Einleitung
Die Besonderheiten der türkischen Parteien sind, zum einen der sehr personenbezogene Aufbau und zum anderen, eine permanente Kontinuität, die trotz einer Vielzahl von Parteischließungen und Neugründungen anhält. Weiterhin wird auch gelegentlich behauptet, daß Parteiprogramme, Ideologien und politische Richtungen der Parteien meistens nur eine Nebenrolle spielen und daß sie keine langfristigen Ziele besäßen und verfolgten, sondern nach den aktuellen sozio- politischen Gegebenheiten des jeweiligen Tages handeln.
Es ist keine Seltenheit, daß Parteien mit der Person des Parteivorsitzenden identifiziert, und sogar als das Eigentum dessen betrachtet werden. Die Vorsitzenden der Parteien verstärken durch ihre Handlungen diese Annahme. Bestätigt wird dies in der Regel auch durch die autoritäre, nicht- demokratische und hierarchische Aufbauweise der meisten Parteien. Des weiteren ist für die Anhängerschaft einer Partei, viel mehr die Person des Vorsitzenden wichtiger als ihre Bezeichnung und der Inhalt ihres Programmes, so stehen häufig hinter den unterschiedlichsten Parteinamen immer wieder die gleichen Personen(1) . Die Tatsache, daß die Politik der Türkei jahrzehntelang von den gleichen Namen wie Demirel, Ecevit, Türkes und Erbakan dominiert wird, genügt schon als Nachweis für die oben aufgeführten Annahmen.
Eine weitere, für die Parteien der Türkei typische Erscheinung ist der Umstand, daß die meisten Parteien aus Abspaltungen von anderen Parteien aufgrund von persön¬li¬chen Differenzen zur Parteiführung entstanden sind.
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1 Kamran Inan, Devlet Idaresi, Istanbul, 1993, S. 85- 91
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Ziel und der Aufbau Der Untersuchung
3. Die erste Republik und die Bildung des Mehrparteiensystems
4. Die zweite Republik- Zwischen Demokratie und Anarchie !
5. Die dritte Republik- Neubeginn oder Rückfall?
6. Schlußbemerkung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die historische Entwicklung des Parteien- und Wahlsystems in der Republik Türkei von Mitte der 1940er bis Anfang der 1990er Jahre. Ziel ist es, den stark personenbezogenen Charakter türkischer Parteien, die Kontinuität des Führungspersonals und den Einfluss wechselnder Wahlsysteme auf die politische Stabilität und Regierungsbildung im Kontext der demokratischen Phasen des Landes zu analysieren.
- Charakteristika des türkischen Parteiensystems (Personenbezug, autoritäre Strukturen)
- Die vier demokratischen Phasen der türkischen Geschichte
- Einfluss der verschiedenen Wahlsysteme auf die parlamentarische Zusammensetzung
- Die Auswirkungen von Militärinterventionen auf das politische System
- Regierungskrisen und die Herausforderungen der Koalitionsbildungen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Besonderheiten der türkischen Parteien sind, zum einen der sehr personenbezogene Aufbau und zum anderen, eine permanente Kontinuität, die trotz einer Vielzahl von Parteischließungen und Neugründungen anhält. Weiterhin wird auch gelegentlich behauptet, daß Parteiprogramme, Ideologien und politische Richtungen der Parteien meistens nur eine Nebenrolle spielen und daß sie keine langfristigen Ziele besäßen und verfolgten, sondern nach den aktuellen sozio- politischen Gegebenheiten des jeweiligen Tages handeln. Es ist keine Seltenheit, daß Parteien mit der Person des Parteivorsitzenden identifiziert, und sogar als das Eigentum dessen betrachtet werden. Die Vorsitzenden der Parteien verstärken durch ihre Handlungen diese Annahme. Bestätigt wird dies in der Regel auch durch die autoritäre, nicht- demokratische und hierarchische Aufbauweise der meisten Parteien. Des weiteren ist für die Anhängerschaft einer Partei, viel mehr die Person des Vorsitzenden wichtiger als ihre Bezeichnung und der Inhalt ihres Programmes, so stehen häufig hinter den unterschiedlichsten Parteinamen immer wieder die gleichen Personen.
Die Tatsache, daß die Politik der Türkei jahrzehntelang von den gleichen Namen wie Demirel, Ecevit, Türkes und Erbakan dominiert wird, genügt schon als Nachweis für die oben aufgeführten Annahmen. Eine weitere, für die Parteien der Türkei typische Erscheinung ist der Umstand, daß die meisten Parteien aus Abspaltungen von anderen Parteien aufgrund von persönlichen Differenzen zur Parteiführung entstanden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die strukturellen Eigenheiten des türkischen Parteiensystems, insbesondere den starken Fokus auf Parteivorsitzende statt auf inhaltliche Programme.
2. Das Ziel und der Aufbau Der Untersuchung: Erläutert die methodische Herangehensweise und die Unterteilung der türkischen Geschichte in vier demokratische Phasen.
3. Die erste Republik und die Bildung des Mehrparteiensystems: Analysiert den Übergang von der Dominanz der CHP zur Gründung der DP und die Anfänge des Mehrparteiensystems.
4. Die zweite Republik- Zwischen Demokratie und Anarchie !: Untersucht die Auswirkungen einer liberalen Verfassung und eines Verhältniswahlsystems auf die politische Fragmentierung.
5. Die dritte Republik- Neubeginn oder Rückfall?: Beschreibt die Neuordnung des politischen Systems nach 1980 durch das Militär und die Einführung von Wahlhürden.
6. Schlußbemerkung: Reflektiert über die Kontinuität der politischen Eliten und den signifikanten Einfluss der Wahlgesetzgebung auf das Wahlergebnis.
7. Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Quellen und Fachliteratur zur Analyse der türkischen Politik auf.
Schlüsselwörter
Türkei, Parteiensystem, Wahlsystem, Demokratisierung, Militärintervention, Mehrparteiensystem, Regierungsbildung, Parlamentarismus, CHP, DP, politische Stabilität, Wahlgesetz, Parteivorsitzende, Wahlhürde, Demokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der politischen Parteien und Wahlsysteme in der Republik Türkei, wobei ein besonderer Fokus auf dem Einfluss des politischen Personals und institutioneller Rahmenbedingungen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Personenbezogenheit türkischer Parteien, die Auswirkungen von Militärinterventionen auf den demokratischen Prozess und der Zusammenhang zwischen Wahlsystemen und der Stabilität von Regierungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch historische Analyse zu belegen, dass die türkische Parteienlandschaft von autoritären Strukturen und Kontinuität der Führungspersonen geprägt ist, ungeachtet häufiger Parteiwechsel und Neugründungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-deskriptive Analyse, die mittels tabellarischer Daten zu Parlamentswahlen den Einfluss der Wahlgesetze auf die Sitzverteilung und die politische Landschaft quantitativ und qualitativ belegt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert die politische Geschichte der Türkei in vier demokratische Phasen und untersucht detailliert die Entwicklungen vom Ende der 1940er Jahre bis hin zum Aufstieg der Anavatan Partisi (ANAP) in den 1980er Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Parteiensystem, Wahlsystem, Demokratisierung, Regierungsbildung und den Einfluss von Führungspersönlichkeiten charakterisiert.
Wie wirkten sich die Militärinterventionen auf die Parteien aus?
Militärinterventionen führten regelmäßig zur Schließung bestehender Parteien, wobei die Führungskader oft unter neuen Parteinamen oder in Nachfolgeparteien politisch aktiv blieben, was zur hohen Kontinuität der handelnden Personen führte.
Warum war das Verhältniswahlsystem der 1960er Jahre problematisch?
Ohne Sperrklauseln führte das Verhältniswahlsystem zu einer starken Fragmentierung des Parlaments, was die Bildung stabiler Mehrheitsregierungen erschwerte und oft zu instabilen Koalitionen führte.
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- Cevat Kara (Autor), 1996, Die Entwicklung des Parteien- und Wahlsystems in der Republik Türkei, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/995