachsteuerergebnis, welches an die Kapitalgeber ausgeschüttet werden kann und somit zu einer höheren Marktbewertung des Unternehmens führt.23 Werden die Steuern als einzige Determinante berücksichtigt, müssten Unternehmen zur Erreichung einer optimalen Kapitalstruktur eine maximale Fremdfinanzierung anstreben. Jedoch berücksichtigt die Trade-Off-Theorie neben Steuern auch die möglichen Insolvenzkosten. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Kosten aus der Verschlechterung der Geschäftsbeziehungen von Kunden und Lieferanten, der Fluktuation wichtiger Mitarbeiter oder auch höheren Finanzierungskosten.24 Weil die Ausfallwahrscheinlichkeit bei sehr hohen Verschuldungsgraden zunimmt, wird in der Trade-Off-Theorie unterstellt, dass diese mit zunehmendem Verschuldungsgrad steigen.25

Aus der Berücksichtigung dieser beiden gegenläufigen Effekte resultiert, dass die Kapitalstruktur genau dann im Optimum liegt, wenn der Grenznutzen der Steuervorteile der Fremdfinanzierung den erwarteten Grenzkosten der Insolvenz entspricht.26 Somit geht die Trade-Off-Theorie von der Existenz einer optimalen Kapitalstruktur aus, welche von dem Steuervorteil der Fremdfinanzierung und den Insolvenzkosten bestimmt wird.

2.2.3 Die Pecking-Order-Theorie

Im Jahr 1984 veröffentlichte Myers mit der Pecking-Order-Theorie einen fundamentalen Gegenentwurf zu den bisherigen veröffentlichten Kapitalstrukturtheorien. Nach der Pecking-Order-Theorie streben Unternehmen nicht nach einer optimalen wertmaximierenden Kapitalstruktur, sondern folgen bei der Wahl der Finanzierungsquellen bestimmten Regeln. Myers zufolge präferieren Unternehmen grundsätzlich die Innenfinanzierung gegenüber der Außenfinanzierung. Werden darüber hinaus weitere externe Finanzmittel benötigt, besteht eine klare Präferenz, zunächst die Möglichkeiten der Fremdkapitalbeschaffung auszuschöpfen. Die Durchführung von Kapitalerhöhungen wird erst dann in Betracht gezogen, wenn das Fremdfinanzierungspotenzial des Unternehmens erschöpft ist. Kern der Pecking-Order-Theorie ist somit die Präferenzordnung der Finanzierungsformen.27

Basis der Überlegungen ist, dass Informationen zwischen den verschiedenen Anspruchsgruppen des Unternehmens unterschiedlich verteilt sind. Insbesondere hat das Management im Falle eines möglichen Investitionsprojektes einen temporären Informationsvorsprung gegenüber den Anteilseignern über den bei Durchführung des Projektes später eintretenden Unternehmenswert.28 Aufgrund dieses Informationsvorsprungs über den zukünftigen Unternehmenswert, analysieren die Kapitalgeber die Wahl der jeweiligen Finanzierungsarten und ziehen daraus Schlussfolgerungen über den Zustand des Unternehmens.29 Entscheidet sich das Unternehmen für eine Kapitalerhöhung, wird dies von externen Kapitalgebern als Anzeichen für eine Überbewertung des Unternehmens wahrgenommen und sie interpretieren die Ankündigung als ein negatives Signal bezüglich der Qualität des geplanten Projektes und des zukünftigen Unternehmenswertes.30 Die negative Interpretation von Kapitalerhöhungen konnte insbesondere für den amerikanischen Kapitalmarkt gut beobachtet und dokumentiert werden, da die Ankündigung einer Kapitalerhöhung nachweislich einen Kursrückgang zur Folge hatte.31

Wird zur Finanzierung eines Investitionsprojektes weiteres externes Eigenkapital aufgenommen, geschieht dies annahmegemäß durch neue Aktionäre. Dabei ist es möglich, dass das Unternehmen am Kapitalmarkt falsch bewertet ist und es kann bei einer starken Unterbewertung der Fall eintreten, dass die neuen Aktionäre dadurch mehr als den Nettobarwert des Investitionsprojektes abschöpfen und somit einen Vermögensverlust für die Altaktionäre verursachen.32 Handelt das Management annahmegemäß im Sinne der Altaktionäre, ist es dadurch möglich, dass auch für das Unternehmen vorteilhafte Projekte nicht durchgeführt werden, wenn diese mit einer Verschlechterung der Situation der Altaktionäre einhergehen.33 Dieses Unterinvestitionsproblem kann vermieden werden, indem das Unternehmen in der Lage ist, die Investitionen über andere Finanzierungsinstrumente zu finanzieren, als über zusätzliches Eigenkapital. In der Regel wird ein Unternehmen stets die Finanzierungsarten bevorzugen, welche keine Unterbewertung implizieren können. Nach Meinung von Myers/Majluf ist das Halten von liquiden Mitteln die beste Möglichkeit, um sicherzustellen, dass Investitionsprojekte mit positivem Nettobarwert durchgeführt werden.34

2.3 Bisheriger Forschungsstand

Seit Mitte der 1980er Jahre beschäftigt sich die empirische Kapitalstrukturforschung verstärkt mit der kontextbezogenen Überprüfung der in den Kapitalstrukturmodellen beschriebenen Zusammenhänge.35 Tabelle 1 stellt die wichtigsten Determinanten der Kapitalstrukturforschung zusammen mit einer Auswahl relevanter und vielbeachteter Veröffentlichungen dar, in denen die entsprechende Einflussgröße untersucht wurde.

Tabelle 1: Determinanten der Kapitalstrukturforschung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schulte (2005), S. 118.

Die vorliegende Arbeit untersucht die aus dem Pecking-Order-Modell abgeleiteten Einflussgrößen Unternehmensgröße, Profitabilität und Tangibilität der Vermögensgegenstände.36 Die Determinante Cashflow spiegelt das Innenfinanzierungspotenzial eines Unternehmens wider, welches bereits durch die Profitabilität ausgedrückt und daher im Folgenden nicht weiter behandelt wird. Ebenso wird der Forschungsstand zur Determinante Alter nicht dargelegt, da diese nicht direkt aus dem Pecking- Order Modell ableitbar und somit von geringer Relevanz für die Fragestellung dieser Arbeit ist. Während der intensiven empirischen Untersuchungen der Determinanten der Kapitalstruktur im Zeitraum von den 1980er Jahren bis in die 2000er Jahre haben sich international insbesondere die Unternehmensgröße, die Tangibilität der Vermögensgegenstände und die Profitabilität als diejenigen Einflussgrößen des Pecking- Order-Modells herauskristallisiert, welche eine hohe statistische Signifikanz aufweisen.

Rajan/Zingales konnten 1995 in einer breiten internationalen Untersuchung einen signifikant positiven Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße und der Verschuldung von Unternehmen in den USA, Kanada, Großbritannien, Japan und Frankreich nachweisen.37 Die Untersuchungen konnten in den folgenden Jahren unter anderem von Autore/Kovacs (2004), Frank/Goyal (2003), Baker/Wurgler (2002), Drobetz/Fix (2005), Gaud et al. (2005), Banerjee/Heshmati/Wihlborg (2004) und Kremp/Stöss/Gerdesmeier (1999) bestätigt werden. Für deutsche Unternehmen konnten Hermanns (2006), Dang (2013), Friedrich (2005) und Pape/Reich/Seehau- sen (2014) einen positiven Zusammenhang nachweisen, während die Untersuchung von Jaeger (2012) keine Signifikanz für die Einflussgröße Unternehmensgröße ergab.

Der Zusammenhang von der Profitabilität und der Verschuldung von Unternehmen wird in den Untersuchungen zum Pecking-Order-Modell häufig analysiert. In der stark überwiegenden Anzahl der Studien kann der negative Zusammenhang bestätigt werden. Neben den bereits bei der Unternehmensgröße erwähnten Veröffentlichungen konnten unter anderem Baskin (1989), Allen (1993), Fama/French (2002) und Benerjee/Hestmati/Wihlborg (2004) diesen Zusammenhang feststellen. In Untersuchungen deutscher Unternehmen konnten Hermanns (2006), Dang (2013) und Jaeger (2012) die Aussage des Pecking-Order-Modells ebenfalls bestätigen, während Friedrich (2005) einen signifikanten positiven Zusammenhang für deutsche Pharmaunternehmen nachweisen konnte.

Die Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen Verschuldung und Tangibilität der Vermögensgegenstände, gemessen am Anteil des Sachanlagevermögens an der Bilanzsumme (Sachanlageintensität), weisen international einen eindeutig positiven Zusammenhang aus. Für die USA zeigen dies die Studien von Autore/Kovacs (2004), Frank/Goyal (2003), Baker/Wurgler (2002) und Rajan/Zingales (1995). Für die Schweiz ergeben die Untersuchungen von Drobetz/Fix (2005) und Gaud et al. (2005) dieselbe Aussage. Auch für Frankreich und Großbritannien konnten ein positiver Zusammenhang von Kremp/Stöss/Gerdesmeier (1999) und Rajan/Zingales (1995), beziehungsweise Marsh (1985), Rajan/Zingales (1995) und Baner- jee/Heshmati/Wihlborg (2004) nachgewiesen werden. Für deutsche Unternehmen geht aus den Untersuchungen ebenfalls ein positiver Zusammenhang hervor. So können Friedrich (2005), Dang (2013), Hermanns (2006) einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen der Sachanlageintensität und der Verschuldung von deutschen Unternehmen feststellen. In den Untersuchungen von Hermanns (2006) und Jaeger (2005) kann jedoch kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden. In Tabelle 2 werden die Ergebnisse ausgewählter nationaler und internationaler Untersuchungen des Einflusses von Unternehmensgröße, Tangibilität der Vermögensgegenstände und Profitabilität auf die Verschuldung zusammenfassend dargestellt.

[...]


1 Vgl. Schuster (2018), S.7 ff; Vgl. Schachtner (2009), S. 19 ff.

2 Vgl. Modigliani / Miller (1958), S. 261 ff.

3 Vgl. Modigliani / Miller (1963), S. 433 ff; Kraus / Robert. H. Litzenberger (1973), S. 911 ff.

4 Vgl. Myers (1984), S. 575 ff; Myers / Majluf (1984), S. 188 ff.

5 Vgl. Myers (1984), S. 575 ff; Myers / Majluf (1984), S. 188 ff.

6 Vgl. Schneider (2010), S. 31.

7 Vgl. Pape / Reich / Seehausen (2014), S. 2.

8 Vgl. Schuster (2018), S. 7.

9 Vgl. Perridon / Steiner / Rathgeber (2017), S. 420 ff.

10 Vgl. Becker (2018), S. 176.

11 Vgl. Schuster (2018), S. 7 ff.

12 Vgl. Becker (2018), S. 215 ff.

13 Vgl. Modigliani / Miller (1958).

14 Vgl. Modigliani / Miller (1963); Robichek / Myers (1966).

15 Vgl. Myers / Majluf (1984).

16 Vgl. Modigliani / Miller (1958), S. 264; Schneider (2010), S. 9.

17 Vgl. Schneider (2010), S. 9.

18 Vgl. Modigliani / Miller (1958), S. 262 ff.

19 Vgl. Modigliani / Miller (1958), S. 271.

20 Vgl. ebenda, S. 272-274.

21 Vgl. Schneider (2010), S. 11.

22 Vgl. Kraus / Robert. H. Litzenberger (1973), S. 911.

23 Vgl. Modigliani / Miller (1963), S. 433-434.

24 Vgl. Franke / Hax (2009), S. 476 f.

25 Vgl. Bessler / Thies (2001), S. 314.

26 Vgl. Kraus / Robert. H. Litzenberger (1973), S. 911.

27 Vgl. Myers (1984), S. 581.

28 Vgl. Ampenberger (2010), S. 39 ff.

29 Vgl. Myers / Majluf (1984), S. 188 f.

30 Vgl. ebenda, S. 203.

31 Vgl. Asquith / Mullins (1986), S. 85 ff; Masulis / Korwar (1986), S. 102 ff; Kolodny / Suhler (1985), S. 131 ff; Hansen (1989), S. 296 ff; Eckbo / Masulis / Norli (1992), S. 320 ff; Hull / Kershner (1996), S. 62 ff.

32 Vgl. Harris u.a. (1991), S. 306.

33 Vgl. Hermanns (2006), S. 70.

34 Vgl. Myers / Majluf (1984), S. 220.

35 Vgl. Schneider (2010), S. 1.

36 Vgl. Kapitel 3.1

37 Vgl. Rajan / Zingales (1995).

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Die Kapitalstruktur deutscher S-DAX Unternehmen. Die Determinanten
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Empirisches Finance & Accounting
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
38
Katalognummer
V994415
ISBN (eBook)
9783346359735
ISBN (Buch)
9783346359742
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empirisches Finance & Accounting, Regressionsanalyse, Lineare Regression, Kapitalstrukturpolitik, Finanzierung
Arbeit zitieren
Lars Koch (Autor:in), 2020, Die Kapitalstruktur deutscher S-DAX Unternehmen. Die Determinanten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994415

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