Diese Arbeit diskutiert, inwiefern sich das Verhalten der Menschen in Bezug auf Hamsterkäufe bei knappen Gütern mit den psychologischen Theorien der Reaktanz und kognitiven Dissonanz erklären lässt.
Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen sowie Schließungen von Bildungseinrichtungen und Geschäften, löste in vielen Ländern Panik aus. In Teilen Deutschlands waren zu Beginn der Pandemie Desinfektionsmittel, Toilettenpapier und haltbare Lebensmittel ausverkauft.
Dabei sind Hamsterkäufe kein Phänomen, das erstmals während der Corona-Pandemie auftauchte. Bereits in anderen Krisen, wie der Spanischen Grippe 1918/1919, sah sich die Wirtschaft mit dem Herdenverhalten des übermäßigen Konsums von Lebensmitteln und Haushaltswaren konfrontiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Psychologische Reaktanz und kognitive Dissonanz
2.1 Psychologische Reaktanz
2.2 Kognitive Dissonanz
2.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
3. Hamsterkäufe im Rahmen der Corona-Pandemie
3.1 Hamsterkäufe im Kontext der psychologischen Reaktanz
3.2 Hamsterkäufe im Kontext der kognitiven Dissonanz
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Phänomen der Hamsterkäufe während der Corona-Pandemie unter Anwendung der psychologischen Theorien der kognitiven Dissonanz und der psychologischen Reaktanz, um zu verstehen, warum Menschen trotz anderslautender Empfehlungen zu diesem irrationalen Konsumverhalten neigen.
- Grundlagen der psychologischen Reaktanz und kognitiven Dissonanz
- Vergleich der theoretischen Konzepte hinsichtlich ihrer Wirkungsweise
- Analyse von Hamsterkäufen als Reaktion auf die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit
- Bewältigung von Spannungszuständen bei Kaufentscheidungen durch Dissonanzreduktion
Auszug aus dem Buch
3.1 Hamsterkäufe im Kontext der psychologischen Reaktanz
Im Konsumkontext empfinden Individuen eine Freiheit als Entscheidungsfreiheit über die Auswahl eines Konsumguts. Durch die Verknappung des Konsumguts, wird diese Freiheit als gefährdet betrachtet und eine Reaktanz-Reaktion kann hervorgerufen werden. Diese Reaktanz hat zur Folge, dass knappe Güter als attraktiver bewertet werden (Hammock & Brehm, 1966). Im Rahmen der Corona-Pandemie könnte sich die Bevölkerung durch die anhaltenden Hamsterkäufe ihrer Mitmenschen und der damit verbundenen Knappheit des Gutes in ihrer Entscheidungsfreiheit beraubt fühlen. Berichte über leergekaufte Regale im Supermarkt und die Verbreitung solcher Bilder auf Social-Media-Kanälen könnten dabei das Gefühl der Knappheit der Güter bei den Menschen induziert haben. Infolgedessen werden die vermeintlich knappen Güter von dem Konsumenten als attraktiver eingestuft und ein Kauf wird wahrscheinlicher.
Ein Grundsatz der Reaktanz-Theorie ist zudem der negative Zusammenhang aus Einschränkung und Attraktivität einer Verhaltensweise. Dies bedeutet je stärker eine Freiheit eingeschränkt wird, desto attraktiver erscheint diese Verhaltensalternative (Pick & Kenning, 2012). Für den Konsumgütermarkt bedeutet dies, dass die Attraktivität eines Gutes gesteigert werden kann, indem es künstlich verknappt wird, wie es bei limitierten Auflagen der Fall ist. Im Falle der Corona-Pandemie wurden die Güter nicht künstlich verknappt, was den eintretenden Effekt jedoch nicht mindert. Die Freiheitseinschränkungen waren in dieser Situation relativ schwerwiegend. Konnte ein Konsument beispielsweise vor der Pandemie aus mehreren verschiedenen Herstellersorten wählen, so musste er während der Pandemie das Produkt des Herstellers nehmen, das noch verfügbar war. Alternativen waren oft schon ausverkauft. Bei fortschreitender Gefahr der Versorgungsengpässe beschränkten manche Supermärkte und Apotheken die Abgabemengen für besonders gefragte Produkte (Crescenti, 2020).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Hamsterkäufe während der Corona-Pandemie ein und stellt die Forschungsfrage, wie dieses Verhalten psychologisch erklärbar ist.
2. Psychologische Reaktanz und kognitive Dissonanz: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Reaktanztheorie sowie der Theorie der kognitiven Dissonanz und arbeitet deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
3. Hamsterkäufe im Rahmen der Corona-Pandemie: Dieser Hauptteil verknüpft die vorgestellten psychologischen Theorien mit dem spezifischen Konsumverhalten während der Pandemie, insbesondere im Hinblick auf Freiheitseinschränkungen und Dissonanzreduktion.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und weist auf die Komplexität des menschlichen Verhaltens in Krisensituationen hin, indem es auf weitere Einflussfaktoren wie die Verfügbarkeitsheuristik verweist.
Schlüsselwörter
Corona-Pandemie, Hamsterkäufe, Psychologische Reaktanz, Kognitive Dissonanz, Konsumverhalten, Entscheidungsfreiheit, Knappheit, Dissonanzreduktion, Free-Choice-Paradigma, Selective-Exposure-Paradigma, Gruppenkonformität, Krisensituation, Konsumgütermarkt, Verhaltensänderung, Sozialpsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Hamsterkäufe während der Corona-Pandemie, um dieses Verhalten mithilfe psychologischer Theorien zu erklären.
Welche psychologischen Konzepte bilden das Fundament?
Die Untersuchung basiert primär auf der Theorie der psychologischen Reaktanz und der Theorie der kognitiven Dissonanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie krisenbedingte Einschränkungen der Entscheidungsfreiheit und kognitive Spannungen bei Konsumenten zu dem irrationalen Muster des „Hamsterkaufs“ führen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um einen theoretisch orientierten Essay, der bestehende psychologische Literatur und Forschungsparadigmen auf das aktuelle Beispiel der Pandemie anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Konzepte sowie deren direkte Anwendung auf das reale Phänomen der Hamsterkäufe bei Gütern des täglichen Bedarfs.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen gehören kognitive Dissonanz, psychologische Reaktanz, Hamsterkäufe, Konsumentenverhalten und Corona-Pandemie.
Wie erklärt die Reaktanztheorie das Phänomen?
Hamsterkäufe werden hierbei als eine Art Wiederherstellung der persönlichen Entscheidungsfreiheit interpretiert, die durch die Verknappung von Waren bedroht wurde.
Welche Rolle spielt die Dissonanzreduktion in diesem Kontext?
Konsumenten nutzen Dissonanzreduktion, um ihr irrationals Verhalten (Hamsterkauf) mit ihrem Selbstbild (vernünftiger Mensch) in Einklang zu bringen, indem sie z.B. die Wichtigkeit der eigenen Vorsorge betonen.
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- Melissa Lutter (Author), 2020, Psychologische Reaktanz und kognitive Dissonanz. Einflussfaktoren für die Hamsterkäufe während der Covid-19-Pandemie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/996245